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Während bisher nur die Dispositions - Urlauber einberufen wurden, wird man in diesem Jahre auch zu den Reservisten von 1872 73 zurückgreifen (B Tgbl.)

Darmsiadt, 13 Juni. Großherzog Ludwig 111. ist heute Vormittag 10{ Uhr sanft verschieden Derselbe ist geboren am 9. Juni 1806 unD regierte seit '1848.

Wien, 12. Juni. Ein Telegramm derD. Ztg." aus Belg­rad von heute meldet: Auf die Anfrage des Fürsten Milan in Plojesti, ob er von dem Kaiser Alexander empfangen werden wurde, ist eine bejahende Antwort erfolgt. Fürst Milan wird daher morgen in Begleitung des Ministers des Auswärtigen, des Generals Protic und der Obersten Leschjanin und Horvatovlc abreiien.

Man telegraphier aus Trebinje unter dem 12. o.: Die Truppen Suleiman's kämpften zwei Tage und sieben Stunden mit der blanken Waffe und errangen einen vollständigen Sieg. Die Montenegriner flüchteten bis Banjani. Krstac ist von den Türken stark besetzt. Der Verlust beträgt beiderseits mehrere Tausende.

London, 12. Juni. Nach demStandard" hat sich Moukhtar Pascha angeblich gebessert. Nach blutigem Kampfe zwang er die Nuffen zum Rückzüge hinter Olti und Penek.

Ein türkisches Streifcorps unter Haffan öey überschritt russi­sches Gebiet an der Grenze bei Achalzich, nachdem er ein entgegen­stehendes russisches Corps geschlagen hatte.

London, 14. Juni.Daily News" erhalten Nachricht, daß gewisse Anzeichen darauf schließen lassen, der Uebergang über die Donau solle heut oder morgen versucht werden. Der Eintritt Ser­biens in die militärische Aktion ist nahe bevorstehend, es wird dem Beispiel Rumäniens folgen. In Kleinasien steht die russische Vorhut zwischen Olti und Nariman. Die Operationen gegen Erzerum kön­nen erst beginnen, sobald der russische linke Flügel sich mit der von Kars herabmarschirenden Kolonne vereinigt haben wird.

Nach Berichten, dieDaily Telegraph" erhalten hat, avanciren die Tuffen unaufhörlich gegen Erzerum; zur Sicherung des Rückens bedürfen sie jedoch noch einiger Verstärkungen in Armenien. Die türkischen Offiziere seien muthlos.

Braila, 14. Juni. Die Ruffen haben gestern die Herstellung der ersten Batterie und die Geschützplacirung auf bereits türkischem Ufer bei Getschet, gegenüber von Braila, ins Werk gesetzt; sie haben daher thatsächlich bereits jenseits der Donau Fug gefaßt. Russische Kanonenboote verkehren frei zwischen dem Pruth und der Jalomniza- Mündung, während die türkischen Schiffe im Matschin-Kanal blokirt sind. Bei Kladowa, an der Mündung des Timok in die Donau, setzten am Montag Tscherkeffen über die Donau in tückisches Gebiet und plünderten die Ortschaft Bristoi zwischen Girla und Gruja.

Jassy, 14. Juni. Daß die Ruffen aus eine lange Kampagne rechnen, geht aus dem Umstände hervor, daß sie in Krementschug bereits ein Depot für Winterkleidung errichtet haben.

Konstantinopel, 12. Juni. Die muselmännische Bevölke­rung der Hauptstadt ist in entschiedener Verzweiflung. Alles erwar­tet in kürzester Zeit den Ausbruch eines allgemeinen Unwillens gegen die Regierung. Die Pforte ergreift Maßregeln zur Beschützung Pera's, die Wachen weiden verdoppelt, Patrouillen zu Fuß und zu Pferde begegnet man auf jedem Schritt; für die Galatabrücke ist ein besonderes Biquet bestimmt, welches während der Nacht verstärkt wird. Die Hefpartei agilirt für den Friedensschluß unter jeder Bedingung.

Plojesti, 14. Juni. Der Kaiser Alexander war einige Tage unwohl.

Tiflis, 13. Juni. Kars, das zernirt ist, wird regelrecht be­lagert und führt das Konimando über die gesummten Belagerungs­arbeiten der Generalmajor Resberg. Diese Arbeiten sind bereits ziemlich weit gediehen. Die Rekognoszirungen erstrecken sich bis unter die Mauern der Forts. Und zwar rekognoszirte General- Lieutenant Dewel am 8. Juni die Höhen von Tscheschmach sodann die Forts Muchlis-Jnglis und Weli-Tabije. General-Lieutenant Heimann aber rückte von Astawartan gegen die Schorachschen Höhen vor.

Aus Hefsen-Nafsau.

Frankenberg, 11. Juni. In unserem Kreisorte Willersdorf haben sich gestern am heil Sonntage die verderblichen Folgen des übermäßigen Branntweingenuffes in bedauerlicher Weise geltend gemacht. Ein dortiger junger Mann, Namens Dertsch, gerieth in betrunkenem Zustande mit seiner Mutter in Streit und verwundete dieselbe durch Mefferstiche. Die alsbald eingetretene Reue und Furcht vor Strafe brächte den ungerathenen Sohn dermaßen außer Fassung, daß er sein Bardiermeffer ergriff und sich buchstäblich den t^als durchschnitt. Der rasch herbeigeeilte Kreis-Wundarzt, Herr Dr. Lissard, konnte nur den bereits eingetretenen Tod des Selbst­mörders constatiren. Die Wunden der Mutter sollen unbedeu­tend sein. (F Krsbl)

Langendiebach, 12. Juni. Gestern Morgen wurde ein hiesiger 30 Jahre alter Mann, Familienvater, auf seiner nächst der Mühle eine viertel Stunde vor dem Orte gelegenen Wiese, die er während der Nacht gegen Grassamendiebe schützen wollte, durch ei­nen Schuß in die Brust gelobtet aufgefunden Die Fußspuren dreier Männer führten bis etwa 6 Schritte vor die Leiche. Man nimmt an, daß der Unglückliche das Opfer eines Racheacles gewor - den und bringt diesen mit einem Meineide, den der Erschossene zur nzeige gebracht haben soll, in Verbindung. Hoffentlich gelingt es bald die ruchlosen Mörder der verdienten Strafe zu überliefern.

