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§. 13. Die Unterbringung in dem Landarmenhause findet nur so lange statt, als der Aufgenommene die öffentliche Unterstützung in Anspruch nimmt. Falls der Aufgenommene daher erklärt, daß er auf die Armenpflege Verzicht leiste, so darf er wider seinen Willen in dem Landarmenhause nicht zurückge­halten werden. Wird von einem Pfleglinge die Entlassung aus dem Landar­menhause gefordert, so ist der bezügliche Antrag, sowie die Erklärung, daß Antragsteller keinen Anspruch auf fernerweite öffentliche Unterstützung erhebe, von dem Jnfpector zu Protokoll zu nehmen, auch ist der Nachsuchende auf die Strafbestimmungen der §§. 361 sub 3, 4, 5, 8, 362 des Strafgesetzbuches aufmerksam zu machen. Beharrt der Pflegling hiernächst bei dem Verlangen der Entlassung, so ist die Verhandlung mit begleitendem Berichte an den Lan- des-Director einzureichen, welcher das der Sachlage Entsprechende verfügt.

Ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Landes-Directors darf die Entlassung Seitens des Jnspectors nicht bewirkt werden.

§, 14. Der in der Anstalt befindliche Nachlaß solcher Pfleglinge, welche hl dem Landarmenhause verstorben sind, wird zur Deckung der Unterhaltungs­kosten verwendet, insoweit diese Kosten nicht bereits durch die Seitens des Ortsarmenverbandes geleistete Entschädigung oder den Arbeitsverdienst des Pfleglings berichtigt sein sollten; schuldet der Verstorbene der Anstalt nichts oder bleibt nach Deckung seiner Schuld einen Ueberschuß, so werden die in der Anstalt befindlichen Nachlaßgegenstände bezw. der Ueberschuß an die zu­ständige Gerichtsbehörde, eventuell die Angehörigen des Verstorbenen ab­geliefert.

Eine Einlieferung der Leichen der in dem Landarmenhause verstorbenen Pfleglinge an die Anatomie zu Marburg findet nicht statt.

Vorstehendes Regulativ wird hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Eröffnung des Landarmenhauses am 1. Septem­ber d. I. stattfinden wird.

Zu der nach §. 5 des Regulativs den Anträgen auf Aufnahme von Orts­armen in das Landarmenhaus beizufügenden Darstellung der Familien- und Vermögensverhältnisse des Recipienden ist bis auf Weiterres das für Auf­nahmen in die ständischen Landkrankenhäuser durch meine Verfügung vom 28. Februar 1876 (Amtsblatt 1876 S. 58) vorgeschriebene Formular zu benutzen.

Casfel, am 25. Juli 1877.

Der Landes-Director. I. V.: Schneider.

Tagesbezebenheiten.

Dresden, 9. August. DasDresdner Journal" meldet: Auf einem Kartoffelfelde bei Schildau im Kreise Torgau nahe der sächsischen Grenze ist gestern das Auftreten des Colorado-Käfers amtlich censtatirt worden. Diesseits wurden sofort alle Vorsichts­maßregeln getroffen.

Zehdenik, 5. Aug. Nach vollendeter Feststellung sind bei dem durch einen Orkan verursachten Einsturz der Gebäude dieser Stadt bis jetzt sechs Menschenleben zu beklagen, zwölf Verwundete liegen noch schwer und hoffnungslos darnieder; außer diesen haben noch viele, wenn auch nicht lebensgefährliche, so doch äußerst schmerzhafte Kontusionen erlitten. Von den Gebäuden sind vollständig zerstört: 21 Scheunen, von denen kein Stück auf dem anderen geblieben ist; 45 andere sind in einen solchen Zustand versetzt, daß sie den Ein­sturz drohen. Die meisten Wohnhäuser sind im Innern derartig zerstört, daß sie bei dem leider noch immer anhaltenden Regen kein sicheres Unterkommen gewähren; einige sind total zerstört. Abge­brochen wurden 14 Windmühlen, von denen die Splitter und große Balken 15 Minuten weit fortgeschleudert wurden. Der Schaden, den die Stadt Zehdenik erlitten hat, ist auf 300,000 Thaler abge­schätzt.

