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danken durchkreuzten sein Hirn? Er schloß das Fenster wieder und trat zurück. Er verlöschte die Lampe, die ihren fahlen Schern noch auf den Tisch fallen ließ, an dem er gearbeitet. Dann warf er sich angekleidet auf das Sopha um für den letzten Schritt Stärkung in einem kurzen Schlummer zu suchen.

Als Helene am nächsten Morgen mit ihrer Toilette beschäftigt war, legte das Mädchen ein Billet auf die Spiegelkonsole, das so­eben der Briefträger abgegeben hatte. Helene betrachtete neugierig die Aufschrift, sie war ihr fremd, eine feste, männliche Hand. Sie erbrach den Umschlag und blickte nach der Unterschrift: Arthur Grie- den. Er schrieb:

„Geliebte! Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht. Gestern noch Ihnen mein Herz voll Liebesseligkeit, voll kühner Wünsche und Hoffnungen auf höchstes Erdenglück zu Füßen legend, bin ich heute ein Sterbender. Ich falle einem wahnsinnigen Gebrauch zum Opfer, dem ich mich nicht entziehe» kann, ohne dem Fluch der Verachtung zu verfallen, die den Feigling trifft. Forschen Sie nicht weiter. Wenn Ihr Auge auf diesen Zeilen ruht, ist es vorüber. Mein letz­ter Hauch wird sein: Helene."

Helene war wie betäubt. Plötzlich raffte sie sich auf, sie mußte an die beiden Zettel denken. Sie schellte dem Mädchen. „Rasch, rufe mir eine Droschke!" Hastig kleidete sie sich vollends an, sie mußte handeln, vielleicht war es noch Zeit. Sie steckte die beiden Zettel zu sich und eilte die Treppe hinab; auf der Straße hielt schon der Wagen. „Nach dem Polizeipräsidium!" rief sie dem Kutscher zu.

„Lassen Sie die Dame eintreten!" wies der Polizeipräsident den Diener an, nachdem er die Karte in Augenschein genommen, die ihm dieser mit der Meldung überreicht, eine Dame in schwarzer Kleidung wünsche den Herrn Präsidenten dringend zu sprechen.

Helene trat ein, bleich, fassungslos. »Es ist ein gräßliches Verbrechen geschehen; retten Sie, um Gotteswillen, helfen Sie!" rief sie.

„Fassen Sie sich, meine Gnädigste, nehmen Sie vor allen Din­gen Platz und nun sprechen Sie."

Helene berichtete mit fliegender Hast, was wir schon wissen, und übergab dem Präsidenten die beiden Stücken Papier mit dem Namen Grieben Dieser hörte ihr aufmerksam zu, in seinen ernsten, wohlwollenden Zügen drückte sich die höchste Spannung aus. Noch während Helene sprach, schellte er und befahl dem eintretenden Die­ner, den Criminalcommissar K. zu rufen. „Zunächst wird es sich darum handeln, die selbstmörderische That zu verhüten," endete der Präsident die Unterredung, in welcher er dem^ schnell herbeigeeilten Commiflar in kurzen, treffenden Worten den Sachverhalt auseinan- dersetzt, „bieten Sie Alles dafür auf, lieber K., die größte Eile brauche ich Ihnen nicht erst zu empfehlen, — ein Menschenleben kann an einem Augenblick hängen. In zweiter Linie tritt dann die Frage an uns heran, ob hier ein Verbrechen vorliegt; an ihre Be­antwortung wollen wir später schreiten. Wo ist die Wohnung des Herrn Grieben, gnädige Frau?" Helene nannte sie.

Der Präsident ließ sich noch ihre Wohnung sowie die Niendorfs nennen und versprach Helenen, ihr unverzüglich von dem AuSfall des Rettungsversuchs Nachricht geben zu lassen.

