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Areis

für den

Kreis Hersfeld.

^ 34 Hersfeld, Sonnabend den 28. April 184V

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Amtliches

Kreis Hersfeld.

Der bisherige Ausschußvorsteher unb Ackermann Valentin Baumgard zu Kleba ist zum commissorischen Bürgermeister für diese Gemeinde bestellt worden.

Berlin W., den 12. April 1877.

Bekanntmachung betreffend die Einführung von Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort.

Mit der Rohrpost in Berlin können vom 20. April ab auch Postkarten mit bezahlter Antwort befördert werden. Die zu diesem Behufe hergestellten Doppelkarten sind vom bezeichneten Tage ab bei allen hiesigen Post- bz. Telegraphenämtern, sowie bei den amt­lichen Verkaufsstellen für Postwerthzeichen, zum Betrage des Werth« stempels von 50 Pfenmg käuflich zu haben.

Die Einführung der Rohrpostkarten mit bezahlter Antwort gilt einstweilen als Versuch. Falls daraus im Hinblick auf die Eigen­thümlichkeit des Rohrpostbetriebs UnzuträglichkeiLen entstehen sollten, bleibt die Zurückziehung vorbehalten.

Der General-Postmeister. Stephan.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, 25. April. Der Kronprinz reist morgen Abends nach Darmstadt von dort nach Karlsruhe, von wo er den Kaiser nach dem Elsaß begleiten wird Der Kaiser trifft am 28. d., von Wies­baden kommend, in Darmstadt ein, und reist nach kurzem Aufenthalt noch am nämlichen Tage nach Karlsruhe weiter.

Wiesbaden, 26. April. Der Kaiser hat in allgemein be­wunderter Rüstigkeit bei prächtigem Wetter die Parade über die hie­sige und Biebricher Garnison abgenommen. Zu dem heutigen Pa­radediner treffen auch der Prinz und die Prinzessin Ludwig von Heffen ein.

Das russische Kriegsmanifest.

Das Manifest des Kaisers Alexander lautet:Unsere treuen Unterthanen kennen das lebhafte Interesse, welches Wir beständig den Geschicken der von der Türkei unterdrückten christlichen Bevöl­kerung gewidmet haben. Unser Wunsch, das Loos derselben zu ver- bessern und zu gewährleisten, wird von der ganzen russischen Ration getheilt, welche sich nunmehr bereit zeigt, neue Opfer zu bringen, um die Lage der Christen in der Balkan-Halbinsel zu erleichtern. Gut und Blut Unserer treuen Unterthanen ist Uns immer theuer gewesen. Unsere ganze Regierung bezeugt die beständige Sorgfalt, Rußland die Wohlthaten des Friedens zu erhalten. Diese Sorgfalt hat Uns unaufhörlich seit Beginn der traurigen Ereignisse in Bos­nien, der Herzegowina und Bulgarien beseelt. Wir hatten uns vor Allem das Ziel gesteckt, aus dem Wege friedlicher Verhandlungen und im Einveinehmen mit den europäischen Großmächten, Unseren Alliirten und Freunden, zu einer Verbesserung der Lage der Christen im Orient zu gelangen. Zwei Jahre hindurch haben Wir unauf­hörlich Anstrengungen gemacht, um die Pforte zu Reformen zu ver- anlassen, welche die Christen in Bulgarien, Bosnien und der Herze­gowina sicher stellen konnten vor der Willkür der Lokalbehörden. Die Ausführung dieser Reformen ging in absoluter Weise aus den früheren Verpflichtungen hervor, welche die Pforte feierlich dem ge­summten Europa gegenüber eingegangen war. Unsere Bemühungen,