Letmathe. Die junge liebenswürdige Frau des Arztes Dr. Westhoff ist in Folge der Explosion einer Petroleumlampe buchstäblich verbrannt. Die Lampe brannte schlecht und da soll die Frau den Docht niedriger geschraubt und mit dem Finger rasch glatt gestrichen haben; ein Funken fiel in das Innere, ein Flämmchen flackerte auf und der Oelbehälter platzt mit einem Knall und überschüttete die Unglückliche mit seinem flüssigen brennenden Inhalt. Alle im Hause eilten der lichterloh brennenden Frau zu Hülfe und Alle haben größere oder geringere Brandwunden davon getragen; ihr Mann trägt an beiden Händen sehr schwere Verletzungen. Nach drei Stunden er­löste der Tod die Arme von ihren gräßlichen Leiden.

Eine hohe fürstliche Persönlichkeit fragte kürzlich den Feldmar­schall Grafen Moltke über seine Ansicht hinsichtlich des jetzigen Krieges und ob er nicht einen baldigen und vollständigen Sieg der Russen und eine gänzliche Unterwerfung der Türkei Voraussage.Gewiß werden die Russen die Türkei vollständig besiegen, sobald ihrem Oberbefehlshaber nur die vier G. nicht fehlen, deren jeder gelogen bedarf", antwortete Moltke.Und welche vier G. meinen Sie damit, lieber Feldmarschall", erwiderte neugierig der Frager.Geld, Ge­duld, Genie und Glück", antwortete Moltke.

Hamburg, 9. August. Heute sind bei der Explosion des La­boratoriums eines Feuerwerkers 8 Personen sofort getödtet, andere verletzt worden. Einige Leichen (wurden vollständig zerstückelt, das Laboratorium selbst ist total zerstört.

Dom Orientkriege.

London, 8. August.Daily News" versichern, die Rüsten

würden den Schipkapaß mit Aufgebot aller Kräfte vertheidigen. Der linke Flügel der Russen in Armenien soll sich einige Meilen weit jenseits der Grenze zurückgezogen haben, um Verstärkungen ab- zuwarten.

Nach demDaily Telegraph" konzentriren die Russen große Truppenmasten bei Bjela, in dessen Nähe man eine Schlacht erwartet.

Wien, 8. August. Am schwarzen Lom konzentriren die Russen bedeutende Streitkräfte gegen die türkische Stellung bei Nasgrad.

Eine offizielle Depesche Osman Paschas aus Plewna, vom 8. August meldet eine neue Niederlage der Rüsten. Sie lautet:Acht Bataillone Infanterie und 8 Eskadrons Kavallerie des russischen Korps, welche von den Straßen nach Sistowa und Selvi debouchirt waren, griffen Lowatsch an. Die Garnison von Lowatsch und 5 Bataillone türkischer Truppen, welche mit einer Kavallerie-Abtheilung von Plewna detachirt waren, schlugen die Rüsten jedoch zurück, welche 300 Todte und eine doppelt so große Anzahl von Verwundeten verloren.

Wien, 9. August. Telegramm desFremdenblatt" aus Bu­karest vom heutigen Tage: Gerüchtweise verlautet, daß die Russen bei Oltenitza eine neue Brücke über die Donau geschlagen haben und gegen Turtukai marschiren. Die türkische Stellung bei Rasgard erscheint durch diesen dritten Uebergänz der Rüsten über die Donau sehr gefährdet.