Hanau, 13. Juni. Schon wieder hat es in unserem Kreis gebrannt. Gestern Abend 7 Uhr kam auf der Mainkur in den Wirthschrftsgebäuden der Fisiale des heiligen Geistspitals zu Frank­furt Feuer aus, das eine Scheune und einen Stall einäscherte. Von Offenbach und hier, sowie den benachbarten Ortschaften waren die freiwilligen Feuerwehren zur Stelle

Vermischtes

Braunschweig, 6. Juni. Gestern Mittag wollte Frau B. aus einer großen Kanne Petroleum auf einen Kochapparat gießen. Ob sie nun dabei der Flamme zu nahe kam, oder ob sich die Flüs­sigkeit in anderer Weise entzündete, genug, die Kanne zersprang, und Frau B. wurde von der brennenden Flüssigkeit übergoffen. Augenblicklich standen die Kleider in Brand. Von Schnierz gepei­nigt, lief sie in dem Zimmer umher, und es theilte sich das Feuer bereits anderen Gegenständen mit. Als die Pflegemutter der Frau B., die Frau L., zur Hilfe herbeieilte, stand auch sie in wenigen Se­kunden in vollen Flammen. Auf das gräßliche Geschrei der Beiden sprang der Mann der Frau L. herzu Derselbe warf, als er das Unglück sah, Kleider und Decken auf die beiden Frauen, und es ge­lang ihm mit Hülfe dritter Personen, die Flammen zu ersticken. Die beiden Frauen sind nach sechsstündiger Qual den schrecklichen Brand­wunden erlegen.

Die Mücken- und Insektenstiche machen sich bereits in unangenehmer, zum Theil in gefährlicher Weise bemerkbar. Einen derartigen Unglücksfall bringt die Staatsbürger Zeitung zur Kennt­niß. Der Stenograph Roller in Berlin wurde am Mittwoch Abend von einem kleinen mückenartigen Insekt, der jetzt überall auftreten­den sogenannten Gnitze, auf einen Finger der rechten Hand gestochen. Gegen Morgen erwachte er und war nicht mehr im Stande die Hand zu gebrauchen, da sie in fünf Stunden zwei Zoll dick angeschwollen war. Er mußte in aller Frühe ärztliche Hülfe aufsuchen. Nach 2 Tagen wiederholter Umschläge mit verdünntem Bleiessig legte sich die Geschwulst. Da in den letzten Jahren es öfter vorgekommen ist, daß Leute binnen 24 Stunden an Insektenstichen gestorben sind, so säume man daher in bedenklichen Fällen nie, ärztliche Hülfe zu Rathe zu ziehen. Trifft der Stich auf einen Finger, wo Ringe sitzen, so sollte man diese sofort abziehen; denn die Einschnürung der späteren Geschwulst durch einen Ring kann den Entzündungszustand nur noch heben. Um das lästige Jucken gewöhnlicher Mückenstiche übrigens zu verhindern, empfiehlt es sich, sofort einen Tropfen Salmiakgeist auf die gestochene Stelle zu träufeln und zu diesem Zwecke im Sommer immer ein kleines Fläschchen davon bei sich zu tragen.

Köln. Einem Elsäffer Fabrikanten, welcher am 10. Juni den Abends gegen 11 Uhr von hier abgehenden Schnellzug benutzte, um nach Belgien zu fahren, ist ein böser Streich gespielt worden. Ge­nannter Herr, welcher allein in einem Kupee saß, vermißte bei der * Ankunft in Herbesthal, bis wohin er geschlafen hatte, sein Handge­päck, welches er bei sich im Kupee führte und einen Werth von etwa 10,000 Franken enthielt. Es hatte sich ein Dieb unter dem Schutze der dunkeln Nacht auf den Zug geschlichen und den fest Schlafenden zu berauben gewußt Den sofort angestellten Nach­forschungen der Eisenbahnbeamlen in Herbesthal, besonders dem energischen Einschreiten des Bahnhofs-Jnspektors Härtung daselbst, ist es jedoch gelungen, die Gegenstände bei Station Asteuet, ver­steckt in einer Hecke liegend, unversehrt wieoerzufinden. Der Pas­sagier ist somit mit bloßem Schrecken davongekommen. Den Dieb 1 hat man noch nicht, doch liegt die Vermuthung nahe, daß irgend ein Jndustrieritter von den Werthstücken Kenntniß hatte und dem Herrn nachgereist ist, um die erste beste Gelegenheit wahrzunehmen, welche ihm denn auch in etwas leichtfertiger Weise geboten wurde.

Weibertausch. ImSzab Közlöno" lesen wir das folgende erbauliche Geschichtchen: In Doroßlo schloffen zwei Bürger ein eigenthümliches Rechtsgeschäft ab. Beide hatten junge Weiber und hielten seit Jahren gute Nachbarschaft Eines Tages saßen die beiden Nachbarn beim Glase Wein traulich beisammen und sprachen von Diesem und Jenem, unb unter Andern auch von den Eigenschaften ihrer Weiber und zwar so, daß Jeder von ihnen das Weib des Andern in den Himmel erhob. Das Ende von dem vie