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ArelsVolall

für den

^ 69» H-vAfeld, Mittwoch den 29. August 18W.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Amtliches

Kreis Hersfeld.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises weise ich hiermit an, bei wieder vorkommenden Feldbeschädigungen durch Schwarzwild, wegen alsbaldiger Abhaltung von Treibjagden auf dasselbe u. s. w. sich nicht mehr, wie bisher an mich, sondern direct, unter näherer Be­zeichnung der Orte und des muthmaßlichen Standes des Schwarz­wildes an die betreffenden Königlichen Herren Oberförster zu wenden, welche alsdann, wenn thunlich, bereitwilligst Abhülfe schaffen werden, wenn von den betreffenden Gemeinden die nöthigen Treiber rc. ge­stellt werden.

Hersfeld, am 24. August 1877.

8396. Der Königliche Landrath.

I. V.: Joseph, Königlicher Kreissecretair.

Cassel, den 26. August 1877.

Am 1. September d. I. wird in Felsberg, Reg.-Bez. Cassel, und am 7. September d. J. in Wabern eine Telegraphenanstalt eröffnet werden.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

" Berlin W., 20. August 1877?

Bekanntmachung.

Postanweisungsverkehr mit Frankreich.

Vom 1. September d. I. ab sind sämmtliche Französische Post­anstalten ermächtigt, Postanweisungen aus Deutschland auszuzahlen und Postanweisungen nach Deutschland anzunehmen. Von dem ge­nannten Zeitpunkte ab können daher Postanweisungen nach allen Orten in Frankreich abgesandt werden.

Kaiserliches General-Postamt. In Vertretung: Kramm.

Berlin W., den 21. August 1877.

Bekanntmachung

Postanweisungsverkehr mit Niederland.

Vom 1. September ab kommt bei Postanweisungen nach Nieder­land das Umrechnungsverhältniß von 1 Gulden Niederländisch gleich 1 Mark 70 Pfennig in Anwendung.

Kaiserliches General-Postamt. In Vertretung: Kramm.

Tagesbegebenheiten.

Hannover, 23. August. Es ist hier, wie derHann. Cour." schreibt, in der Frage nach ausreichenden Maßregeln gegen die Ver­fälschung der Lebensmittel, worüber gegenwärtig vielfache Erörte­rungen geführt werden, ein praktischer Schritt vorwärts geschehen: man hat durch Zeichnung freiwilliger Beiträge, vorläufig für drei Jahre, die Errichtung eines chemischen Untersuchungsamtes bewirkt, dessen Ermittelungen sowohl zur Warnung der Konsumenten vor leichtsinnigen oder betrügerischen Verkäufern dienen, als auch der Staatsanwaltschaft und den Gerichten den erforderlichen Anhalt zum Einschreiten auf Grund des Strafgesetzes darbieten werden. Eine Seite der Frage scheint uns damit mustergültig erledigt. Es liegt auf der Hand und wird jetzt vielfach als eine der Schwierigkeiten in dem Kampfe gegen die Verfälscher der Nahrungsmittel angeführt, daß dem Einzelnen die Fähigkeit, die Zeit und oft auch der Muth fehlt, Verfälschungen, obgleich sie ihm selbst Schaden zugefügt haben, als solche festzustellen und den Schuldigen zu verfolgen.

Jüterbog, 26. August. Auf dem hiesigen Artillerie-Schieß­plätze ereignete sich am 20. August ein schwerer Unglücksfall.

Während der Schießübungen des Magdeburgischen Fußartillerie-Re- giments Nr. 4 explodirte beim Laden eines 12 cm. Geschützes eine 15 Kilo schwere Granate, tödtete einen Mann der Bedienungsmann­schaften, dem beide Hände und die rechte Brust zerschmettert wurden, riß einem Unteroffizier drei Finger von der rechten Hand und ver­letzte außerdem zwei Artilleristen. Die Ursache der Explosion konnte nicht ermittelt werden. Der Verunglückte wurde am Mittwoch mit allen militärischen Ehren unter Vorantritt der Regimentsmusik und unter Theilnahme der betreffenden Vorgesetzten und Mannschaften zur letzten Ruhe geleitet.

