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R a Ms a, 28. Juni. Man bestätigt; daß die Türken den mon­tenegrinischen Boden in Folge der Niederlage im Zetathal wieder haben verlassen müssen. Die ganze Gegend ist ein förmliches Leichen- feld. Die Türken sollen 6000 Todte und noch mehr Verwundete verloren haben. Die Verluste der Montenegriner sind gleichfalls enorm.

Petersb urg, 28. Juni. Offizielles Telegramm aus Mazra vom 27. Juni: Das Bombardement von Kars wird von denselben Batterien, wie seither, fortgesetzt, unser Verlust am 25. und 26. d. betrug einen Todten und 9 Verwundete. Von der Kolonne des Generals Heimann liegen keine Nachrichten vor. Die Truppen des Generals Oklobschio griffen am 23. d M Zichidsiri an, die Türken ^vertheidigten sich hartnäckig und benutzten das koupirte Terrain, die künstlichen Hindernisse, die Beihilfe der Monitors und der bewaffne­ten Bevölkerung. Der Kampf dauerte den ganzen Tag. Die russi­schen Truppen kämpften tapfer und nahmen gegen Abend einen Theil der feindlichen Position ein. Auf russischer Seite fiel der Flügel­adjutant Oberstlieutenant Teriew, 10 Offiziere wurden verwundet, i von Soldaten sind an 400 todt oder verwundet. Am 24. griffen die Türken den rechten Flügel und das Centrum der russischen Po­sition bei Samebah an. Nach einem heftigen Kampf, der türkischer- seits durch auserlesene, jüngst erst angekommenen Bataillone aus Arabistan und durch die Schützen des 4. Korps geführt wurde, ge­lang es, die Türken mittelst Kartätschenfeuer und mit dem Bajonnet unter großen Verlusten zurückzuwerfen. Wegen der späten Abend­stunde und bei der Nähe der türkischen Befestigungen konnte die Verfolgung nicht zu weit fortgesetzt werden. Die Türken wurden von Derwisch Pascha befehligt.

Wien, 28. Juni. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus Cattaro von heute: Mehemed Ali Pascha griff die Montenegriner in der Rahia Moratscha an, wurde aber von 3 montenegrinischen Bataillonen mit erheblichen Verlusten zurückgeworfen. Sämmtliche noch in der Herzegowina befindliche reguläre türkische Truppen, ein­schließlich der bei Metkovich stehenden, erhielten Ordre nach Albanien abzurücken.

Aus kompetentester Quelle erhält die P. C. zur „Militärischen Lage in der Dobrudscha" die nachfolgenden Mittheilungen: Durch die Ueberschreitung der Donau zwischen Braila und Galatz und in der Gegend von Hirsova, sind die Nüssen mit einem Schlage Herren der Dobrudscha geworden. Sie standen am 2L d. M. mit einer Armee-Division bei Jsmail-Kilia, mit einem kompleten Armeekorps bet Galatz und Braila, endlich mit einer Armee-Division gegenüber Hirsowa und verfügen demnach auf dieser Donaustrecke über 60—70,000 Mann. Ein weiteres Armeekorps, über dessen Bestim­mung außer dem russischen Armee-Kommando wohl Niemand sonst Kenntniß haben kann, ist aus dem Innern Rußlands im Anzüge. Sollten es die Umstände erheischen, daß dieses Korps an die untere Donaustrecke dirigirt werde, so würde die russische Truppenstärke daselbst auf circa 100,000 Mann steigen, eine Macht, welcher die Türken in dieser Gegend schwerlich eine ebenbürtige Macht entgegenstellen können. Die Türken haben in der Dobrudscha nur circa 15,000 Mann, von denen ein großer Theil in den festen ^ Plätzen und Positionen an der Donau vertheilt war und der Nest in der Gegend von Babadag in Reserve stand. Ihre Hauptkraft befindet sich in den Festungen Rustschuk, Silistria, Schumla, Varna und dem durch diese Festungen begrenzten Raume (bern sogenannten Festungs-Vierecke.) Von den hier concentrirten Truppen wird aber kaum etwas gegen die Dobrudscha in Verwendung kommen können, da mittlerweile die russische Hauptkraft an anderen Punkten den Donauübergang bewerkstelligt und das Gros der türkischen Armee auf sich gezogen haben dürfte, — falls es _ die Türken überhaupt angezeigt finden, dem Feinde in offener Feldschlacht entgegenzutreten.

Feuilleton.

Am Kprudel.

Novelle von C. Schirm er.

(Fortsetzung.)

Jetzt reichte ihr Herr Born freundlich die Hand und rief:

„Nun, Fränlem Fanny, wollen Sie mir nicht guten Tag sagen? Ich möchte fast böse werde», baß Sie sich vor mir verstecken!"

„O, verzeihen Sie, lieber Direktor, daß ich Sie nicht sofort be­grüßte, meine Freude, Sie hier zu sehen, ist gewiß ebenso groß als die meines Papa, ich war nur hier im Zimmer beschäftigt und hatte Ihr Kommen nicht gehört."

Diese kleine Lüge trieb ihr das Blut in's Gesicht und sie drehte sich schnell nach dem Theetisch um, die Herren ersuchend, Platz zu Hermen.

„Tante Ccherfening läßt sich für heut' Abend entschuldigen, sie hat Kopfweh und möchte auf ihrem Zimmer bleiben."

