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Nachweisungen wird bis spätestens zum 20 b. M erwartet und da­bei bemerkt, daß die Herren Bürgermeister die Gutachten der be­treffenden Einschätzungs-Commission muzuunterschreiben haben.

Hersfeld, am 12. Juni 1877.

6172.__________Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Der Bürgermeister Georg Koch zu Schenksolz ist durch rechtskräftiges Erkenntniß der Königlichen Regierung zu Casiel vom 15. März d. I. seines Amtes als Bürgermeister entsetzt worden.

Der Ackermann Heinrich Lehn zu Reilos ist als Bürger­meister der Gemeinde Reilos bestätigt worden.

Der seitherige commissarische Bürgermeister Johannes D öri n g zu Sieglos ist nunmehr als Bürgermeister bestätigt worden.

L Statut des Kinderbewahrungs-Bereins in H.

(Fortsetzung.)

§. 15. Abänderungen des Statuts, welche den Sitz, den Zweck und die äußere Bertrerung des Vereins betreffen, sowie Beschlüsse, welche die Auflö- * sung des Vereins zum Gegenstände haben, bedürfen landesherrlicher Geneh­migung.

Sonstige Statut-Aenderungen sind von der Zustimmung des Oberpräsi­denten der Provinz . . . abhängig.

U ... den

(Unterschrift des zeitigen Vorstands).

II. Statut

für das jüdische Hospital in F.

§. 1. Im Jahre 1870 sind zu F. folgende Personen rc. zu dem Zweck zusammengetreten, durch eigene Beiträge und rurch Sammlungen bei ihren Freunden ein jüdisches Hospital zu gründen, d. h eine Anstalt, in welcher unbescholtene hülfsbedürftige jüdische Personen beiderlei Geschlecht, die das fünfzigste Lebensjahr überschritten haben, Wohnung und Verpflegung empfangen, * in Armuthsfällen unentgeltlich, andernfalls gegen eine mäßige Vergütung.

Wegen Unzulänglichkeit der Mittel mußte man sich Anfangs darauf be­schränken, höchstens 6 Pfleglinge aufzunehmen und diese entsprechend dem vorgedachten Zwecke bei achtbaren Familien unterzubringen

Nachdem es inzwischen gelungen ist, ein eigenes Grundstück zu erwerben und auszubauen, wird hierdurch die projektirte Alter-Versorgungs-Anstalt un­ter der Firma

das jüdische Hospital zu F."

mit dem Sitze und Gerichtsstand in dieser Stadt ins Leben gerufen und zwar auf Grund der nachfolgenden Bestimmungen:

§. 2. Die Mittel, welche dem Hospital Behufs Erreichung der im§. 1 bezeichneten Zwecke zur Verfügung stehen, sind:

i) das an der . . . Straße belegene Blatt ... des Grundbuchs eingetragene Grundstück . . . von . . Qk. Grundfläche;

b) das in demselben befindliche Inventarium im Werthe von . . . .;

c) das sich gegenwärtig auf noch ... belaufende Kapitalvermögen, welches von den im § 1 genannten Personen aufgesammelt und nach Bestreitung der Kosten für das Grundstück nebst Zubehör (litt. a und b) übrig ge­blieben ist. Für die Belegung dieses Kapitalvermögens ist der §. 39 der Vormundschafts-Ordnung vom 5. Juli 1875 (Ges. Samml. S. 439) maß­gebend ;

d) die Beiträge derjenigen Personen, welche sich zu einer fortlaufenden Jah­reszahlung von mindestens 100 Mark für die Anstaltszwecke schriftlich ver­pflichtet haben und in diesem Sinne die BezeichnungWohlthäter" führen, so lange sie ihrem Zahlungsversprechen nachkommen;

e) die nach §. 1 Abs. 1 Seitens der Pfleglinge etwa zahlbaren Vergütungen. Zu den unter litt, d alsWohlthäter" bezeichneten Personen werden auch diejenigen gerechnet, welche der Anstalt eine einmalige Zuwendung von mindestens 500 Mark gemacht haben oder machen werden. (F. f.)

Tagesbegebmheitell.

Berlin, 12. Juni Der Kaiser ist bereits so weit von seiner Unpäßlichkeit wieder hergestellt, daß er am Sonntag gegen Abend eine Spazierfahrt unternehmen konnte.

Darmstaot, 10. Jum. Nach derDarmst. Ztg." ist in Be- , treff des Befindens des Großherzogs heute kein Zwischenfall zu mel­den; der Appetit ist bessei, die Aufregung völlig vorübergegangen; es zeigt sich Bedürfniß nach Schlaf, doch ist der Kräftezustand ziem­lich befriedigend.

n. Juni. In der verflossenen Nacht kehrte beim Großherzog eine mehrere Stunden anhaltende Aufregung zwar wieder, Dieselbe war aber weniger lebhaft und andauernd, als in der vergangenen Nacht. Heute früh ist das Befinden zufriedenstellend, daS Fieber ist seit einigen Tagen gänzlich geschwunden.

