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ter und las den Artikel aufmerksam, dann schüttelte sie mit bedenk­licher Miene das Haupt.

Welcher Zweck dieser Aufforderung zu Grunde liegt, mag der Himmel wissen", erwiderte sie.Ich erinnere mich des Herrn noch, der in V. so plötzlich in unser Coupe stürmte; er machte auf mich keinen angenehmen Eindruck."

Du hattest viellxicht erwartet, er werde sich entschuldigen, und da er es nicht that"

Ja, ich hatte das erwartet und durfte es erwarten, aber er sprach kein Wort, trotzdem er deutlich erkennen mußte, welchen Schrecken er uns eingejagt hatte. Und was bezweckt nun diese Aufforderung? Wir sollen dem Untersuchungsrichter in D. unsre Adreffe angeben?"

Damit die Ehre eines Mannes gerettet wird, der schuldlos eines Verbrechens angeklagt ist!" nickte das Mädchen.

Also wird dieser Herr das Verbrechen begangen haben!

So lange er in unsrer Gesellschaft war"

Mein liebes Kind, ich glaube, wir thun am Besten, uns um die Sache nicht zu kümmern", sagte die Commerzienräthin in ent- schlossencm Tone,wir schaffen uns selbst nur Unannehmlichkeiten dadurch. Wir werden einigemal nach D. reisen müssen, um die Fragen des Untersuchungsrichters zu beantworten, und möglicher­weise sitzen wir während der Gerichtsverhandlung auf der Zeugen­bank. Das wäre eine sehr unangenehme Situation"

Aber einen Makel könnte sie nicht auf uns werfen", unterbrach Emma sie,und hier handelt sich's um die Ehre und die Freiheit eines Schuldlosen. Wir können ja nicht wissen, wie die Dinge lie­gen, und welche Fragen man an uns zu stellen wünscht. Ich meine, da sei es unsere Pflicht, der Aufforderung Folge zu leisten, selbst aus die Gefahr hin, daß uns einige Unannehmlichkeiten daraus erwachsen."

Hm ja, im Grunde genommen magst Du wohl Recht ha- den", sagte die Mutter rathlos,aber Du kennst die Scherereien nicht, die mit solchen gerichtlichen Untersuchung-geschichten verknüpft sind. Man könnte ja einen Freund beauftragen, sich über die Sache selbst Klarheit und Gewißheit zu verschaffen, ehe wir der Aufforderung nachkommen."

Und ein Schuldloser sitzt inzwischen im Gefängniß!" erwiderte Emma mit wachsender Erregung.Ich mag die schwere Verant­wortung nicht übernehmen, mein Gewiffen würde mir bittere Vor- würfe deshalb machen."

Darf ich eintreten?" fragte in diesem Augenblick eine klang­volle Stimme.

Die Damen hatten in der Erregung das Anpochen überhört, in dem Rahmen der offenen Thür stand ein hoher, schlanker Herr in eleganter Kleidung, eine schöne, stattliche Erscheinung in der Hal­tung eines Mannes, der sich seines Werthes voll bewußt ist.

Ein dichter, schwarzer Bart umrahmte das von der Sonne ge­bräunte Antlitz, aus den dunklen, blitzenden Augen leuchtete eine Fülle von Kraft und Lebenslust, und nur wenn man dieses Gesicht scharf betrachtete, entdeckte man einige Falten, die daraus schließen ließen, daß unbezähmbare Leidenschaften oft die Richtschur seines Handelns und Genießens waren.

Sie konnten nicht gelegener kommen, Herr Herfeld", sagte die Commerzienräthin erfreut,bitte nehmen Sie Platz, wir bedürfen wieder einmal Ihres Rathes, den Sie uns gewiß nicht vorenthal- l ten werden."

Herfeld hatte nach seiner Verbeugung vor den Damen sich in einen Sessel niedergelassen, er zog langsam die Glaceehandsckuhe aus und ließ die prüfenden Blicke bald auf der Mutter, bald auf der Tochter ruhen.

