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ligion, den Frieden in Völkern, Gemeinden und Familien untergräbt." Newyork, 5. Septbr. Am 3. September Morgens gegen 10 Uhr brach in der Pianoforte-Fabrik von Haie in Newyork eine große Feuersbrunst aus, die sich in wenigen Minuten über das ganze Etablissement ausdehnte, gleichzeitig verschiedene der anstoßenden Ge- bäulichkeiten, darunter auch eine Schule, ergriff und trotz der angestrengtesten Thätigkeit der Feuerwehr nur schwer zu bewältigen war. Von den in den Gebäulichkeiten befindlichen Arbeitern sollen nach einer Depesche der „Times" hundert getödtet worden sein. Der Verlust an Eigenthum wird auf 1| Millionen Dollar geschätzt. Eine der Dampsspritzen mußte wegen zu großer Hitze von der Mannschaft f verlassen werden und wurde total zerstört.
Dom Orientkriege.
London, 6. Septbr. Die russenfreundlichen „Daily News" tadeln bitter den russischen Generalstab und befürchten eine gänzliche Niederlage, wenn keine Aenderung stattfindet. Im Schipkapaß halten die Russen ihre Stellungen inne, aber die Türken auch die ihrigen. Die Russen würden somit den Paß nochmals erobern müssen, wenn sie den Balkan überschreiten wollen. Die serbischen Truppen sollen angeblich nun doch sofort die Grenze überschreiten, und zwar in zwei Korps, eines zu 20,000 Mann unter Horvatovicz, das andere unter Leschjanin.
— Die „Times" melden: Die Herbstregen begannen in Bulgarien und stören die Kampagne. Die Russen haben die ganze obere .Lomlinie aufgegeben. In Folge der Niederlagen macht sich ein Geist der Insubordination im russischen Heere bemerkbar. Die Soldaten schreien: „die schlechten Generale müssen > fort," 800 Zöglinge der russischen Militairschulen erhielten Offizierstellen, um Lücken in der Armee auszufüllen.
— Nach einem Telegramm des Standard-Correspondenten beim Heere Me- hemed Alis ließen die Russen am Lom in den Händen der Türken über 3000 Zelte, 3600 Gewehre, 4 Kanonen, einen großen Vorrath an Munition und andere Vorräthe.
Petersburg, 5. Septbr. Ein amtliches Telegramm aus Gorni-Studen vom 4. d. meldet: General Fürst Jmerekinsky meldet, er habe am 3, d. nach zwölfstündigem Kampfe Lowatz trotz der natürlichen Stärke der Stellung, welche außerdem stark befestigt war, und t'otz des hartnäckigen Widerstandes der Türken eingenommen. Der Held des Tages sei General Skobelew II. gewesen. Die Verluste ständen noch nicht fest; leider befindet sich unter den Verwundeten General Rasjildiajew.
Ko nft ant i n o pel, 5. Septbr. Im Schipkapasse findet eine sehr heftige Schlacht statt. — Alle türkischen Corps setzen ihre Offensivbewegungen sort. — Der „Standard" meldet aus Bukarest vom 5. d.: Die Schlacht bei Lowtscha wurde von den Türken begonnen, welche durch den starken Zuwachs der Russen vor der Stadt beunruhigt, dieselben wüthend angriffen. Die Russen schlugen neun hintereinander folgende Angriffe der Türken ab, trieben letztere endlich in die Stadt und drangen mit ihnen in dieselbe ein. Nach furchtbarem Straßenkampf wurden die Türken aus der Stadt vertrieben und reterirten, von General Stobeleff's Cavallerie, die ein großes Blutbad unter dem Feinde an. richtete, verfolgt, in großer Unordnung.
Feuilleton.
Erste «Klasse.
Novelle von Ew. Aug. König. (Fortsetzung.)
„Ich werde Ihren Rath befolgen", erwiderte Roderich gedankenvoll, „möchte es mir nur recht bald gelingen, daS dunkle Räthsel zu lösen; unter dem furchtbaren Druck, der jetzt auf mir ruht, muß ich binnen Kurzem erliegen. An eine öffentliche Erklärung habe ich auch gedacht, aber der Untersuchungsrichter in D. hat mir davon abgerathen", fuhr er fort, indem er von seinem Sitz aufstand, „und ich glaube selbst, daß ich dadurch dem Verleumder nur neuen totoff bieten würde. Ich sage Ihnen meinen herzlichen Dank für Ihre freundliche Theilnahme, und ich hoffe, daß im Laufe der Zeit sich mir Gelegenheit bieten wird, diesen Dank durch die That zu beweisen."
Mit einer Verbeugung entfernte er sich nach diesen Worten, Emma folgte ihm hinaus in den Corridor.
„Ich möchte Sie noch um einige Worte bitten", sagte sie mit gedämpfter Stimme, „ich glaube, Ihnen eine sehr wichtige Mittheilung machen zu können, die geeignet sein dürste, Ihnen über die Person des Verleumders Ausschluß zu geben."
„Sie könnten baS?" fragte er überrascht.
„Bitte, reden Sie nicht so laut, einstweilen muß meine Mittheilung ein Geheimniß bleiben, das selbst meine Mutter nicht erfahren darf. Kennen Sie einen Herrn Luisko Herseld?"
„Nein."
„Er wobrt hier in B. und soll erst vor Kurzem aus Brasilien gekommen sein."
„Ich erinnere mich nicht, jemals zuvor seinen Namen gehört zu haben."
