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Hersseld, den 5. November 1877.

V. Ausschußsitzung deS landwirthschaftlichen Kreisvereins für den Kreis Hersfeld im Hötel zum Stern.

Anwesend: 18 Mitglieder.

Die Tagesordnung der heutigen Sitzung war:

ad 1) Erledigung eingegangener Litteralien und Beschlußfassung über die Tagesordnung für die am 19. November stattfindende Ge­neralversammlung.

ad 2) Discusfion über Kalk, Kalkösen und Mergel. Referen­ten Herren Oldenburg, Braun, Zimmermann.

ad 3) Ueber Ssuerfutter. Referenten: Herr Hoßbach, Oldenburg, ad 4) Ueber Viehverflcherung. Referent: Herr P. Heil.

ad 5) Vorzeigung einer billigen Schrotmühle durch Herrn 8. Lotz.

Nach Eröffnung der Sitzung verliest der Ausschußvorsteher ein vom Vorstand des Centralvereins eingegangenes Schreiben, in welchem Erkundigungen eingezogen werden über die Erfolge der Polizeiverordnung wegen der Kleeseide, sowie über diejenigen Saa- menhandlungen, welche hierselbst sich durch Führung von guten Sä­mereien ausgezeichnet haben und welche nicht, und in welchem schließlich feie Saamencontrolanstalt zu Marburg den Landwirthen empfohlen wird. Nach längerer Debatte beschließt der Ausschuß einstimmig folgendes zu erwidern: 1) Nennenswerthe Erfolge seien von erwähnter Verordnung bislang schon wegen der Kürze der Zeit hier nicht zu verzeichnen, doch sei dieselbe im Allgemeinen als eine segensreiche zu begrüßen. 2) Von sämmtlichen hiesigen Handlungen verdiene allein Herr Lotz wegen seines bereitwilligen Entgegenkom­mens durch rechtzeitiges Anschaffen einer Hohenheimer Kleeseiderei- nigungsmaschine und wegen seiner vielen Bemühungen möglichst gutes Saamenmaterial zu beschaffen, lobende Anerkennung. Von der (Benutzung) Empfehlung der Saamencontrollanstalt nahm die Ver­sammlung Kenntniß, doch sprach eine große Anzahl der Anwesenden sich dahin aus, daß für die meisten Landwirthe die Benutzung der Anstalt wegen der hohen Preise für ihre Untersuchungen kaum thunlich ser.

ad 1 der Tagesordnung. Der anwesende Herr Bürgermeister Mohr von Conrode wird auf seinen Antrag als außerordentliches Mitglied des Vereins ausgenommen. Sämmtlichen Anwesenden wird ein gedrucktes Exemplar der Vereinsstatuten behändigt. Die Tagesordnung Der am 19. slattfinoenden Generalversammlung wird, wie folgt festgestellt:

1) Abstimmung über Mitgliederaufnahme nach §. 2 der Sta­tuten; Vollziehung der Statuten durch sämmtliche nach der constitui- renden Generalversammlung hinzugetretener Mitglieder; Einzahlung der fälligen Beiträge.

2) Vortrag des Herrn Regierungsfeldmesiers Mallin zu Caffel über merkwürdige Culturen und Meliorationen.

3) Vortrag des Herrn Kreisthierarztes Fürer über das Vieh- seuchengesetz.

4) Discusfion über Erfahrungen beim Anbau der Lupinen als Zwischenfrucht, eingeleitet durch Herrn Bippart.

5) Discusfion über die verschiedenen Methoden des Waizenein- beizens und ihren Einfluß auf den Stand der jungen Saat, einge- leitet durch Herrn Rehren.

Sodann wird Herr Oldenburg als stellvertretender Vereins- director beauftragt, jedem Mitglied eine spec. Einladung zu der Ge­neralversammlung zugehen zu lassen und dabei den Beschluß der Generalversammlung vom 11. Juni in Erinnerung zu bringen, wo­nach das Ausbleiben von einer Generalversammlung eine Geldbuße von 1 Mark zu Gunsten der Vereinskasse nach sich zieht. Sodann vertheilt Herr Oldenburg eine Anzahl Empfehlungen von Futter­fleischmehl, die Herr Frank in Rotenburg eingesandt hatte. (SchUsi)

^bsbegebenhetteil.