London, 9. August. Auf dem asiatischen Kriegsschauplatz über­schritten die Russen die Grenzen Armeniens nahe Am, nehmen eine feste Stellung ein und bedrohen Moukhtar Pascha. DemStand­ard" wird gemeldet, daß das Gros der Dobrudscha-Armee unter Kommando von General Zimmermann bei Tschernavoda stehe. Ge­gen Silistria sind noch keine Operationen unternommen.Daily News" melden: Einige serbische Brigaden wurden nach der süd­östlichen Grenze beordert. Alle egyptischen Dampfer sind segelfertig, um neue Truppen nach Konstantinopel zu bringen. DieTimes" berichten, daß die serbische Regierung vom Parlament bevollmächtigt worden ist, die Unabhängigkeit Serbiens zu proklamiren, sobald der paffende Augenblick zu solchem Vorgehen eingetreten ist.

Wien, 10. August. DasTagblatt" meldet folgendes: AuS Konstantinopel vom 9. August. Heute fand 'abermals eine große Schlacht bei Plewna statt, über deren Ergebniß noch nichts be­kannt ist. ___

Aus Heffen-Naffau.

Casfel, 8. August. Da diesmal der 2. September auf einen Sonntag fällt, so ist von Seiten des Cultusministers bestimmt, daß die Feierlichkeiten der gesammten höheren und niederen Schulen der Monarchie am Tage vorher, am Sonnabend, den 1. September ab­gehalten werden sollten.

Wehlheiden, 8. Aug. Vor etwa 10 Tagen wurde, wie die Fr. Hess. Ztg." meldet hier ein vor 2 Monaten beerdigtes Kind aus gegraben, weil es von seinem unnatürlichen Vater an die Wand geschleudert und dann mit Fußtritten gepeinigt worden war, bis es seinen Geist aufgab, dies Alles aber erst später durch Frauen im Hause, die in Zank geriethen zum Staatsanwalt drang. Der Leichenbeschauer, der hier aus einem Schreiner besteht, während zwei Aerzte dahier wohnen hatte den Tod bescheinigt, und wie es heißt, der Ortsbehörde die Unnatürlichkeit desselben zur Anzeige ge­bracht, ohne daß bisher die Schritte zur Herbeiführung der Be­strafung des Vaters bekannt geworden wären. Dasselbe Kind wurde im Alter von 3 Wochen von seinem Vater schon derart mißhandelt, daß die Mutter bei dem Bürgermeister Hierorts mit dem Kinde er­schien und Beschwerde führte. Der Vater, welcher sich nunmehr in Untersuchungshaft befindet, heißt Pfeffermann und treibt das Gewerbe als Schuhmacher. Heute früh sind die Zeugen vor Ge­richt geladen.________

Vermischtes

Ueber triebener Gehorsam. DerMagyar Hirado" er­zählt die folgende, kaum glaubliche Geschichte: Ein in der Nähe von Großwardein stationicter Honved-Husarenrittmeister trat vor einiger Zeit in das Wachzimmer, und da er einen gemeinen Husaren als Arrestanten auf der Pritsche liegen sah, erkundigte er sich nach dem Vergehen des Arrestanten. Die anwesenden Husaren antwor­teten, der Arrestant habe einen Kameraden bestohlen, mnd dafür büße er nun. Der Rittmeister erwiderte hierauf:Das ist eines der schändlichsten Verbrechen; solche Kerle muß man hängen." Mit diesen Worten entfernte sich der Rittmeister, die zurückgebliebenen Husaren aber betrachteten die Worte des Rittmeisters als Befehl und hängten den Arrestanten sofort. Der hiervon benachrichtigte Rittmeister ließ wohl sogleich den Strick durchschneiden und der Arrestant kam auch wieder zum Bewußtsein, doch hatte der Letztere bei der mit ihm vorgenommenen Operation irgend eine innerliche Verletzung erlitten, so daß er nach 14 Tagen starb. Nun befinden sich der Rittmeister und die übrigen gehorsamen Husaren in Un­tersuchung.