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General Loris Melikow am 17. b. zum Angriff auf den Platz selbst. Unsere Artillerie erschütterte die Vertheidigungswerke, und alS die Truppen zum Sturm schritten, ergriff der Feind die Flucht und wurde trotz einbrechender Nacht von der Kavallerie verfolgt. Unser Verlust an Todten und Verwundeten ist 235 Mann, darunter 5 Offiziere.
Wien, 19. Mai. Die „Polit. Corr." meldet aus Odessa: Nach dem Falle von Sachum Kaleh beeilen die Nuffen sich, Odessa und namentlich Olschakow vor einem Handstreich der Türken zu schützen, die in der Nähe der letzteren Festung kreuzen. Die türkischen Schiffe haben Landungstruppen an Bord. Das türkische Geschwader besteht aus zwei Monitors, drei Panzerfregatten und mehreren kleinen Schiffen, und eine ganze Flotille von Barken, auf denen Freiwillige vermuthet werden, kreuzt in den Gewäyern von Sebastopol und Euvatoria.
— Der Czac Alexander von Rußland beabsichtigt dem Uebergange seiner Truppen über die Donau persönlich beizuwohnen. Er trifft zu diesem Zwecke am 27. d. Mts. in Bukarest ein. Der Aufmarsch der Russen wird wegen der durch Hochwaffer verursachten Unterbrechung des Bahnverkehrs sehr verzögert. In 2 Tagen hofft man trotz« dem die Hindernisse zu bewältigen.
Zara, 19. Mai Der Jnsurgentenführer Despotovics soll, bedroht von 5000 Türken, die unter Uzunia Pascha nach Grahova gesandt waren, sich in die Gebirgshöhen von Sedlo geflüchtet habe».
Lemberg, 19. Mai. Rußland befördert über Rumänien alle militärischen Ausrüstungs-Objekte, welche für eine 20,000 Mann starke neuzubildende national-bulgarische Armee erforderlich sind.
London, 19. Mai Daily News melden telegraphisch: Auf Befehl des Kommandanten von Sebastopol verläßt die Civilbevöl- kerung diese Stadt, da ein türkischer Angriff erwartet wird
London, 19. Mai. Dem Standard wird aus Semlin gemeldet, daß man wieder ganz offen, wie im vorigen Jahr den Krieg vorbereite.
London, 19. Mai. Der Spezialkorrespondent des Daily Telegraph berichtet: Fazly Pascha wurde zum Kommandanten von Sachum Aale ernannt. Er reifte gestern von Schumla nach seinem Bestimmungsort ab. Man vernahm gestern Nachmittag in Batum eine schwere Kanonade.
London, 19. Mai Nach dem Standard okkupirt der türkische Oberbefehlshaber Mouklhar-Pascha zwischen Kars und Erzerum die Position von Sanghaulr-Dagh.
London, 19. Mai. Nach Wiener Meldungen an Times und Standard erblickt man dort in der Thatsache, daß die Rüsten ihre Operationen auf das rechte Ufer des Alutafluffes verlegten, eine Gefährdung der österreichischen Interessen, weil auf diese Werfe der Krieg sich der siebenbürgischen Grenze zu nähern drohe.
London, 18. Mai. Der ministerielle Standard empfängt folgende Meldungen aus dem türkischen Lager: Die Eisenbahn und der Telegraph zwischen Poti und Tiflis wurden angeblich von aufständischen Tscherkessen zerstört. Die russische Position vor Datum erscheint durch die Aufstände im Rücken der russischen Linien gefährdet. Das zehnte russische Armeekorps wurde von Odessa nach der Krim beordert, um das weitere Umsichgreifen des dort ausgebrochenen Tartaren-Aufstandes zu hindern.
Odessa, 18. Mai. Türkische Schiffe kreuzen an der Südküste der Krim und bedrohen die dortigen Häfen. Es wird ein Bombardement Sebastopols befürchtet. Die Bevölkerung flüchtet.
Bukarest, 18. Mai. Hochwaffer ist eingetreten. Die Te- kutschbrücke, nordöstlich Foktjchani, ferner Bahnbrücken bei Baken und Adzal sind durch die Fluthen weggerissen.
Bukarest, 19. Mai. Die rumänische Regierung hat ihre diplomatischen Agenten im Auslande beauftragt, den Regierungen, bei welchen sie beglaubigt sind, zur Kenntniß zu bringen, daß ein Detachement regulärer türkischer Truppen am 16. d. nach der Ue- berwältigung von einigen von rumänischen Milizsoloaten bezogenen Pikets bei Gura Jalonitza die zurückgebliebenen schwer verwundeten rumänischen Soldaten auf Befehl ihrer Offiziere erschossen haben.
Konstantinopel, 19. Mai. Der Sultan hat an die nach dem Kaukasus entsendeten Truppen eine Proklamation gerichtet, in welcher er dieselben auffordert, ihre tscherkessischen Glaubensgenossen von der russischen Herrschaft zu befreien.
