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eben, 4 Uhr 50 Minuten, mit seinem Gefolge bei dem prächtigsten Wetter hier eingetroffen und unter Glockengeläute und Kanonen­donner in die Stadt eingezogen. Die Gegend am Stadtbahnhof, sowie die zur Präfektur führenden Straßen waren mit großen Menschenmaffen erfüllt, welche den Kaiser mit lebhaftem Enthusias­mus begrüßten. Alle öffentlichen Gebäude und viele Prinathäuser sind auf das Reichste und Festlichste geschmückt.

2. Mai. Die Anrede des Reichstags-Abgeordneten für Straß- burg, Bergmann, beim gestrigen Empfange des Kaisers auf dem Bahnhöfe lautete:Ew. Kaiserliche Majestät bewillkommnen und be­grüßen wir ehrfurchtsvoll und unterthänigst bei Allerhöchst Ihrem Eintritt in die Mauern der Stadt Straßburg. Wir hoffen, daß, was unsere Stadt während Ew. Majestät freundlichem Aufenthalte in unserer Mitte zu bieten im Stande ist, deren Erwartungen ent­sprechen möge und wünschen ebenfalls, daß sich an diesen huldvollen Besuch für unseren Kaiserlichen Gast, sowie für unsere Stadt stets eine befriedigende und heilvolle Erinnerung knüpfen werde. Mit tiefster Ehrfurcht heiße ich im Namen der Stadt Straßburg Ew. Kaiserliche Majestät willkommen!" Der Kaiser erwiederte, er freue sich auf seinen Aufenthalt in der altehrwürdigen Stadt, die er auch früher, aber nur als Reisender besucht, nun aber noch besser kennen zu lernen hoffe. Die Herren, welche ihn schon beim ersten Eintritt so freundlich begrüßt, Hosie er während seines Aufenthaltes noch öfter zu sehen.

Aus Breslau, 30 April, wird derPos. Ztg." geschrieben: Seit dem Beginn des orientalischen Krieges durchschwirren unsere Provin, die verschiedenartigsten Modilmachungsgerüchte und treten mit solcher Bestimmtheit auf, daß die Reservisten täglich ihrer Ein- berufungsordre entgegen sehen. Thatsache dürfte wohl nur sein, daß das 6. Armeekorps als dasjenige designirt ist, welches zunächst dazu bestimmt sein dürfte, in den Kriegszustand überzutreten, falls die Ereignisse dazu angethan sein sollten, eine MoblUstrung erfor- dtkUch zu machen."

Mittweida, 30. April. Wie demL. Tgbl." gemeldet wird, wurde hier vorgestern der bekannte socialistische Agitator Bahlteich aus Chemnitz wegen Beleidigung des Königs und des richterlichen Beamten des Bezirksgerichts Chemnitz zu 1| Jahr Gefängniß verurtheilt.

Wien, 1. Mai. Aus Moskau geht derPreffe" die Nach­richt zu ein englischer Dampfer sei ohne die nöthigen Vorsichtsmaß­regeln in den Hafen von Kertsch-Jenrkale eingefahren und hierbei auf Torpedos gestoßen. Letztere seien explodirt und hätten das schiff zertrümmert. Mannschaft und Ladung gingen unter.

Wien, 2. Mai. Aus Bucharest wird derPolit. Corr." ge­meldet, dem Anscheine nach werde der Hauptstoß der Ruffen gegen die Donaumündungen in der Dobrudscha erfolgen. Die Türken, von der Witterung begünstigt, verstärken eifrig die Stellungen an der Donau und werden den Ruffen hier mindestens 150,000 Mann entgegentreten. In Galatz ist ein russisches Stadtcommando errich­tet, welches trotz Einsprache des Consularcorps die Schifffahrt auf der untern Donau untersagte.

