zu bekümmern. Diese Annahme hat sich indeß als irrthümlich her» ausgestellt. Die Mannschaft des Dampfers that vielmehr alles; was möglich war, um Menschenleben zu retten. Thomas Harrison, der Kapitän der „Bywell Castle", sagt aus, daß er, nachdem er die Ueberzeugung gewonnen, daß der Zusammenstoß unvermeidlich sei, seine Maschinen sofort stoppen ließ und alle Anstrengungen gemacht habe, Menschenleben zu retten. „Wir setzten", erklärte der Kapitän, „das Steuerboot so rasch aus, als dies nur möglich war, und gleich daraus das Backbordboot. Beide Boote wurden beinahe unter das Wasser gedrückt durch Die Masse von Menschen, weläe in dieselben hinei> kletterten " Im Ganzen wurden durch die Boote der „Bywell Castle" vierzig Menschen gerettet.
Konstantinopel, 7. Sept. Ein Telegramm aus Jakowa (Albanien) meldet, daß Mehemed Alt, nachdem es ihm gelungen war, einer Bande von albanestschen Aufständischen, die ihn bei Jakowa umzingeln wollte. zu entgehen, nach Hangar geflohen war; hier wurde derselbe von den Insurgenten umringt und mit 20 Personen aus seinem Gefolge masiacrirt.
— 8. Sept. Nach ossicjellen Berichten wurde Mehemed Ali Pascha in seiner Wohnung in Jpeck mit seiner aus 1 Officier und 20 Soldaten bestehenden Escorte ermordet und das Haus sodann mit Petroleum in Brand gesteckt. — Ein weiteres Telegramm meldet, das auch der Mustessanf von Jpeck, Abdullah Pascha, nebst 10 höheren Beamten massacrirt wurde.
New-Orleans, 9. Sept. Gestern starken hier 81 Personen und 223 wurden als krank gemeldet. In Memphis wurden gestern 100 Personen beerdigt, die Zahl der Erkrankten ist auf 3000 gestiegen, unter den Gestorbenen befanden sich auch acht Aerzte. Die Zustände in Memphis sind über alle Beschreibung traurig, es hat sich jetzt ein Comite gebildet, um den bisher vom Fieber verschont Gebliebenen das Verlassen der Stadt möglich zu machen. Bon Plaquemines <Loui- siana) wird ebenfalls der Ausbruch des Fiebers gemeldet, inHickman hat dasselbe ein wenig nachgelassen. Der Verkehr auf den Eisenbahnen und Dampfbooten ist theil weise suspendirt, in den von der Epidemie heimgesuchten Bezirken hat der Betrieb der Geschäfte vollständig aufgehört, an 90,000 Personen sind arbeitslos und es dürfte eine Million Dollars erforderlich sein, um für die nächsten 50 Tage Lebensmittel für dieselben zu beschaffen.______________________________________________
Aus Hessen-Naffau.
Kassel, 10. September. Während der Manövertage wird der Feldmarschall Graf Moltk e in der Villa des Geh. Kommerzien- ralh Henschel Wohnung nehmen. Der Kriegsminister v. Kamecke schlägt mit seinem Adjutanten v. Beversörve bei Herrn Rittergutsbesitzer Jäckel sein Quartier auf, welch' letzterer sich Se. Excellenz besonders erbeten haben soll._____________________________(H. M.)
Berlin, 10. Sept. Der Attentäter Nobiling ist heuteNach- mittag gegen 2| Uhr in Folge einer Langenlähmuna gestorben genuteten.
Unter -er Erde.
Grubenerzählung von Louis Rosenthal.
(Fortsetzung.)
Da geschah es, daß eines Tages Graf Benno auf das schöne Töchterlein des Bergschmieos aufmerksam wurde. Der Graf war erst seit wenigen Jahren vermählt, doch mußte seine Ehe nicht besonders glücklich sein, denn während der paar Sommermonate, die er mit seiner Familie hier zubrachte, war er nur selten zu Hause zu treffen, streute mit dem Gewehr durch seine ausgedehnten, wild- reichen Forste oder folgte anderen Jagdeinladungen, die ihn zuweilen wochenlang abwesend sein ließen.
