darauf rechnen, daß die wiederholte Vorlage desselben oder eines auf gleicher Grundlage ruhenden Entwurfs kurze Zeit nach der ersten Ablehnung bei ganz derselben Zusammensetzung des Reichstages einen besseren Erfolg erzielen werde.
Unter diesen Umständen erscheint es rathsam, durch Auflösung des Reichstages Neuwahlen herbeizuführen.
Die Königlich preußische Regierung glaubt diese Maßregel um so mehr befürworten zu sollen, als sie gegen die Richtung, in welcher ihr von Rednern des Reichstages eine eventuelle Unterstützung bei künftigen Vorlagen in Aussicht gestellt wurde, prinzipielle Bedenken hegt. Sie ist nicht der Meinung, daß das Maß freier Bewegung, welches die bestehenden Gesetze gewähren, im Ganzen einer Einschränkung bedürfe, sie hält es nicht für gerecht und nicht für nützlich, mit den von ihr erstrebten Sicherheits-Maßregeln auch andere Be- strebungen zu treffen, als diejenigen, durch welche die bestehende Rechtsordnung gefährdet ist; sie glaubt, daß gerade die Bestrebungen der Socialdemokratie es sind, welche die Abwehr nöthig machen, und gegen welche daher diese Abwehr zu richten ist.
Der Unterzeichnete beehrt sich hiernach mit Bezug auf Artikel 24 der Verfassung den Antrag zu stellen:
Der Bundesrath wolle die Auflösung des Reichstags beschließen, von Bismarck.
Bekämpfung der Socialdemokratie»
Berlin, 7. Juni Die verabscheuungswürdige Frevelthat, welche aus's Neue das Leben unseres geliebten Kaisers bedroht hat, der Zusammenhang des Verbrechens mit jener Vereinigung religionS« und vaterlandsloser Gesellen zum Umsturz der in Europa geltenden Rechtsordnung, welche man mit dem Namen „bic Internationale" bezeichnet, die zahlreichen, von tiefer Entsittlichung weiter Kreise zeugenden Kundgebungen, zu welchen das Mißlingen auch dieses Attentales Anlaß gab, werfen ein grelles Licht auf den Abgrund, an dessen Rande Deutschland steht. — Der Kurzsichtigste muß die Gefahr erkennen, der hartnäckigste Optimist ihre Größe und Nähe zugestehen. Zeichen mancher Art deuten denn auch darauf hin, daß in den Reihen derjenigen nationalgesinnten Männer, welche noch jüngst der Regierung die zur Bekämpfung der Socialdemokratie verlangten Vollmachten verweigert haben, die Ein- unv Umkehr sich vollzieht. So ist zu erwarte», daß, wenn die Regierung demnächst wieder vor die Vertretung der Nation tritt, sie die Machtbefugnisse erhalten wird, welche sie beansprucht.
Solcher erweiterter Ermächtigungen bedarf die Regierung zweifelsohne nach zwei Richtungen. Zunächst müssen ihr die Mittel an die Hand gegeben werden, jene im Verborgenen wirkende Rotte feiger Meuchelmörder ans Tageslicht zu ziehen, sie der verdienten Strafe zu überantworten und damit die Sicherheit des Staates und seines Herrschers wieder herzustellen. Sodann muß der Weiterentwickelung des socialdemokratischen Giftes gesteuert, den Heilmitteln, welche die geistige und sittliche Entwickelung des gesund gebliebenen Kerns der Nation darbietet, Raum zur Wirkung geschaffen werden. Die socialdemokratische Presse muß daher unschädlich gemacht, die Vereine und Versammlungen müssen nach dieser Richtung hin unter strenge Con- trole gestellt werden, so daß sie nicht weiter zur Aufreizung, zum Haß gegen die Grundlagen des Staates und der Gesellschaft und zur Entsittlichung weder geistig noch sittlich reifer Jünglinge mißbraucht werden können. — So schwere Beschränkungen der polit. Rechte der Gesammtheit aufzuerlegen, während sie allein zur Abwehr gegen die Socialdemokratie erforderlich sind, würde, wie Fürst Bismarck in dem Schreiben an den Bundesrath v. 6. d. M. anführt, in welchem die Auflösung des Reichstages verlangt wird, weder gerecht noch nützlich sein. Man würde sich damit selbst der'wirksamsten Mittel berauben, die verführten Massen der sittlichen Ordnung wieder zu gewinnen.
