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ken unter dem Commando von Salib und Zekki Pascha besetzten die bosnisch-serbische Grenze.
— Der Dampfer „Konstantin" sprengte in der Nacht vom 23. auf den 24. August bei Suchum Kaleh durch seine Torpedokutter einen großen türkischen Monitor in die Luft.
— Der bei Suchum Kaleh in die Luft gesprengte Assari Cheflet war eine Panzercorvette von 2000 Tonnen, erbaut auf den Werkstätten der Messageries bei Toulon. Der Panzer dieser Corvette war 6 Zoll dick. Die Ausrüstung bestand aus vier siebenzölligen und einer neunzölligen Kanone, die Besatzung aus 200 Mann. Die- selbe hatte wenig .Gelegenheit sich zu retten. DaS Meer ist vor . Suchum Kaleh etwa 25 Ssahsen tief und ein anderes türkisches Schiff, welches hätte zur Hülfe herbeieilen können, befand sich nicht in der »'Nähe. Der Dampfer „Konstantin" hat nicht den geringsten Verlust zu beklagen. __
Aus Heffen-Naffau.
Salmünster, 31. August. Kurz vor der hiesigen Station wurde gestern ein ca. 40 Jahre alter Mann, anscheinend dem Bauernstände angehörig, vom Zuge überfahren. Man vermuthet Selbstmord.
Niederzwehren, 2. Septbr. Heute Nacht gegen 4 Uhr brach auf dem Hammenstättschen Gute Feuer aus und legte dasselbe binnen wenigen Stunden den größten Theil der dortigen Baulichkeiten in Asche.
Feuilleton.
l Erste Masse.
Novelle von Ew. Aug. König.
(Fortsetzung.)
Es mußte dem Mädchen auffallen, daß die Unterhaltung plötzlich verstummte, fragend blickte sie die Mutter an, dann schweifte ihr Blick zu dem Brasilianer hinüber, der mit verlegenem Lächeln an den Spitzen seines Bartes drehte.
„Weshalb die.Sache noch lange hinausschieben!" sagte Madame Döring nach einer kurzen Pause; „erledigen wir sie sofort, das kann ja allen Betheiligten nur wünschenswerth sein. Herr Herfeld hat uns die Ehre erzeigt, um Deine Hand zu werben, Emma, ich habe darauf erwidert, daß ich die Entscheidung darüber ganz allein Deinem freien Willen überlasse; kannst Du nun diese Entscheidung schon jetzt treffen, so thue es, im andern Falle wird Herr Herfeld Dir gewiß eine kurze Bedenkzeit einräumen."
„Mit dem größten Vergnügen —"
„Es ist unnöthig," unterbrach Emma ihn mit einer Ruhe, die ihn über ihre Antwort schon jetzt nicht in Zweifel lasten konnte, „ich kann meine Entscheidung sofort treffen. Auch ich weiß die Ehre zu schätzen und zu würdigen, die Sie uns erwiesen haben, Herr Her- feld, auch ich bin Ihnen von ganzem Herzen dankbar für die Freundschaft, die Sie uns erwiesen haben, aber mehr als eine Freundin kann ich Ihnen nicht sein. Ich habe vorausgesehen, daß diese Frage an mich herantreten würde, und da war es natürlich, daß ich meinem Herzen die Frage vorlegte, ob es Ihnen angehören könne. Es hat sie verneint, und in dieser Angelegenheit kann ich nur das Herz entscheiden lassen."
Im ersten Moment blitzte die Gluth des Zornes jäh in den Dunklen Augen Herfeld's auf, aber so gewaltig auch die entfesselten Leidenschaften in ihm leben mochten, beherrschte er sich doch.
„Das Herz?" erwiderte er, und ein beißender Spott lag in dem Tone, den er jetzt anschlug. „Sind Sie so fest überzeugt, daß sein Urtheil stets das richtige ist? Die Erfahrung beweist das Gegentheil —"
„Ich hege diese Ueberzeugung, und Nichts wird sie mir rauben können", fuhr Emma mit gehobener Stimme fort, „und so muß ich Ihre Werbung, so ehrend sie auch für mich ist, ablehnen."
Herfeld 'hatte sich erhoben, aus jedem Zuge seines Gesichts sprach der Groll über diese Niederlage.
„So habe ich mich in meinen Hoffnungen getäuscht, und das ist freilich meine eigene Schuld", sagte er, „aber trotzdem halte ich noch immer an ihnen fest, Sie werden jene Frage sich noch einmal vorlegen und alsdann vielleicht eine andere Antwort darauf finden!"
Er blickte sie vertrauensvoll an, Emma schüttelte ablehnend das Haupt, und es blieb ihm für jetzt nichts weiter übrig, als sich zu verabschieden.
„Ich weiß dech nicht, ob Du klug daran gethan hast, ihm diese Antwort zu geben," nahm Madame Döring nach einer geraumen Weile das Wort, „er ist ein sehr reicher Mann und uns war er stets ein liebenswürdiger, treuer und uneigennütziger Freund."
Emma stand am Fenster, sinnend blickte sie hinaus und dunkle Schatten umwölkten ihre Stirn.
„Ist er wirklich ein reicher Mann?" erwiderte sie. „Wir wissen es nicht, wir haben keine Beweise dafür, und seine Uneigennützigkeit bezweifle ich jetzt auch, nachdem auf seinen Charakter ein so schlim
mes Licht gefallen ist. Er kann ebenso gut ein Glücksjäger sein, der es weniger auf meine Hand als auf unser Vermögen abgesehen hat."
