dieses Jahr ausnahmsweise das Flachsrösten in der Werca durch Verfügung der Königlichen Regierung in Cassel. vom 9. d. M. A.11. 8331 mit Rücksicht darauf noch einmal gestattet worden ist, daß die Flachsernte eine sehr gute und die Werra dermalen besonders wasserreich ist.
Benierkt wird, daß die erforderlichen Erhebungen darüber, wo vom Flusfe gesonderte Rötgruben angelegt werden können, demnächst angeordnet werden sollen.
8034. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfelv, am 11. August 1878.
Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß die Seitens der Poli- zeidirection zu Celle stattgefundene vorläufige Beschlagnahme folgender Druckschriften:
Flugblatt Nr. 1. „Zu den Wahlen"
Flugblatt Nr. 2. „Wo hinaus"
Flugblatt Nr. 3. „Sind die nationalliberalen Abgeordneten auf den Namen Bismarck gewählt?" durch Beschluß der Rathskammer des Königlichen Obergerichts zu Celle vom 25. v. Mts. auf Grund der §§. 23 Nr. 1 und 24 des Reichspreßgesetzes vom 7. Mai 1874 gerichtlich bestätigt ist, weil die bezeichneten Druckschriften den Vorschriften des §. 6 Abs. 1 dieses Gesetzes nicht entsprechen.
8014. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 11. August 1878.
Die Ortspolizeiverwaltungen und Die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß das Königliche Kreisgericht in Gleiwitz in der Untersuchungssache wider den Schmelzer August Kuppermann in Petersdorf und Genossen am 17. v. Mts. dahin erkannt hat, daß der Verein der Glasmacher zu Gleiwitz, welcher durch Beschluß des erwähnten Gerichts vom 3. Juli 1878 vorläufig geschlossen wurde, definitiv zu schließen sei.
8016.Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 12. August 1878.
Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß durch Erkenntniß des Königlichen Stadtgerichts zu Berlin vom 9. v. Mts. die Unbrauch- barmachung der Nummern 21, 22, 23 des zu Zürich erscheinenden Witzblattes „Der Nebelspalter" vom 25. Mai, 1. Juni, 8. Juni 1878 ausgesprochen worden ist.
8015. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Es werden in diesem Jahre an den nachbezeichneten Orten und Tagen zu den angegebenen Stunden Prämienschauen über weibliches Pferdezuchtmaterial abgehalten werden: 1) am 22. August Morgens 11 Uhr in Marburg, 2) am 23. August Morgens 9 Uhr in Ziegenhain, 3) am 24. August Morgens 10| Uhr auf der Fohlenweide Biederstem, 4) am 26. August Morgens 9 Uhr in Messungen, 5) am 27. August Morgens 10 Uhr in Fritzlar, 6) am 28. August Morgens 11 Uhr auf der Knallhütte bei Cassel.
Es können ein- bis dreijährige Stutfüllen und vier- und fünfjährige Mutterstuten Prämien erlangen. Gelteren Zuchtstulen werden unter Umständen Freioeckscheine ertheilt.
Rationelle Aufzucht ist Bedingung.
Cassel und Dillenburg im August 1878.
Der Vorsitzende des landwirth- Der Gestüt-Director schastlichen Central-Vereins. gez. von der Marwitz.
I. V. gez. vom Hof.__
Tagesbegebeuheiten.
Teplitz, 10. Aug. Se. Majestät der Kaiser, der Großherzog von Baden und die großherzogliche Familie brachten heute Nachmittag eine Stunde im Schloßgarten zu und begabeu sich am Abend zu Wagen nach der Nosenburg, woselbst sie etwa | Sunden verweilten. In das daselbst ausgelegte Gedenkbuch trugen die Herrschaften ihre Namen ein. Von der Nosenburg begab sich der Kaiser zu Fuß nach Graupen hinab, wo Se. Majestät von dem daselbst Spalier bildenden Veteranenverein mit einem dreifachen Hoch begrüßt wurde. Se. Majestät dankte huldvoll und unterhielt sich mit mehreren Veteranen. Um 8 Uhr kehrte der Kaiser, welcher den ganzen Tag in sehr heiterer Stimmung zubrachte, nach dem Herrenhause zurück. — Der Geheime Ober-Medizinalrath Dr. von Langenbeck, ist heute zu einem mehrtägigen Aufenthalte hier eingetroffen.