Der Criminalbeamte begab sich zunächst schleunigst nach Grie- bens Wohnung, den Droschkenkutscher wies er an, auf ihn zu war­ten. Das Zimmer war verschlossen; dieVermietherin berichtete ihm, der Herr Referendar sei, nachdem er ihr mehrere Briefe zur Beför­derung auf die Post übertragen, ausgegangen; er wolle ein Bad nehmen, habe er ihr gesagt, indem er sich ein reines Handtuch habe von ihr geben lasten. Der Herr Referendar pflege öfters zu baden, setzte sie auf die Frage des Beamten hinzu, und sei immer in kurzer Zeit wieder zurück. Das gewährte schon einen Anhalt, die Bade­anstalt mußte also in der Nähe sein. Der Criminalkommissar ließ sich noch eine Personalbeschreibung Griebens geben und eilte wieder hinaus. „Ziethenstraße, Müller'sche Badeanstalt," nannte er dem Kutscher als Ziel der Fahrt, lasten Sie den Gaul laufen was er kann, und wenn er stürzt!" .

Kutscher und Pferd thaten ihr Möglichstes, in kürzester Zeit war das Ziel erreicht. Der Polizeibeamte trat in das kleine Com- toir „Badet ein junger Mann hier, hoch gewachsen, blond, mit Schnurrbärtchen, braunem Hut, hechtgrauem, leichtem Ueberrock?"

frug er den Aufseher. Dieser bejahte er, der junge He^^^^ längere Zeit im Bade. „So kommen Sie schnell und M den Schlüstel zur Zelle mit." Sie eilten den langen GcW den Badezellen hin, vor einer Thür machten sie Halt. ■ still drin," bemerkte der Aufseher, indem er gemächliche Schlüsselbunde herumsuchte. „Rasch, schnell, schließen drängte der Polizeibeamte. Der Schlüssel kreischte im SchlossW Thür that sich auf, — ein entsetzlicher Anblick bot sich den EinrrW tenden. In der Badewanne lag der Körper eines jähren Mannes, den Kopf mit geschlossenen Augen in einem unheimlich Reichen Ge­sicht zurückgelehnt, ein Arm hing schlaff über den Rand der Wanne heraus, einzelne Blutstropfen sickerten aus einer über dem Handge­lenk sichtbaren Wunde und tropften langsam in die große Blutlache, die sich am Fußboden angesammelt und inmitten deren ein augen­scheinlich der herabhängenden Hand entfallenes, geöffnetes Feder­messer lag. Der andere Arm lag neben dem Körper im blutge­tränkten Wasser, auch dieser trug eine kleine Schnittwunde oberhalb des Handgelenks, — der Unglückliche hatte sich die Pulsadern geöffnet.

„Zu spät, wie es scheint," murmelte der Commissar, doch warf er schnell, während er den Aufseher anwies die Wanden zu verbin­den, um die fernere Blutung zu verhindern, einige Zeilen auf eine Karle, mit der er zurück nach der Straße eilte, wo er sie dem Droschkenkutscher übergab: „Zum Dr. Heider, Münzstraße 53, größte Eile!" Von der Straßenecke rief er zwei der dort postirten Dienst- männer heran, mit denen er nach der Zelle zurückkehrte. Er ließ den leblosen Körper nach dem Comtoir tragen, dort auf das Sopha niederlegen und warm bedecken. In dem Hute des Todten fand man eine Visitenkarte eingeklebt: A. Grieben, Referendar.

Durch die in der nächstgelegenen Destillation nach dem gethanen schweren Werke sich erquickenden Dienstmänner verbreitete sich bald die Nachricht von dem vorgefallenen Selbstmorde und gelangte auch zu den Obren des neuigkeitsbedürftigen Reporters des Abendblattes. Dr. Heider, der inzwischen sich eingefunden, zuckte die Achseln, Ret­tung sei wohl bei sorgsamster Pflege noch möglich, aber unwahr­scheinlich, und ordnete den Transport des Unglücklichen nach der Charitee an. (Forts, folgt.)

Ein befolgengewerther Rath.

