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vorgenommenen Besichtigung die anpflanzenden Obstsorten bestimmen, auch Anleitung zur sachgemäßen Pflanzung geben kann.
Abtheilung des Innern.
Kühne.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des hiesigen Bezirks.
*
Vorstehende Verfügung wird den Herren Bürgermeistern zur Kenntnißnahme und Beherzigung des Inhalts mitgetheilt.
Zunächst ist diese Verfügung dem Gemeindecathe und dann auch dem Gemeinde-Ausschusse zur Berathung und Beschlußfassung bezüglich Der Gemeindebaumschulen und Bepflanzung Der Gemeinde- triescher mit Obstbäumen vorzulegen und sind mir die Beschlüsse bis zum 10. k. M. in beglaubigter Abschrift berichtlich einzureichen.
In dem Berichte haben sich die Herren Bürgermeister über den Zustand der vorhandenen Gemeinde- und Privat-Baumschulen aus- zusprechen.
Hersfeld, am 14. Juli 1877.
7262. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Joseph, Königlicher Kreissecretair.
Der^Colorado oder Kartoffelkäfer»
Ein kleines Käferchen, welches seit einigen Jahren auf den Kartoffelfeldern Nordamerika's große Verheerungen anrichtet, ist durch einen unglücklichen Zufall von dort her über den weiten Ocean zum Schrecken der Landwirthe auch zu uns nach Deutschland gelangt. Wenn es bis jetzt hier nur auf einem einzigen Kartoffelacker (zu Mülheim am Rhein) gefunden ist und wenn auch Seitens der Regierung in dankenswerther Weise iowrt die radikalsten Mittel zur Vertilgung des neuen Feindes der Landwirthschaft in Anwendung gebracht worden sind,*) so ist es doch immerhin möglich, daß sich einzelne Käfer bereits an andere Orte verflogen haben, um dort ihre Verderben bringende Thätigkeit zu beginnen. Es ist zur Abwendung der drohenden großen Gefahr aus diesem Grunde unabweisbare Pflicht eines Jeden, welcher Kartoffeln baut, die Kartoffelfelder fortwährend sorgfältig zu überwachen und genau zu beobachten, den Ortsbehörden aber ungesäumt Nachricht zu geben, sobald an den Kar- tosselpflanzen Fraß bemerkt wird, oder gar fressende Käser und Käferlarven gefunden werden.
Wenn man einen Feind dieser Art mit Aussicht aus einigen Erfolg bekämpfen will, so muß man wissen, wie er aussieht, wie er lebt und wie er's treibt.
Der Kartoffel- oder Coloradokäser ist etwa 1 Centimeter lang. Sein Leib ist roth, aus jedem Flügel finden sich 5 schwarze und 5 gelbe Längsstreifen. Das Weibchen des Käfers legt seine orangegelben Eier in Klumpen von 10— 12 Stück an die unteren Blattseiten ab. Diesen Eiern entschlüpfen nach Ablauf von 5 bis 8 Tagen käferartige Larven, welche ebenso wie der ausgebildete Käfer und zwar..) 4 bis Lv Tage hindurch mit entsetzlicher Gier an der Kartoffelpflanze fressen und diese schließlich mit Stumpf und Stiel vernichten können. Die Larven sind, wie gesagt, käferartig geformt, roth von Farbe und zeigen auf jeder Seite des Leibes zwei Reihen schwarzer Punkte. Nach 14 bis 20 Tagen vcr. puppen sie sich und nach weiteren 10bis t4 Tagen kriechen die vollkommen entwickelten Käfer aus. Diese Käser fressen uno legen Eier und die geschilderte Vermehrung geht bis in's Spätjahr fort. Die Käfer der letzten Generation verbergen sich dann in der Erde, um dort zu überwintern; sobald aber die warme Sonne des folgenden Frühjahrs das Kraut der Kartoffeln hervorgelockt hat, verläßt auch der Käfer fein unterirdisches Winterquartier und das Elend beginnt von Neuem und in noch großartigerem Umfange.
Es ist unglaublich, wie rasch sich der gierige Fresser vermehrt. Gerade dadurch aber wird er so mächtig, so überans gefährlich. Wo er sich erst einmal eingenistet hat, da findet man ihn gleichzeitig in all den verschiedenen Zuständen seiner Entwickelung, also Larven, Puppen, Käfer, Eier, und dann ist Hülfe nicht mehr möglich!
Seid auf der Hut, Ihr Landwirthe! Es gilt Euer eigenes Wohl! Und wenn auch die gegenwärtige Invasion des Kartoffelkäfers beseitigt wird, so kann über Nacht eine weitere kommen. Durch die verbesserten und vermehrten Kommunikationsmittel ist uns Amerika weit näher gerückt, als früher. Der Verkehr mit diesem Welttheil hat sich deshalb zu einem äußerst regen entwickelt und damit hat sich denn auch die Gefahr weiterer Einschleppungen des gefährlichen Insekts in entsprechendem Maße vermehrt.
