Einzelbild herunterladen
 

155

lafat jetzt mit einer Armirung von zwanzig schweren Geschützen und der nöthigen rumänischen Bedienung ver>even worden. ämv liche Berichte aus Braita bestätigen, Dag gestern Nachmittag von russischen Granaten ein tückischer Äianitor in die Luft gesprengt wurde. Nach offizieller Schätzunn verloren die Tücken dabei 200 Mann und vier schwere Geschütze; der gleichfalls getödtete Schiffs- kommandant war Kessim Bei, einer der tüchtigsten Untergebenen Hobart Paschas.

Petersburg, 12. Mai. Kaiser Alexand er verfügte, daß alle wehrfähigen Prinzen des kaiserlichen Hauses sich einer der Operations-Armeen, sei es an der Donau oder im Kaukasus, an- schließen sollen, um dort gleich andern Offizieren Dienst zu thun.

4 Giurgewo, 12. Mai Die rumänische Besatzung wurde von hier zurückgezogen und durch russische Truppen ersetzt.

Belgrad, 14. Mai. Die Mehrheit im Ministerium ist für einen Krieg, selbst um den Preis einer österreichischen Intervention. Fürst Milan, heißt es, muß beißimmen oder abdanken.

In der Umgebung von Konstantinopel werden Berthei- digungswerke aufgesührt.

B u karest, 13. Mai. Die rumänische Armee unter dem Kommando des Fürsten soll, durch 25,000 Russen verstärkt, dazu bestimmt sein, bei Kalafat den Uebergang über die Donau zu ver- , suchen.

1 14. Mai. Heute früh 2 Uhr versuchten die Türken nahe bei Giurgewo vor der Mocan-Jnsel auf sechs mit Truppen bemannten Schiffen den Uebergang über die Donau. Auf das Allarmschlagen der rumänischen Borposten eilten von Giurgewo Verstärkungen herbei und zwangen nach längerem Gewehrfeuer die Türken, sich zurückzu- ziehen

* Erzerum, 12. Mai. Einige Kosakenabtheilungen sind bis Bashkey vorgedrungen, wurden genöthigt, wieder nach Kaghisman zurückzugehen. Vom Soghanludagh aus sind ebenfalls russische Truppenabtheilungen zur Necognoscirung vorgegangen, wahrscheinlich in der Absicht, einen Flankenangriff auf das Lager von Bardez zu machen. Der tiefe Schnee hat aber einen weiteren Vormarsch un­möglich gemacht. Fortdauernd treffen Verstärkungen ein, die staffei- weise einrücken. In Alexandropol und Eriwan herrscht großer Mangel an Lebensmitteln.

Syra, 13. Mai. Die Ruffen sind angeblich bei Braila in Booten über die Donau gegangen. Die Türken vollzogen einen geordneten Rückzug aus Matschin.

Feuilleton.

Am Sprudel.

Novelle von C. Schirm er.

(Fortsetzung.)

Der Major lachte und sagte:Nun, es wird Zeit, daß wir nach Haus gehen, sonst verfällst Du alter Freund wieder.auf Ju- gendstreiche, die sich vor vierzig Jahren bester für Dich geschickt hätten, als jetzt." Er legte seinen Arm in den des Freundes und unter heiteren Scherzen und Gesprächen gingen alle Drei nach Haus um das Mittagsmahl einzunehmen. Sie waren fast vor der Woh­nung des Majors angelangt, als dieser stehen blieb und den Direk- , tor plötzlich fragte:

Lieber Born, Du stehst doch sicher noch im Verkehr mit meinem Neffen Viktor von Scherfening, wo ist er und wie geht es ihm?

^ Das Schicksal des Jungen ist mir nahe gegangen und ich habe nie die Hartnäckigkeit seiner Mutter begreifen können Erzähle mir von ihm."

