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III. Statut der Casino-Gesellschaft in N.
§. 1. In N. besteht seit 1840 eine den höheren Kreisen der Einwohnerschaft ungehörige Gesellschaft, welche die gesellige Bereinigung und-wissenschaftliche Unterhaltung ihrer Mitglieder bezweckt.
Sie führt die Bezeichnung „Casino-Gesellschast zu N." und hat in dieser Stadt ihren Sitz sowie Gerichtsstand.
Nach Maßgabe des Generalversammlungs-Beschlusses vom . . . nimmt die Gesellschaft das gegenwärtige Statut als ihre Grundver- fassung an.
§. 2. Die Mittel, welche der Gesellschaft behufs Erreichung der im §. 1, Abs. 1 gedachten Zwecke zur Verfügung stehen, sind:
a. das an der . . Straße Nr. 895 belegene, Blatt. . . des Grundbuchs eingetragene Grundstück . . . von . . . QF Grundfläche; b. das in demselben befindliche Inventarium im, Werthe von . . .;
c. das sich gegenwärtig auf . . belaufende Kapitalvermögen, für dessen Belegung der §. 39 der Vormundschafts-Ordnung vom 5. Juli 1875 (Ges.-Samml. S. 439) maßgebend ist;
d. die Beiträge der Mitglieder.
§. 3. Die Mitglieder der Gesellschaft zerfallen in ordentliche, außerordentliche und Ehrenmitglieder.
Jedes Mitglied hat das Recht, das Gesellschaftslokal zu besuchen, die Bibliothek, die Karten, bie Zeitungen u. s. w. zu benutzen und an den geselligen Vereinigungen jeder Art Theil zu nehmen.
Sollte eine Auflösung der Gesellschaft erfolgen, so nehmen an dem Gesellschafts-Vermögen, welches nach Abzug der etwaigen Schulden übrig bleibt, nur die ordentlichen Mitglieder Theil.
Im übrigen gilt für die einzelnen Kategorien von Mitgliedern das in den nachstehenden §§. 4 bis 11 Bestimmte.
§. 4; Die ordentlichen Mitglieder zahlen ein Eintrittsgeld von . . . Mark und einen in vierteljährlichen Pränumerandoratsn. zahlbaren Jahresbeitrag von . . .
Die ordentliche Mitgliedschaft können nur selbstständige Personen männlichen Geschlechts erwerben, welche in N. oder im zweimaligen Umkreise der Stadt ihren Wohnsitz haben.
Die ordentlichen Mitglieder haben volles Stimmrecht in der Generalversammlung und sind in den Vorstand wählbar. (F. f.)
Tagesbegebenheiten.
K i s s i n g e n, 30. Juni. Fürst Bismarck mit Familie ist heute Mittag mit dem Meininger Zuge von hier nach Berlin abgereist.
Wien, 2. Juli. Telegramme des „Neuen Wiener Tagblattes". Schumla, 30 Juni. Die russischen Truppen, welche sich der Brücke über die Ja, tra bemächtigen wollten, wurden bei Biela zurückgeschlagen. — DaS Bombardement von Rustschuk dauert fort, bie Gebäude daselbst sind zum größten Theile zerstört, die Batterien dagegen noch intakt.
Telegramm der „Presse" aus Danilograd vom 1. b.: Die montenegrinischen Korps erwarten in eine^ günstigen strategischen Gebirgsposition den vereinigten Angriff L-uleiman Paschas und Ali Saib Paschas von der Ebene bei Podgoritza aus.
Kladowa, 30. Juni. Auch bei Turnmagurelli ist in der Freitags-Nacht von einem Theile des neunten russischen Armeekorps ein Uebergang über die Donau erfolgt, nachdem ein zweitägiges Bombardement voraufgegangen war. Die Kosaken setzten schwimmend über den Fluß. Rahova wurde von Beket und Jslaz aus in Brand geschaffen. Ebenso brennt Sistova.
Pera, 30. Juni. Das Corps unter dem Prinzen Hassan zählt 35,000 Mann, darunter 15,000 Mann egyptischer Truppen. Die Armee von Sofia hat Befehl erhalten, sich in Marsch zu setzen, um die Engpässe des Balkan zu besetzen.
London, 29, Juni. Nach dem Standard war die Schlacht bei Zevics mörderisch. Die Russen, 16000 Mann stark, sümpften tapfer. Die Türken nur 10000 äJlann, standen gut verschanzt. Man schätzt den Verlust der Russen auf 9000 Mann, den der Türken auf 1500 Mann.
London, 30. Juni. Eine Depesche des Daily Telegraph aus Balum von gestern meldet einen neuen türkischen Sieg, den Osman und Djemtl Pascha errungen haben. Die Türken besetzten Same- bah; die Russen zogen sich zurück. Mukhtar Pascha stehe in Deli- baba, der Capitän Mehemed, ein Preuße von Geburt, commandirte eine starke Stellung bei Köpriköi. Die Russen stehen auch in der Nähe von Korassan.
