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für den
Kreis Persfel d.
^ AT HerAfel-, Sonnabend den 2L April
1877
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten tommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet.
Amtliches
Kreis HerSfeld.
Der Ackermann Johann Conrad Wiedecholo zu Kleba hat um Entlassung aus dem Unterthanen-Verbande für sich und seine Familie behufs Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht.
Hersfeld, am 17. April 1877.
4018. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
' Die Ortsvorstände derjenigen Gemeinden des Kreises, deren Gemarkung die Landesgrenze berührt, haben, bestehender Vorschrift gemäs, am 1. Mai d. I. die Grenze zu begeben und das Ergebniß dieser Begehung längstens bis zum 8. k. Mts. speziell an- her einzuberichten.
Hersfeld, am 17. April 1877.
4176. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Es wird hierdurch veröffentlicht^daß durch Beschluß der Raths« kammer
a) des Königlichen Stadtgerichts zu Berlin vom 8. d. Mts. die Druckschrift:
„Der Glöckner im Exil," IV. Heft, März 1877 Bern Commis- sionsverlag Lang et Comp.
auf Grund des §. 17 des Preßgesetzes und §§. 185, 41, 42 des Strafgesetzbuchs vorläufig in Beschlag genommen ist;
b) des Königlichen Kreisgerichts vom 7. März d. I. die Beschlagnahme der Druckschrift: .
„Politische Gründer" und „die Corruption in Deutschland" von Dr. Rudolph Meyer, Leipzig, Verlag von E. Bidder 1877, wegen der in folgenden Stellen: auf der Seite 53 in dem mit den Worten: „Hatte man beim Credit Mobiliar« beginnenden Satze, auf der Seite 150 in dem mit den Worten: „Dagegen hat man mehrfach" beginnenden Absätze, auf der Seite 154 in dem mit den Worten: „Endlich erschien im Herbst 1876" beginnenden Absätze, auf der Seite 185 in dem mit den Worten : „Von der Regierung" beginnenden Absätze, auf der Seite 196 in dem mit den Worten: „Wir haben gezeigt" beginnenden Absätze, auf der Seite 202 in dem mit den Worten: „Nachweißbar ist" beginnenden Absätze, auf der Seite 204 in dem mit den Worten: „Wir missen, daß" beginnenden Absätze, angeblich enthaltenen Beleidigungen des Fürsten Reichskanzlers — §§. 185, 186, 194 des Strafgesetzbuchs — verfügt worden ist.
Hersfeld, am 20. April 1877.
4244. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Der Oeconom Fried rich' Z ie g l e r ist als Bürgermeister der Gemeinde Eitra bestätigt worden_______ ____________ ______________ Gefunden: im Orte Friedewald eine Taschenuhr. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Friedewald.
Tagesbegebenheiten.
Hambnr g, 19. April. Der deutsche Kronprinz und die Frau Kronprinzessin sind heute Nachmittag 2| Uhr in Begleitung des Prinzen Wilhelm hier eingetroffen und von der zah.reich versammelten Bevölkerung mit enthusiastischen Zurufen begrüßt worden. Die Stadt prangt im reichsten Flaggenschmuck. . ,r.
Für den Besuch des Kronprinzen und der ^ran Äronpiinjeli n in Kiel werden seitens der Marine bereits umfangreiche Borkeh- rungen getroffen. Die zur Zeit im Kieler Hafen befindlichen Schisse
werden in Paradestellung in langer Linie ausgelegt und für den 22. April mit dem üblichen reichen Flaggenschmuck ausgestattet werden Neben der Panzerfregatte „Preußen" werden die Korvetten „Arcona" und „Medusa", die Fregatte „Niobe" (Kadettschiff), die Briggs „Musquito" unb „Rover" (Uebungsschiffe für die Schiffs- jungeu) und die Kanonenboote „Sperber" und „Delphin" paradiren, im Ganzen also 8 Schiffe, was eine lange Reihe ausmacht, da die einzelnen Schiffe in bedeutender Distanz auseinandergelegt werden.
London, 18. April Rußland ist keineswegs der Neutralität Englands schon völlig sicher. Zwischen Derby und Schuwalow hat hierüber ein Meinungsaustausch stattgefunden, welcher das gewünschte Resultat nicht ergab. Lord Derby erklärte, daß er sich genöthigt sehe, die Aufmerksamkeit des russischen Botschaft rs auf den Nachtragsvertrag zum Pariser Frieden zu lenken, ii welch m England, wie die anderen Mächte sich verpflichtet hätten, ein-ein und gemeinsam die Integrität der Pforte zu verbürgen. Gra^ Scbuwa- low erwiderte, daß Rußland ja nicht daran denke, in der Türkei Eroberungen zu machen, worauf Lord Derby replizirte, daß dieser Vertrag auch die Türkei vor jeder fremden tiggreffion schütze. In Folge dieser^Unterredung, sagt man, deren Ernst Niemand verkennt, habe Graf Schuwalow seine Reise nach Petersburg angekündigt.
Wien, 18. April Nach hier eingegangenen Meldungen hat das russische Konsulat Serajewo bereits verlassen, an seiner Stelle hat das deutsche Konsulat die Vertretung der russischen Unterthanen übernommen; an solchen türkischen Orten, wo keine deutschen Missionen existiren, werden österreichische Konsulate sich der russischen Einwohner annehmen
Pest, 18. April. Hier eingetroffene Berichte besagen, daß das schlechte Wetter die Zustände der Heerstraßen wieder so verändert habe, daß die Aktion noch verzögert werden dürfte.
Warschau, 18. April. Soeben wird die am Freitag früh bevorstehende Abreise des Czaren hierher signalisirt. In seiner Begleitung befinden sich die Prinzen, der Kr.egsminister, General Jg- natieff rc. Das Kriegsmunifest wird unmittelbar nach der Rückkehr des Kaisers aus Kischeneff, der dort nur kurze Zeit bleibt, von Moskau aus, wohin sodann der Czar geht, erfolgen und somit das Datum der alten Residenz tragen. Der General-Gouverneur von Polen Graf Kotzebue ist zum Empfang des Kaisers nach Kischeneff gegangen. Die Gouverneure von Odessa und Kiew sind gleichfalls zur Empfangnahme neuer Ordres hinbefohlen. Sämmtliche polnische Bahnen erhielten Befehl, das Telegraphen- und Bahnpersonal zu verdoppeln und sich auf Nachtdienst einzurichten. Es soll eine tägliche Uebermitlelung genauer für die Qeffentlichkeit bestimmter Nachrichten vom Kriegsschauplatz an das Ministerium und an die Presse durch den Generalstab ins Leben gerufen werden.
Aus Kischinew wird gemeldet, daß die Concentration der Südarmee als vollzogen angesehen wird.
Brüssel, 19. April' Die hier auf Urlaub befindlichen und der hiesigen Kriegsschule üdermiesenen rumänischen Offiziere haben von Bukarest aus den Befehl erhalten, sofort zu ihren heimischen Regimentern zurückzukehren.
Wien, 18. April. Der „Polit. Corresp." wird aus Bukarest vom heutigen Tage gemeldet, die rumänische Regierung habe beschlossen, 10,000 Mann zum Schutze der Hauptstadt gegen einen etwaigen Handstreich türkischer irregulärer Truppen zusammenzu- ziehen.
Wien, 18 April. Die Meldung von einem Einrückeu der Oesterreicher in Bosnien ist mindestens verfrüht. Ein derartiger Beschluß ist noch nicht erfolgt — Rumänien mobilifirt in fieberhafter Eile. Die Besatzungen von Giurgewo und Kalafat wurden ver-