* Einen Augenblick sah der Direktor düster vor sich nieder, dann hob er den Kopf und ein freudiger Stolz blitzte aus seinen Augen, als er erwiderte:

Ein eigner Sohn könnte wir wohl kaum so lieb und werth sein und meinem Herzen so nahe steh'n, als dies mit Viktor der Fall ist. Er ist wohl werth, daß ich mit Stolz auf ihn blicke, seine Laufbahn ist geregelt und sein Charakter fest und ehrenhaft, mehr kann ich Dir für jetzt nicht von ihm erzählen, da mich ein Versprechen bindet."

Nun, ich hoffe doch, Du wirst Deinem alten Freunde und nahen Verwandten Viktors noch einige Fragen beantworten, mich interessirt es ungemein, etwas Näheres über sein Geschick zu hören."

Ich sehe soeben meinen jungen Freund Berger Die Straße herauf kommen," sagte der Direktor,deshalb verzeih, wenn ich Euch für jetzt Lebewohl sage, aus Wiedersehen, Nachmittag."

Mit fast jugendlich elastischen Schritten eilte der Direktor Herrn Berger entgegen und diesem war es nur möglich, Herrn v. Bolland und Fanny flüchtig zu grüßen, als der Direktor ihn schon zum Um« kehren zwang.

Der Platz am Sprudel war zum Zusammentreffen für die Ge­sellschaft bestimmt worden, nur Herr von Bolland war schon etwas

früher ausgebrochen, um die klebrigen nicht zu veranlassen, seinetwe­gen langsamer zu geben. Fanny hatte sich Frau v. F angeschloffen und ste kamen gerade an, als von der entgegengesetzten Seite der Dicektor Born und Viktor Berger in die Colonade eintraten. Jetzt kamen auch Herr und Frau Nehring etwas schwerfällig an und nach der gegenseitigen Begrüßung und Vorstellung nahm das Brautpaar die Glückwünsche Aller entgegen.

Wie ist das nur so schnell gekommen?"

Ach, das habe ich mir gleich gedacht!"

«Ein ganz paffendes Paar!"

Solche Aeußerungen hörte man nun hintereinander, bis der Bräutigam selbst das Zeichen zum Aufbruch gab und die Gesellschaft fröhlich fsrtwanderte.

Es war ein fehr heißer Tag und Herr Nehring sprach die Ver­muthung aus, daß es wahrscheinlich zum Abend ein Gewitter ge­ben würde.

EulaUa hatte sich an den Arm ihrer Mutter gehängt und Frau v. F. hatte den Direktor Born mit Fragen gefesselt, daß er an ihrer Seite bleiben mußte So kam es, daß Fanny und Herr Berger den Schluß bildeten. Sie gingen eine ganze Weile still nebeneinander, da blickte endlich Fanny auf und als sie bemerkte, daß sein Auge auf ihr ruhte, erröthete sie tief, dann sagte sie zögernd:

Spielen Sie die Mondicheinsonate oft?"

Wie kommen Sie darauf?" fragte Herr Berger,haben Sie die Sonate von mir gehört? Ich liebe allerdings Beethoven und habe unter den vielen schönen Sonaten meine Lieblinge, zu denen dieselbe gehört, aber sagen Sie mir, Fräulein, wann haben Sie die­selbe gehört?"

Fanny war dunkelroth geworden und ganz verlegen erwi­derte sie:

O ich habe Sie oft spielen hören, besonders wenn ich des Abends am offenen Fenster sitze, aber gestern Abend spielten Sie besonders schön."

Ich weiß gar nicht, was ich gestern Abend gespielt habe, es waren unbewußte Phantasien, die aus dem Herzen strömten, meine Gedanken irrten dabei in der Ferne umher und Fräulein Fanny, es zogen auch Gedanken zu Ihnen hinüber, es waren die liebsten Gedanken, die so in der Nähe blieben und sich mit Hoffnungen für Die Zukunft verbanden. Wenn ich dann mein Herz wieder ruhig haben will, lege ich die Hände auf die Tasten des Flügels und die Macht der Töne hat noch nie verfehlt, meine Gedanken wieder in das richtige Geleis zu führen.