„Dagegen spricht sein Auftreten!"
„Ich kann das nicht finden, liebe Mama, im Gegentheil, je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird es mir, daß er nur unsres Vermögens wegen uns sicher gefolgt ist. Und die Abneigung, die ich seit dem Tage, an dem ich seinen Charakter kennen lernte, gegen ihn hege, kann ich nicht überwinden, wie also könnte ich hoffen, an seiner Seite mein Lebensglück zu finden!"
Forschend ruhte der Blick der Commerzienräthin auf dem schönen Antlitz des Mädchens.
„Sollte diese Abneigung sich nicht vielmehr seit jenem Tage da- tiren, an dem Du Herrn Geldermann kennen lerntest?" fragte sie. „Deine Sympathien für diesen Mann wurden ja schon dadurch geweckt, daß er eines schweren Verbrechens beschuldigt war, welches er nach unserer Ueberzeugung nicht begangen haben konnte. Wir lernten ihn näher kennen —"
„Und Du wirst zugeben, Mama, daß er sich unsrer Achtung werth gezeigt hat! Reden wir nun nicht weiter darüber, es wäre ja ein Streit um des Kaisers Bart, wer weiß, ob wir den Herrn jemals wiedersehen werden!"
Sie wollte das Zimmer wieder verlassen, aber als sie die Thüre öffnete, stand Roderich Geldermann vor ihr.
Sie erschrack, als sie ihm in's bleiche Antlitz blickte, wie sehr hatte es in der kurzen Zeit sich verändert!
Die Hand des Schicksals mußte in diesem Zeitraume hart und schwer auf ihm geruht haben, das erkannten die Damen beim ersten Blick, sie erkannten auch, daß der freundliche Empfang, den sie ihm bereiteten, ihn äußerst wohlthuend berührte.
Er berichtete ihnen ohne Rückhalt Alles, was er seitdem erlebt und erfahren hatte, er berief sich auf das Wohlwollen, welches sie damals ihm bewiesen und bat sie, ihn mit ihrem Rath zu unterstützen. —
Aus den Augen Emma's leuchtete innige Theilnahme ihm entgegen, die alte Dame aber wiegte mit ernster bedenklicher Miene das Haupt.
„Sie müssen einen persönlichen Feind haben", sagte sie, „nur von diesem können die Verleumdungen ausgehen, die ja sonst keinen Zweck hätten. Die Untersuchung hat ergeben!, daß auf Sie kein Verdacht fallen kann, damit wäre für Jeden die Angelegenheit erledigt gewesen, und Niemand würde daran gedacht haben, Sie ferner zu verdächtigen, wenn nicht ein persönlicher Feind hier eine willkommene Gelegenheit gefunden hätte, seinen Haß zu befriedigen."
„Ich wüßte nicht, daß ich einen solchen Feind besäße, ich habe stets nach den Gesetzen des Rechts und der Ehre gehandelt."
„Und gerade dadurch fordert man den Haß und die Feindschaft aller Derjenigen heraus, die diese Gesetze nicht anerkennen und nicht darnach handeln", sagte Emma. „Sie sprachen vorhin von einem anonymen Brief, vielleicht könnte dieser zur Entdeckung des Verleumders führen."
Roderich zog sein Portefeuille aus der Tasche und holte den Brief heraus.
„Die Handschrift ist mir unbekannt", erwiderte er, „es wäre nutzlote Mühe, dem anonymen Schreiber nachzuforschen."
Emma hatte den Brief entfaltet, ihr Blick ruhte starr auf den Zeilen, die feinen Brauen zogen sich zusammen, und die Lippen preßten sich fest aufeinander, als ob sie einen Ruf der Ueberrasch- ung zurückdrängen wollten.
„Sie müssen eine öffentliche Erklärung erlassen, in der Sie für die Entlarvung des Verleumders eine Belohnung aussetzen", nahm die Commerzienräthin wieder das Wort, „in einer solchen Erklärung liegt der schlagende Beweis, daß Sie von jeder Schuld sich frei wissen."
„Sie würde mir nichts nutzen", erwiderte Roderich achselzuckend, „nur dann, wenn der wirkliche Thäter entdeckt ist, werden die verleumderischen Gerüchte verstummen."
Haben Sie noch nicht daran gedacht, einen tüchtigen Criminal- beanuen mit der Untersuchnng dieser dunklen Angelegenheit zu beauftragen ?"
„Ja, ich dachte daran, und ich bin auch deshalb hierher gekommen, um mich nach einem solchen-Beamten zu erkundigen. Aber rch fürchte, daß das Alles früher hätte geschehen müssen, und daß es nun zu spät sein wird, diese Nachforschungen anzustellen."
„Zu spät?" sagte Emma, indem sie, wie aus einem Traume erwachend, die dunklen Augen zu ihm aufschlug. „Vertrauen Sie auf die Vorsehung, Herr Geldermann, sie wird sicher, sei es nun früher oder später, Licht in das Dunkel bringen."
„Wenn es nur nicht zu spat geschieht! antwortete er.
„Ich würbe Ihnen rathen, mit unserm Polizeidirektor Rücksprache zu nehmen", versetzte Madame Döring, „er ist ein wohlwollender Herr, uad ich glaube, er kann Ihnen einen Beamten bezeichnen, dem Sie die weitere Untersuchung vertrauensvoll überlassen dürfen." (8« t)