Sie wissen, wie glücklich es mich macht, wenn ich Ihnen einen Dienst erzeigen kann", erwiderte er,hoffentlich ist es für Sie keine una »genehme Angelegenheit."

Sehr unangenehm sogar, bitte, lesen Sie diese Aufforderung."

Herfeld las, seine Stirn umwölkte sich, fragend schweifte sein Blick zu dem Mädchen hinüber.

Ich verstehe das nicht", sagte er,Sie sind doch nicht diese Damen, an welche die Aufforderung gerichtet tst?"

Wir allein können es sein", antwortete Emma. Sie wissen, wir kamen vorgestern Morgen mit dem Schnellzuge von einem kleinen Ausfluge zurück, ich sagte es ihnen gestern, weil ich Sie auf dem Perron in V. bemerkt zu haben glaubte."

Das war ein Irrthum, gnädiges Fräulein!"

Wenn Sie es behaupten, muß ich es glauben, aber ich wie­derhole Ihnen, die Aehnlichkeit jenes Herrn mit Ihnen, war frappant."

Es kann ja sein", sagte Herfeld mit einer leichten Verbeugung, ich bedaure nochmals, daß ich nicht so glücklich war, Sie auf dieser Reise begleiten zu dürfen. Vielleicht würde ich dann mit meinem Doppelgänger zusammen getroffen sein, das hätte zu ergötzlichen Verwechslungen Anlaß geben können. Sie sind also mit einem an­dern Herrn gefahren"

Gegen unsern Willen", unterbrach die Commerzienräthin ihn rasch.In V. hatten wir kurzen Aufenthalt, der Zug setzte sich schon in Bewegung, als der betreffende Herr in unser Coups stürmte." (F. f.)

Anzeigen.

Der Tagelöhner Johannes Faust (Valentin's Sohn) in Unterweis ge­boren am 13, November 1837 ist wegen verschwenderischer Lebensweise der eigenen Vermögensverwaltung entsetzt uy.b der Wirth und Ackermann Valentin Schäfer daselbst als Curator desselben verpflichtet worden.

Hersfeld, am 24. Juli 1877.

Königliches Amtsgericht, ©all wig.

vt. Kühn.

Ter Tuchmachergeselle Johannes Reinhardt von hier, hat sich am 18. d. Mts. in einem aufgeregten Zustand aus seiner Wohnung entfernt, ist bis jetzt zu seiner Familie nicht zurückgekehrt und hat von seinem Aufenthaltsort keine Nachricht gegeben. Derselbe ist bei seinem Weg­gänge betreibet gewesen mit:

einer braunen Tuchmütze, einer blauen Flaneljacke, einer grau gestreiften Tuch­weste, einer schwarzen Tuchhose und mit Stiefeln.

Alle Polizeibehörden werden ergebenst ersucht, Recherchen über den Verbleib des 2c. Reinhardt anstellen und Nachricht da­rüber anher gelangen zu lassen.

Hersfeld, den 20. Juli 1877.

Der Bürgermeister.

I. V : Zimmer man».

vt. B ol z.

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Zu dem West- und Nordwestdeutschen Verbands-Gütertarif vom 1. Juli 1877 ist der 3. Nachtrag herausgegeben. Derselbe kann bei den betreffenden Güterexpeditionen eingesehen werden.

Frankfurt a. M., den 23. Juli 1877. Königliche Eisenbahn- Direction.

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Diejenigen, welche an den Gastwirth Schnarrt zu Frielingen oder dessen Ehefrau Forderungen zu machen haben, werden aufgefordert, solche innerhalb der nächsten 14 Tagen bei dem Unterzeichneten anzumelden und zu begründen,, da später eingehende Meldungen nicht berücksichtigt, werden können.

Frielingen, den 31. Juli 1877.

Der Kurator

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Redaction, Schnellpressendruck und Verlag von Ludwig Funk in Hersfeld.