Einzelbild herunterladen
 

niglichen Regierung vom 23. August 1875, in Nr. 74 des 1875t Kreisblattes, die durch meine Beifügung vom 9. Juli 1877 Nr. 7094 in Nr. 55 mitgetheilte Aeußerung des früheren Oberbrand- meisters Herrn Dr. Steiger, meine Verfügungen vom 1 l. Januar 1878 Nr. 433 in Nr. 4 des Kreisblattes und die dem Kreisblatte Nr. 51 als Beilage beigefügte PrüfungshaupttabeUe.

9386 II. Der Königliche Laudrath Freiherr von Broich.

Hersseld, den 18. September 1878.

Die Ortspolizeiverivaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises werden hierdurch benachrichtigt, daß durch Beschluß der Rathskammer des Königlichen Stadtgerichts zu Frankfurt a. DL vom 30. v. M. die vorläufige Beschlagnahme der Brochüre: „Entlarvte Geschichisfälschung oder Leben, Thaten und Reichsverrath des Preußen- königs Friedrich II. genannt der „Spitzbube Fritz" von Carl Lempert. Prag, in Commission von A. G. Steinhausen 1878", wegen der in derselben enthaltenen Majestätsbeleidigungen auf Grund des §. 95 St. G. B. bestätigt worden ist.

9349. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Die Urliste über diejenigen Personen des Kreises Hersfeld, welche zu Geschworenen berufen werden können, wird in Gemäß- Heit des §. 279 der Strafprozeßordnung vom 25. Juni 1867 acht Tage lang, und zwar vom 1. October d.J. an, im Geschäftslocal des unterzeichneten Landraths zu Jedermanns Einsicht offen gelegt werden und können Einwendungen dagegen binnen dieser achttägigen Frist bei demselben schriftlich angebracht werden.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden rc. des Kreises haben dies alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich be­kannt machen zu lassen.

9467. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Die Herren Bürgermeister zu

Heenes, Kalkobes, Oberhaun, Obecgeis, Hilperhausen, Roß­bach, Bengendorf, Lampertsfeld.und Ransbach werden hierdurch wiederholt an sofortige Erledigung meiner Ver­fügung vom 23. August d. J. Nr. 8393 in Nr. 68 des Kreisblattes, den kleinern Fabrikoetrieb betreffend, bei Strafe erinnert.

Hersfeld, am 21. September 1878.

9470.___Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Verloren: Auf dem Wege von Reinsfeld nach Reckerode eine Wagenhemme mit abgebrochener Hemmschraube. Der etwaige Finder wird aufgefordert dieselbe an den Bürgermeister zu Reckerode abzuliefern.

Am 16. September wird in dem Orte Heringen bei Berka a. b. Werra eine Postagentur eröffnet werden, welche durch eine tägliche Botenpost mit dem Postamte in Berka a. d. Werra Verbindung erhält.

Erfurt den 3. September 1878,

Der Kaiserliche Ober-Postdirector, Geheime Postrath Kühne.

Aus Heffen-Nafsau.

Lasse l, 19. September. Die gestrige Anwesenheit Sr. Majestät in der Residenz st adt Kassel rief einen unbeschreiblichen Jubel hervor, der seinen Kulminationspunkt in dem Augenblicke fand, als der Kaiser un­bedeckten Hauptes, den Helm in der linken Hand haltend, sich seinen getreuen Unterthanen auf dem Balkon des Palais zeigte. Bei der mit der Kaiserin alsdann im offenen Wagen unternommenen Fahrt durch die geschmückten Straßen der Stadt dankte das geliebte Fürstenpaar für die ununterbrochenen enthusiastischen Kundgebungen des Publiknms durch fortwährendes huldvolles Grüßen. Ihre Majestät die Kaiserin besuchte gestern auf ihren Rundfahrten die Henfchel'sche Fabrik, ferner die Kleinkinderbewahranstalt, das lutherische Waisenhaus und die städtische Erziehungsanstalt. Auch den Gräbern der kurfürstlichen Familie wurde ein Besuch abgestattet.