Unterstützt durch unausgesetzte Wachsamkeit die Staatsregürung, die gern und nachdrücklich hilft, so lange noch zu helfen ist, und traget das Eurige zur Abwendung einer (Kalamität VP, die in ihren Folgen wahrhaft verhängnißvoll werden kann!
Kassel, den 12. Juli 1877.
Der Vorsitzende des landwirthschastlichen Central-Vereins. Wendel st adt.
*) Dicke und dichte Bedeckung des betr. Ackerfelds mit Lohe und Säge« spähnen, reichliche Tränkung derselben mit Petroleum, Anzündung dieser Brenn- matertalien, somit gründliche Vernichtung der sämmtlichen Kartoffelpflanzen und Erhitzung des Bodens durch Feuer. Darauf Umgrabung und Durchsuchung nach Larven.
Vorstehenden, aus Nr. 37 des „Hessischen Wochenblattes" entnommenen Aufsatz haben die Herren Bürgermeister des Kreises nicht nur auf die ortsübliche Weise, sondern auch durch die Herren Lehrer in den Schuten und bei sonstigen Gelegenheiten zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und die Einwohner der betreffenden Polizei- verwaltungsbezirke zur sorgfältigen fortwährenden Ueberwachung der Kartoffelfelder und ungesäumten Anzeige bei der Ortspolizeibeyörve, sobald an den Kartoffelpflanzen Fraß bemerkt wird, oder gar fressende Käfer oder Käferlarven gefunden werden, anzuhalten.
Sobald eine derartige Anzeige gemacht wird, ist mir, nachdem
der Sachverhalt unter Mitheranziehung einsichtsvoller und sachkundiger Leute festgestellt worden ist, sofort Anzeige zu machen.
Hersfeld, am 18. Juli 1877.
7369. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Joseph, Königlicher Kreissecretair.
Hersfeld, am 14 Juli 1877.
1) Die sämmtlichen Herren Bürgermeister u. Ortsverwalter auch die der fiscalischen Oberförstereien des Amtsgerichtsbezirks Niederaula — in etwaiger Verhinderung die Herren Vicebürger- >» meister — und
2) die gestern bei der Versammlung in Hersfeld nicht erschienenen Herren Bürgermeister und Ortsverwalter zu Allmershausen, Biengartes, Gittersdorf, Heenes, Mecklar, Meisebach und Wippershain und
3) die Herren Brandmeister und deren Stellvertreter aus den Gemeinden des unter 1 gedachten Amtsgerichtsbezirks und den unter 2 ' gedachten Gemeinden werden unter Bezugnahme auf meine Bekanntmach, ungen vom 4 und 9. d.' M. Nr. 7032, 7094 und 7117 in Nr. 55 des Kreisblattes zu einer gemeinschaftlichen Besprechung und Berathung über das Feuerwehrwesen — an welcher auch der Oberbrandmeister, HerrGpmnasiallehrer und Reservelieutenant Dr. Steiger wieder Theil nehmen wird — auf
Sonnabend den 2i. d. MtS.
RachmittagA 3 Uhr in den Saal des Gastwirthes Herrn Eichmann zu Niederaula ein- resp, wieder vorgeladen.
Die Herren Bürgermeister, von denen ich erwarte, daß keiner ohne zwingende Noth, und dann nicht ohne Vertretung und unentschuldigt zurückbleibt, haben sofort die Herren Brandmeister und deren Stellvertreter, deren Anwesenheit sehr erforderlich ist, vorzuladen und bemerke ich noch, daß es im Interesse der Sache liegt, wenn auch Bürgermeister, Brandmeister rc. aus anderen Gemeinden des Kreises und äußere für das Feuerwehrwesen Sinn habende Männer, namentlich £ solche, welche Lust haben und dazu geeignet sind, freiwillige Feuerwehren in's Leben zu rufen und zu orgamfiven, in der Versammlung erscheinen. , 7247. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Joseph, Königl. Kreissecretair.
Den Herren Bürgermeistern und Ortsverwaitern des Kreises gebe ich davon Kenntniß, daß nach einer Entscheidung der Herren Minister des Innern und der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal« ‘ Angelegenheiten vom 17. April 1872 M. d. I. ß. 3263 und M. d. g. A. U. 8908, im ehemaligen Kurfürstenthum Hessen auch die Schulbaukosten nicht mehr gemäß den Vorschriften des Consisto- rial-Ausschreibens vom 28. Februar 1766, sondern wie alle übrigen Schulbedürfnisse nach Maßgabe der für die Aufbringung der Com- munalbedürfniffe bestehenden gesetzlichen resp, statutarischen Vorschriften aufzubringen sind.
Hersfeld, den 16. Juli 1877.
12016 | 76. Der Königliche Landrath.
J. V.:
Joseph, Königlicher Kreissecretair.