Der Grai, der Anna wohl flüchtig von früher her kannte, sie aber seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatte, war entzückt über die prächtige Erscheinung, die, während er verdrossen durch den Wald schlenderte, plötzlich wie eine Fee vor ihm austauchte. Natürlich säumte er nicht ihre nähere Bekanntschaft zu machen und keine vierzehn Tage waren vergangen, als er schon ein täglicher Besucher des kleinen, lauschigen Gärtchens hinter Dem Hause des Bergschmieds war, wo ihn Anna erwartete, um mit ihm zu plaudern und zu kosen. Es war Dem schönen, eleganten Waidmanne nichts schwer geworden, Die Neigung der unerfahrenen, wie ehrgeizigen Schönen zu gewinnen und diese glaubte ihm nur gern, wenn er von seiner glühenden Liebe zu ihr sprach und mit Hinweisung auf seine kränkliche Gemahlin Andeutungen fallen ließ, die ihr junges, stolzes Herz heftiger klopfen machten. Sie fühlte jetzt deutlich, daß das, was sie bisher für Balzer empfunden, keine Liebe sein konnte, denn es verschwand vollständig vor der leidenschaftlichen Zärtlichkeit, welche sie für den Grafen im Busen hegte.
Auch bei diesem war Die anfänglich so harmlose, idyllische Liebeständelei zur wildesten Leidenschaft geworden, und wenn er es auch gerade nicht wünschte, daß der Tod die Schranke, die ihn von dem Gegenstand seiner heißen Wünsche trennte, mederreißen möge, so hatte er doch Augenblicke, in denen er allen Ernstes daran dachte, sich von seiner Gemahlin scheiden zu lassen.
Und immer länger blieben der liebebedürftige Mann und das junge, zum erstenmal liebende Mädchen beisammen, während der Vater Schmied drüben auf der Grube vor dem Ambos stand und mit wuchtigen Hammerschlägen das glühende Eisen bearbeitete. Ach, weil heißer als dieses, waren die Gefühle der Beiden, Gefühle, die bald alle Dämme der Vernunft durchbrechen und als entfesselter Gluthstrom auf das Schrankenloseste dabinflutheten.
So geheim aber auch bisher Graf Benno den Zweck seiner an* geblichen Jagdausflüge zu halten gewußt hatte, zwei Augen täuschte er nicht und diese gehörten dem schwarzen Balzer an, der schon längst mit stillem Jngrimme bemerkt hatte, wie Anna mit jedem Tage kälter und kälter gegen ihn geworden war. Von dem dichten Wipfel einer nahen Buche aus beobachtete er eines Nachmittags die Wohnung des schönen Mädchens und als er den Grasen dort eintreten und erst nach einigen Stunden wieder zum Vorschein kommen sah,, da, — da wußte er genug.
Balzer war ein nicht gerade schlechter, aber schlimmer und tückischer Charakter. Der Trenbruch AnM's hatte ihn mitten in's Herz getroffen. Dennoch nahm er sich vor, sich nichts merken zu lasten, sondern Alles zu versuchen um das Mädchen zu bereden, das aussichtslose Verhältniß auszugeben und den Grafen fahren zu lassen.
Gleich am folgenden Morgen — es war Sonntag und der alte Andreas in der Kirche — ging er daher zu Anna, die er mit den Vorbereitungen zum Mittagessen beschäftigt, allein in der Küche traf.
„(guten Morgen, liebe Anna!" sagte er, indem er auf sie zutrat und den Arm leicht um ihre Taille legte, „ich will mir nur im Vorbeigehen die Pfeife anzünden. Du erlaubst's doch?"
