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Fürstin in Dalmatien, im Orte Bianka, wo sie auch bis zum Ende des Krieges verbleiben wollen.

Fürst Milan ist gestern,.frü^ unter Kanonendonner und enthusiastischen Zurufen der Bevölkerung nach der Grenze abgegangen, von den Ministern bis nach Semendria geleitet. Bei seiner An­kunft an der Grenze wird der Fürst eine Proklamation erlassen. Der Metropolit und die Bischöfe haben sich zu den Truppen bege- den, um dieselben zum Feldzug einzusegnen.

Offizielle Berichte, s^owie zahlreiche Prwalbriefe bestätigen durch­aus, daß in Konstantinopel unter der christlichen Bevölkerung der europäischen Kolonie große Besorgnisie herrschen, daß nian neue blutige Ereignisse stündlich befürchten zu müssen glaubt, und daß der Sultan sich nicht zeige aus Angst vor einem Attentat. In allen Berichten herrscht absolute Entmuthigung, nirgends die Hoffnung auf Herstellung normaler Verhältnisse, nach weniger aus das Zu- stanvekommen irgend welcher ernsthafter Reformen. Die von Deutschland und Frankreich verlangte Aburtheilung der vom Ge­richte in Saloniki bei Seite gelassenen Hauptschuldigen, namentlich der GeneralgouverneurS, des PolizeidircktorS und eines Fregatten- KapitänS ist wahrscheinlich bereits in Konstantinopel erfolgt. Beide Regierungen haben ausdrücklich auf eine Berurtheilung zum Tode verzichtet."

Wie aus Salonichi geschrieben wird, ist nun auch in Thra. ci e n der Aufstand loSgebrochen.

Nach einer Meldung aus Marocco wurden am 5. d. M. 11 Jöraelitten durch einen Muhamedaner verwundet, der mit ei« nem Dolch in der Hand die Gassen des Judenviertels durchlief und unter Aufforderung zur Rache an den Ungläubigen sich auf die Juden stürzte. Zwei der Verwundeten sind gestorben, mehrere andere sind in Lebensgefahr.

Ein unermeßliches Unglück ist von Konstantinopel abgewendet. Es handelt sich um nichts Geringeres, als Feuer an die Pulverfa­brik und an den Gasometer zu legen, und ganz Konstantinopel mit Vorstädten und Palästen in die Lust zu sprengen! Bei genauer Nachforschung ergab sich nun, wie man der „A. A. Ztg." auS Pera mtttheilt, daß diesen Gerüchten eine ganz arge Uebertreibung zu Grunde lag, daß aber doch etwas Wahres an der Sache war. Eine tscherkessische Verschwörung existirte, und das Pulvermagazin von Kyrlagatsch sollte in die Luft gesprengt werden; aber die Be­hörde erhielt rechtzeitig Kunde; eS wurden gegen 200 Tscher- keffen verhaftet und Die Wachen bei dem Pulvermagazin wurden be­deutend verstärkt; der zur Zeit der Sultans Abdul Aziz so gut wie unzugängliche kaiserliche Palast war mit dem Thronwechsel je­dem anständigen Menschen zugänglich, mußte aber in Folge dieser Entdeckung wieder sorgfältiger bewacht werden.

Feuilleton.

Das Geheimniß von Glenhampton.

Dem amerikanischen Originale von Lucy Randal Comfort nacherzählt von Lina Freifrau von Berlepsch.

(Fortsetzung.)

Er beugte sich über den Rand des Beckens und trank begierig, die hellen Tropfen perlten vom langen greifen Bart, alr er nach­denklich das Haupt schüttelte.

„Die Kirchenthür ist offen, gehen wir hinein!" rief Bella wieder.

„Ist sie offen? Zu meiner Zeit pflegte man zur Erntezeit Andachten zu halten, vielleicht ist'S noch der Brauch. Macht keinen Lärm, Kinder, und lacht und plaudert nicht, wie ihr hier außen gethan."