Teplitz, 11. Aug. Se. Majestät der Kaiser trug bei dem gestrigen Besuche auf der Nosenburg in das dort aufgelegte Gedenkbuch seine Chiffre: „W. Nex" nebst Datum mit der rechten Hand ein. Se. Majestät suchte darauf in dem alten Gedenkbuche die Handschrift Seines Hochseligen Vaters aus. Das Befinden des Kaisers, der heute ein Handwasserbad und darauf ein Vollbad nahm, ist ein sehr gutes und die Befferung stetig zunehmend.
Wien, 11. August. Aus Zepce wird vom 8. Angustgemeldet: Gestern rückten zwei Brigaden der 6. Division auf einem sehr gebirgigen Terrain von Maglei gegen Zepce vor. Der Feind, der
ungefähr 6000 Mann stark war und 4 Geschütze hatte, wurde aus 2 Positionen nach hartnäckigem Widerstände zurückgeworfen. Das 27. Jägerbataillon zwang durch einen Flankenangriff ein reguläres Bataillon von Nizams mit 7 Officieren zur Streckung der Waffen und erbeutete 4 Munitionswagen. Der FZM. Philippovich hat sich mit seiner Suite wiederholt dem feindlichen Geschützfeuer ausgesetzt. Die Verluste der Oesterreicher beziffern sich auf ca. 58 Todte und Verwundete.
Wien, 11. August. Nach weiteren Nachrichten hiesiger Blätter hatte das Gefecht vor Zepce am 7. August eine Dauer von 8 Stunden. Dasselbe begann auf der ganzen Linie gegen 11 Uhr; um 2$ Uhr war der Feind aus seiner ersten Position am Nordrand vor Velja Planina geworfen und mit bedeutenden Verlusten in seine außerordentlich feste Stellung auf der Höhe des Passes zurückgedrängt. Um 3| Uhr war das Blockhaus erstürmt, wobei ein reguläres Bataillon von Redifs gefangen genommen wurde. Um 6 Uhr befand sich der Feind auf seiner ganzen Linie in raschem Rückzüge, und um 7 Uhr wurde Zepce besetzt, dessen mohamedanische Bewohner geflohen waren. Der Feind verlor eine bedeutende Anzahl Todter, über 700 Mann wurden gefangen genommen.
Wien, 12. August Die „Polit. Korresp." veröffentlicht folgende Meldungen: Aus Konstantinopel. Der russische Botschafter, Fürst Lobanoff, soll dem Vernehmen nach der Pforte eine Note überreicht haben, in welcher die gänzliche Zurückziehung der vor Konstantinopel befindlichen russischen Truppen erst nach der vollständigen Durchführung des Berliner Vertrages inklusive der die griechische Frage betreffenden Stipulationen in Aussicht gestellt werde. — Aus Bukarest. Der Tag der Uebergabe Bessarabiens an Rußland und der Uebernahme der Dobrudscha ist noch nicht definitiv festgesetzt. Die Dobrudscha soll eine vollständig gesonderte Verwaltung unter Ivan Ghika erhalten. — Aus Knin: Auch aus Livno wird die Erhebung muhamedanischer Fanatiker gemeldet; der dortige türkische Militärkommandant wurde getödtet. Die Truppen haben sich mit den Aufständischen vereinigt und sind in der Richtung von Skoplie abgezogen, nachdem zuvor mehrere Christen eingekerkert worden waren.
