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Beilage zur Ar. 51 des „Areisklatts".

Hersfeld, den 27. .Mni 1877.

Tagesbegebellheiten.

Berlin, 26.Juni. Fürst Bismarck wird nach hier umlau- fenden Mittheilungen entweder schon im Laufe des heutigen Tages oder doch am Mittwoch von Kissingen hier eintreffen. Am gestrigen Montag hatte der bairische Premierminister v. Pfretzschner dem Reichskanzler in Kissingen einen Besuch abgestattet. Ueber die Gründe seiner beschleunigten Rückkehr verlautet einstweilen noch nichts Be- ^. rftimmtes. Am Sonntag wußte mau hier noch nichts davon, daß der Fürst so bald zurückkommen werde, glaubte vielmehr, er werde noch etwa vierzehn Tage in Kissingen verweilen. (B. Tgbl.)

Köln, 25. Juni. Gestern Morgen zwischen 8z und 9 Uhr ist die Gegend zwischen Aachen und Köln von einer Erderschütterung heimgesucht worden, über deren Stärke und Verbreitung die nächsten »Tage wahrscheinlich näheren Aufschluß bringen werden.

* Hannover, 22. Juni. Heute früh 3z Uhr brach in der Ge­schäftsbücherfabrik von Edler und Krische eine Feuersbrunst aus, welche das ziemlich bedeutende Etablissement in der kurzen Zeit von etwa 2 Stunden in einen Trümmerhaufen verwandelte.

Mannheim, 22. Juni. Hier ist eine Falschmünzerbaude ent­deckt worden.

Sschwerin, 21. Juni. Man schreibt der „Post": „Einschreck­liches Unglück hat sich diese Nacht in dem Dorfe Hornkaten bei Lud­wigslust 'zugetragen. Daselbst ist nämlich ein Gebäude niederge- brannt und haben dabei dreizehn Personen ihren Tod in den Flam- » men gefunden. Das Dorf gehört zum Domanialamt Grabow, wel­ches heute Morgen sofort eine Kommission nach der Unglücksstätte absandte.

Eloppenburg, 19. Juni. Gestern ist die benachbarte Stadt Friesoythe von einem furchtbaren Brande heimgesucht worden. 54 Häuser liegen in Asche, 65 Familien sind obdachlos, eine Person ist iOen Flammen umgekommen, viele haben Arm- und Bein­brüche erlitten und sind verletzt durch einstürzende Giebel.

Köln, 25. Juni. Gestern wurden, wie die „Köln. Ztg. mel­det, auf einem Kartoffelacker bei Mühlheim a. Rh. Koloradokä­fer in allen Entwickelungsstufen gefunden Der Acker gehört einem Fleischer, welcher amerikanischen Speck bezieht. Dem, landwirth- schaftlichen Ministerium in Berlin ist hiervon telegraphisch Mitthei- lung gemacht worden. ^

Wien, 23. Juni. Meldungen des „Tagblatts": Raßusa, 21. Juni. Die letzten Kämpfe haben den Montenegrinern über ein Siebentel ihrer Truppen gekostet. Die herzegowinischen Freischaaren wurden fast gänzlich aufgerieben.

Plojesti, 24. Juni. Zehn Compagnien der Regimenter Rjasan und Rjaski unter General Jnkow fetzten auf Kähnen von Galatz über die Donau ohne Artillerie nnd Cavallerie, nahmen die türkische Position Budjak nach erbittertem Kampfe von Morgens 3 Uhr bis Mittags, gegen 3000 bis 4000 Mann Infanterie, 300 Mann Kavallerie und 2 Geschütze. Die Russen nahmen mit dem Bayonette sämmtliche Positionen, verfolgten die Türken nicht, faßten auf den Höhen festen Fuß, warteten hier anf Lebensrnittel, Pferde, Munition und die Jmbnlanzen. Getödtet sind 3 Officiere, 41 Sol­daten, verwundet 2 Offieiere 92 Soldaten.

Braila, 23. Juni. Nach der gestrigen glänzenden That rückten die Rüsten heute in Matschin, das die Türken verlassen mußten, • ein. Die Rüsten überschreiten die Donau vowBraila nach Matschin über Brücken und mittelst Dampfern. Großer Enthusiasmus herrscht

in der Armee. , _ ...

London, 23. Juni. Nach eurem Telegramm der „Times" fit & Konstantinopel das Gerücht einer großen türkischen Niederlage auf dem asiatischen Kriegsschauplatze verbreitet. Officielle Depeschen schildern die Niederlage der montenegrinischen Truppen als entschei­dend; den eingeschlossenen Truppen Nikitas bleibe nur Uebergabe

Bukarest, 25. Juni. Sämmtliche Milltararrestanten sind begnadigt rrrrd wieder unter die Fahne gestellt. Giurgewo ist in Brand geschossen; die Türken nahmen dabei auf Lazarethe feine Rücksicht. Im llebrigeii räumen die Türken die Dobrudscha ohne Widerstand, indem sie sich rückwärts aus Hirsowa konzentriren.

London, 25. Juni. Nach der „Times" hat die Nachricht von dem Donanübergange die Kriegspartei in Griechenland an­geregt und gekräftigt. Nach Lama gingen bereite Getnrgvkanonen ab und eine allgemeine Truppenbewegung hat nach der Grenze hin

begonnen. , .