Vom Orientkriege.

Petersburg, 26. August. Offizielles Telegramm. Gorni- Studen, 25. d.: Gestern fanden während des ganzen Tages heftige Scharmützel statt, welche erst gegen Abend abnahmen. Unsere Trup­pen behaupteten alle Positionen. Unser Verlust ist beträchtlich. Während des viertägigen Kampfes sind 27 verwundete Offiziere und gegen 900 verwundete Soldaten nach Gabrowo gebracht worden; die Zahl der Todten ist noch nicht bekannt. Heute, Sonnabend, Morgens 9 Uhr, eröffneten die Türken abermals ein heftiges Ge­schützfeuer auf den Schipkapaß. Dies ist der fünfte Tag der Kämpfe bei diesem Paffe. Unser Angriff auf Ajaslar ist nach dem 23. d. nicht wieder erneuert worden. Die Türken haben dort zahlreiche Streitkräfte konzentrirt und sich verschanzt. Unsere Truppen sind auf Positionen in Sicht der Türken konzentrirt. In den beiden Kämpfen bei Ajaslar am 23. b. betrugen unsere Verluste 1 Offizier und 66 Soldaten todt und 11 Offiziere und 274 Soldaten verwun­det. Bei Plewna und Lowtscha ist alles ruhig.

25. August. Offizielles Telegramm aus Gorni-Studen vom 25. d.: Heute begann der Kampf um den Schipkapaß um 9 Uhr Vormittags, derselbe dauert nunmehr den fünften Tag mit der größten Heftigkeit. Unsere Truppen behaupten ihre Stellung Meh­rere sehr heftige Angriffe sind zurückgeschlagen worden. General Derozinski, der die ersten drei Tage die Vertheidigung des Schipka- passes leitete, fand heute den Heldentod.

27. August. Aus Gorni-Studen vom 26. d. Abends wird amt­lich gemeldet: Gestern betrug der Verlust der Russen 30 Offiziere, 400 Soldaten todt und verwundet. Der Kampf dauerte von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. In der Nacht erneuerten die Türken den Kampf mit frischen Truppen; bis zu diesem Augenblick, 26. d. Mittags, dauert das verzweifelte Ringen fort. Die Russen behaupten ihre Stellungen-

General Loris-Melikoff meldet, er sei von Moukhtar Pascha angegriffen worden, habe denselben aber mit ungeheuren Verlusten zurückgeworfen. Ferner ist die Nachricht eingegangen, daß ein großes tückisches Panzerschiff von dem KriegsdampferKonstantin" vor Suchum-Kaleh durch Torpedos in die Luft gesprengt wurde. Aus Belgrad, vom 27. d., wird derPolit. Korresp." telegraphirt: In einem gestern unter dem Vorsitz des Fürsten Milan abgehaltenen Mlnisterrathe wurde die Kooperation der serbischen Armee mit der russischen in Bulgarien beschlossen. Gleichzeitig erfolgte die Verthei- lung der Kommandos der einzelnen Korps an Horvatovic, Nikolic, Leschjanin, Alinpic, Protic und Vlajksvic. Eine in Belgrad anwe­sende Deputation serbischer Insurgenten verhandelt mit dem Kriegs­minister wegen Bildung von serbischen Freischaaren unter serbischen Offizieren, Entsendung derselben in das Lager der Insurgenten Bos­niens und Uebernahme des Oberkommandos über sämmtliche bosnische Freischaaren durch Serbien. Die serbische Regierung sei wenig ge­neigt, hierauf einzugehen. Vor der Kriegserklärung Serbiens an die Türkei soll eine außerordentliche Skupschtina einberufen werden.