Aus Heffen-Naffau»
H) Hers seid, 11. August. Der aus dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnisse entsprungen gewesene Küfer Johannes Lieber t von Aua ist heute Morgen um 5 Uhr gefesselt wieder eingebracht worden. Derselbe ist gestern Nacht zwischen 11 und 12 Uhr von den Gendarmen Schneider und Lettow, den Förstern Dörr und Krämer und hinzugezogener Mannschaft von Obergels im Lingefeld, Gemarkung Obergels, in einem Weinzenacker, in welchen sich derselbe, von Aua kommend, geflüchtet hatte, sestgenommen worden.
— Der Kreis Hersfeld umfaßt ein Areal von 50569 Hectar, wovon 22397 Hectar, also 0,44 Procent Waldung, darunter 18597 Hectar ftscalisch, sind. Bei einer Bevölkerung von 32701 Seelen erträgt es auf den Kopf 0,68 Hectar Wald. Im Kreise befinden sich 8 Hectar Oedländereien und 2358 Hectar Aecker resp. Weide mit und unter 3 Sgr. Reinertrag pro Morgen. Im Landesculturinteresse dürften noch 84,947 Hectar, wovon 79,947 Hectar im Anschluß an Königliche Forsten liegen, aufzuforsten sein.
Cassel, 13. August. Wir können unsern Lesern die durchaus zuvcrläßige Nachricht mittheilen, daß S. M. der Kaiser nebst seiner hohen Gemahlin und Gefolge von ca. 80 Personen zum Herbstmanöver sicher eintreffen und am 20. Septbr. die Parade des 11. Armeecorps in der-Mähe von Wabern abhalten wird. Die Anordnungen zu den zu treffenden Dispositionen sind von maßgebender Seite nunmehr definitiv erlassen. In Folge deffen ist seit vorgestern eine bedeutende Regsamkeit in den Schlössern Wilhelmshöhe, Wilhelmsthal und namentlich Wabern zu bemerken. In den genannten Räumlichkeiten sind außer verschiedenen Handwerkern die kleinere Reparaturen ausführen, allein 46 Tapezierer und Polsterer beschäftigt, welche die Reparaturen an Tapeten und Möbeln in den zur Benutzung der allerhöchsten und höchsten Herrschaften bestimmten Gemächern vornehmen. (C. Tgpst.)
Cassel, 13. August. Am Abend des 20. Septbr. wird nach Ankunft des Kaisers zu den Manövern in hiesiger Stadt von den Militärkapellen der zum diesseitigen Armeekorps gehörigen 12 Jnfanterieregimenter ein großer Zapfenstreich ausgeführt werden. (H. M.)
Frankfurt a. M., 11. August. Während man im hiesigen Stadt- Theater eben noch damit beschäftigt ist, die letzten Schäden des neulichen Brandes zu beseitigen, um das Haus bis Mitte September dem Publikum wieder öffnen zu können, ist vergangene Nacht eine andere Hauptstätte des Vergnügens ein Opfer der Flammen geworden Es ist das Gesellschaftshaus des allbekannten Palmengartens, das mitsammt den Wirthschaftsmobiliar eingeäschert wurde. Der Hauptschaden aber hat dasieigentliche Palmenhaus getroffen, das unmittelbar daran stößt, und in welchem mehrere der seltensten und kostbarsten Patmenbäume durch Hitze und Qualm so gelitten haben, daß an ihr gedeihliches Fortkommen kaum mehr zu denken ist. Das Feuer soll im Küchenraume des Souterrains ausgebrochen sein. Leider wurde es zu spät bemerkt und die Feuerwehr war daher nicht eher zur Stelle, als bis bereits das Haus in vollen Flammen stand.
Feuilleton.
Ei» Vermächtniss.
Novelle von C. Schirm er.
(Fortsetzung.)
Die Eltern von Frau von Kronheim bewohnten das Parterre in dem Stadthause und lebten ganz in dem Glück ihrer Tochter. Beide segneten Den Tag, der ihnen Herrn Kronheim zugeführt hatte,