Unter den Krankheiten, welche am häufigsten in der Statistik der Sterbe­fälle wiederkehren, verdient die Lungenschwindsucht als diejenige bezeichnet zu werden, welche die Trauer am häufigsten in die Familien einkehren läßt und auf deren Rechnung die größte Anzahl aller Sterbefälle zu setzen ist. Bis jetzt hat die Wissenschaft noch kein sicheres Heilmittel entdeckt, sondern sich vielmehr darauf beschränkt, die-Leiden der Schwindsüchtigen zu erleichtern und.-^ durch sorgfältige Behandlung ihre Existenz um einige Jahre zu verlängern. Jedermann weiß, daß man den Brustleidenden den Winteraufenthalt in einem milden Clima und so viel als möglich in der Nähe von Tannenwaldungen empfiehlt, deren Ausdünstung eine so günstige Wirkung auf die Lunge ausübt. Unglücklicherweise können viele Kranke ihren Aufenthalt nicht verändern und sie sind es, an die sich dieser Artikel in erster Linie richtet.

Zuerst in Brüssel angestellte und seither an fast allen Orten wiederholte Versuche haben nachgewiesen, daß der Theer, ein harzhaltiges Produkt der Tanne, auf Brust- und Lungenkranke den günstigsten Einfluß ausübt.

Hierdurch allein schon verdient dies Produkt in hohem Grade die Beach­tung aller Kranken. Indeß ist noch weiter hervorzuheben, daß gerade bei Be­ginn der Krankheit dies Heilmittel in Anwendung gebracht werden sollte. Die A geringste Erkältung kann eine Erkrankung der Lunge nach sich ziehen und es sollte ' daher zur größeren Sicherheit nicht versäumt werden, sich der Theerkur von dem Momente an zu unterwerfen, wo man zu Husten anfängt. Es ist diese Vorsichtsmaßregel um so empfehlenswerther, als viele Brustleidende über ihren Krankheitszustand völlig im Unklaren sind und sich noch von einer starken Er­kältung oder einem leichten Lungenkatarrh befallen glauben, wenn bereits die Auszehrung eingetreten ist.

Die praktischste Art der Anwendung des Theers ist diejenige in Form von Kapseln. Herr Guyot, Apotheker in Paris, stellt kleine konische Kapseln in Pillengröße dar, welche unter einer leichten Hülle von Gallerte eine Dosis des besten und reinsten norwegischen Theers enthalten und von denen zwei oder drei bei jeder Mahlzeit genommen, in Erkältungssällen, bei Lungenkrank- heiten, Asthma und Schwindsuchtsleiden eine fast augenblickliche Erleichterung herbeiführen. Da jeder Flacon 60 Kapseln enthält, so kommt die ganze Eur nicht theurer als 10 bis 20 Pfennige täglich zu stehen und macht dieselbe die An­wendung jeder Medizin in Form von Tisanen, Pastillen oder Syrupen überflüssig.

Herr Guyot übernimmt eine Garantie nur für diejenigen Flacons welche auf der Etiquette seine Unterschrift in dreifarbigem Drucke tragen.

Depot in Hersfeld bei a»r. H. Müller Apotheker.

Anzeigen.

Mittwoch den 9. Januar 1878

von Morgens 10 Uhr an,

soll auf dem hiesigen Ratbhause nachstehen­des Holz aus der Hersfelder Stadt- walduug meistbietend versteigert werden Forftort Seitchen.

14 Kiefern-Abschnitte, 5—10 Meter lang und 14—32 Ctmtr. stark,

64 Rmtr. tiefern Grubenholz,

112 Rmtr. tiefern Scheite,

47 Rmtr. tiefern Prügel,

40,5 Rmtr. tiefern Stockholz, 1565 Wellen tiefern Reis.

Forstort Giegenberg.

4 Nadelholz - Abschnitte, 7 — 10 Meter lang und 19 -37 Ctmtr. stark,

3 Rmtr Hainbuchen Nützknüppel,

1,5 Rmtr. Hainbuchen Stammprügel,

415 Well "l Hainbuchen Reis, 425 Well^u Anderes Laubholz-Reis,

2 Rmtr- Kiefern Scheit,

25 Rmtr tiefern Prügel, 50 Wellen tiefern Reis.

Hersfeld, am 31. Dezember 1877. A

Der BürgermMU

KempsE