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Feuilleton.

Am Sprudel.

Novelle von C. Schirm er.

(Fortsetzung.)

Mein hochverehrter Vater!

Lange sehe ich dem Tage mit Sehnsucht entgegen, der mich der Heimath und Dir und meiner geliebten Mutter zuführen sollte. Wenn ich Deinem Ruf heut nicht folge, so bitte ich Dich, darin nicht etwa einen Hang zum Ungehorsam oder ein Auslehnen gegen Deinen Willen zu finden, — ach nein, geliebt^ Vater, ich würde so von Herzen gern Alles thun, was Dir Freude macht und die Thränen stürzen aus meinen Augen bei dem Gedanken, daß ich Euch und die Heimath noch nicht wiedersehen sann.

Mein Vater, ehe ich zu Dir zurückkehre, muß ich Dir sagen, daß ich das Kind nicht mehr bin, das Du von Dir gestoßen. Mein Geist ist zur Selbstständigkeit entwickelt und ich fühle die Kraft in nur, auf eigenen Füßen zu stehen und mein Leben meiner geliebten Kunst zu weihen. Es steht fest bei mir, daß ich keinen Schritt weiche und mein geliebter Vater, ich flehe Dich an, versage mir Deine Einwilligung nicht, gieb mir die Mittel zu meinem Stu­dium, laß mich der Musik leben und ich verspreche Dir. daß Deinem , Namen kein Makel anhängen, sondern ich ein Jünger der edelsten Kunst werden will. Suche mich jedoch nicht in eine andere Lauf­bahn zu zwingen, es würde nichts nutzen. Ich trete Dir nicht früher vor die Augen, bis Du mir Antwort auf diese Zeilen gesendet und flehe auf meinen Knieen zu Gott, mir das Herz meines Vaters ge­neigt zu machen. Auch hoffe ich, daß die Fürbitte meiner theuern Mutter helfen wird, mein Lebensglück zu gründen.

Mit kindlicher Hochachtung und Verehrung bin ich

Dein Sohn

Viktor.

Alle Bitten und Vorstellungen Huo's halfen nichts, er mußte ohne den Bruder abrtifen, den verhängnißvollen Brief in der Tasche.

Wir übergehen die Ankunft Hugo's, den maßlosen Zorn des Vaters, der es nicht für möglich gehalten hätte, wenn es nicht schwarz auf weiß zu lesen wäre, daß sich dieser Knabe unterfangen konnte, seinen eigenen Willen haben zu wollen. Die Mutter rang die Hände, konnte aber nichts bessern in dieser Angelegenheit und war trotz ihrer Liebe zu Viktor doch empört, daß er sich so wenig dem Vater unterordnete. Ebenso konnte sich ihr FamiUenstolz nicht mit dem Gedanken aussöhnen, daß ein Scherfening herumziehenver Künstler werden wolle.

Den folgenden Tag langte ein Brief an den Vorsteher der An­stalt an, worin ihm der General in kurzen Worten mittheilte, daß sein Sohn den Namen Scherfening ferner nicht mehr führen, wie überhaupt das Vaterhaus nicht mehr betreten dürfte. Das tleme Erbiheil vom Großvater war auf eine Anweisung des Generals bei einem Bankier in der Residenz zu erheben und würde hinreichen, den Künstler vor der größten Noth zu bewahren.

Hiermit war für Viktor die Brücke, die zur Heimath führte, abgebrochen und wenn auch ein augenblicklicher Schmerz sein Herz beweste, so fühlte er sich auf der andern Seite so frei, daß der frische Muth der Jugend bald die Oberhand gewann und er sich mit dem Gedanken tröstete, daß die Jahre ja schnell hingehen wür­den und sein Vater, wenn er nur erst den großen Künstler in ihm sähe, ihm bald wieder die Arme und die Thür zum Vaterh use öffnen würde.

An dem folgenden Tage erhielt er einen Brief von Hugo, der ihm trotz des Leichtsinns, der aus jeder Zeile strömte, doch ein Trost war.

Er schrieb:

Lieber Bruder!

Dein Auftrag mit dem Brief war mir auf Ehre, so unbequem, wie möglich, ich hätte lieber einen ganzen Tag brummen mögen. Der Alte lief herum, als ob er uns alle spießen wollte uiib hat zuerst den alten August, als er den Kaffee hereinbrachte, so auge- fahren, daß er vor Schreck das Tadlet mit allen Tassen hinwarf; dann ergriff er die Reitpeitsche und hat ben Hektor fast tvdtgescklla- geu. Mittag hat er schnell hintereinander drei Flaschen Wein ausgetrunken und obgleich ich mein leeres Glas so oft tote möglich hinschob, goß er mir keinen Tropfen ein und ich habe auch kein Wort von all dem, was er vor sich hinsprach, verstanden, außer daß er uns immer „bumme Jungen" nannte.

Die Mutter hat heute den ganzen Tag Migräne, Du weißt, sie sagt nichts, aber sie hofft wohl noch immer, Du werdest umkehren.

