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Tagesbegebeilheiteit.
Nosenheim, 16. Juli. Seine Majestät der Kaiser ist heute Abend hier eingetroffen und wirb morgen die Reise nach Gaslein fortsetzen. Bei der Abreise von der Insel Mainau begleiteten der Großherzog und die Großherzogin Se. Majestät über den Bodensee bis Lindau, wo dem Kaiser ein enthusiastischer Empfang bereitet war. In Kempten und hier ist Se. Majestät ebenfalls mit großem Enthusiasmus begrüßt worden.
Potsdam, 15. Juli. Prinz Wilhelm hat gestern vor dem Präses der Ober-Militär-Examinations-Csmmission, General v. Holleben, im Beisein des Kronprinzen sein Officiersexamen gemacht.
»Vom Orientkriege.
Von der Donau, 16. Juli. Die türkische Festung Nikopo- lis gegenüber von Turnu-Magurelli ist heul früh unter Kooperation des russischen Korps Krüdener^ und rumänischer Truppenkorps von den jenseits der Donau von Sistowa und Plewna aus operirenden russischen Truppen genommen worden. Damit ist der Hochwich- c tige Brückenschlag über die Donau bei Turnu-Magurelli—Nikopolis gesichert.
Von der Donau, 16. Juli. Der heut bei Morgengrauen um Nikopolis stattgehabte Kampf war ein furchtbar blutiger; die Türken wehrten sich verzweifelt, ihre Artillerie schoß sehr treffsicher und erfolgreich, dennoch gelang es der Zähigkeit der rus- » fischen Kolonnen, die Hauptpssitionen mit stürmender Hand zu nehmen. Eine inzwischen vollzogene glückliche Umgehung entschied rasch das Schicksal von Nikopolis, da die Türken fürchten mußten, bei längerem Widerstand von ihrer Nückzugslinie abgeschnitten zu werden. Nikopolis ist fast ganz zerstört. Der Brückenschlag wird fortgesetzt. Die russische Avantgarde hat Fühlung mit den Fliehenden behalten. — Aus dem großen Hauptquartier ist hier soeben die mit Jubel begrüßte Meldung eingetroffen, daß die Reiterkorps des General Gurkoff an zwei Stellen den Balkan überschritten haben und sich an der Eisenbahnlinie Jamboli-Adrianopel mit einigen Piquets Vortrab festgesetzt und die Linie zu zerstören begonnen haben. Am letzten Sonnabend Morgen schwärmten die ersten Kosaken bis nach Hainkoy jenseits des Balkans; sie zogen sich zurück, da sie aus den Feind stießen. Gegen Mittag besetzten die herangezogenen Verstärkungen, bestehend aus russischen Dragonern und Kosaken, Hainkoy, und die nur schwache Nachhut des Feindes zog sich in nordöstlicher Richtung zurück. General Gurkoff ließ an demselben Tage nach der Richtung auf Jamboli sowie südöstlich und südwestlich weitere Piquets ausschwärmen, die noch auf keinen Widerstand stießen.
Wien, 16. Juli. Hier eingetroffene Meldungen aus Simnitza vermelden ein ernsthaftes Zusammentreffen eines 15,000 Mann starken russischen Korps mit der 6000 Mann starken Avantgarde der Türken die zu dem 25,000 Mann starken Korps gehören, das den Schipkapaß (westlich von Kezanlik) vertheidigen soll. Die Russen siegten unter großen Verlusten und besetzten den Schipkapaß — Die bei Nikopolis engagirt gewesenen Armeekorps 12. und 13. rücken in zwei Kolonnen in der Richtung nach Rustschuk vor.
Wien, 16. Juli. Das N. W. Tagbl. meldet aus Semlin: Salih Pascha hat ine serbische Drinagrenze mit 20 Bataillonen besetzt. Wien, 14. Juli. Telegramm der „Presse" aus Celtinje: Der Oberbefehlshaber der montenegrinischen Armee meldet, er habe am 10. d. die Türken an der Tara geschlagen und sechs türkische Dör> ^ fer in der Herzegowina zerstört.
London, 16. Juli. Jener ehemalige preußische Offizier im türkischen Heere, welcher die Schlacht bei Zewin gewonnen, wurde nach dem Daily Telegraph zum Pascha ernannt.
* — Der Korrespondent der Daily News im russischen Hauptquartier telegraphirt, daß, wenn die Türken keinen ernstlicheren Widerstand leisten, als bisher, die Ruffen binnen 4 Wochen vor Konstantinopel stehen könnten.
— Nach Central News verlangt die Pforte von Serbien Aufklärungen über dessen neueste kriegerische Stiftungen. — Die Pforte schickte dem Generalissimus Abdul Kerim zur Soldzahlung 2 Millionen
, Pfund Baargeld. r..rv
— Sistowa, 14. d.: Die Plünderungen tn den von russischen Truppen besetzten bulgarischen Ortschaften sind von den ansässigen Walachen und Zigeunern verübt worden. Der russische Obercommandant hat eine strenge Untersuchung gegen dieselben einleiten lassen. Sistowa, 15 Juli. Der Czar fuhr gestern nach Tinowa. Auf der Fahrt dahin wurde er von der bulgarischen Bevölkerung mit der größten Begeisterung begrüßt. . Schumla, 14. Juli. Beim Dorfe Aruautkor (bei Trrnowa auf dem Wege nach Osman Bazar) wurde am 11. d., Nachts, eine Wagencolonne mit fliehenden türkischen Familien durch eine Bulgarenbande Überfällen, die Männer, Weiber und Kinder ohne Unterschied niedermetzelte.