Cafsel, 20. September. Gestern Nachmittag um 4 Uhr traf Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz mit dem Berliner Schnellzuge in Be­gleitung des Feldmarschalls Grafen von Moltke und des Kriegsministers von Kamecke hier ein, empfangen von dem Erbgroßherzog von Sachsen in Husaren-Uniform, sowie von den Spitzen der Militär- und Civilbehörden. Das zahlreich anwesende Publikum brach in nicht enden wollende Hochs aus. Se. Kaiserliche Hoheit fuhr um 4 Uhr 9 Minuten mit demselben Zuge nach Wilhelmshöhe weiter, während der greise Feldmarschall und der Kriegsminister von ihren Quartiergebern, den Herren Henschel bezw. Jäckel, im Wagen nach ihren Quartieren begleitet wurden.

Cafsel, 20. Sept. Am Sonntag Abend wird der in Aussicht gestellte große Zapfen st reich auf Wilhelmshöhe unter Kommando des Herrn Hauptmann v. Winning, Adjutant beim Generalkommando, zur Ausführung gelangen. Musikmeister Adam von den 115ern wird die vereinigten Musikkorps des 11. Armeekorps (800 Mann) dirigiren. Damit das Auge nicht leer aus- geht, wird das Oktogon von 6000 Pechtöpfen erleuchtet werden, eine Illumi­nation, die voraussichtlich einen großartigen Effekt erzielen wird.

Fulda, 18. Sept. Neuerdings find auch in unserer Gegend falsche Zwei-Markstücke angehalten worden. Dieselben sind durch ihr speckiges Aeußere erkennbar, zwar ziemlich gut gearbeitet, doch von dumpfem Klang.

Feuilleton.

Unter der Erde.

Grubenerzählung von Louis Rosenthal.

(Fortsetzung.)

In letzter Zeit jedoch, war eine eigenthümliche Veränderung

mit Robert vorgegangen. Er war milder und weicher geworden. Wie unbewußt ließ er oft während der Arbeit die Arme sinken und starrte in tiefes Sinnen verloren, lange vor sich hin. Dann plötz­lich fuhr er wieder empor und Bohrer und Fäustel aufraffend, arbeitete er dann mit solcher Hast weiter, daß unter den wuchtigen Schlägen des letzteren, die hellen Funken aus dem Bohrloch sprangen.

Balzer, dem das veränderte Wesen seines Gefährten nicht ent» gangen war, errieth halb und halb was in dessen Seele vorging. Er liebte Robert mit der ganzen wilden Zärtlichkeit, die er einst Anna entgegengebracht hatte, manchmal aber auch regte es sich in ihm wie Haß gegen den Sohn des Mannes, der ihn um sein Le­bensglück gebracht hatte und mit dämonischer Freude gewahrte er, wie die Züge desselben, die ihn so sehr an diesen Mann erinnerten, von Tag zu Tag blässer und düsterer wurden. Nur zu gut hatte er bemerkt, wie Robert seit einiger Zeit, Abends nach der Schicht sich immer sauber gemacht, den neuen, mit Sammetstreifen und sil- berglänzenden Knöpfen besetzten Grubenkittel angezogen und den Weg zum Schloßpark eingeschlagen hatte, und als er neugierig hierüber, ihm einmal nachgeschlichen war, hatte er ihn im eifrigen Gespräch mit der Tochter des Directors gefunden, welche auf der sogenannten „Aussichtsbank" saß, während er, die Mütze in der Hand, vor ihr stand und, — wie er aus einigen zu ihm her- überoringenden Worten entnahm, — ihr Einiges aus der Gegend zu erklären schien.

