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bei Plewna am 12. September mißliebig geworden war, als er sich geweigert oder verabsäumt hatte, den gefährdeten Truppen des Generals Skobelew rechtzeitig Hilfe zu schicken, ist durch den General Obrrtschew ersetzt worden.
— Offizielles russisches Telegramm ausBogolvom 2 d.: General Kanzeff meldet, daß der Ort Tetewen, drei Meilen von Orkhanie, wo bte Türken 7 größere und 30 kleinere Befestigungen errichtet hatten, von unseren Truppen mit Kampf genommen worden ist. Die Türken ließen über 100 Todte zurück. Unser Verlust war nur unbedeutend. Unsere Truppen erbeuteten große Vorräthe an Proviant, Schanz-Jnstrumenten und Patronen, sowie viel Vieh.
AuS Hejsen-Naffau.
* Hers seid. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruhet, die Strafe des wegen Anstiftung zum Mord aus §§. 211 und 48 des Strafgesetzbuches „zum Tod" verurteilten 60 Jahre alten Taglöhners Heinrich Hett von Gersdorf in lebenslängliche Zuchthausstrafe umzuwandeln.
Fulda, 3. Nov. Vorgestern hat sich der Förster Zeidler in Alsberg bei Salmünster dadurch vergiftet, daß er ein Gläschen voll Strychnin austrank und schon nach wenigen Minuten verstarb. Lebensüberdruß soll daS Motiv zum Selbstmord gewesen sein
Von zwei nützlichen Thieren.
(Schuß.)
Endlich finde ich mich bewogen, für ein Thier in die Schranken zu treten, welches gewöhnlich wenig beachtet, ja sogar verachtet, von Vielen für unnütz, von Manchen sogar für schädlich gehalten wird. Es ist nicht mit einem Flaumkleide angethan, sondern mit einem Stachelpanzer umgeben und gebt nicht, wie die vorher besprochenen gefiederten Freunde, mit denen es in nützlicher Thätigkeit für den Menschen wetteifert, auf zwei, sondern aus vier Beinen. Der Leser wird wohl errathen, daß
2) der Igel gemeint ist.
Schon bie Fürsorge, welche die Natur für ihn gehabt hat, indem sie ihn in so hervorragender Weise zum passiven Widerstände aus- rüstete, wie in Europa sein anderes Thier, und auf dem ganzen Erdenrunde nur ein zweites, das Stachelschwein, läßt der Vermuthung Raum, baß er des Schutzes nicht allein bedarf, sondern auch werth ist. Und solches ist er in Wirklichkeit.
Daß des Nachts die kleinen Küchlein ihm nicht preisgegeben werden dürfen, spricht nicht gegen ihn, denn diese muffen schon zum Schutze gegen viel schlimmere Feinde fester verwahrt werden, als es seinetwegen nöthig ist. Das Einzige, was zu seinem Nachtheile gesagt werden kann, ist, daß die Bruten der an der Erde nistenden Vögel nicht sicher vor ihm sind. Aber seine Feinde unter den Menschen werden darauf gewiß kein Gewicht legen, ihm wahrscheinlich auch das bischen abgefallene Obst, was er sich holt, nicht gönnen. Der Nutzen, den er stiftet, ist dagegen enorm. Er ist nicht allein ein ausgezeichneter Kammerjäger zur Vertilgung der Mäuse, sondern verzehrt auch viele Jnsecten, namentlich den in seiner Eigenschaft und seiner Metamorphose so schädlichen Engerling. Nach den von Dr. Gloger angestellten Beobachtungen verspeist ein Igel in den Sommermonaten täglich 20 Mäuse oder 50 Schnecken. Die Nützlichkeit des Igels ist aber auch anderwärts anerkannt. Der Minister für die Landwirth- schaft in Frankreich hat innerhalb des ganzen Reiches Tafeln aufstellen lassen mit der Inschrift: „Der Igel ernährt sich von Mäusen, Schnecken und Engerlingen, überhaupt von Thieren, welche der Land- wirthschaft großen Schaden bringen. Tödtet den Igel nicht!" Vor einigen Jahren in einem sehr trockenen Sommer, fand ich acht Morgen Rasenfläche total abgestorben. Die nähere Untersuchung ergab, daß unmittelbar unter der Oberfläche eine unzähliche Menge Engerlinge sich befand, auf der Fläche von einer Hand groß circa 3 Stück. Ich wußte nun, daß nicht der Sonnenbrand, wie ich vermuthete, sondern die Larven den Schaden angerichtet hatten, denn der Rasen war ganz unterminirt, die Graswurzeln abgefressen, der abgestorbene Rasen hatte noch Zusammenhang, man konnte ihn ohne Weiteres mit der Hand aufheben und, wenn man wollte, zusammenrollen. Als ich nach einiger Zeit das Stück wieder betrat, war die Oberfläche ganz durchlöchert, was kein anderer als der Igel gethan hatte, dessen Besuch sich auch außerdem noch bocumentirte; die Engerlinge waren aber verschwunden. Einer meiner Nachbarn hatte dasselbe Schicksal gehabt, welches er mir mit dem Bemerken'klagle, daß die „abscheulichen Igel" die Schuld davon trügen, er habe 5 Stück auf feinem Grasgrunde angetroffen, ihnen aber den Garaus gemacht. Als ich ihn mit den wirklichen Verderbern bekannt und darauf aufmerksam machte, daß er seine besten Freunde getödtet habe, wollte er es nicht glauben. Leider hat der Igel nichts Liebenswürdiges, und ist von Gestalt nicht schön. Hätte er die melodische Stimme und Lebendigkeit der Vögel, so würden die Menschen gleich der Natur, ihn längst mit Schutzmaßregeln umgeben haben. So ist er der Jagdlust der Zigeu
ner, die ihn für einen Leckerbiffen halten, sowie der Unwissenheit Vieler preisgegeben.