Köln, 18. Nov. Die Commission zur Untersuchung der Le- bensmittelt entwickelt eine große Rührigkeit. Ein Antrag es möge nur naphthafreies Brennpetroleum ins deutsche Reich eingelassen werden, wurde vor derAbsendung an das Reichsgesundheitsamt der Handelskammer vorgelegt, welche ihn befürwortete. Ein zweiter Antrag bezweckt die Ueberwachung der Fabrikation des künstlichen Mineralwaffers und ein Dritter stellt den Essigverkauf unter Controle.

Kattovitz, 15. Novbr. Bezüglich eines Grubenunglücks ver­lautet, wie man der „Schl. Ztg." schreibt, gerüchtweise, oaß in Po- remba bei Zabrze ein Schacht der Louisengrube eingestürzt und 90 Bergleute verunglückt seien.

Petersburg, 18. Novbr. Offizielles Telegramm ausWeran- kaleh vom 18. d.: Kars ist heute erstürmt. Der Kampf begann gestern Abend 9 Uhr und war heute Morgen um 9 Uhr beendet. Unsere Trophäen sowie die Verluste sind noch unbekannt.

London, 19. Novbr. Die „Daily News" veröffentlicht^fol­gende Einzelheiten über Die Erstürmung von Kars: In tiefster Stille nahmen die russischen Truppen ihre Positionen ein; Lasarew, der

Commandant der 40. Division, bildete den rechten Flügel und griff das Fort Hasiz Pascha an; Graf Grabbe mit einem Regiment der Moskauer Grenadiere und einem Regiment Der 39. Division ging im Centrum gegen Die Khanly Tabia und Ssuwari Tabia, sowie gegen die Thürme und die Citadelle vor, während die Ardahansche Brigade und die Moskauer Grenadiere unter Roop und Komarow das Fort Jnglis angriffen. Um 8| Uhr Sonnabend Abend begann Der Kampf im Centrum; Grabbe führte die Stürmenden und fiel von einer Kugel getroffen todt nieder, als er die Khanli Tabia an- griff. Hoaeme, eine große Redoute, ergab sich früh Morgens, dann folgten die drei Thürme. Die Citadelle und das Fort Ssuwari wurden gleichzeitig mit der Khanli Tabia genommen, die andern * Forts hielten bis 8 Uhr früh aus. Ungefähr 40 Bataillone flohen gegen Erzerum, wurden jedoch von Den Dragonern und Orenburg'- r scheu Kosaken überholt. Die Türken legten die Waffen nieder und wurden als Gefangene zurückgeführt. Die Stadt, die ganze Festung mit 300 Kanonen, Vorräthen, Munition rc. fielen fast unbeschädigt in russische Hände. Die Türken verloren 5000 Todte und Verwun­dete und 10,000 Gefangene. Die russischen Verluste betragen 2700 Mann. Die Russen machten nur geringe Beute und schonten Wehr­lose, Weiber und Kinder. Loris - Melikow leitete die Schlacht und zog in Kars um 11 Uhr Vormittags ein.

Zara, 19. November. Vorgestern haben 400 Türken die österreichische Grenze bei Tlavaniskahrda verletzt. Dieselben zündeten ein Haus an, plünderten mehrere Häuser und trieben 46 Ochsen und ein Pferd weg.