(Fortsetzung folgt.) N -

Nachtfröste.

Das in der Ueberschrift genannte Thema ist gerade in den letzten Jahren leider sehr populär geworden. Di Saaten werden grün, weißer Blütenschnee überschüttet die Vorgebirge; da kommt der Mai, der Wonnemonat, mit zwei eiskalten Nächten, und von der vielversprochenen jungen Pracht bleibt nichts übrig als braune Fäulniß. Woher diese Erscheinung, die gerade zur gesähr- lichsten Zeit, nachdem sich Alles schon an mildes Wetter gewöhnt hat, eintritt?

Sie ist zunächst eine Folge von den allgemeinen Gesetzen der Wärme­strahlung. Jeder Körper, der Wärme enthält, strahlt auch Wärme aus, ein warmer mehr, ein kalter weniger. Durch die durchsichtige Luft dringen diese Wärmestrahlen ungehindert, wie das Licht, dem sie ihrem Wesen nach durch­aus ähnlich sind. Jedermann fühlt, wenn er einem warmen Ofen gegenüber- steht, auch aus einiger Entfernung, wie ihmdie Hitze ins Gesicht scheint"; ein undurchsichtiger Schirm, sei er noch so dünn, fängt die Strahlen auf und unterbricht ihre Einwirkung auf den Körper von dem Augenblick an, wo er zwischengeschoben wird. Steht man umgekehrt, auch in warmer Luft, einer kalten Wand gegenüber, so strahlt der eigene Leib seine Wärme nach der Wand hinaus, und ein Frösteln belehrt uns über die schlechte Nachbarschaft. Alle uns umgebenden Körper strailen beständig Wärme; sind zwei derselben gleich warm, so sendet der eine dem andern eben so viel Wärme zu, wie er von ihm aufnimmt, sie ändern also ihre Temperatur gegenseitig nicht; ist einer von zweien der wärmere, so schickt er dem gegenüberstehenden mehr Wärme zu, als er von ihm empfängt ; der erste kühlt sich ab, der zweite erwärmt sich auf seine Kosten.

Auf die Schnelligkeit solcher Ausgleichungen hat die Farbe einen gewissen Einfluß; im Allgemeinen strahlt ein dunkel gefärbter Körper seine Wärme schneller aus und nimmt auch die auf ihn fallenden Strahlen vollständiger auf, als ein Heller. Ein schwarzer Ofen scheint stärker, als ein weißer; ein schwarzes Tuch erwärmt sich an dem Feuer schneller, als ein weißes.

Es ist ferner bekannt, daß benachbarte Körper einander durch Berührung erwärmen und abkühlen. So ist also in allem, was uns umgibt, die Wärme in beständigem Austausch begriffen, und die Temperatur eines jeden Körpers ist das Resultat aller der Einwirkungen, denen er gerade ausgesetzt ist; sie ist die Differenz, welche übrig bleibt, wenn man vo,n aller ihm zugeführten Wärme alle weggenommene abzieht. Da, wo die Temperatur hauptsächlich durch die Strahlung beeinflußt wird, hängt sie ab von alle den Strahlen, welche ein Körper gleichzeitig erhält und aussendet. Ueberwicgen die ersteren, so wird der Körper warm, überwiegt die Ausstrahlung, so kühlt er sich ab.

Denken wir uns nun einen Punkt der Erdoberfläche bei Tage Er ist mit Lust von irgend einer Temperatur umgeben, und wenn keine andere Ein­wirkung Statt fände, als die zwischen Erde und Luft, so würden beide durch Berührung flch ausgleichen und bald eine endgültige mittlere Temperatur annehmen. Nun liegt aber über der Erde der Weltraum, und in diesem ein Punkt, der eine in der Entfernung der Erde noch sehr starke Strahlung ent­sendet, die Sonne. (F. f.)