Selbst die weitgehendsten Vollmachten der Executive, die schärfsten Repressivmaßreaeln reichen aber nicht zur Beseitigung der Krankheit aus; dazu bedarf es der Mitwirkung der Nation in allen ihren Gliedern. Vor Allem wird jeder für sich, wie das Volk in seiner Gesammtheit einen durchgreifenden Läulerungsprozeß zu vollziehen und zu jenem religiösen und sittlichen Ernst, zu jener strengen unbedingten Pflichterfüllung zurückzukehren haben, durch welche Preußen groß und zur Wiederherstellung Deutschlands befähigt worden ist.
Gehen wir mit der Kraft und Energie an das Werk, wie sie Frankreich nach dem Jahre 1870 gezeigt hat, so wird der Erfolg nicht fehlen.
Zunächst aber gilt es bei den bevorstehenden Wahlen zum Reichstage Zeugniß dafür abzulegen, daß die Nation die Socialdemokratie als ihren Feind betrachtet. Kein reichstreuer Wähler wird einem Namen seine Stimme geben können, der sich nicht bereit erklärt, mit dem Staatsmanne, dem in erster Linie die Herstellung des deutschen Reiches zu danken ist, zusammenzuwirken zur Abwehr gegen die auf den Umsturz gerichteten Pläne der Socialdemokraten.
Die Gefahr ist sehr groß, der Tag der Wahl ist von schtcksals- schwerer Bedeutung für die Geschicke der Nation ! Deutschland erwartet von jedem seiner Söhne, daß er an demselben seine Pflicht thue!
Köln, 7. Juni. Der hiesige deutsche Kriegerverein faßte folgenden Beschluß: In Erwägung, daß es hinreichend erwiesen ist, Haß es in der Absicht von Socialdemokraten liegt, unser vielgelied-
|te$, theures hohen MitglE Weise anzug^^W chnd NobilinW suche, der lejÄ auf Se. MajesrW beschließt der außerordentliche^^^^ bedauert schmerzlvW Mörver Höbet initial demzufolge die etwa socialdemokratischen PaMW wider unser Aller Erwartet^
hören, haben sofort dem Präsidekiren des Vereins ihren Austritt aus demselben anzuzeigen, widrigenfalls dieselben nach §. 5 unseres Statuts ohne Verzug ausgeschlossen werden; 3) jedes' Mitglied des Vereins erachtet es für Ehrenpflicht, das vaterlandslose Treiben von Socialdemokraten streng zu überwachen und strafbare Vergehen sofort dem diesseitigen Vorstände zur Weiterbeförderung an die com- petente Behörde, oder auch dieser selbst zur Anzeige zu bringen; 4) der Verein stellt bei dem Präsidium der Rheinischen Krieger-Kameradschaft auf dem Delegirtentage zu Bonn am 10. d. M. folgenden Antrag: „Die Delegirten der Rheinischen Krieger-Kameradschaft wollen das Verbands-Präsidium auffordern, die umfassendsten Maßregeln zu ergreifen und dahin zu wirken, daß Socialdemokraten, welche sich vielleicht als Mitglied in einem Vereine des Verbandes
befinden, durch Beschluß jenes Vereins aus demselben entfernt werden, event, soll das Präsidium ermächtigt sein, dem qu. Verein aus dem Verbände auszuschließen und das Resultat im Verbandsorgane zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. In gleicher Weise soll das Präsidium des Verbandes auf dem fünften deutschen Kriegertage der „Allgemeinen deutschen Krieger-Kameradschaft am 10., 11. und 12. August d. J. in Gießen" entsprechende Anträge zur Beschlußfassung dem qu. Kriegertage unterbreiten!" Nachdem der Deutsche Krieger-Verein diese Anträge beschlossen und der Präsident in ernsten, mahnenden Worten die Mitglieder des Vereins zum treuen Festhalten an Kaiser und Reich aufgefordert, brächte die Versammlung, mit dem Wunsche auf recht baldige Genesung, Sr. Majestät begeisterte Hochs und ging demnächst zur Tagesordnung über.