obwohl unterstützt durch diplomatische Vorstellungen, welche in Ge- meinsamkeit mit anderen Mächten gemacht wurden, haben indessen das gewünschte Ziel nicht erreicht. Die Pforte ist unerschütterlich geblieben in der kategorischen Zurückweisung jedweder Garantie für die Sicherheit der Christen; sie hat die Beschlüsse der Conferenz von Konstantinopel abgelehnt, welche von dem Wunsch geleitet war, alle möglichen Mittel der Versöhnung anzuwenden, um die Pforte zu überzeugen. Wir haben den anderen Kabinetten vorgeschlagen, ein Spezialprotokoll abzusassen, welches die wesentlichen Bedingungen der Konferenz von Konstantinopel in sich begreift, und die Pforte aufzufordern, sich diesem internationalen Akte anzuschließen, welcher die äußersten Grenzen Unserer friedlichen Forderungen bezeichnete. Unsere Erwartung indessen hat sich nicht erfüllt. Die Pforte hat dem einstimmigen Wunsch des christlichen Europas nicht nachgegeben, sie hat den Beschlüssen des Protokolls sich nicht angeschlossen. Nach­dem Wir so alle friedlichen Bemühungen erschöpft haben, sind Wir durch die hochmüthige Halsstarrigkeit der Pforte genöthigt, zu ent­scheidenden Akten Überzugehen. Das Gefühl der Billigkeit, das Gefühl Unserer eigenen Würde legt Uns dies gebieterisch auf. Durch ihre Ablehnung hat Uns die Pforte in die Nothwendigkeit versetzt, zur Waffengewalt Unsere Zu' acht z». nehmen. Auf das Tiefste überzeugt von der Gerechtigkeit Unserer Sache, und indem Wir in Demuth Uns der göttlichen Gnade und Hülse anvertrauen, lassen Wir Unsere treuen Unterthanen hierdurch wissen, daß der Augenblick, welchen Wir voraussahen, als Wir jene Worte sprachen, auf welche ganz Rußland mit so großer Einmütigkeit antwortete daß dieser Augenblick gekommen ist. Wir hatten die Absicht ausgesprochen, selbstständig zu handeln, sobald Wir es für nothwendig halten soll­ten und die Ehre Rußlands es erfordern würde. Indem Wir heute den Segen Gottes auf Unsere tapferen Armeen herabflehen, ertheilen Wir ihnen den Befehl, die Grenze der Türkei zu überschreiten.

Gegeben Kischeneff, den 12. (24) April des Jahres der Gnade 1877 im 23. Jahre Unserer Regierung.

gez. Alexander."

Der Eintritt der russischen Truppen in rumänisches Gebiet ge­schah in drei Punkten, bei Ungheni, Beschtamak und Kubey. Die Spitzen der russischen Armee rückten in Jassy, Levwa und Galatz ein und besetzten die Szereth-Brücke bei Bardoschi. Die Infanterie marschirte bei Reni. Am Mittwoch sollen bereits 50,000 Mann Russen ihren Einmarsch bewerkstelligt haben. Der Hauptvorstoß der russischen Armee scheint daher gegen die Dobruoscha gerichtet zu sein, jenen unwirthbaren Landstrich an den Donaumündungen, dessen mörderisches Klima dem französischen General Espinasse im Jahre 1853 an 10,000 Mann seiner besten Truppen Hinwegraffte. Auf diesen Vorstoß schienen die Türken nicht ganz vorbereitet zu sem. Schon bewegen sich in aller Eile türkische Truppenabtheilungen aus Widdin in der Richtung gegen Dobrudscha, doch hält man es für zweifelhaft, ob die im Donauvilajet stehenden türkischen Trup­pen schnell genug dort eintreffen können, um den Russen den Weg zu verlegen. Sonst hat die türkische Armee sich weder von Widdin aus nach Kalafat oder Rustschuck aus nach Giurgewo vorgewagt. Aber es ist dies vielleicht Die Ruhe vor dem Sturm, denn der Sultan hat an die Armeekommandanten folgendes Telegramm ge­richtet.

Nachdem Rußland den Krieg erklärt hat, sind wir gezwungen, zu den Waffen unsere Zuflucht zu nehmen. Wir haben stets den Frieden und die Ruhe gewollt, wir haben den Rathschlägen der Mächte in dieser Richtung Gehör geschenkt. Allein Rußland will unsere Rechte, unsere Unabhängigkeit, unser Land vernichten. Ruß­land hat uns angegriffen, Gott der Beschützer des Rechts und der