Es geht vielen Menschen oft wie dem Knaben mit dem Zeisig und der Nachtigall. „Dem Andern (der Nachtigall)," sprach der Knabe, „sieht man's gleich an seinen Federn an, daß er nichts Schöne- singen kann.
(Ldw. Ztg. f. Westfalen und Lippe.)
Soll man die Kronenzwrige der Obstbäume bei der Pflanzung zurückschneiden oder nicht?
Diese Frage hört man so oft von Fachmännern sowohl als Laien aufwerfen und gewiß nicht ohne Grund, indem in den neueren pomo- logischen Werken sehr häufig empfohlen wird, bei Kernobstbäumen, deren Kronenzweige gehörig ausgereift sind, b. h. ihre Terminalknospen kräftig ausgebildet haben, diese bei der Pflanzung nicht zurückschneiden, sondern nur die überflüssigen Nebenäste zu entfernen, den Rückschnitt der ersteren aber erst ein Jahr nach der Pflanzung vorzunehmen.
Der Lehrsatz des Richtschneidens hat etwas sehr Bestechendes, da es ja bekannt ist, welche wichtige Rolle die Blätter bei der Ernährung der Pflanzen und des Baumes spielen, sie haben auch ent- schieden einen großen Einfluß auf die schnellere Neubildung der beim Pflanzen eingestutzten Wurzeln, indem sie durch die Zellen des Stammes in engster Verbindung mit diesen stehen, und da die Kernobstbäume in der Regel an der Basis ihrer Zweige weniger vollkommen ausgebildete Blattknospen haben, so werden ihnen durch den Rückschnitt die kräftigsten Blätter, also ihre hauptsächlichsten Ernährer genommen. Doch muß ich gestehen, daß die Erfolge, welche ich bisher, allerdings stets auf schwerem Lehmboden und bei trockener Witterung nach der Pflanzung, durch den Nichtrückscbnitt gehabt, mich nicht aufgemuntert haben, dieses Verfahren auch fernerhin in Anwendung zu bringen. Oft habe ich starke Verluste dabei gehabt, oder die Bäume sind wohl angewachsen, haben aber trotz nachherigen RückschnitteS keinen Vorzug vor solchen Bäumen gezeigt, welche bei der Pflanzung zurückgeschnitten worden waren.
Kernobstbäume, welche auf einen kräftigen nahrhaften Boden kommen, wo sie die nöthige Feuchtigkeit zum guten Anwachsen vor- findeu, werden durch ein entsprechendes starkes Zurückschneiden viel gesundere und kräftigere Kronen bilden wie jene, welche nicht geschnitten. Bei Pflanzungen dagegen, welche auf trockenem Boden vorgenommen werden, ist ein mäßiger Rückschnitt der Kronenzweige zu empfehlen. Ein zu starker Rückschnitt der Kronenzweige ist verwerflich und bringt besonders bei den Kirschen so häufig den Harz- fluß hervor, da der aufsteigende Saft in dem Falle nicht Heerd genug zu seiner Verwendung vorfindet. (Schl. f.)
Feuilleton.
Latsche Münze.
Aus den Nachtseiten der Weltstadt. Novelle von W. v. Strachwitz.
(Fortsetzung.)
Niendorf blätterte in den Scheinen. „Wieviel sind es?"
„Achtzig Stück, einen haben Sie noch. Soll ich nun weiter drucken!"
Niendorf hielt das Packet wie wägend in der Hand und blickte sinnend vor sich. „Nein Glinzky, noch sind sie nicht mustergiltig."
„Aber, Herr, Ihr seid schwer zu befriedigen."
„Ich gehe sicher, Freund, in Eurem und meinem Interesse. Ihr müßt noch eine Platte fertigen, diese Scheine werde ich vernichten, sie gefährden uns nur." Er versenkte sie in der Brusttasche seines Rockes.
„Das wird nun schon die siebente Platte."
„Hilft nichts, Glinzky. Nehmt Euch diesmal noch zusammen und es wird die letzte sein; dann kommt unsere Ernte. Uebrigens ist Eure Arbeit auch bis jetzt jedesmal bezahlt worden. Ihr wißt, daß ich jede der sechs Proben, indem ich-sie der Prüfung aussetzte, auch verwerthete. Die ersten fünf Versuche fielen noch so mangelhaft aus, daß der Bankbeamte, der unwissentlich mein Prüfstein ist, bei einiger Mühe bie Fälschung entdeckte. Das letzte Erzeugniß Eurer Kunst ist fast vollständig gelungen. Selbst das Argusauge des Beamten fand kein Fehl daran; nur ich, der die Weiterverbreit tun^ und stetige Verbesserung des Fabrikats geleitet und genau verfolgt, entdeckte noch einen Mangel, dem Ihr jetzt abhelfeu werdet."
„Was istS?"
„Setzt Euch neben mich. So. Seht hier diesen Zug. Während der Name selbst in feinem Haarstrich erscheint, habt Ihr den Zug stärker anschwellend gezeichnet. Das ist falsch, das ändert noch. Im Uebrigen bleibt die Zeichnung genau dieselbe. Nehmt noch einmal, alle Eure Geschicklichkeit zusammen, und wenn es Euch gelingt, so könnt Ihr Euer Handwerk an den Nagel hängen, wenn es Euch