„Das ist mir eigentlich ganz lieb", sagte der Major, „dann werden wir uns eine Cigarre anzünden und Beide in alter Weise plaudern und wenn sich die Damen zurückgezogen haben, mußt Du mir die Jugendgeschichte meines Neffen erzählen. Du weißt wohl bereits, daß er sich mit seiner Mutter versöhnt hat. Ich denke, er wird in den nächsten Tagen hier eintreffe» und wie wird er über­rascht sein, Dich hier zu finden! Vorher möchte ich doch etwas über sein früheres Leben informirt sein."

Jetzt kam Madame Voltier und nachdem sie dem Direktor vor­gestellt, setzten sich Alle an den Theetisch.

„Es ist ja ein Couvert zu viel", sagte der Major, auf einen leeren Platz deutend und den Diener fragend anblickend.

„Ja", sagte dieser, „das gnädige Fräulein sagte, es würden zwei Herren kommen."

„So--", sagte der Major gedehnt und sah auf seine Toch­ter, die dunkelroth geworden, nichts zu erwidern wußte.

Der Direktor schien sich etwas an ihrer Verlegenheit zu weiden, ehe er das Wort ergriff und zu dem Major gewendet, sprach :

„Wie ich Dir schon vor einigen Tagen schrieb, kann mein jun­ger Freund Berger von Deiner so freundlichen Einladung jetzt nicht Gebrauch machen, er läßt sich Dir und Fräulein Fanny angelegent­lichst empfehlen, und hofft später Gelegenheit zu haben, die so an­genehme Bekanntschaft zu erneuern."

„Ach, solche Badebekanntschaften sind gewöhnlich sehr vorüber­gehender Art. Ist einmal eine Zeitlang darüber hingegangen, dann denkt man nicht mehr aneinander und besonders solche Künstlerna­tur lebt nur oberflächlichen Eindrücken."

„Aber Fanny, bekommen wir heut' keinen Thee?" fuhr der Ma­jor endlich fort und Fanny hielt mit zitternder Hand die Theekanne, ohne die Augen aufzuschlagen. Sie bemühte sich, die Thräne zu verbergen, die an ihren Wimpern hing, doch der Direktor hatte ein scharfes Auge, er sah den ganzen Kampf -es Mädchenherzens und saß doch da so lächelnd, als ob er sich noch freue über das Weh, das auf dem holden Mädchenantlitz ruhte.

Der Major hatte nur Augen und Gedanken für seinen Freund und bald war denn die Unterhaltung zwischen ihnen lebhaft im Gange, auch Madame Voltier betheiligte sich mit Interesse daran, nur Fanny saß still da, aß fast nichts und bat bald, Kopfweh vor- schützend, um die Erlaubniß, auf ihr Zimmer gehen zu dürfen.

Doch noch lange währte es, ehe sie sich zur Ruhe begab, sie weinte und weinte, als sollte ihr das Herz brechen.

Endlich wurde sie von Müdigkeit überwältigt und der Schlaf sandte seinen Bruder, den Traum, der wußte ihr die ganze Nacht so reizende Bilder vorzuzaubern, daß sie, als sie sich von ihrem ger erhob und in den köstlichen sonnigen Morgen blickte, sich doch wieder von Hoffnung belebt fühlte und ausrief: ,

„Die Welt ist ja so schön, so will ich denn auch wieder froh sein und die trüben Gedanken verjagen!"

Die beiden alten Freunde hatten bis spät in die Nacht hinein geplaudert und der Direktor hatte sein Versprechen gelöst und dem Major aus dem Leben Viktor von Scherfening's so viel mitgetheilt, daß dieser das größte Interesse zeigte, seinen Neffen kennen zu lernen.

„Ich bin überzeugt, daß er Dir gefallen wird," schloß der Direktor, „doch bitte ich Dich, morgen noch über Alles, was ich Dir mitgetheilt, gegen Deine Tochter und besonders gegen Frau v. Scherfening zu schweigen. Ich habe noch so einige kleine Ge­heimnisse und Ueberraschungen, die ich erst morgen Abend offen­baren kann. Es wäre mir sogar lieb, wenn ich morgen das Zu­sammentreffen mit Viktors Mutter ganz vermeiden könnte. Doch da dies nicht angehen wird, hoffe ich, daß die Erinnerung an lange vergangene Tage ihrem Gedächtniß entschwunden ist."

Der Major schüttelte den Kopf und sagte:

„Deine Geheimnisse scheinen gar kein Ende zu nehmen, denn Du machst ein so pfiffiges Gesicht, als hättest Du auch für mich noch etwas in petto. Nun für heut' will ich Dir Absolution er­theilen unter der Bedingung, daß Du morgen alles beichtest."

.Wenn es irgend geht, ja" — rief der Direktor, indem er sei­nem alten Freund die Hand reichte und ihm gute Nacht sagte.

Fanny hatte einen frühen Morgenspaziergang durch den Park gemacht und bestieg eine kleine Anhöhe, von wo aus man einen freien Blick auf die umliegenden Ortschaften hatte.

Die, Sonne stand in voller Pracht am Himmel und Fanny hielt die Hand über die Augen, um die Landstraße übersehen zu können, auf der ein offener Wagen in vollem Trabe daher kam. Jetzt war er dicht am Park und Fanny sah eine Dame ein weißes Tuch schwenken, sie mußte also längst erkannt fein, ja, ja, es war Vero­nika, die junge Frau mit ihrem Mann!

Fanny eilte in schnellem Lause herunter und durch ben Park nach dem Schlosse, wo eben der Wagen vorfuhr.