— Die Garnison von Bajasid bestand am 18. Juni d. I. nach russischer Angabe aus 4 Stabsoffizieren, 26 Oberoffizieren und 1587 Soldaten. Hiervon wurden während der Belagerung getödtet: 2 Stabsoffiziere, 114 Soldaten, verwundet: 7 Oberoffiziere, 359 Soldaten. Alle klebrigen sind durch die erlittenen Entbehrungen auf das Aeußerste ermattet und bedürfen längerer Pflege und Erholung, ihre Nahrung bestand in der letzten Zeit vor dem Entsatz aus dem Fletsche gefallener Pferde.
Vermischtes.
Berlin, 13. Juli. Auf dem Uebungsplatze des Eisenbahn- Regiments bei Schöneberg hat sich am Mittwoch Nachmittag ein entsetzlicher Unglücksfall zugetragen. Unter dem Kommando eines Unteroffiziers waren Dort Mannschaften damit beschäftigt, eine kalte Lokomotive in den Maschtnenschuppen zu transportiren. Dieselbe mußte die Drehscheibe passiren und dort gewendet werden. Nachdem die Drehscheibe in der richtigen Lage war, sollte Die Lokomotive in den Schuppen gedrückt werden, was indessen nicht gelang. Es wurden daher zwei eiserne Hebebäume herbeigeholt am mit diesen die Spurkränze der Maschinenräder anzukneifen. Die Mannschaften waren vorschriftsmäßig angestellt und die Maschine wurde auch in Bewegung gebracht, stand aber wieder fest, ohne daß der Grund des Hemmnisses fogleich zu erkennen gewesen wäre, weil die Mannschaften alle auf einer Seite der Lokomotive eingestellt waren. Der Unteroffizier sprang deshalb auf die andere Seite und fand dort einen Pionier mit völlig zermalmten Kopf als Leiche liegend. Jedenfalls hat der Unglückliche in allzugroßem Diensteifer, um die Schienen zu reinigen, den Kopf in demselben Moment zwischen die Räder gesteckt, als die Lokomotive durch Die Hebel in Bewegung gefetzt war und hierdurch seinen Tod herbeigeführt. Ohne einen Laut auszustoßen, war der Unglückliche sofort eine Leiche. Derselbe war — wie man uns von anderer Seite meldet — erst am 1. Oktober v. I. freiwillig beim Eisenbahn-Regiment eingetreten, und, da er stcy als Techniker dem Maschinenbaufach gewidmet hatte, vorzugsweise zu diesem Dienst kommandirt worden, welchen er erst seit drei Tagen versehen hatte. (B. Tgbl.)
Mord durch Dynamit. In der Nähe von Nyköping in Schweden hat ein Unterbeamter Larston seine Frau und seine beiden Kinder eingeladen, mit ihm eine Bootfahrt auf dem Bosvensee zu machen, der sie willig folgten; aber kaum war bas Boot in die Mitte des Sees gelangt, als man am Ufer einen fürchterlichen Knall vernahm — und die Glieder der 4 Insassen flogen in Stücke zerrissen umher. Wie biefe schändliche That vollbracht ist, weiß Niemand, und läßt sich nur ahnen, denn die Verhältnisse des Mannes sollen verzweiflungsvoll gewesen sein.
Feuilleton.
Erste Klasse.
Novelle von Ew. Aug. König.
(Fortsetzung.)
„Und dieses Vertrauen," fuhr der Gerichtsrath fort, „hat er sich zu erhalten gewußt, er wurde bald nach seiner Lehrzeit erster Buchhalter, dann Prokurist und später Associe des Hauses, und man behauptete schon früher, Hasset habe ihn in fernem Testament zum Universalerben seines Vermögens eingesetzt. Was an dieser Behauptung Wahres ist, weiß ich nicht, indeß glaube ich gern, daß sie begründet sein kann."
„Haffel hatte keine Familie?" fragte der Staatsanwalt.
„Nein. Er war nie verheirathet, ob er nahe Verwandte besaß, weiß ich nicht."
„Und Geldermann wußte, daß er den alten Herrn beerben würde?"
„Wahrscheinlich, man sprach ja öffentlich darüber, also wird ec es wohl erfahren haben!"
„Und was halten Sie von dem Charakter Geldermann's?"
„Ich kann nicht darüber urtheilen, wert ich den Herrn nicht genau genug tenne. Nachtheiliges habe ich nie über ihn gehört, er soll ein tüchtiger Kaufmann sein und sehr solide leben."
„Er ist ebenfalls nicht verheirathet?"
„Damals war er es nicht, ob er seitdem eine Lebensgefährtin gefunden hat, kann ich Ihnen nicht sagen."
„Und welche Ansicht haben Sie sich über den Vorfall gebildet?" fragte der Staatsanwalt nach einer Pause. „Glauben Sie, daß Geldermann die That begangen hat, und welche Gründe könnten ihn dazu bewogen haben?"