meiner geringen Arbeit resp, der rat. Bienenzucht widmen bestens danke, zeichnet Hochachtungsvoll Ew. Hochwohlgeboren ergebenster
L. Geilen, Conservator des Rheinisch-Westf.-Vereins für Bienen- und Seiden- zucht und Sektions-Direktor für Bienenzucht im landw. Verein für Rheinpreußen.
Lasset, den 4. October 1878.
Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich im Anschluß an mein Schreiben vom 21. v. Mts. ergebenste daß nach einer Mittheilung der Kaiserlichen Ober-Postdirection in Straßburg i. E. der flüchtige Postverwalter Linke aus Hüningen am 28. v. Mts. in Glogau verhaftet worden ist.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung,: zur Linde.
Hersfeld* am 8. October 1878.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 26. v. M. ad Nr. 9525 (Kreisblatt Nr. 78) mitgetheilt.
10244, Der Königliche Landrath Freiherr von B r o i ch.
Der Ackermann George Volten and von Bengendorf ist als Fleischbeschauer zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Tri- chinen eidlich verpflichtet worden.
Tagesbegebenheiten.
Berlin, 6. October. Die „Post" schreibt: „Als eine eben so traurige wie merkwürdige Thtajache wird uns mitgetheilt, daß sowohl der Kaiser, als wie auch der Fürst Bismarck während des Gasteiner Aufenthalts mid der späteren Reisen mit bösartigen Drohbriefen überschüttet worden sind. Neben der Unzahl von Majestätsbeleidigungen ist wohl diese Thatsache eine der traurigsten Beläge für die Verwilderung und Verkommenheit weiter Kreise der Bevölkerung. Andererseits gingen fast eben so zahlreiche Warnungen vor neuen Attentaten ein. Auch vor dem Aufenthalt in Köln wurde gewarnt."
Berlin, 7. October. Dem Vernehmen nach geht Se. Majestät der Kaiser von Baden-Baden noch zu einer mehrwöchigen Kur nach Wiesbaden und kehrt erst gegen Mitte November gleichzeitig mit der Kaiserin nach hier zurück. Definitives ist indeß noch nicht bekannt.
— Der Magistrat beantragt bei der Stadtverordneten-Versamm- lung die Gewährung von 50,000 Mark für die Feier der Rückkehr des Kaisers.
Posen. Die Rinderpest in Polen nimmt von Tag zu Tage traurigere Dimensionen an. Die Seuche ist nunmehr auch in Moczydlo, Gemeinde Wilanom, Kreis Warschau, ausgebrochen.— Gleichzeitig graniten in Russisch Polen auch ansteckende Menschen- Krankheiten. Nach den amtlichen Bekanntmachungen im „Warschauer Tageblatt" sind in der Gubernialstadt Radom die natürlichen Pocken ausgebrochen und 45 Personen daran erkrankt. JnWarschau grassirt diese Krankheit noch; während sie in dem Dorfe Drzewica im Kreise Opoczno (Gouvernement Radom) erloschen ist. Das Scharlachfieber grassirt in der Gouvernementsstadt Lomza, sowie in den Städten Pramysz, Ciechanow und der Gemeinde Bul- kowo, Gouvernement Plock.
Zwornik, 6. October. Nach hier eingegangen Meldungen wurden die österreichischen Truppen in Srebrenica von der Bevölkerung mit großer Freude empfangen. Es wurden daselbst 8 Geschütze vorgefunden. Die Einwohner von Srebrenica widersetzten sich thätlich dem Durchzuge der Insurgenten; es wurden mehrere Schüsse gewechselt. — Die in Serbien sich aufhaltenden türkischen Flüchtlinge haben um die Erlaubniß gebeten, nach Bosnien zurückkehren zu dürfen. Es sind deshalb Verhandlungen eingeleitet worden. — In Zwornik wurden 48 Geschütze vorgefunden. — Anläßlich des Name nstages des Kaisers brachten die Vorstände der christlichen und türkischen Gemeinden ihre Gratulationen und Huldigungen dar.