Wien, 3. Mai. DerPreffe" wird aus Wladikawkas gemel­det, daß in Persien die Pest ausgebrochen ist. Das russische Ar­meekommando ordnete hermetischen Grenzabschluß an

Pest, 3. Mai. Aus Konstantinopel verlautet, daß die Pforte gegen Deutschland sehr aufgebracht ist, weil es in der Ernennung des früher in Petersburg gewesenen Prinzen Reuß zum Botschafter in Konstantinopel eine ruffenfreundliche Kundgebung Dentschlands sieht, welche sich gegen die Türkei richtet. Es heißt, das deutsche KanonenbootMeteor" solle nach Konstantinopel gehen zum Schutz des russischen Botschaftsgebäudes.

Konstantinopel, 2. Mai. Die amtliche Zeitung behaup­tet, es habe keinerlei bedeutender Kampf auf dem asiatischen Kriegs­schauplatz stattgesunden; es feien nur russische Vorposten vor Da­tum erschienen.

3. Mai. Der Generalissismus der Donau-Armee hat die Wei­sung erhalten, nöthigensalls die Schifffahrt zu verbieten und Schiffe zu requiriren. Nach einer Depesche aus Batum vom Sonntag hat in der Nähe ein bedeutungsloses Gefecht stattgefunden.

Auf dem europäischen Kriegsschauplatze konzentriren sich alle Nachrichten von Belang auf das Schiffsgefecht, welches der türkische Admiral Hobart Pascha mit dem DampferRethymo" auf der Donau gegen russische Batterien zu bestehen hatte. Ueber den Zwischenfall selbst erfährt der Daily Telegraph folgendes 'Nähere:

Während das Admirals-Schiff in der Nähe von Rustschuk vor Anker lag, erhielten die türkischen Behörden die Kunde von der An­kunft der Russen in Galatz und daß sie Torpedos in den Fluß ver­senkten. Hobart Pascha wurde der Rath ertheilt, seinen Dampfer in der Donau zu lassen und via Varna nach Konstantinopel zurück- zukehren; aber alle solche Vorschläge verachtend, erklärte er, er würde eher sein Schiff in die Luft sprengen, als es im Stich lagen. Beim

Einbruch der Nacht traf er alle Vorbereitungen, um trotz aller rus­sischen feindseligen Absichten in das Schwarze Meer hineinzufahren, ließ Helle Feuer unter den Kegeln seines Fahrzeuges anzünden, um zu verhindern, daß Rauch aus dem Schornstein einporsteige und traf andere Anstalten. DerRethymo" ist, nebenbei bemerkt, ein sehr schnellsegelndes Boot und im Stande, 15 Knoten in der Stunde ab- zuwickeln. Als sich der Admiral Galatz näherte, fand er, daß schwer armirte russische Batterien den Fluß beherrschten, die aussahen, als ob sie im Stande wären, irgend etwas Schwimmendes in den Grund zu bohren, gar nicht zu sprechen von den Torpedos, die, wie es hieß, unter den Gewässern verborgen seien. Sobald es dunkel wurde, erscholl das KommandoLichter aus!" und der Dampfer flog pfeil­schnell dahin. Die Batterien waren bald erreicht, und die russischen ^ Laternen, die schweren Kanonen und Soldaten in großer Anzahl wurden der Mannschaft des vorwitzigenRethymo" deutlich sichtbar, als plötzlich eine Rakete von dem rumänischen Gestade aus aufstieg, um den russischen Bombadieren Hobart Paschas Annäherung zu melden Andere Raketen folgten in rascher Reihenfolge; dann wurde das heisere Kommandowort deutlich hörbar, Hornsignale ertönten und die Trommeln wirbelten lustig, die Russen auf ihre Posten ru­fend. Hobart Pascha erwartete jeden Augenblick, durch das Feuer der schweren Kanonen, dieser so kavaliermäßig behandelte, in die Luft gesprengt zu werden, aber entschlossen, Anstrengungen einiger­maßen m Verhältniß zu dem großen Risiko, dem er Trotz bot, zu machen, näherte er sich dem Genade, nicht 40 Meter von den Bat­terien selber entfernt, in der That so nahe, daß dre russischen Ka­nonen außer Stande waren gut zu zielen Sem Boot passirte rasch bei 20 Knoten per Stunde, und bald war jede Gefahr vorüber. Als er überzeugt war, daß er nichts mehr von seinen Feinden 'zu fürchten hatte, befahl Hobart Pascha der Mannschaft desRethymo" der eine 40p fündige Armstrongffche Kanone trägt, eine Granate in die Mitte des russischen Lagers zu werfen, ein Befehl, dem rasch Folge geleistet wurde. Das Geschoß barst inmitten der russischen Zelte. Seine Wirkung war natürlich unbekannt, aber es war der erste Kanonenschuß!, der, auf der Donau in dem russisch-türkischen Kriege abgefeuert worden."