Na, mach' was Du willst; schreib mir bald Deine Adresse und wie es Dir geht. A propos, ich hoffe, mein Alter wird bald bes­

serer Stimmung, denn unter uns gesagt, beunruhigen mich einige kleine Wechsel und ich fürchte, die Mama wird nicht so viele Geld flüssig machen können.

Doch was ist das Leben, wenn nicht mitunter eine kleine Sorge summt, so hat schon mancher achtzehnjährige Lieutenant geseufzt und auch

Dein treuer Brudur

Hugo.

Wir wollen jetzt Viktor aus seinem Lebenswege nicht iueiter begleiten, vielleicht begegnen wir ihm später wieder, für jetzt sei nur erwähnt, daß er der Dornen recht viele am Wege fand und erst nach vielen Kämpfen und Ringen das Ziel erreichte, das ihm in sei­nen Jugendträumen vorgeschwebt.

Die Brüder blieben durch Briefwechsel mit einander verbunden und wenn auch oft lauge Pausen eintraten und Hugo ben Namen des Bruders nie gegen seine Eltern erwähnen bürste, so konnte doch weder Zeit noch vielseitiger Wechsel des Lebens das Band trennen, welches die Brüder verknüpfte.

Der General wurde Don wiederholten Schlaganfällen betroffen und obgleich sein kräftiger Körper den Vorboten des Todes lange Widerstand leistete, mußte er doch endlich in die Familiengruft hinidersteigen, buii seinen Angehörigen und der Dienerschaft nur äußerlich betrauert.

Die Hinterlassenschaft des Generals befand sich wider Erwarten nicht in dem geordneten Zustande, so daß Frau von Scherfening sich genöthigt sah, das Gut zu verkaufen. Sie nahm ihre Wohnung in der Residenz, um hier ganz ihrem Sohn 311 leben und wenn sie auch äußerlich gern iqrem Raug nach auftrat, so wnßte man doch bald, daß sie gezwungen war, sich sehr einzurichten und daß der junge Cürassieroffizier doppelt so viel als die Mutter verbrauchte.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Heffen-Nassan.

Fulda, 8 März. Der Schwurgerichtshof dahier verurtheilte am 7. d. Mts. den Büttnermeister Franz Mai und dessen Sohn Hermann Mai dahier und zwar den letzteren wegen Urkundenfälschung zu einer Gefängnißstrafe von 1 Jahr 5 Monaten unter Anrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft, und den ersteren wegen Beihülfe zu diesem Verbrechen zu einer dreimonatlichen Ge­fängnißstrafe.

— Die Flora Pfeffermann zu Dollbach, Magd des Guts- und Mühlenbesitzers Johann Stephan Roth zu Döllbach, hat für ihre 40jährigen treuen Dienste in einer Familie von Ihrer Majestät der Kaiserin, Königin Augusta ein goldnes Kreuz verliehen bekommen und darüber ein die Allerhöchste Unterschrift tragendes Diplom aus­gestellt erhalten

Frankfurt, 8. März Heute Vormittag wurde am Storch einem Manne von einem anderen ein Messer in die Brust gestoßen. Die Wunde ist lebensgefährlich. Der Thäter, einer jener dem Spott verfallenen Frankfurter Straßenthpen, war von dem tödtlich gestochenen verhöhnt und thätlich infultirt worden.

Vermischtes

Roll-Wein. Die „K. Ztg." erzählt aus Köln: „Ein hie­siger Kaufmann»hatte ein Faß Nothwein gekauft. Er ließ den Wein einige Wochen ruhig im Keller liegen und nahm dann mit dem Heber eine Probe vor. Eigenthümlich als der Wein ins Glas lief, war er so klar wie Waffer, und schmeckte so merkwürdig - der Mann schnitt ein Gesicht, als hätte er einen Aufguß von Galläpfeln verschluckt. Er ließ den Heber zum zweiten Male durch das Spund­loch in das Faß hinein, diesmal recht tief, und zog nun eine dicke, rothe Brühe empor. „Was ist das?" fragte er seinen Freund, den er zur Probe mitgenommen hatte. „Las ist Rollwein — sagte dieser lächelnd —, das Faß muß gehörig gerollt werden, dann wird er sich schon machen." Das geschah, und in der That, man hatte einen zwar trüben, aber nicht unangenehm schmeckenden „Nothwein". Daß derselbe dem Verkäufer zurückgeschickt wurde, und daß dieser den den Rollwein begleitenden Schreibebrief Niemanden hat lesen lassen, ist wohl selbstverständlich."

Karlsruhe, 2. März. Der Mörder des Dr. Ortlieb in Mosbach wurde für geisteskrank erklärt, kann aus diesem Grunde nicht gerichtlich bestraft werden und ist bereits in die Heil- und Pflege-Anstalt Pforzheim eingeliefert mürben, wo er sich früher schon einmal befand.

Spiele nicht mit Schießgewehr. — Schon manchmal hat das unvorsichtige Spielen mit Schießwaffen Leid und Unglück im Gefolge gehabt. Ein neuer Fall trug sich dieser Tage im greife