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Hundert Bulgaren sollen in Stambul wegen Landesverraths hingerichtet werben. Ein Berichterstatter der Daily News meldet, daß 50 türkische Familien von den Russen gänzlich unbelastet, in Tirnowa lebten. Nach demStau hart" hatte Montenegro auf eine ausdrückliche Weisung aus dem russischen Hauptquartier hin al'e Waffenstillstandsverhandlungen abgelehnt.

Vermischtes

Buckau, 17. Juli. In welcher gewissenlosen, niederträchtigen Weise Lebensmittel verfälscht werden, ohne daß dabei irgend welche Rücksicht auf Gesundheit und Leben der Konsumenten genommen wird, beweist wiederum eclatant folgender Fall: Ein hiesiger Ar­beiter holte sich gestern früh zum Frühstück von einem hiesigen Ma­terialisten für 15 Pf. sogenannten limburger Käse. Nachdem er kaum die Hälfte verzehrt hatte, wurde er unwohl, empfand starke Uebelkeit und mußte sich schließlich erbrechen. In Folge deffen wurde der Käse von einem der hiesigen Aerzte untersucht, wobei stch herausstellte, daß es eigentlich gar kein Käse, sondern eine auf chemischem Wege hergestellte käseähnliche Masse war, welche stark mit reinem Quecksilber durchsetzt war. Der Materialist will den Käse von einem Magdeburger Großhändler gekauft haben und möge sich deshalb das dortige Publikum vorsehen. Der noch vor­handene Vorrath ist hier sofort von unserem Polizeicommissar mit Beschlag belegt und dem Gericht übergeben, welches hoffentlich über die Fälscher eine strenge Strafe verhängen wird.

Feuilleton.

Erste Masse.

Novelle von Ew. Aug. König.

(Fortsetzung.)

Ich verstehe nicht, wie man gegen einen ehrenhaften und bis­her durchaus unbescholtenen Mann eine so furchtbare Anklage erhe­ben kann," sagte er nachdem er seine Fassung wiedergefunden hatte, zumal da hier nicht der geringste Beweis gegen mich vorliegt. Ich habe mir, als man mich in's Gefängniß führte, gefallen lassen müssen, daß man meine Taschen durchsuchte, man hat in ihnen nichts von dem gefunden, was dem Ermordeten geraubt worden ist, also fehlt anch nach dieser Seite hin jeder Beweis. Was dem Ver­brechen vorherging, ist, soweit es mich persönlich betrifft, sehr ein­fach. Wir hatten in S. geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen, unsere Bücher und Correspondenzen geben darüber näheren Auf­schluß, wenn dieser im Interesse der Sache nöthig sein sollte. Ueber diese Angelegenheiten waren zwischen jenem Hause und uns schon viele Briefe gewechselt worden, ohne daß eine Einigung erzielt werden konnte, wir aber wollten der Sache ein Ende machen, denn es handelte sich daneben um eine namhafte Summe, deren völligen Verlust wir befürchten mußten. Mein Associe entschloß sich nach S. zu reisen, in einem kleinen Handkoffer nahm er die nöthigen. Pa­piere und Geschäftsbücher mit, von seiner persönlichen Intervention erwartete er den besten Erfolg. Und in dieser Hoffnung sah er sich auch nicht betrogen, das Haus konnte keine Ausflüchte mehr machen, es mußte auf den Kern der Sache eingehen, und etwas Nachgiebig- bigkeit auf beiden Seiten führte allmälig zur Einigung. Nur über einen Punkt konnte man nicht einig werden; die Behauptungen meines Associe's fanden keinen Glauben, er sollte Beweise vorlegen, und diese Beweise befanden sich in einem Geschäftsbuchs, das er nicht mitgenommen hatte. Er telegraphirte mir, und ich fand es

