Ganz besonders war es Fräulein Zeidler, für die die jungen Mädchen schwärmten. Sie war ein schönes Mädchen, eine Blondine mit großen sanftenAngen. Obgleich sie fast dreißig Jahre alt war, hatte sie doch noch ein so frisches jugendliches Aussehen und ein Wesen, das mit den jungen Mädchen wie Ihresgleichen zu verkehren verstand, so daß sie viel jünger erschien, als sie war. Fräulein Falk hatte sie oft eine Coquette genannt und eiferte stets dagegen, wenn Fräulein Zeidler an der Reihe war, die Pensionärinnen spazieren zu führen. Sie hatte hierüber auch öfter ihre Ansicht gegen Fräulein Jung ausgesprochen, doch diese lächelte dazu und sagte nur: „Mein liebes Fräulein Falk, ich sehe kein Unrecht darin, daß Fräulein Zeidler mit den jungen Mädchen in fröhlicher Weise verkehrt. Sie ist ja außerdem eine tüchtige Lehrerin und ich halte sie für viel zu verständig, als daß ich ihr Coquetterie zutrauen könnte."
Fräulein Falk zuckte die Achseln und warf einen Blick gen Himmel, der deutlich aussprach: „Nun, wir werden ja sehen."
Die vierte Lehrerin, Miß Bell, war eine Engländerin vom reinsten Wasier. Groß und mager, mit einem langen schmalen Gesicht, röthlich langen Locken, das blaffe Gesicht voller Sommersprossen, ganz hellblauen Augen, die fast immer ermüdet aussahen. Sie war wirklich häßlich zu nennen, doch trotzdem sie auch in ihrem Wesen nichts Angenehmes hatte, war sie doch in der ganzen Anstalt, bei den Lehrerinnen und Schülerinnen beliebt. Letztere freilich ließen oft ihren Uebermuth an ihr aus und machten sie zur Zielscheibe verschiedener Neckereien und jugendlicher Tollheiten. Doch Miß Bell war von einer so rührenden Gutmüthigkeit, daß sie niemals zürnen konnte und noch nie war es vorgekommen, daß sie mit ihren Klagen bis vor das höchste Tribunal gegangen wäre. Zwischen ihr und Fräulein Zeidler bestand die herzlichste Freundschaft und soviel auch Mademoiselle Abbot intriguirte und so oft Fräulein Falk sarkastische Bemerkungen machte, es gelang ihnen nicht, das Freundschaftsband zu zerstören.
Fräulein Zeidler und Miß Bell schliefen mit dem jüngern Theil der Pensionärinnen in dem rechten Flügel des zweiten Stocks der Anstalt, während der linke Flügel mit den schon erwachsenen Mädchen unter Aufsicht der beiden anderen Damen stand. Fräulein Falk behauptete immer, daß ein halbes Jahr Arbeit dazu gehöre, alle Unarten und schlechten Angewohnheiten auszutreiben, welche die jungen Mädchen mitbrachten, wenn sie aus dem rechten in den linken Flügel übersiedeln mußten. Und bei den Pensionärinen fand jedesmal ein Abschied unter Thränen statt, wenn sie auf höchsten Befehl unter Fräulein Falk's Aufsicht gestellt wurden.
Ein großes Ereigniß in dem Institut war natürlich die Ankunft einer neuen Pensionärin. Die ganzen Fenster waren mit neugierigen Köpfen bedeckt, wenn ein Wagen vorfuhr und die Fragen: „Wie heißt sie? Wo ist sie her? Wie alt mag sie sein?" schwirrten hin und her.
Es war gerade um die Zeit des Spaziergangs. Das kalte, unfreundliche Oktoberwetter hatte es die letzten Tage unmöglich gemacht, in's Freie zu geben, heute jedoch schien es, als ob die Sonne noch einen letzten, recht freundlichen Abschiedsblick auf die Natur werfen wollte und alle Bewohner der Anstalt fühlten sich nach den Unterrichtsstunden leicht und freudig gestimmt in dem Gedanken, in's Freie eilen zu können.
Bei den Pensionärinnen machte sich eine ganz eigenthümliche Bewegung bemerkbar, sie lächelten und nickten sich zu, tuschelten einander in's Ohr und sprangen schnell fort, Tücher und Hüte zu holen. Den Grund dieses Vergnügtseins kannten Alle. Eine hatte es der Andern zugeflüstert und von Mund zu Mund ging es: „Wir
gehen heut' mit „Rosa" und „Bellchen".
Fräulein Zeidler und Miß Bell waren von den Pensionärinnen mit diesen Beinamen getauft, sie wußten es recht gut, legten aber kein Gewicht darauf, wie sie überhaupt gegen jugendlichen Uebermuth die größte Nachsicht übten und selbst gern mit der Jugend fröhlich waren.
Fräulein Jung hatte bei Tische gesagt, daß sie eine neue Pensionärin erwarte und wünschte, daß Fräulein Falk als erste Lehrerin, bei der Ankunft zugegen sei. Mademoiselle Abbot hatte über Kopfschmerzen geklagt und gebeten, zu Hause bleiben zu dürfen. Der wahre Grund war jedoch, daß sie die Zeit nicht erwarten konnte, die neue Pensionärin zu sehen. Sie hatte sich schon alle erdenkliche Mühe gegeben, um zu erforschen, woher das junge Mädchen sei, doch es schwebte ein unergründliches Geheimniß über der Angelegenheit und es gelang ihr nicht etwas zu erfahren. Das war etwas für die Französin! (Fortsetzung folgt.)