Petersburg, 20. Mai. Das Telegramm des Obercouunan- birenbeit der Kaukasusarmee vom 19. Mai über den russischen Sieg bei Ardahan lautet: „Ich habe die Ehre, Ew.Majestät wegen der Einnahme Ardahans zu beglückwünschen. So eben habe ich vom General Loris-Melikoff folgende Depesche erhalten: Die Vorwerke Ardahans, die Befestigungen, 60 Kanonen, eine ungeheure Provision und Munition, das Lager von 14 Bataillonen Türken und die Citadelle liegen zu Füßen Ew. Majestät. Am 17. d., von 3 bis 6 Uhr Nachmittags, hatte das wunderbare Feuer unserer Artillerie
in die Mauern des Platzes Bresche gelegt, um 6 Uhr erfolgte der Sturm mit den Regimentern Eriwan, Tiffis, Baku und den Sap- Penren. Der Feind konnte dem Anprall nicht widerstehen und ergriff die Flucht; eine große Anzahl Todter zurücklassend. Die Ca- vallerie verfolgte ihn trotz der Dunkelheit. Um 9 Uhr durchschritten unsere Truppen die ganze Stadt so wie die^Besestigungen unter den Klängen der Nationalhymne und feierten mit Begeisterung den Sieg. Die russische Flagge wurde auf allen Befestigungen aufgezogen. Unsere Verluste sind noch nicht genau bekannt; man schätzt dieselben auf 1 Offizier und 50 Soldaten getödtet und 4 Offiziere und 180 Mann verwundet. Ich habe nicht genug Lobsprüche für die Tapferkeit und Kaltblütigkeit unserer jungen Soldaten und für die von den Offizieren getroffenen guten Dispositionen. Feierlicher Gottesdienst wird heute im Mittelpunkte der Befestigungen (in Gegenwart der Truppen abgehalten werden.
— Der Hauptvortheil, welchen.die Russen mit der schließlichen Eroberung von Ardahan errungen haben, besteht darin, daß sie sich nun auch vom Norden und festen Kars nähern, diese Festung von * Erzerum abschneiden, vollends einschließen und zu deren Belagerung schreiten können.
Konstantinopel, 20. Mai. Die Regierung veröffentlicht folgende Nachrichten: Suchum-Kaleh, 18. Mai. „5000 Russen und 700 Kosaken griffen die Türken in der Umgebung von Suchum- Kaleh an. Die Türken von der Flotte unterstützt, blieben im Vortheile. Eine Compagnie sKosaken wurde vernichtet. Der Kampf dauerte bei Abgang der Meldung fort." Mukthar Mscha meldet unterm 18. Mai: Bei Keradzagh zwischen Kars und Ardahan fand ein Gefecht statt, das für die Russen ungünstig verlief.
Vermischtes
Bayreuth, 15. Mai. Eine erschütternde Kunde durcheilte gestern in den Nachmittagsstunden die Stadt. Man fand einen jungen Sekondelieutenant Freiherrn v. Ehner, des hiesigen Infanterie-Regiments in seiner Wohnung mit durchschossener Brust, an seiner Seite eine junge Dame, Fräulein Drechsler, von hier, gleichfalls ins Herz geschossen. Beide waren todt. Man wird es uns aus Rücksicht für zwei höchst achtbare Familien erlassen, schreibt das hiesige Tageblatt, die näheren Umstände und die Motive der ver- zweiflungsvollen That öffentlich bekannt zu geben: nur soviel müssen wir zur Klarstellung der Wahrheit Eonftatiren, daß aus der Situation, in der beide Leichen vorgefunden wurden, hervorgeht, daß beide Unglückliche freiwillig in den Tod gingen und daß der Offizier zuerst die Dame und dann sich selbst mittelst eines Revolvers getödtet hat. Die Theilnahme für die beiden so gewaltsam aus dem Leben Geschiedenen, sowie für deren Angehörige ist eine allgemeine und tiefe.
Nachtfröste.
(Schluß.)
Nachdem so der allgemeine Mechanismus der Nachtfröste klargelegt, wäre zu erörtern, warum sie gerade so regelmäßig zu Anfang Mai eintreten. Eine ganz befriedigende Antwort auf diese Frage vermag die Meteorologie nicht zu geben. Um die gegenwärtige Zeit tritt in Europa der sommerliche Strom " der Luft ein; Winde aus Osten und Norden bringen (das trockene Wetter, nachdem die feuchte, wolkige Zeit der Aequinoctialstürme vorübergegangen. Dieselben führen zunächst die kalte nordöstliche Lust und die Sonne hat noch mcht Zeit und Kraft gehabt, diese zu erwärmen. Daher hebt das schöne Wetter mit einer allgemeinen Abkühlung an. Und da es gleichzeitig klare Nächte t bringt, sind die Bedingungen zu Nachtfrösten gegeben. Deßhalb aber die rauhe " Luft so häufig mit überraschender Pünctlichkeit in den ersten Maitagen erscheint da doch alle übrigen Erscheinungen des Wetters bei uns so unregelmäßig sind das ist nicht aufgeklärt. .
Drei Tage sind bekanntlich im Volkskalender mit besonders schwarzen Strichen angekreidet, die gestrengen Heiligen Prankratius, Servatius und Mamertus, welche die Nächte vom 10 bis 13. Mai regieren. Und der Volksglaube hat sein Richtiges Die meteorologischen Beobachtungen zeigen, daß in den Tagen um den 12. Mai wenn auch nicht immer, so doch sehr häufig eine verhältnißmäßig geringe Temperatur herrscht. Der alte Fritz hat es erfahren müssen. Als sein Gärtner, sich auf die Heiligen berufend, die Potsdamer Orangerie nicht vor dem 14. Mai ins Freie bringen wollte,.befahl er ihm, den Aberglauben fahren zu lassen und die Bäume am 10. bei warmem Wetter hinauszusetzen. Es geschah, und sie erfroren sämmtlich; der große König mußte erfahren, daß der Aberglaube auf einer ganz richtigen Beobachtung ruhte. Vor einigen Jahrzehnten war eine Hypothese sehr angesehen, welche die Erklärung der gestrengen Heiligen in Folgendem sucht: Um den 11. Mai passirt zwischen der Erde und der Sonne ein Sternschnuppenschrvarm vor« bei. Dieser nimmt uns selbstverständlich einen Theil der Sonnenstrahlen fort und soll dadurch die niedrigere Temperatur der drei genannten Tage bedingen Durch ausgedehntere meteorologische