^ 35, HerSfeld, Mittwoch den 2. Mai 1877.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches
Kreis Hersfeld.
In Folge einer Verfügung der Königlichen Regierung, Abtheilung des Innern, theile ich den Königlichen Standesämtern des Kreises mit, daß, nachdem durch die Anweisung des Königlichen Oberpräsidenten zu Cassel vom 4. April 1877 Nr. 1633 eine Ergän- i zung der standesamtlichen Ermächtigungen zur Vornahme der Eheschließung vor einem andern «Standesamt« vorgeschrieben worden ist, es für die Zukunft der Mittheilung der Aufgebotsverhandlungen rc. Seitens des Standesbeamten, welcher das Aufgebot angeordnet hat, nicht mehr bedarf.
Hersfeld, am 30. April 1877.
4591. Der Königliche Landrath Freiherr von B roi ch.
Hersseld, den 2. Mai 1877.
Gemäß mir am 24. v. M. mitgetheilter Ministerial-Entscheidun- gen vom 24. Januar und 6. März 1837 findet Die Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 21. November 1835, die Amtsverschwiegenheit der Beamten betreffend, auf die OrtsvorstHnde der Landgemeinden eine so beschränkte Anwendung, daß ich mich daraufhin veranlaßt sehe meine Circular-Verfügung vom 2. December v. I. Nr. 12,880, Kreisblatt de 1876 Nr. 97, hiermit zurückzuziehen und es dem pflichtmäßigen Ermessen der Ortsvorstände anheimzustellen, wann und wo solche die Benutzung einer entsprechenden Schreibhülfe für nöthig erachten.
4744.__Der Königliche Landrath Freiherr von Broich. Die Witwe des Schneiders Johannes Beriet zu Niederaula hat für sich und ihre beiden Töchter Elisabeth und Anna Margare- tha Beriet um Ertheilung von Reisepässen zur Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht.
Hersfeld, am 1. Mai 1877.
4618 Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Cassel, den 27. April 1877.
Das Königliche Landrathsamt benachrichtige ich im Anschluß an mein Schreiben vom 20. d. Mts. Nr. 6643 ergebenst, daß sich nach den angestellten Ermittelungen unter den von dem Stadtpostboten Stör and in Dresden unterschlagenen Geldern 1 Reichskassenschein über 500 Mark und 7 Retchskassenscheine über 100 Mark (Nummer der Scheine unbekannt) befunden haben.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung: Henne.
Hersfeld, am 30. ' pril 1877.
Wird mit Bezugnahme auf meine Verfügung üont 23. d. Mts. Nr. 4325 (Kreisblatt 33) veröffentlicht.
4663.________ Der Königliche Landrath Freiherr von Broich— r Hersseld, am 30 April 1877.
; Der in meiner Bekanntmachung vom 25. d. Mts. Nr. 4480, : (Kreisblatt Nr. 33) erwähnte Postgehülfe Kohnz aus Ochtendung ist am 26. d. M. in Constanz verhaftet worden.
4664.__________Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Der Ackermann Heinrich S ch mid t von Aua ist am 30. April d. I. als Bürgermeister der dasigen Gemeinde bestätigt und verpflichtet worden.
Tagesbegebenheite».
Berlin, 30. April. Graf Moltke hat sich heute früh nach
Straßburg begeben, um den Kaiser auf dessen Reise in Elsaß-Loth' ringen zu begleiten.
Karlsruhe, 30. April. Der Kronprinz ist kurz nach 11 Uhr der Kaiser um iz Uhr nach Baden abgereist. Morgen erfolgt die Weiterreise nach Straßburg.
Mainz, 28. April. Der Tempel der Loge der „Freunde zur Eintracht" ist heute kurz nach Mittag, durch ein, wie es scheint, auf dem Bodenraum des Saalgebäudes ausgebrochenes Feuer gänzlich niedergebrannt, einschließlich der Einrichtung des Archives, eines Theil des Ceremonaciums und des Decorationsapparates. Nebstdem litten die nebenanliegenden Gebäude, namentlich ein größeres, beträchtlich, so daß der Brand durch seine Ausbreitung an den der Fruchthalle erinnerte. In der Loge sollten heute Abend gelegentlich einiger Aufnahme verschiedene Festlichkeiten statt finden.
Kissingen, 29. April. Die feierliche Enthüllung des Bismarck- Denkmals fand, nachdem mehrere Lieder und Musikstücke vorgetragen worden, heute um ! 1 Uhr 20 Minuten unter lebhaftesten Hochrufen einer zahlreichen Volksmenge statt. Es erfolgte sodann eine Uebergabe an das Bade-Commissariat und ein begeistertes Hoch auf König Ludwig.
Paris, 28. April. Der „Temps" bringt die offiziöse Mittheilung, daß einer der französischen Offiziere, welcher zu der wis- sentschaftlichen Mission gehöre die jetzt in Berlin sei, in den namhaftesten offiziellen Kreisen Berlins vollkommen friedliche Eindrücke nicht blos über die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutsch« land, sondern auch bezüglich der etwaigen Folgen der orientalischen Krisis erhalten habe; man scheine an die Lokalisirung des Krieges zu glauben.
— Das Pariser Zuchtpolizeigericht verurtheilte heute die aus dem- Großherzogthum Baden gebürtige Frau Anna Bauer, geborne Hertzer, welche trotz einer über sie im Jahre 1871 verhängten Ausweisung sich wieder auf französischem Gebiet gezeigt hatte, zu einem Monat Gefängniß. Die Schicksale dieser Frau sind sehr rührend. Ihr Sohn war wegen Theilnahme am Communeaufstand zur Deportation verurtheilt und nach Neu-Caledonien gebracht worden; seitdem war ihr ganzes Dichten und Trachten auf seine Befreiung gerichtet. Sie verschaffte sich die Mittel, selbst nach Numea zu reisen, und setzte dort für ihren Sohn einen Fluchtversuch ins Werk', der mißlang. Sie mußte nun selbst die Insel verlassen und kehrte nach Frankreich zurück, um, wie es scheint, sich für die Begnadigung des Sohnes zu bemühen. Dieses Wiedererscheinen wird sie nun mit einem zeitweiligen Verlust ihrer Freiheit zu büßen haben.
Petersburg, 28. April. Ein bei dem Kriegsministerium über die Operationen an der Kaukasus-Grenze eingegängenes Telegramm lautet: Am 26. April überschritten die in Alexandropol versammelten Truppen dieMenze. An diesem und dem nächsten Tage fanden kleinere Gefechte statt, wobei die Russen 31 Mann verloren^ dagegen 7 türkische Offiziere und 100 Soldaten gefangen nahmen. — Ein kaiserlicher Erlaß verleiht dem Großfürsten-Oberbefehlshaber der Kaukasus-Armee das Recht, nöthigenfalls den Kriegszustand zu pro« klamiren. — Aus^ Kischeneff wird gemeldet, daß Großfürst Wladimir daselbst eingetroffen ist und General Tschernajeff sich heute dem Oberbefehlshaber vorgestellt hat.
— Obschon die Pforte den ferneren Aufenthalt der russischen Unterthanen in der Türkei nicht gestatten will, hat das russische Gouvernement anstandslos das Verbleiben türkischer Unterthanen in Rußland gestattet und die Vertretung derselben durch England anerkannt.
Wien, 30 April. Hier einlaufende Telegramme vom Kriegsschauplatze besagen, daß die rumänischen Truppen neuerdings Ka-