Der Hausgarten auf dem Lande. Eine populäre Anleitung für Lehrer rc. zur Anlage, Bepflanzung und Pflege desselben. Preisschrift, vom Verein zur Beförderung des Gartenbaus in den Königl. Preußischen Staaten mit einem Ehrendiplom gekrönt. Von Franz Göschke, Obergärtner und Lehrer des Gartenbaues am königl. po- mologischen Institut zu Proskau. (Veigt's landw. Volksbücher Nr. 152) Leipzig. Verlag von Hugo Voigt, Buchhandlung für Landwirthschaft, Gartenbau und Forstwesen. Preis 50 Pfennig.
Auf den Dörfern sowohl, als in den kleinen Städten, wird eS selten ein Haus geben, an das sich nicht ein Garten anschließt, mag derselbe größer oder kleiner sein. Dieser Garten soll nicht nur zum angenehmen Aufenthalt der Familie nach wohl vollbrachtem Tagewerk, sondern auch zur Unterstützung des Haushalts dienen. Zu jenem Behuf, um das Auge zu erfreuen, soll er mit Ziergewächsen verschiedener Arten, zu letzterem Zweck mit Gemüsen, Obstbäumen und Obststräuchern angebaut werden. Aber in welcher Verfassung befinden sich die Hausgärten auf dem Lande in vielen Fällen! Sie dienen weder dem Vergnügen noch dem Nutzen, sondern sind mehr verwilderte Plätze, die Heimstätten von Disteln und Nesseln und andern unnützen Pflanzen. Da ein gut gepflegter Hausgarten nicht wenig zur Einbürgerung und Befestigung der Sittlichkeit der Familie bei» trägt, die freie Arbeit, auch der Kinder, gut verwerthet, Küche, Keller und Vorrathskammern mit unentbehrlichen Lebensmitteln billig versorgt und nebenbei Blumenreiz und Blumenduft bietet, so sollte überall da, wo noch das Verständniß für Gartenbau und Gartengenuß mangelt, von berufener Seite darauf hingewiesen werden, daß dieser Mangel beseitigt wird. Berufen sind dazu vor allem die Lehrer, welche, fast durchgängig im Besitz eines Gartens, ein musterhaftes Beispiel in der Bebauung und Benutzung desselben geben sollten. Nächstdem sind es kurzgefaßte, wohlfeile Schriften, welche denselben wesentlichen Vorschub zu leisten vermögen. Unter den derartigen Schriften nimmt die vorliegende die erste Stelle ein. Von einem tüchtigen Sachverständigen verfaßt, gibt sie zwar in aller Kürze, aber doch genügend und dabei sehr faßlich, eine Anleitung zur Anlage, Bepflanzung und Pflege des Hausgartens auf dem Lande. Was die Bepflanzung anlangt, so sind sämmtliche Richtungen des Gartenbaus vertreten: Zierbäume und Blumen, Gemüsearten und Obstbäume. Es ist zu wünschen, daß das Schriftchen in die Hände aller Lehrer auf dem Lande und durch deren Vermittelung in die Hände der kleinen Gartenbesitzer gelangt, um der Ortsverschönerung, der Sittenveredelung der Landleute und der Hebung des Wohlstandes derselben Vorschub zu leisten ' Dr. W. Löbe.
Freitag den 3 Mai e von Morgens 10 Uhr an, soll aus der Oberförsterei Hersfeld nachstehendes Holz versteigert werden:
Wioterseite, Dornheckerülk und Hauchi- 6etg = Eichen: 3,8 Rmtr. Nutzscheit, 11 Rmtr. Scheit und Anbruch, 4,3 Rmtr. Stockholz; Buchen: 3 Rmtr. Nutzscheit, 42 Rmtr. Schert, 280 Rmtr. Zopfreis, 43 Rmtr. Stockholz, 4,5 Rmtr. Anbruch. Rosengarten und Hohelied« = Kiefern: 12,5 Rmtr. Scheit, 153 Rmtr. Prügel. Hergertseite — 70 Rmtr. Birken Stammreis.
Der Verkauf findet bei günstiger Witterung im Forstorte Win terseite, bei ungünstiger dagegen imApel'schen Wirths- Hause zu Biedebach Statt. Der Forst- aufseher Braun zu Biedebach ist beauftragt, das Holz auf Verlangen vor dem Termine vorzuzeigen.
Herrfeld, am 20. April 1878.
Der Oberförster Lentz.
Anzeigen.
Oeffentlicher Holz-Verkauf in der Oberförstern Lüdersdorf.
Mittwoch dex 8- Mai d. J.
soll das in den Schlägen MaanSgraben und Buchengrabe des BelaufS III. Gerterode, disponibele Nutzholz, als:
I. Eichen 20 Nutzholz-Abschnitte von 5—10 Meter Länge und 20—81 Ctmtr. Dicke = 18,33 Festmeter, 2 Rmtr. Nutzholz in groben Spalten a 2 Meter Länge.
II Buchen 13 Nutzholz-Abschnitte von 0,75—9 Meter Länge und 52—89 Elmtr. Dicke — 19,77 Festmeter, wovon 2 Abschnitte zu Hackeklötzen
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übernimmt
brauchbar und 20 Rmtr. Nutzholz in groben Spalten » 2 Meter Länge öffentlich meistbietend verkauft werden; die Zusammenkunft findet Vormittags 9 Uhr im Schlage Mannsgraben bei der s- g- hohen Buche, bei schlechter Witterung dagegen um 11 Uhr in der Wirthschaft. am Weidenberge dahier statt. Der Be- laufsbeamte Förster Heumann zu Tann, wird den Käufern die Hölzer auf Verlangen vorher vorzeigen.
Rotenburg, am 20. April 1878.
Der Oberförster Rembe.
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Ludwig Funk.
J Moll,
Bauunternehmer.