Aus Rustschuk meldet man, daß die Befürchtungen der Christen, die Bewaffnung der Irregulären könne Veranlassung zu anderem Unglücke für sie geben, sich leiser früher gerechtfertigt ha­ben, als man hoffen durfte. Gestern sind aus einigen Distrikten recht traurige Nachrichten eingetroffen. Zwei größere Dörfer, T r e st - nick und Dwomogila, sind der Schauplatz gräßlicher Szenen gewesen. Die Territorial-Miliz, welche nichts Anderes als die frü­heren Baschb Bozuks ist, hat eine größere Anzahl von Männern Weibern und Kindern in der grausamsten Art getöotet und eine allgemeine Plünderung der genannten Orte vorgenommen. Die erst vor Kurzem erbaute Kirche in Dwomogila ist nach vorherge­gangener totaler Ausraubung gänzlich demolirt worden. Die Civil- regierung, wie die Militär-Kommandanten trifft für diese Greuel feine Schuld. Sie haben alle hierzulande denkbaren Maßregeln er­griffen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. An strengen Anord­nungen und scharfen Drohungen mangelte es nicht, leider blieben dieselben wirkungslos. Wo der religiöse Fanatismus so aufge­stachelt ist, wie es leider in Bulgarien unter der mohamedanischen Bevölkerung der Fall ist, da sind ähnliche Vorfälle unausweislich. Wer daher kann, verläßt das Land. Viele Bulgaren flüchten nach Konstantinopel.

Aus Hessen-Nassau.

Marburg, 2. Mai. Am Wehrdaer Weg wurde heute Mor­gen ein Mann todt aufgefunden, in dem man einen Müller aus der Gegend von Gelnhausen erkannt haben will. (M. T.)

Vermischtes.

Stralsund. Der Heringsfang an den diesseitigen Küsten, schreibt man der Strals. Ztg. aus Wolgast, ist in diesem Frühjahr ein außerordentlich schwacher. Der Hauptgrund hierfür liegt jeden­falls in der bisherigen kalten und stürmischen Witterung; nach dem allgemeinen Urtheile der Fischer ist die Ergiebigkeit des Hecingssan- ges überhaupt von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zurückgegangen- Der bis jetzt in diesem Jahre gefangene Hering steht überdies auch an Güte bei weitem demjenigen der früheren Jahre nach: er ist mit we­nigen Ausnahmen nur klein und mager, so daß er sich zum Einpö- keln nicht einmal eignet. Unter den Fischern herrscht somit im wahren Sinne des Wortes eine Nothstand. Zu dem Mißgeschick, welches die Fischer durch den ungünstigen Heringsfang getroffen, hat sich in den vergangenen Wochen noch ein weiteres Ungemach gesellt, indem näm­lich viele Frscher bei den lebten schweren Noroost-Stürmen ihre Netze theils gänzlich verloren, theils in einem unentwirroaren Zustande zusammengeballt wiedergefun» en haben.