Wien, 19. Novbr. Der „Pol. Corresp." wird aus Belgrad gemeldet, daß gestern die Mobillsirung des Schumadja Korps ange­ordnet worden sei. Ebenso sei die Einberufung der Reservisten für die Artillerie erfolgt und seien nach Cupria 800 Freiwillige abge­sandt. Weitere Mittheilungen der „Polit. Corresp." aus Belgrad vom heutigen Tage lassen den formellen Bruch zwischen der Pforte und Serbien wegen der sich mehrenden Rekriminationen aus Kon­stantinopel näher gerückt erscheinen. — Die Nachricht, daß sich das serbische Timok-Korps mit einer russischen Truppenabtheilung ver­einigt habe, wird von Der „Polit. Corresp." als unbegründet bezeich­net. — Aus Cattaro meldet man der genannten Correspondenz, daß die Montenegriner das Fort Voliorica von Antivari genommen und die Bastion Derbent geschleift haben. In Antivari ist der größte E Theil Der türkischen Häuser durch das Bombardement eingeäschert.

Aus Konstantinopesi berichtet man der „Pol. Korresp." fol­gendes, vom Scheik-ul-Jslam verfaßtes Gebet, welches in allen Mo­scheen vorgetragen werden muß. Das Gebet lautet:

„Allbarmherziger Gott! Habe Mitleid mit uns und beschütze uns, Die wir Dein treues Volk sind. Allmächtiger Gott! Habe kein Erbarmen mit Den Ungläubigen. Gütiger Gott! Schöpfer alles Gu­ten ! Kräftige Die Arme der Ottomanen. Durch Deinen allmächtigen Arm vereitle und zerstöre den Stolz und die Treulosigkeit der Gott­losen. Möge Der Segen Gottes und des Propheten' über allen seine gläubigen Schülern ruhen. O Gott! Stärke Deinen Diener, unseren Sultan, das Oberhaupt Deines LieblmgSvolkes. Schütze unS und unser Land und fege alle Ungläubigen, welche uns und Deine heilige und allein wahre Religion bekämpfen, von der Oberfläche der Erde f weg! Verwische, o allmächtiger Gott, alle Spuren der gottlosen Russen und der gleichfalls gottlosen Bulgaren und Hellenen, welche in der Finsterniß der Gottlosigkeit tastend einhergehen, wie die Schweine im Moraste, und welche gewagt haben, gegen Dein treues Volk und Deinen Propheten Mahomed die Hand zu erheben. Löse ihren Bund auf, zerstreue ihre Truppen, zerbreche ihre Waffen, lichte ihre Reiheu, vernichte ihre Kräfte und stürze sie in die Tiefen der Hölle. Verbreite über ihre Häupter die Gesammtheit Deines Zorne- und Deiner Entrüstung und züchtige sie, wie Du bis jetzt alle unsere Feinde gezüchtigt hast. Verwirre ihre Sprachen, laß ihr Blut in Strömen fließen und mögen ihre Köpfe zu den Füßen Deiner Gläu- < bigen rollen. Beuge ihre Souveraine, zerstöre ihre Festungen, er» schöpfe und vernichte ihre Kräfte. Mache ihre Kinder zu Waisen, ihre Weiber zu Wittwen, stürze ihre Mütter in Trauer, störe und verwirre ihren Verstand. O Gott! Lasse auf der Erde keine Spur der gottlosen Moskows, Hellenen und Franken, welche ihre Ver­bündeten sind und für sie Sympathien haben. Ueberschütte sie mit zahllosen Plagen, daß sie Opfer Deines schrecklichen Zornes werden, daß sie vernichtet werden durch Brand, Metzeleien, Schiffbruch und Galgen, Pest, Hungersnoth und Erdbeben, daß ihre Städte entvöl­kert und sie heimgesucht und gezüchtigt werden von allen Deinen Würgengeln, daß alle diese Gottlosen, welche uns zu schaden suchen, von Krankheiten an ihren Augen, an ihren Sinnen, an allen ihren Gliedern sammt ihren Weibern und Kindern zu leiden haben, und daß sie das Leben verlieren. Mögen Die Schläge Deines Zornes und Deiner Entrüstung wie Hagelkörner auf sie herabfallen. Mögen sie und ihre Reichthümer die Beute Derjenigen werden, welche an Dich und Deinen Propheten Mahomed glauben, und mit welchen die Gnade und der Segen Allah's sein möge."