„Hab' nichts dagegen," erwiderte das Mädchen kurz, „laß aber Deine Hände von mir — Du siehst, daß ich zu thun habe."
Damit machte sie sich mit einem energischen Ruck von dem Burschen los.
Hoho!" lachte dieser gezwungen, indem er mit den arbeitSrauhen Fingern nach einer glühenden Kohle griff und sie in der hohlen Hand schüttelnd in seine Pfeife warf, „bist ja verdammt spröde gegen mich geworden, mein Schatz — was hast Du denn, daß ich Dir auf einmal nicht mehr gut genug bin?"
„Ich habe nichts gegen Dich, — nur in Ruhe sollst Du mich lassen."
„So, — also wirklich nichts," sagte gedehnt Balzer und sog heftig an der kurzen Pfeife. „Na," fügte er dann nach einer Pause, während welcher er dichte Rauchwolken ausgestoßen hatte, hinzu, „das freut mich aufrichtig und es wird Dir demnach auch wohl recht fein, wenn ich heul' Nachmittag zu Deinem Vater gehe und Alles richtig zu machen suche. Wie?"
„Oho, — so weit ist's noch nicht mit uns! rief Anna und wannte sich rasch nach dem Burschen herum. „Ueberhaupt muß ich Dir sagen, daß Du Dir Derartige Ideen ein für alle Mal aus dem Kopfe schlagen kannst. Ich habe noch gar keine Lust zum Heirathen."
Balzer warf einen giftigen Blick aus den Winkeln seiner schwarzen, geschlitzten Augen heraus, auf das Mädchen und meinte höhnisch:
„So, — auf einmal also keine Lust mehr zum Heirathen. Merkwürdig, wie die Jungfer seit einiger Zeit ihre Ansichten geändert hat. Was mag nur dazwischen gekommen sein?"
„Nichts ist dazwischen gekommen!" rief Anna und machte sich eifrig mit dem Feuer zu schaffen, „kann ich was dafür, wenn Du Dir, Gott weiß was, eingebildet hast. Du bist mein Schatz nicht und wirst es wohl auch niemals werden."
„Aber der Herr Graf von Wolkenstein," sagte hämisch der Häuer und schaute dabei fest in die Augen des Mädchens, das ganz tten wirrt darüber, sich zu dem eben erst mit neuer Nahrung versehenen Herdfeuer bückte, als wollte es durch dessen flammenden Widerschein die verrätherische Nöthe seines Gesichts verbergen.
„Das ist's was dazwischen gekommen ist," fuhr der Andere fort, „ja, ja, mich täuschst Du nicht, aber Du wirst sehen, wie das enden wird. Ich bin kein Graf, sondern nur ein einfacher Bergmann, habe es jeooch treu und redlich mit Dir gemeint. Wenn Du mal in der Schande drin sitz'st, wirst Du wohl daran denken."
„Ich verbitte mir solche Reden!" fiel Anna, die sich wieder etwas gefaßt hatte, ihm schnippisch in's Wort, „Du hast kein Recht, so mit mir zu sprechen und nun ist's erst recht aus zwischen uns. Verstanden?"
„Anna," sagte Balzer und seine Stimme nahm einen weichen, bittenden Klang an, „laß Dir rathen, so lange es noch Zeit ist. Schau, die großen Herren meinen es ja doch nicht ehrlich — haben sie erreicht was sie beabsichtigten, dann sind sie gewöhnlich nicht mehr zu sprechen. Und der Graf ist noch dazu verheirathet. Was also soll Daraus werben? Willst Du Dich und Deinen alten, braven Vater unglücklich machen? Wahrlich, man sollte glauben, Du habest den Verstand verloren, daß Du das nicht von selbst einsiehst und erst Andere Dich darauf aufmerksam machen müssen."
Die schöne Schmiedstochter wußte nichts Besseres zu thun als in Thränen auszubrechen. Sie fühlte, daß etwas Wahres in den