Petersburg, 2. Juli Offizielles Telegramm aus Mazra vom 30. Juni: Nach dem Kampfe bei Sivin ließ General Lorrs- Melikoff durch die Kolonne des General Heimann Millioüs besetzen, einestheils um zu verhindern, daß durch die Truppen des Muschir Kars zu Hilfe gekommen würde und um die Bewegung des Generals Tergukassoff zu erleichtern, der mit Proviant nach Alaschkert macschirt, anderen Thesis um im Nothfalle Bajasid von den das
selbe umgebenden feindlichen Massen zu befreien. Am 26. Juni wurde aus Ardahan eine fliegende Kolonne unter Oberst Komaroff abgeschickt. Dieselbe stieß am 28. Juni auf den Höhen von Arda- nutsch auf eine 3000 Mann starke f endliche Abtheilung, griff die« selbe an, schlug sie und drang bis zum Dorfe Batz vor." Es wurde ein Lager mit 220 Zellen sowie in Ardutsch eine große Menge von Proviant und Munition erbeutet. Der Feind verlor über 100 an Todten, unser Verlust beträgt 1 Todter und 17 Verwundete. Die fliegende Kolonne kehrte nach Aroahan zurück. — Die Beschießung von Kars wird fortgesetzt.
Wien, 2. Juli. Wie der „Politischen Korrespondenz" aus Cettinje vom 1. b. gemeldet wird, lagert fast die ganze türkische Armee bei Podgoritza. Von dem Hauptquartier des Fürsten Nikita in Biela-Biedina seien die türkischen Lagerzelte sichtbar. Vorgestern wurden starke Abtheilungen von Podgoritza nach Scutari entsendet, welche gestern wieder in Podgoritza einrückten. Der türkische Train ist nach Murici gebracht worden.
Bukarest, 2. Juli. Im Kanal von Matschin sind zwei türkische Monitors, zwei Transportschiffe und zwei kleinere Kriegsfahrzeuge durch russische Torpedos abgesperrt. Es ist ein russischer Ukas zu erwarten, demzufolge in Zukunft nur uniformirte türkische Soldaten nach Kriegsrecht zu behandeln seien. Es soll damit den Plünderungen und Barbareien der türkischen Irregulären vorge- beugt werden, welche im Falle ihrer Ergreifung fortan sofort justi- sizirt werden sollen.
Budapest, 2. Juli. Bela Herzberg, Kriegskorrespondent und ungarischer Unterthan, wurde in Bukarest vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen.
London, 2. Juli. Der Standart meldet aus Konstantinopel, daß die Naricht vom gelungenen Donauübergang der Russen beim Sultan einen Wuth-Anfall verursachte.
Lon d o n, 2. Juli. Daily News berichtet, daß das deutsche Geschwader heute Port-Said erreichte.
London, 2. Juli. Der Daily-Telegraph erhielt eine Depesche, nach welcher am Sonnabend bie Türken in einem blutigen Gefecht gegen die russische Vorhut bei Bjela in Bulgarien die Oberhand behalten hätten. Es soll ein furchtbares Gemetzel entstanden fein. Die Türken massakrirten bie bulgarische Bevölkerung.
— Den Rückzug der Türken aus dem Norden der Dobrudscha schildert ein Berichterstatter des „Daily Telegraph" in einem Briefe, der aus Kustendsche vom 26. Juni datirt ist. „Nach anstrengendem Ritt," so lautet der Brief, „bin ich soeben von Hirsova hier einge- lroffen, und niemals werde ich die Szenen des Elendes, des Jammers und der Armuth vergessen, die unterwegs meinem Auge begegnet sind. Gestern Abend wurde der türkische Befehlshaber, dessen Corps ich mich angeschlossen, von dem Anmarsch der Russen benachrichtigt, und gab alsbald Befehl die Zelte abzubrechen, Alles einzu- packen und sich zum sofortigen Abmarsch bereit zu halten. Lange Zeit standen die Soldaten, des Ausbruchs gewärtig, schweigend an den noch flammenden Lagerfeuern, während der Mond sein volles Licht über die einförmige Landschaft ausgoß, deren dumpfes Schweigen mit unserer unsicheren und verzweifelten Lage im Einklang zu stehen schien. Um halb neun Uhr ritt ein Major auf eine kurze Entfernung hinaus, um nach dem Feinde auszuspähen; aber kaum hatte er sich um einige hundert Schritte vom Lager entfernt, als er unter dem Rufe: „Die Russen kommen!" sein Pferd wiederum um« wandle. Nun lief unser eine ganze Anzahl hinaus, um sich bald von dem Anrücken der russischen Kolonnen zu überzeugen, die uns nahezu umzingelt zu haben schienen. Eine allgemeine Pamk war die Folge. An Kampf dachte Niemand mehr, sondern nur noch an Rettung. Die Zelte waren, ich weiß nicht wie schnell zusammengepackt, fast ebenso schnell saßen Alle in den Sätteln, soweit sie eben beritten waren, und fort ging es, wohin, das wußte, glaube ich, Keiner von uns. Ganze Karawanen von Landleuten, hülflose Greise, untermischt mit Frauen und hülslosen Säuglingen sperrten allenthalben die Straße und machten ein Weiterkommen fast noch schwieriger und gefährlicher, als eine Rückkehr nach der von den Moskowitern bedrohten Gegend. Von Zeit zu Zeit hörten wir die Trompetensignale der Kosaken, die uns zu schleunigerer urb immer schleunigerer Flucht anspornten, bis wir schließlich dort anlangten, wo wir sind, vorläufig außerhalb des Bereiches der moskowitischen Heere, die sich über das Land ergossen haben.
geutUetou.
Am Apru-el.
Novelle von C. Schirmer.
(Fortsetzung.)
Die Herren saßen an einem Tisch rauchend und die neueste Politik besprechend, während Veronika und Fanny im Park Arm in