lH Hersfeld, 11. Juni. Gestern weilte der Ober-Präsident, Herr Freiherr von Ende in unserer Stadt. Mit dem Nachmittagszuge aus dem Bade Salzschlirf kommend, sprach derselbe in der Familie des Landraths Herrn Freiherrn von Broich vor, begab sich mit demselben in den VereinSgarten, hörte das daselbst Statt findende Concert mit an und fuhr Abends 7 Uhr 40 Minuten nach Cassel zurück.
* Hersfeld, II. Juni. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Pfingsttag erhängte sich der hier wegen Bettelns und verschiedener Drohungen inhaftirte Schuhmacher Heinrich Bernd von Wolfhagen in seiner Gefängnißzelle.
— Am 3. d. Mts. machte sich der städtische Arbeiter Gustav Freund, früher Fabrikarbeiter, welcher in dieser Beschäftigung ein Bein verloren hat, 29 Jahre alt und Vater von 2 Kindern, ein in der Erziehung vernachlässigtes und dem Branntweinsgenuß sehr ergebenes auf die Erfüllung seiner Pflichten als Familienvater wenig bedachtes Subject und Anhänger der social-demokratischen Partei, der Majestätsbeleidigung dadurch schuldig, daß er beim Frühstück bei welchem das Gespräch auf das auf Se. Majestät den Kaiser und König verübte zweite Attentat kam, ausrief: „dem geschieht ganz recht, jetzt haben sie ihn ordentlich vernagelt; bravo! bravo!" rc. Freund sitzt in Haft und ist zu erwarten, daß rasche Justiz geübt wird:
§ Hersfeld. Leider ist wieder ein trauriger Beweis dafür ge« liefert worden, daß man Kindern keine Schießwaffe geben und der Schuster bei seinen Leisten bleiben und nicht auf die Jagd gehen soll. Am 8. d. Mts. ging der Knabe Valentin Nebe, Sohn des Schreiners Wilhelm 9lebe und Bruder des Gemeindejagdpächters Wilhelm Nebe von Notterterode, wie gesagt wird, unerlaubter Weise, auf die Jagd, stellte sein geladenes Gewehr in einen Busch und ging zu dreien sich in der Nähe befindenden andern Knaben. Nachdem Webe sich nach einiger Zeit von diesen Knaben wieder entfernt hatte, hörten die letzteren einen Gewehrschuß und dabei einen entsetzlichen Angstschrei. Als dieselben zur Stelle eilten, fanden sie Nebe ächzend und röchelnd, das Blut aus Muno und Nase strömend, am Boden liegen und das abgeschossene Gewehr 1 bis 2 Schritte von ihm, die Mündung nach oben gerichtet, in einem Busche stehen. Wahrscheinlich ist solches bei dem versuchten Herausnehmen aus dem letzteren loSgegangen. Die Knaben eilten sofort nach Hause und als mehrere Personen zur Unglücksstätte kamen, halte rc. Rebe seinen Geist bereits aufgegeben.
geuiUetojL
Ein Vermliehtniss.
Novelle von C. Schirm er.
( Fortsetzung.)
„Ich war damals noch zu sehr Kind, Anna, doch ja, jetzt sehe