„Um so seltsamer wird Ihnen meine Mittheilung scheinen", sagte das Mädchen nachdenklich. „Es ist ja auch möglich, daß ich mich irre, aber in einem so ernsten Falle wie der vorliegende, muß Alles berücksichtigt werden. Ich kenne die Handschrift dieses Herrn, wir haben i» Italien häufig ein kleines Billet von ihm erhalten,
und es ist ganz genau dieselbe Handschrift, die der anonyme Brief zeigt."
„Das ist allerdings seltsam", erwiderte Roderich betroffen, „die Handschrift ist so eigenthümlich und charakteristisch, daß von einem Irrthum hier wol kaum die Rede sein kann. Aber wie gesagt, ich kenne den Herrn nicht, welches Interesse also könnte er dabei haben, mich zu verleumden und mir einen solchen Brief zu schreiben?"
Die Wangen des schönen Mädchens färbten sich dunkler, verwirrt schlug sie vor dem forschenden Blick Roderich's die Augen nieder. —
„Er gab uns damals den Rath, Ihrer Aufforderung nicht Folge zu leisten", sagte sie, „es war ihm unangenehm, daß Mama und ich für Sie zeugen wollten. Und als wir dies gethan hatten, erlaubte er sich einige Bemerkungen, die mich zwangen, ihm energisch entgegenzutreten, es ist möglich, daß er seinen Groll darüber nun an Ihnen auslassen will."
„Das wäre kindisch, mein Fräulein! Irgend ein Jntereffe muß ihn leiten. Wenn er damals sich in dem Eisenbahnzuge befunden hat, in dem das Verbrechen begangen wurde, dann —"
Er brach ab, Emma blickte ihn entsetzt an.
„Sie stehen im Begriff, einen furchtbaren Verdacht auszuspre- chen", sagte sie, „ich kann nicht glauben, daß ein solcher Verdacht begründet sein sollte,"
„Kennen Sie den Herr näher? Sind seine Vermögensverhält- nisse Ihnen bekannt?" „Nein. Man sagt, er sei ein sehr reicher Mann, ob er es aber in Wahrheit ist, weiß ich nicht'"
„Sie können mir also keine näheren Mittheilungen über ihn machen?"
„Nein, ich weiß nicht mehr, als was man sich in der ganzen Stadt über ihn erzählt."
„So werde ich mich an geeigneter Stelle erkundigen."
„Und dann wollen Sie ihn persönlich angreifen?" fragte das Mädchen mit erwartungsvoller Spannung. „Es wäre mir nicht lieb, wenn er erführe, daß ich seine Handschrift Ihnen verrathen habe —"
„Seien Sie unbesorgt, ich werde Ihren Namen nicht nennen und überhaupt Alles vermeiden, was Ihnen Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Und nun sage ich Ihnen noch einmal meinen herzlichen Dank, Ihre Theilnahme hat mir neuen Muth und neue Hoffnungen eingeflößt, ich werde jetzt mit aller Energie die Spur verfolgen, die ich Ihnen verdanke."
Er schritt hastig von bannen, mit leuchtenden Augen schaute Emma ihm nach, bis er ihrem Blick entschwunden war, dann kehrte sie in das Wohnzimmer zurück.
Sechstes Kapitel.
Herfeld war wüthend, als er die Wohnung der Commerzien- räthin verließ. Er hatte geglaubt, mit Sicherheit auf die Annahme seiner Werbung rechnen zu dürfen, er hatte darauf Lustschlöffer gebaut, die nun plötzlich zusammengestürzt waren, und die weiteren Folgen seiner Niederlage konnten ihm nun auch nicht zweifelhaft sein. Er mußte erwarten, daß diese Niederlage binnen einigen Tagen ein öffentliches Geheimniß wurde, und daß in allen Kreisen und Familien, die er bisher vernachlässigt hatte, triumphirende Schadenfreude darüber herrschte.
Es war möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß in Folge dessen der Bankier Wille ihm den Familienkreis nicht mehr öffnete, und daß er sich gezwungen sah, B. zu verlassen, ohne in seinen Plänen nur um einen Schritt vorwärts gekommen zu sein.
„Daß die Entscheidung Emma's definitiv getroffen und eine Aenderung derselben ganz undenkbar war, wußte er auch nur zu gut, er kannte den festen Charakter des Mädchens, und überdies konnte es für ihn keinem Zweifel unterliegen, daß er in der Gunst der beiden Damen nicht mehr so fest stand, wie früher.
Er wanderte lange in seiner eleganten Wohnung auf und nieder, um seinen Gedanken ungestört Audienz zu geben und mit sich zu Rathe zu gehen, und es wurde auch allmälig ruhiger in seinem Innern, so wurde seine Stimmung darum doch nicht heiterer.
So mochte eine Stunde verstrichen sein, als Robert Born, der Commis Wille's, nach kurzem Anpochen plötzlich eintrat.
Dieser unerwartete Besuch war nicht geeignet, Herfeld zu erheitern, er zog die Stirne in Falten und empfing den ehemaligen Genossen mit einem Blick des glühendsten Hasses.
„Was führt Dich wieder hieher?" fragte er barsch. „Habe ich Dir nicht verboten, mich mit Deinen Besuchen zu belästigen?*
„Ich kann Dir das Recht, mir etwas zu verbieten, nicht zuerkennen", erwiderte Born höhnisch, „und ich glaube, Dir schon früher gesagt zu haben, daß —"
„Ich frage Dich, was willst Du?"
„Deine Entscheidung über den Vorschlag, den ich vor einiger Zeit Dir gemacht habe."
„Ich gab sie damals schon." (F. f-)