— Der „Daily Telegraph" meldet, daß die Russen nach einer furchtbaren Kanonade einen Sturm auf Kars versucht haben, der

aber so kräftig zurückgeschlagen wurde, daß die Türken die Offen­sive ergreifen konnten und die Russen beiKhaliaz schlugen. Moukh- tar Pascha ist in Tackodja, die Russen stehen tu Front vor Topra- Kaleh. Derwisch Pascha langte vor Batum an.

Braila, 25. Juni. Der Lieutenant Nikonow schwamm tut Boytonschen Schwimmapparat, einen bugsirbaren Torpedo mit sich führend, irr der Nacht anf die in der Donau ankernden türkischen Panzerschiffe los. Obschon er sich einem Stampfer bis auf 3 Faden genähert, so sonnte er der starken Strömung wegen den Torpedo nicht zum Explodiren bringen und mußte sich stromabwärts treiben lassen, wo er sich den Tag über im Schilf verbarg und dann in der Nacht wieder von rumänischen Schiffern ins russische Lager zu- rückgebracht wurde.

— Die Niederlage der Türken bei Seidekau wird dem Daily Telegraph als eine große Schlacht wie folgt beschrieben: „Am Donnerstag näherten die Russen sich Seidekan, während die Türken sich nach Dhagar zurückzogen. Am folgenden Morgen um 6 Uhr entwickelten die Rüsten sich weiter gegen Seidekan und die Türken rückten ihnen mit fechs Batterien, allen verfügbaren Feldgeschützen und drei Gebirgskanonen entgegen. Zwei Batterien und sechs Ba­taillone wurden zum Schutz der Straße zurückgelassen. Auch blieb eine Reserve im Dorfe zurück. Um Mittag trafen die Gegner un­gefähr 9 Kilometer von Dhagar ,zusammen. Bald nachher eröffne­ten schwere russische Geschütze in günstiger höherer Stellung ein wohlgezieltes Feuer auf die von den Türken besetzte Anhöhe, wäh­rend dessen die englischen Militärbevollmächtigten Sir Arnold Kem- ball und Kapitän Normann in beträchtliche Gefahr gerieten und ein türkischer Oberst getödtet wurde. Kemball entging nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes den ihn verfolgenden Kosaken. Am Sonnabend Morgen nach 6 Uhr machten sechs russische Jnfan- teriekolonnen eine allgemeine Vorwärtsbewegung unter dem Schutze eines heftigen Artilleriefeuers, dessen Granaten indessen zu kurz fie­len. Die Türken eröffneten auf sie ein stetiges und wirksames Feuer. Der Feind drang inzwischen vor und überschritt den Hügelrücken zwischen den beiderseitigen Stellungen, indem er eine starke Abthei­lung zur Umgehung der türkischen rechten Flanke entsandte. Zwei Stunden lang hielten die Türken bei ihren Geschützen unter dem ver­nichtenden Feuer der russischen Artillerie mit bemerkenswertheul Muthe aus. Mit großem Geschick das Terrain benutzend und rasch Schützengräben aufwerfend, zogen die russischen Schützenketten näher heran. So litten sie wenig von dem Feuer der Türken. Um 9 Uhr brachten die Russen 4 Feldgeschütze auf eine Anhöhe, welche ihnen ermöglichte, nahezu die gesammte Front der türkischen Stellung zu bestreichen. Von diesem Angenblick an ward der Verlust der Türken groß. Ihre Artillerie ward vertrieben und die Infanterie fast gänz­lich ohne Schutz gege^das feindliche Geschützfeuer gelassen. Zwanzig Minuten hielten die Türken aus. Während^ dieser Zeit fiel Meye- med Pascha, ihr Befehlshaber, den Degen in der Hand, an der Spitze seiner Leute. Um die Schwierigkeiten noch zu vermehren, reichte auch die Munition nicht uns. Um 10 Uhr pflügte das rus­sische Geschützfeuer geradezu den Bodeu. Ihre Flankenbewegung kam nun zur Geltung und das türkische Centrum wurde zerrissen.' Um 12 Uhr wurden die letzten Ueberreste der Türken aus ihren Stellun­gen vertrieben. Ein Kavallerieangriff der Russen vollendete die Nie­derlage. Die Türken verloren 350 Gefangene und 1000 Todte und Verwundete."

London, 25. Juni. Der „Standard" meldet, daß Derwisch Pascha die Russen bei Batum angegriffen und geschlagen habe. In seiner zweiten Ausgabe bringt er das thelegraphisch gemeldete Ge­rücht, Fürst Nikita sei von Soldaten ermordet.

London, 21. Juni. Nach hier euigegaugen Nachrichten ist die Stadt St. Johns in Neubraunschweig von einer großen Feuers­brunst heimgesucht worden, die gestern ausbrach und bis heute früh 3 Uhr fortdauerte Die öffentlichen Gebäude und die Privathäuser auf einer 200 Hektaren umfassenden Fläche, auf welcher sich na­mentlich die Handels- und Geschäftslokalitäten befanden, sind ein­geäschert. Der Verlust wird auf 10—15 Millionen geschätzt. Ue­ber 10,000 Personen sind ohne alles Obdach.

Aus Hessen-Nafsau.

Das seit diesem Jahre in Kassel erscheinende „Hessische Wochen­blatt" hat eine solche Haltung und bringt so vorzügliche Artikel von allgemeinem Interesse, daß es als eine willkommene Ergänzung des Kreisblattes unsern Lesern bestens empfohlen werden kann.