Berlin, 10. Juni. Unsere Festungsbauten und sonstigen Ver­theidigungswerke werden neuerdings mit besonderem Eifer beschleu­nigt und fertig gestellt. So sind nach einer Mittheilung derElberf. Ztg." die Arbeiten an den 8 Forts der Neubefestigung von Köln, welche planmäßig erst mit April nächsten Jahres fertig gestellt wer­den sollten, so beschleunigt worden, daß dieselben voraussichtlich be­reits im August d. I. überleben werden können. Nach anderen Mittheilungen sind nächstdem für Mainz noch einige wichtige Erwel. terungsbauten angeordnet worden, wie auch zu den 12 Außenforts pon Straßburg noch ein 13. hinzutreten wird. Ebenfo sind laut

demDüffeld. Anz", die zu beiden Seiten der stehenden Rheinbrücke bat Hamm erbauten Panzerthürme jetzt vollendet und aus jedem drehbaren Tburme sehen mit ihrer Mündung zwei Geschütze heraus, die bei einer eventuellen Vertheidigung dem Feinde ihre Tod und Verderben bringenden Geschosse entgegen werfen werden. Zwischen den Regierungen von Elsaß-Lothringen und dem Großherzogthum Baden ist, derElberf. Ztg." zufolge, das Uebereinkommen getroffen zur Verbindung der beiderseitigen Eisenbahnen drei feste Brücken über den Oberrhein zu bauen und zwar eine bei Hüningen für die Richtung von Leopoldshöhe-St. Ludwig, eine bei Neuenburg für die Richtung Mülbeim-Mühlhausen und eine dritte bei Alt-Breisach für die Strecke Alt-Breisach - Kolmar. Die Regierungen der übrigen Rheinuferstaaten stellen kein Hinderniß in den Weg. Gemäß Be­kanntmachung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz liegt den beiden obengenannten Regierungen die Verpflichtung ob, während der Bau­ausführung Flöße und Fahrzeuge kostenfrei durch die Brückenbaustel­len zu dirigiren

London, 11. Juni. DerStandard" hält nach angeblich besten Quellen die Katastrophe in Kleinasien für unvermeidlich und nahe bevorstehend Der Fall des nur für zwei Monate verproviantir- ten Kars erwartet man Ende Juni. Armenien ist von russischen Sympathien beherrscht. In Konstantinopel befürchtet man eine Revolution zu dem Zwecke, den abgesetzten Sultan Murad wieder auf den Thron zu erheben. Man sagt, der Sultan wie der Groß- vezier wünschten den Frieden, die Redifs jedoch wollten im Kriege beharren. Gerüchte über bereits eingeleitete Unterhandlungen mit Petersburg werden angezweifelt.

Daily News" melden, daß Moukhtar Pascha eine Schlacht nicht mehr annehmen könne und sich nach den Anhöhen von Erze­rum zurückziehe.

DieTimes" berichten von einem Seegefecht, welches in oder vor der Sulinamündung stattgesunden habe, und bei welchem drei russische Torpedoboote zerstört seien. Große russische Truppenmaffen konzentriren sich zwischen der Aluta und Vede.

Nach einer Depesche desDaily Telegraph" überraschten vier türkische Bataillone ein.isolirtes montenegrinisches Korps und ver­nichteten dasselbe.

Centralnews" theilen mit, daß die russischen Belagerungsar­beiten gegen Kars vorrücken und das Feuer aus der Festung sich als wirkungslos erweise.

Wien, 11. Juni. Aus Ragusa wird gemeldet, daß in den Kämpfen bei Krstac (Herzegowina) 500 Montenegriner gefallen seien. Die Türken verloren 170 Todtezund hatten 346 Verwundete.

Tiflis, 10. Juni. Erzerum soll völlig offen sein. Die rus­sische Südarmee, verstärkt durch Die 3., 2. und 40 Infanterie-Divi­sion in Kleinasien, rückt gegen Diarbekir vor; die entgegenstehenden türkischen Kräste sind so unbedeutend, daß es keine Schwierigkeit verursachen wird, das Euphrat-Thal in Besitz zu nehmen.

St. Petersburg, 11. Juni. Nach russischen offiziellen Be­richten ist Die türkische Armee bei Zenin vor Erzerum 50,000 Mann stark. DieRussische Petersburger Zeitung" leiht den Erwartun­gen Ausdruck, welche sich an den Donauübergang knüpfen. Ein neues Ultimatum vor dem Uebergang an Die Türkei zu senden, würde den Muth der letzteren nur heben. Das Schicksal der Moldau und Wallachei wird entgiltig nur hinter dem Balkan entschieden, dort befindet sich noch der Schlüssel zu einer vollständigen Befreiung Bulgariens, Bosniens, Serbiens, der Herzegowina und der anderen christlichen Provinzen der Türkei. Nach Erfüllung dieser Aufgabe erst kommt die Reihe an die eigenen Interessen Rußlands und dann erst wird das große Wort ausgesprochen werden, welches das histo­rische Schicksal des Slaventhums bestimmen muß.

Bukarest, 11. Juni Ein ernster Versuch, in der Nähe von Rustschuk ben Donauübergang zu forciren, steht unmittelbar bevor.

Goltschakoff besteht darauf im Einvernehmen mit Oesterreich, daß die rumänische Armee in der Defensive bleibt uud nicht mit über die Donau geht.

Konstantinopel, 11. Juni. Mit den Montenegrinern fin­den vor Spuz und bei Podgorizza andauernde Kämpfe statt.

Wien, 11. Juni. DiePresse" meldet aus P l o j e st i: Der Zar hat verfügt. daß die rumänischen Truppen den Uebergang über die Donau nicht mitmachen

Nach der heutigen Kirchen - Parade verlas der Zar vor den Generalen eine vom asiatischen Kriegsschauplatze eingelroffene Depe­sche über die vollständige Umzingelung von Kars.

Wien, 12. Juni. Meldungen desWiener Tageblatt aus Karlarasch zufolge ist die Donau um drei Schuh gefallen.

Belgrad. Im Sandschak von Brhae wurde ein fliegendes Insurgenten - Corps gebildet, in welchem viele Fremde dienen; der Oesterreicher Watic ist Chef dieses Corps.

Al exa n drien. 10 egyptische Dampfer mit den Hülfstruppen sind, von türkischen Panzerschiffen begleitet, in See gegangen.