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für den
Kreis Persfeld.
^ 30* HerSfeld, Sonnabend den 14. April 1877«
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei ben Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet.
Amtliches
Kreis Hersfeld.
Königliche Regierung- J. B. Nr. 3343.
Cassel, den 31. März 1877.
In der Zeit vom 10. September bis 6 October c. wird am Lehrer-Seminar zu Usingen ein Turnkursus für im Amt stehende Bolksschullehrer der Provinz Hessen-Nassau abgehalten werden. Zur Theilnahme an demselben werden in Gemäßheit der dieSfälligen Bestimmungen des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten diejenigen Lehrer einberufen werden, die keine oder nur eine unzureichende turnerische Ausbildung gehabt haben, also hauptsächlich ältere, sowie nicht in Seminarien vorgebil- bete Lehrer und solche die bisher keine Gelegenheit fanden, ihre früher erworbene turnerische Fertigkeit zu üben und weiter zu fördern. Nur ausnahmsweise können auch jüngere, in den letzten 8 bis 10 Jahren aus dem Seminar entlassene Lehrer als Cursisten zugelasien werden.
Anmeldungen von Lehrern aus dem hiesigen Regierungsbezirk sind bis zum 1. Mai d. I. bei den zuständigen Schulvorständen und Schuldeputationen, welche wir mit näherer Anweisung versehen haben, einzureichen.
Abschriftlich mit dem Auftrage, nach Benehmung mit dem betreffenden Localschulinspector, bezw. Stadtschulinspicienten, zunächst allgemein diejenigen älteren Lehrer, deren turnerische Ausbildung, bezw.Weiterbildung nach ihrer Persönlichkeit, nach den Bedürfnissen der Schulen, an welchen sie angestellt sind, oder des Orts und dessen nächster Umgebung vorzugsweise wünschenswerth erscheint, zu ermitteln und sich hierüber, sowie über die eingehenden freiwilligen Meldungen unter Angabe des Lebens- und Dienstalters, bezw. der Seminarzeit der ausgewählten Lehrer zu äußern. Es wird hierbei bemerkt, daß die Einberufung eines Lehrers auch ohne eine von ihm abgegebene ausdrückliche Erklärung der Bereitwilligkeit erfolgen kann, wen» anders nach den tn Betracht kommenden Behältnissen seine Ausbrldung als geboten anzusehen ist.
Für jeden Theilnehmer an dem Kursus ist von dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten eine Unterstützung, welche jedoch den Betrag von 3 Mark täglich nicht überschreiten darf, neben dem Ersatz der unbedingt nöthigen Reife- und Zehrungskosten in Aussicht gestellt worden. Die bethei- ligten Lehrer sind übrigens im Boraus darauf aufmerksam zu machen, daß sie über die ihnen erwachsenden Reisekosten, eventuell auch über die nöthig gewordenen Zehrungskosten, behufs Feststellung der ihnen zu gewährenden Entschädigungen dem mit Abhaltung des Kursus beauftragten Lehrer Auskunft zu geben haben.
In den bis zum 15. Mai d. J. zu erstattenden Berichten ist sich zugleich zu äußern, ob und welche Gemeinden etwa bereit sind, ihren Lehrern behufs Theilnahme an dem Turnkursus eine Beihülfe und in welchem Betrage zu gewähren.
Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
Mittler.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe rc.
Hersfeld, am 11. April 1877.
In Abschrift den Ortsvorständen des hiesigen Kreises mit dem Auftrage, das weiter Nöthige hiernach, benehmlich mit den betreffenden Herrn Localschulinspectoren, zu besorgen und das Ergebniß,
sowie darüber, ob ihre Gemeinde bereit ist, ihrem Lehrer behufs Theilnahme an dem Turnkursus eine Beihülfe und in welchem Betrage zu gewähren, bis zum 1. Mai c. zu berichten.
3966.__________Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
In Gemäßheit Verfügung der Königlichen Regierung vom 6. d. M. werden die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises beauftragt, die gegen die Gefahren der Rinderpest durch meine Verfügung vom l5. Februar c. ad Nr. 1900, (Kreisblatt 14) angeordneten Revisionen der Rindviehbestände, nachdem die Rinderpest im Deutschen Reich erloschen, einzustellen und von jetzt an nicht weiter fortsetzen zu laffen.
Hersfeld, am 13. April 1877.
4008.___Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.__
Die 19 Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit Erstattung des durch Verfügung vom 15 v. M. ad Nr. 3067, (Kreisblatt 22) geforderten Berichts in Betreff des Jagdrechts, noch im Rückstände sind, werden hieran mit 3tägiger Frist bei 3 ’JJlart Strafe hierdurch erinnert.
Hersfeld, am 13. April 1877.
4059. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Einer Mittheilung des K. K. oesterr. Ministeriums des Innern zufolge wurde am 4. November v. I. in der Nähe von Vocklabruck ein mit einem ungültigen Certificate der Gemeinde Munk (Aieder- oesterreich) versehener Mann aufgegriffen, welcher sich Georg Gat- sche nannte, seines Zeichens ein Negenschirmmacher zu sein vorgab und in Betreff seiner Herkunft nachstehende Angabe machte.
Er sei der Sohn der 1806 in Polen (O österreichisch-, Preußisch- oder Russisch-Polen, konnte nicht ermittelt werden) gebornen Louis Gatsche und der 1812 zu Grünberg in Schlesien, als das Kind herumziehender Arbeitsleute geborenen Margaretha Gatsche, welche beide, in wilder Ehe lebend, soweit er sich zurück zu erinnern vermöge, mit einem großen, mit einem Pferde bespannten Wohnwagen in der Welt herumzogen und mit Regenschirmen, die sie verfertigten, im Winter auch mit Hosen und Jacken hausirten. Bei diesen Fahrten, die sich in Deutschland auf Schlesien, Brandenburg, Mecklenburg, die Rheinlande, Baiern und Würtemberg erstreckten, habe er seine Eltern begleitet, von welchen er erst vor ungefähr 3 Jahren in Deutschland aus dem Grunde sich getrennt habe, weil sein seit einiger Zeit dem Trunke ergebener Vater ihn fortwährend mißhandelte.
Seit dieser Zeit sei er arbeitend und bettelnd in Deutschland herumgezogen und schließlich nach Oesterreich gekommen.
Georg Gatsche ist 31 Jahre alt, von mittlerer Größe hat ein ovales Gesicht, graue Augen, dunkelblonde Haare, eine spitzige Nase und einen kleinen Schnurrbart.
Die Personalbeschreibung seiner Eltern wird von demselben folgendermaßen angegeben.
Louis Gatsche ist sehr groß und stark, hat lange Kopfhaare und einen langen, tief auf die Brust herabrerchendeu rothen Bart. Er trägt eine graue s. g. Kohlerjoppe mit einer Rückensalte, eine bis an's Knie mit Leder besetzte Hose und einen weichen grauen Filzhut.
Margarethe Gatsche ist ziemlich groß und stark, hat graue Haare und ist am Hinterkopf kahl, auf der rechten Seite der Nase hat sie eine große Warze.
Sie trägt gewöhnlich wollene gestrickte Röcke, schwarze oder graue Tuchjacken und einen grauen oder violetten Capuchon.
Der Wagen ist grün, vierrädrig, hat je drei Fenster an den Längenseiten und ein Bogenfenster rückwärts; derselbe war zuletzt mit einem starken Eisenschimmel in der Gabel bespannt.