KreisWblatt
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für den
Sonnabend den 20. Juli
1878.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Prers deffelben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Gefunven:
1) im Orte Schenklengsfeld eine baumwollene Unterjacke. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Schenklengsfeld.
2) Auf der Straße von Sorga nach Hersfeld ein Portemonnaie, enthaltend einen Leipziger Leihhausschein, 2 Uhrschlüffel u. Stahlfedern. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Sorga.
3) eine Heugabel. — Meldung des Eigenthümers bei dem Orts - Vorstand zu Motzfeld.
4) ein Taschentuch. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.
5) ein Regenschirm. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Niederaula.
6) ein Halstuch. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Kirchheim.
Dassel, 16 Juli^878
Bei dem Postamte in Abterode wird am 20. Juli eine Tele- graphen-Anstalt in Wirksamkeit treten.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector Lahl.
Tagesbegebenheiten.
Berlin, 17. Juli. Das neulich erwähnte Gesuch verschiedener Träger des Namens „Nodiling" um die Erlaubniß, ihren Namen abändern zu dürfen, ist genehmigt worden, indem sie künftig den Namen „Edeling" führen dürfen.
— Die Taucherarbeiten an dem Wrack des „Großen Kurfürst" sind seit einigen Tagen wieder im Gange; es scheint sich aber mehr und mehr herauszustellen, daß bei der gegenwärtigen Lage des Schiffes ein Eindringen der Taucher in dasselbe unmöglich ist. Da auch an eine Hebung des Schiffes nicht zu denken ist, so taucht bereits die Frage auf, ob es nicht angemessen sei, das Wrack durch Torpedos zu sprengen, um in das Innere des Schiffes zu gelangen und so wenigstens die Geschütze und sonstige werthvolle Gegenstände der Ausrüstung zu bergen. Auch diese Arbeit wird freilich in einer Tiefe von 100 Fuß unter dem Meeresspiegel keine leichte sein.
— Der durch Nobiling verwundete Hotelier Holtfeuer ist soweit hergestellt, daß er Berlin verlassen konnte, um sich zur Kur nach Teplitz zu begeben.
— Nobiling wurde am Sonntag auf seinen Wunsch zum Gottesdienst in die Kapelle des Stadtvoigteigefängniffes geführt, vernehmungsfähig ist derselbe noch nicht.
Kissingen, 18. Juli. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist mit seiner Gemahlin und seiner Tochter gestern Abend um 9| Uhr hier eingetroffen und von dem zahlreich am Bahnhof anwesenden Publikum mit enthusiastischen Kundgebungen begrüßt worden. Der Fürst bestieg sofort die bereitstehende königliche Equipage und fuhr nach seinem Absteigequartier in der oberen Saline.
Dortmund, 17. Juli. Wie die Westfälische Zeitung meldet, hat auf der benachbarten Zeche Neu-Jserlohn gestern eine Explosion durch schlagende Wetter stattgefunden. Zur Zeit der Explosion waren m der Zeche 5 Arbeiter beschäftigt, von denen zwei gestern Abend todt zu Tage gefördert wurden. Die übrigen 3 Arbeiter sind noch nicht aufgefunden. Der Querschlag, in welchem der Unfall geschah, ist zertrümmert.
Wien, 17 Juli Die „Polit. Corresp." enthält folgende Mittheilungen: Aus Bukarest den 17.: Die Dislozirung und Versetzung der rumänischen Armee auf den Friedensfuß ist angeordnet worden; 15,000 Mann werden sofort entlassen werden. Die Regierung trifft Vorbereitungen für die administrative Organisation der Dobrudscha. Der Ministerpräsident Bratiano hat sich durch einen Sturz aus dem Wagen schwer verletzt. , , , .
Wien, 19. Juli. „Wiener Blätter" melden, daß sowohl in
Wien wie in Konstantinopel die Verhandlungen wegen der Okkupation Bosniens fortdauern. Bisher sei noch kein Termin für den Truppeneinmarsch festgesetzt, doch hätte man der Pforte erklärt, daß über den bestimmten Termin hinaus ein weiterer Aufschub der Okkupation unmöglich wäre.
