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ihr eigenen Lebhaftigkeit war sie auch bald in der heitersten Unterhaltung mit ihrem Nachbar und seiner Gattin. Sie hatten sich ihr vorgestellt als Gutsbesitzer Nehring und Frau, aus der Görlitzer Gegend, und Fanny holte ihr zärtliches Bisitenkartenläschchen hervor und überreichte ihre Karte.
„Fanny v. Bolland, las Herr Nehring, da wandle der junge blonde Mann schnell seinen Kops um, doch eben so schnell sank er wieder in seine Ecke zurück.
Fanny bemerkte, wie der junge Mann eine eben angerauchte Cigarre aus dem Fenster Hinauswarf und es that ihr leid, daß er vielleicht einen Genuß aufgab, der anwesenden Damen wegen, und sogleich sagte sie:
„Weshalb rauchen Sie nicht weiter mein Herr? Ich glaube wir sind hier sämmtlich an den Cigarrendampf gewöhnt, mein Papa wäre unglücklich, wenn ihm die Cigarren verboten würden und ich ebenso, denn ich würde ihm dann keine Cigarrentaschen, Rauchservice und dergleichen Sachen arbeiten sönnen."
Der junge Mann sah sie voll mit seinen großen blauen Augen - an und sagte:
“ „Wenn es mir so schwer würde, die Cigarre zu entbehren, hatte ich sofort die Erlaubniß zum Rauchen bei den Damen nachgesucht, ich muß jedoch gestehen, daß ich, indem ich die Cigarre angezündet, schon gegen den Befehl meines Arztes handelte. Zu der strengen Diät, die mir für den Aufenthalt in Karlsbad vorgeschrieben, gehört auch die Entsagung der Cigarre.-
Also auch nach Karlsbad! dachte Fanny, und jetzt sah sie sich im Geiste schon auf allen Spaziergängen unter Bekannten, denn trotz der Kürze ihres Zusammenseins war es ihr, als sei sie mit ihren zufälligen Reisegefährten schon recht lange bekannt, sie erzählte « fortwährend und es dauerte nicht lange, da hatte Herr Nehring und Frau die genaueste Bekanntschaft gemacht mit Herrn v. Bolland, Friedrich, mit Voltchen und allen übrigen Schloßbewohnern und mehr als einmal schlich sich ein Lächeln über das Gesicht des jungen blonden Mannes.
Die Zeit verging bei dem GepIauder sehr schnell und Dresden rückte immer näher. Jetzt that es Fanny ordentlich leid, daß man schon scheiden sollte, doch man sah sich ja bald in Karlsbad wieder. Herr und Frau Nehring wollten einige Tage in Dresden bleiben und der junge Mann? Ja, es war doch eigentlich merkwürdig, daß er sich seinen Reisegefährten nicht vorgestellt hatte, das war gar nicht in der Ordnung, dachte Fanny, und sie ärgerte sich, daß Herr Nehring ihren Namen laut gelesen, denn nun hatte er ihn ja erfahren. Wer mochte der junge Mann sein? Er hatte etwas Aristokratisches in seinem Aeußern, jetzt stand er auf, die hohe Gestalt reichte bis an die Decke des Waggons und als er den Hut abnahm und lelckt mit der Hand durch das blonde Haar fuhr, mußte man die Lockenfülle desselben bewundern. Der Mund war etwas groß und zeigte beim Sprechen die schönsten Zähne. Ein kleines Bärtchen zeigte sich über der Lippe und gab dem schönen geistreichen Gesicht etwas Männliches. Das Schönste waren die Augen, doch lag in dem Blick ein tiesternster, melancholischer Zug und die hohe weiße Stirn ließ schließen, daß der Geist dieses Mannes viel gearbeitet; die Falte über den Augen kündete den Beobachter auch wohl manche bittere Lebenserfahrung.
Jetzt war Dresden erreicht und — Lebewohl bis Karlsbad!
Fanny konnte ihre Augen nicht von dem jungen Manne wegwenden und jetzt wirklich überreichte er seine Karte dem Herrn Nehring. Es wäre zu viel verlangt gewesen, wenn sie nicht einen ganz kleinen neugierigen Blick über Herrn Nehrings dicken Arm weg auf die Karte hätte werfen sollen. Doch suchte sie auf der einfachen weißen Karte vergeblich nach einem Wappen oder langen Titel, da stand nicht einmal das Wörtchen von dabei. Ganz einfach: B. Berger. Fanny war etwas enttäuscht und hätte gewiß noch länger darüber nachgedacht, wie es möglich sei, daß dieser stattliche schöne junge Mann Herr Berger heißen könne, wenn nicht gerade die Thür geöffnet und sie von Friedrich in Empfang genommen wäre.
(Fortsetzung folgt.)
Anzeigen.
Zur Nachricht.
Das neue Schuljahr beginnt Mittwoch den 11. April. Am Tage vorher von 8 Uhr Vormittags an findet die Prüfung der angemeldeten Schüler statt. Bei der Anmeldung ist ein Zeugniß der seitherigen Lehrer, der Tauf- und Impfschein und für solche Knaben, welche das 12. Lebensjahr überschritten haben, das Zeugniß über die zweite Impfung vorzulegen; in die Vorschule werden solche Knaben ausgenommen, welche bereits ein Jahr Unterricht genossen haben.
Die Anstalt hat die Berechtigung, ihren * Schülern nach einjährigem erfolgreichen Besuche der Secunda das Zeugniß für den einjährig-freiwilligen Militcurdienst aus- zustellen.
HerSfeld, am 3. März 1877.
Der Reetor der höheren Bürgerschule.
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Vom 1. März c. treten für den Transport von Saarkohlen nach den ' diesseitigen Stationen ermäßigte Frachtsätze in Kraft
Der deshalbige Tarif (Nr. 20) kann bei unseren Expeditionen eingesehen und auch von da zum Preise von 16 Ps. pro Exemplar bezogen werden.
Frankfurt a. M, den 8. März 1877.
Königliche Eisenbahn- Direction.
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Unterzeichneter kaufte heute von Con- rad Klee zu Dünkelrode ein zweijäh
riges Rind, von gelber Farbe, für den Preis von 150 Mark. Besagtes Rind lasse ich dem rc. Klee noch einstweilen im Besitz, und warne daher vor Ankauf oder Pfändung desselben, bei Meidung der Herausgabe an mich ohne Entschädigung von meiner Seite.
Dünkelrode, den 15. März 1877
_____________Jakob Hichel.
Eekanntmaehungs
Der Schreiner Johann Friedrich Henning von Unterstopp elund dessen Ehefrau Barbara Elisabeth geb. Henning sind in die allgemeine Gütergemeinschaft des Fuldaischen Rechts eingetreten Niederaula, am 9. März 1877.
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