Wien, 7. Oct. Nach einer Meldung des FML. Jovanovic haben die Vertreter der griechisch-orientalischen Gemeinde von Tre- binje, sowie die Vertreter der Ortgemeinden Zubci, Krusevica und Suma Adressen überreicht, worin dieselben ihre Anhänglichkeit und Dankbarkeit gegen den Kaiser von Oesterreich versichern.
Wien, 7. October Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Constantinopel: Da der Sultan auf seiner Weigerung, die Ermächtigung zum Abschluffe der Convention mit Oesterreich zu ertheilen, verharrt, ist letztere als aufgegeben zu betrachten. Nichtsdestoweniger ist es Thatsache, daß die Pforte das größte Gewicht auf die Erhaltung guten Einvernehmens und ungetrübter Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn legt.
Kopenhag en, 4. October. Nach einem vom hiesigen „Morgen-Telegrafen" veröffentlichten Privattelegramm ist auf der (Dänemark gehörigen) Insel St. Croix ein Aufstand der Neger-Arbeiter ausgebrochen; die Hälfte der Stadt Frederiksted ist medergebrannt.
London, 5. October. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Konstantinopel gemeldet: Nach auf dem Kriegsministerium eingegangenen Nachrichten soll der türkische Bevollmächtigte, welcher von der Pforte den Befehl erhalten hatte, Podgorizza den Montenegrinern zu übergeben, mit feiner aus 136 Officieren und Soldateu
bestehenden Escorte von den Albanesen nieder gemacht worden sein.
New-Iork, 6. October. In Vicksburg hat das gelbe Fieber fast aufgehört, ist aber auf dem Lande noch in Zunehmen begriffen.
New-2)ork, 6. Okt. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Jamaika ist eine französische Fregatte vor St. Croix eingetroffen und bat Truppen daselbst gelandet. Die fliehenden Frauen und Kinder werden nach St. Thomas eingeschifft. Die aufständischen Neger fahren fort die Zuckerplantagen in Brand zu stecken. 40 Besitzungen sind bereits verbrannt, 14 sind noch unversehrt geblieben. Viele Insurgenten sind erschaffen worden.
Aus Heffen-Naffau.
Kassel, 6. October. Des Kaisers und Königs Majestät haben dem mit dem 1. October c. in den Ruhestand versetzten Kreisthierarzt Mosttoux zu Kirchhain den Kronenorden 4. Klasse zu verleihen geruht. — Der bisherige Pfarrverweser Chelius zu Ebsdorf, Klasse Kirchhain, ist zum Pfarrer daselbst bestellt worden. — Der bisher auf Widerruf bestellte Kataster-Controleur Klein zu Frankenberg ist nunmehr definitiv bestellt worden.
Kassel, 6. October. Der Assistent-Arzt 1. Classe der Landwehr, Dr. Loretz, vom Res.-Ladw.-Bat. Nr 80, ist zum Stabs-Arzt der Landwehr befördert worden. — Dem Feldwebel Engel an der Unterofficierschule zu Biebrich wurde die Rettungs-Medaille am Bande verliehen.
Kassel, 6. October. Gestern Morgen wurde in der Fulda, oberhalb der Drahtbrücke, die Leiche des hiesigen Restaurateurs G., eines schon bejahrten Mannes, ausgehoben. G. hat sich am 4. d. Mtö., Abends zwischen 5 und 6 Uhr, aus seiner Wohnung entfernt. Wie man vermuthet, liegt hier ein Selbstmord vor.