Petersburg, 10. Juli. Am 5. Juli, Nachmittags 1 Uhr, fand auf einem die Wolga befahrenden Dampfer Johann beiKotow (18 km, von Nischnei Nowgorod) eine Keffelexplosion statt, weil der Capitän und der Maschinist um jeden Preis einen andern Dampfer zu überholen sich bemühten. Dabei sind mehr als 50 Menschen theils getödtet, theils verstümmelt worden.
Paris, 13. Juli. Ein schweres Eisenbahn-Unglück hat sich gestern Abend auf der bretonischen Linie der Westbahn ereignet. Ein Personenzug gerieth zwischen Vitrel und Chateaubourg aus dem Geleise und stürzte mit allen seinen Waggons vomFahrdanim hinab. Drei Reisende wurden getödtet ein Bau-Unternehmer aus Samt Brieuc, ein Geschäfts-Agent aus Laval und eine Dame, deren Identität noch nicht festgestellt werden konnte; neun Personen wurden mehr oder schwer verwundet, der Heizer und Schaffner wurden getödtet und der Zugführer verwundet. Die französischen Lokalblätter bringen Näheres über das Eisenbahnunglück. Es war der von Paris Morgens 11 Uhr abgegangene Zug, deffen Locomotive an jener Stelle in einer Curve in dem Augenblick aus den Schienen kam, wo der Zug mit größter Schnelligkeit daher brauste. Die Wagen wurden über die Locomotive hinausgeschnellt. Von 26 Reisenden, die unmittelbar gefährdet waren, wurden 6 getödtet, 11 schwer verwundet. Zwei Züge folgten dem entgleisten, wurden aber noch rechtzeitig gewarnt.
Vo lo, 16. Juli. Große Feuersbrünste wüthen in Thessalien. 30 Dörfer sind angesteckt, die ganze Ernte ist vernichtet. Eine große Anzahl von Häusern, im Dorfe Sophades allein 22, sind verbrannt; daselbst sind auch einige Kinder in den Flammen umgekommen. Die Anarchie wüthet im ganzen Lande, und es ist nicht zu bezweifeln, daß das Feuer mit Fleiß angelegt worden sei, denn es brach in verschiedenen Dörfern gleichzeitig aus. Es wird allgemein geglaubt, daß es von den Behörden angelegt worden ist, nachdem sie den Beschluß des Congresses über diese Länder erfahren haben. Sie beabsichtigen das Land zu verwüsten und zu voller Unterwürfigkeit zu zwingen.
— Aus Konstantinopel, den 17.: Die Pforte ist zu keiner weiterreichenden Grenzrektifikation Griechenland gegenüber geneigt, als etwa zur Abtretung des in schräger Linie von Volo bis Arta einschließlich Larißas und Prevesas sich erstreckenden Distriktes. Falls Griechenland hiermit nicht zufrieden sein sollte, wäre Osman Pascha designirt, das Kommando über die türkische Armee in Thessalien zu übernehmen und jeden Versuch Griechenlands, Thessalien zu occupiren zurückzuweisen.
Washington, 18. Juli. Nach hier eingegangenen Nachrich- ten herrscht in den Weststaaten eine ungewöhnliche Hitze. Es sind bereits viele Personen in Saint Louis, Chicago und anderen Städten am Sonnenstich gestorben.
Philadelphia, 15.3uli. Eine Bande den Regierungstruppen feindlicher Indianer, 150 Mann stark, erschien am 12. d. M. vor dem Lager der jenen freundlich gesinnten Umatillas und griff daffelbe an. Nach zweistündigem Kampfe langte Capitän Miles mit Verstärkung von regulären Truppen an und griff, obgleich vom Marsche ermüdet, unverzüglich in das Gefecht ein. Daffelbe wurde am nächsten Tage wieder ausgenommen; das Resultat ist noch unbekannt. Gouverneur Chadwick hat 300 Freiwillige zur Meldung aufgefordert. Die Einwohner von Pendleton sind hinter einem Pfahlzaun eingeschlossen und leiden in Folge deffen an Nahrungsmangel. Das Land ist von Indianern überfluthet. Die Nezperces in Canada sind jen-