Das dumpfe Gerücht, welches Helene als die zukünftige Ge­mahlin des Grasen Kurt von Wolkenstein bezeichnete, war auch zu den Ohren Balzer's gedrungen und hatte die widerstreitendsten Ge­fühle in ihm wachgerufen. Wilder Grimm erfüllte ihn, wenn er daran dachte, daß sein Liebling, gleich ihm, von einem Wolkenstein um seine Hoffnungen gebracht und in sein unbedeutendes Nichts zurückgeschleudert werden sollte, aber zugleich auch beschlich ihn ein eigenthümliches Gefühl der Genugthuung bei dem Gedanken, daß es die Söhne seines, noch im Tode gehaßten Feindes waren, die das Schicksal hier in verderbendrohender Weise einander entgegen- führte. War Robert von dem hochmütigen Husarenlieutenant aus allen seinen Himmeln gerissen, dann gehörte er ihm ganz an, dann schlang das gleiche Leid die Bande, womit er ihn an sich gefesselt hatte, noch fester, dann — ja dann konnten noch gar merkwürdige Dinge geschehen.

So dachte der verbissene Häuer und wenn er auch bisher durch nichts verrathen hatte, daß er die Gefühle seines jungen Genossen kannte, so beschloß er doch in Anbetracht des Umstandes, daß der Graf Kurt vor einigen Tagen auf dem Schlosse eingetroffen war und daher für Robert bald so etwas wie eine Katastrophe erfolgen konnte, diesen zum Sprechen zu bewegen und ihn so zu bearbeiten, daß ihn dieselbe in möglichst gereiztem Zustande fand.

Die Gelegenheit dazu war bald gefunden. Am Abend desselben Tages, wo Balzer diesen Entschluß gefaßt hatte, fuhr er mit Robert zur Nachtschicht an. Sie hatten bereits vorigesmal ein zweimanni- sches Bohrloch in die First ihres tief unterschrämten Ortsstoßes getrieben, das bis auf wenige Zoll vollendet war. Bald waren sie in voller Thätigkeit. Balzer führte die am unteren Ende verstahlte, meißelförmige Bohrstange, welche er nach jedem Schlage Robert's, der das langstielige, wuchtige Fäustel handhabte, um etwa ein Vier­tel ihres Umfangs drehte. Von Zeit zu Zeit goß der alte Häuer ein wenig Wasser in das Loch, damit die L>chueide des Instruments sich abkühlen und den quarzigen Kupferkies besser angreifen konnte. Auch zog er häufig dasselbe ganz heraus, um mit dem Krätzer, einer dünnen Eisenstange mit breitem, tellerförmig umgebogenem Ende, den frisch entstandenen Bohrschlamm zu entfernen.

Eine gute halbe Stunde hatten sie so stramm gearbeitet, als Balzer sagte:

„Halt jetzt — das Loch ist tief genug. Du hast aber auch ge­hörig d'rauf losgeschlagen, — schau nur, — der Bohrer ist oben ganz auseinandergefasert. Wirst wohl auch einen guten Schluck darauf vertragen können.

Damit nahm er aus einer kleinen Vertiefung der Streckenwand eine Flasche Branntwein, setzte sie an den Mund und ließ mit sicht­lichem Behagen einen Theil ihres Inhalts in seine Kehle hinab­gleiten. Dann reichte er sie Robert, der sie aber zurückwies und sich stumm und finster auf ein größeres Trümmerstück niederließ.

„Was zum Teufel ist Dir denn in die Quere gekommen, daß Du diesen guten alten Nordhäuser verschmähst?" frug Balzer.

„Ich mag nicht trinken", murmelte sein Gefährte.

„Na, denn nicht", lachte der Andere, indem er die Flasche wie­der an ihren früheren Ort legte und sich dann daran machte, das Bohrloch zu reinigen und mittelst eines um den Krätzer gewickelten Lappen auszutrocknen, während Robert, ven Kopf in die Hand ge- stützt, ihm wie geistesabwesend zuschaute. (Forts, f.)

Lippe, A, Graf zur, Landwirthschafts^alender für das Jahr 1879. 13. Jahrgang (Neue Folge) in 2 Theilen. 1. Theil. Landwirthschast- liches Taschenbuch und Notizkalender. 2. Theil Buchführungs- und Wirthschasts- kalender. Dieser bekannte und bewährte Kalender erscheint für 1879 in sehr veränderter und erweiterter Form, doch wird jeder Theil auch für sich allein