Kassel, 6. October. Gestern Nachmittag hatte ein etwa sechsjähriges Mädchen, das Kind eines hiesigen Fabrikarbeiters, die vor dem Bellevuetempelchen über dem Abhang nach der Aue zu befindliche Mauer erklettert, als es plötzlich, vom Schwindel erfaßt, den steilen Abhang hinunter stürzte. Unten wurde dasselbe von einem Herrn aufgefangen, wo sich denn heraus stellte, daß das Kind glücklicherweise keine schweren Verletzungen davongetragen, dagegen sehr bedeutende Hautabschürfungen, namentlich im ganzen Gesichte, erlitten hatte.
Weisungen, 4. October. Der Tuchmachergeselle S., welcher Schulden halber heute aus seiner verkauften Besitzung gerichtlich ausgesetzt wurde, steckte gegen £6 Uhr Mittags das Stroh in seiner Scheuer an, wodurch 8 bis 10 Hintergebäude und ein Wohnhaus zum Theil niederbrannten. S. mit Frau und Mädchen wurden sofort verhaftet. Nur der Windstille und der thätigen Arbeit unserer Feuerlöschmannschaften haben wir es zu verdanken, daß nicht das ganze Viereck niederbrannte.
Feuilleton.
Mater der Erde.
Grubenerzählung von Louis Rosenthal.
(Fortsetzung.)
Als die Dogge die drohende Haltung des ihnen Entgegentretenden gewahrte, stieß sie wieder ein Wuthgeheul aus und zerrte mächtig an dem Halsband, so daß der Graf alle Mühe hatte, sie festzuhalten. Auch diesmal setzte er dem Begehren Robert's ein verächtliches Schweigen entgegen und suchte mit der zitternden Helene sich an ihm vorüberzudrängen.
Glühendroth trat das Brandmal auf dem jetzt todtenbleichen Gesichte des Bastard's hervor. Mit einem Satz war er wieder bei dem Grafen, packle ihn derb bei der Schulter und zischte:
„Nimm das Wort zurück!"
Ein spöttisches Lachen war die Antwort.
Robert fühlte ein wildes Kreisen im Hirn, eine Art Betäubung überkam ihn und seinen Stock fallen lassend, versetzte er dem Grafen einen so furchtbaren Stoß, daß dieser über der kreischenden Helene hinweg zu Boden stürzte.
„Faß Türk — faß!!" schrie da der Graf, und ehe Robert noch einen Schritt machen konnte, hatte sich das Thier, winselnd vor Grimm, schon auf ihn geworfen und ihn niedergeriffen. Fest hatte es seine Zähne in den Nacken des Bergmanns geschlagen und mit aller Gewalt hielt es ihn an die Erde gedrückt.
„Brav Türk! Recht so, mein Hund! Gieb's ihm tüchtig!" jubelte der Graf und beobachtete mit wildem Vergnügen und ohne sich um seine nach Hülfe schreiende Begleiterin zu kümmern, die vergeblichen Anstrengungen, welche sein Feind machte, um sich den Zähnen und Klauen des riesigen Hundes zu entwinden. Er hatte, nachdem er wieder aufgesprungen war, den wuchtigen Stock aufgerafft und stand dicht vor den Kämpfenden, um sogleich zur Hand zu sein, falls Robert die Oberhand gewinnen würde.
Wirklich gelang es auch dem Letzteren ein Vorderbein der Dogge zu fassen und sie mit aller Kraft, der er fähig war, herumzureißen und zu Boden zu drücken. Ein wildes Ringen entstand jetzt. Bald war Robert, bald die Bestie oben. Hierher und dorthin wälzten sie sich und schauerlich tönte das Gebrüll des wuthschäumenden Häuers, das blutdürstige Geheul des Hundes, das frohlockende Lachen des Grafen, und das gellende Hülfegekreisch Heleuen's durch den Wald.
Trunken vor dämonischer Lust schaute Graf Kurt auf den wirren, rollenden Knäuel, den Mensch und Thier bildeten. Die scharfen Zähne und Klauen Türks richteten Robert fürchterlich zu, dieser dagegen hielt mit der Linken die Kehle seines Gegners fest zu- sammengepreßt während seine geballte Rechte den Kopf des Thieres