für das Beste und Kürzeste, daß ich selbst das Buch nach S. brächte, ich wollte ohnedies meinen Associe noch auf verschiedene Punkte auf­merksam machen, die bei der endgültigen Abwickelung nicht übersehen werden durften. Vorgestern Nachmittag reiste ich hin, wir hatten an demselben Abend noch eine Besprechung, und gestern Abend kam die Einigung zu Stande. Da sofort nach dieser Einigung unsere Forderung in baarem Gelde gedeckt werden sollte, so beschlossen wir, erst heute Morgen mit dem ersten Zuge die Rückreise anzutreten, ich sollte ohne Verzug durchreisen, mein Associe wollte in B. einen gro­ßen Waarenposten kaufen, der uns angeboten worden war und dem betreffenden Hause das Geld als vorläufige Abschlagszahlung über­geben. Die Summe wurde uns gestern Abend ausgezahlt, und wir stiegen heute Morgen in der heitersten Stimmung in den Schnellzug. Wir waren allein im Coupe, und es ist wahr, daß eine Meinungs­verschiedenheit einen Wortwechsel hervorrief; diese Meinungsverschie­denheit bezog sich auf einige Punkte, in denen nach meiner Ansicht unsere Nachgiebigkeit zu weit gegangen war. Herr Hasset besaß in solchen Dingen einen zähen Eigensinn, es war nicht rathsam, ihm zu widersprechen, und doch gebot mir manchmal meine Pflicht, es zu thun, weil die Interessen des Geschäfts dies forderten."

Er machte eine Pause und strich mit dem seidenen Taschentuch langsam über seine Stirne.

Alles, was er bis jetzt gesagt hatte, klang so wahrscheinlich, daß nicht die geringste Berechtigung zu einem Zweifel vorlag.

Das war indeß von gar keiner Bedeutung," fuhr er fort,und es hatte auch nicht den geringsten Werth, denn wir konnten jenem Hause gegenüber ja doch nicht auf diese Punkte wieder zurückkom­men. Der;Zug hielt arischer ganzen Strecke einmal und zwar in V.; hier war für den durchfahrenden Schnellzug in der Regel ein Aufenthalt von einigen Minuten, ich wollte ihn benutzen, um eine Tasse Bouillon zu trinken, mein Associe blieb sitzen. Der Zug mußte sich aber wohl verspätet haben, denn ich befand mich kaum in der Restauration, als die Signalglocke geläutet wurde. Der Weg war zu weit, um das Coupe noch zu erreichen, in oem ich gesessen hatte, deshalb stieg ich in das erste beste Coupe ein, hinter mir wurde auch schon die Thür zugeschlagen, und der Zug setzte sich in Bewegung. Zwei Damen, wie es mir schien Mutter und Tochter, saßen in dem Coupe, ich kannte sie nicht und mochte auch kein Gespräch mit ihnen anknüpfen, da es mir vorkam, als ob meine Gegenwart ihnen unangenehm sei. In B. blieb mir auch keine Zeit, mich nach meinem Associe umzu- sehen, der Zug, mit dem ich weiter!ahren wollte, stand schon bereit, da Herr Hassel in B. blieb, so durfte ich wohl annehmen, daß er an den Zug kommen würde, um sich zu überzeugen, ob ich nicht in V. zurückgeblieben war. Das ist die Sachlage, so weit sie mich be­trifft, was auf der Strecke zwischen V. und B. vorgefallen ist, kann ich nicht wissen."

Der Richter unterbrach das Verhör, um den Schaffner noch­mals zu vernehmen.

Davon, daß Geldermann in V. ausgestiegen und später in ein anderes Coupe gekommen war, wußte der Schaffner nichts, er hatte sich um diesen Reisenden nicht mehr bekümmert, weil derselbe ein Billet bis D. besaß.

Und die beiden Damen?" fragte der Richter.

Ich erinnere mich ihrer md)t mehr," lautete die Antwort, ein anderer Schaffner mag ihnen ore Billette abgenommen haben, es war ein langer Zug, und bei den Schnellzügen kommen wir mit den Passagieren weniger in Berührung, da an sehr vielen Stationen nicht gehalten wird. Daß ich mich des Ermordeten und seines Be- glerters so genau erinnere, mag wohl seinen Grund in dem Wort­wechsel haben, der mich aufmerksam auf sie machte." (F. f.)

Anzeigen.

Bekanntmachung.

Der Heinrich Glebe zu Nieder- aula ist wegen Verschwendung der Ver­waltung seines Vermögens vorläufig ent­setzt, Vormund ist dessen Vater Jacob Glebe von dort. Niederaula, am 16. Juli 1877.

Königliches mtsgericht Burchardi.

Beglaubigt F l o r e t

Sekretair.

MeKanntmachung.

Sonnabend den 28. d. Mls.

des Nachmittag- 3 Uhr sollen die am rechten Fuldaufer in der

Gemarkung Hersfeld im s. g. Claus­werthe bem Staate zugehörigen Korb­weiden auf Ort und Stelle öffentlich verkauft werden.

Hersfeld, am 20. Juli 1877

Der Bauinspector

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