Hand in Hand schlüpften die Kinder befangen in der Kirche weite Hallen.

Die vielfarbigen Bogenfenster warfen bunte Lichter über die Steine des Estrichs und da» gescbnitzte Altargitter. In einer un­regelmäßigen Verlängerung des Schiffes ruhten zu beiden Seiten steinerne Figuren auf Marmorsärgen.

„Sind das Menschen, Großvater?" fragte Cara scheu.

„Unsinn!" lachte die weniger empfindsame Bella, „siehst Du denn nicht, daß sie aus Stein sind?"

„O und sieh das schöne Bild," rief Cara wieder und blieb vor einem Grabstein stehen, „sieh die Heilten Engel küssen sich."

Jason Garfield stand mit seltsam bewegtem Gesicht, das der grüne Schimmer eines Bogenfensters wahrhaft gespenstig erscheinen ließ, vor dem Monument:

Carola und Jsabella, ZwillingStöchter deS Grafen Adalbert von Glenhampton

Sie starken am 21. Juni 18—, 2 Jahre, 20 Tage alt.

„Lastet die Kleinen zu mir kommen, beim ihrer ist das Himmelreich."

„Kommt, Kinder, kommt!* sprach der Greis heiser, „wir weiter — —"

„Aber, Großvater, ich möchte so gern die Marmorengest sehen," bat Cara, „kanntest Du Carola und Jsabella? I starken sie? wer ist der Graf von Glenhampton?"

Jason Garfield aber hatte die Kirche verlassen und eilt( die Kinder ihm nach.

„Meinst Du nicht, ich dürfte meinen wunden Fuß hier Quelle baden? fragte Cara, „die kühlen Steine thun nur gr

„ES ist ein Friedhof, Schwesterchen."

„Aber eS kann uns Niemand sehen, wenn wir hinter bii gehen. Bitte, Bella, mein Fuß thut so weh."

Der Großvater stand auf seinen Stock gelehnt vor derK thüre unb blickte zerstreut hinaus in die sonnige Abendland Bella kniete nieder, nahm behutsam die dürftigen Ueberreste Schuhes von Cara's Fuß, schöpfte Wasser mit der hohlen Han ließ es langsam über die wunde Stelle gleiten.

„O das thut gut," rief Cara dankbar.

Plötzlich öffnete sich hinter den Kindern ein Heckenpsörtche ein Mann mit einem Bund Schlüssel trat vor.

„Hinaus, ihr kleinen Vagabunden!" zürnte er, „wasch! schmutzigen Füße wohl gar am heiligen Ort, fürchtet ihr nie fahre der Blitz auf euch nieder, wie auf AnamirS und Sar was wird man zunächst erleben müssen! ich hätte Lust, euch üi Polizei zu bringen."

„Wir haben nichts BöseS gethan," entgegnete Bella fit? bend, „wir glaubten, es wäre erlaubt."

„Erlaubt! macht daß Ihr fort kommt, oder ich zeige den Weg!"

„Entschuldigen Sie, Herr Küster, sprach Jason Garfield n tretend, „wir wollten nur ein wenig auSruhen, und werben ! weiter gehen."

„Das Beste, was ihr thun könnt," brummte der Küster blickte den Wanderern nach, bis sie um die Biegung des s verschwanden, ..zur Hopfenernte kommt immer so viel Gesinde! Land, daß man seines Lebens kaum sicher ist."

Mit diesen Worten und einen letzten drohenden Blick w Richtung, in welcher die Fremden verschwunden, trat der Kül» die Kirche, seinem Amte zu obliegen. .

„Sind wir noch nicht bald zu Hause," klagte Cara, nicht mehr gehen "

„Siehst Du da« Häuschen am Saume des Waldes?' „DaS mit dem Eisengitter?"

„Ja, Kind, das ist unsere Heimath." . .....

Der Greis sprach seltsam bewegt. Die trüben @efia)t4 Kinder erhellten sich bei ver Aussicht auf ein endliches o Wanderung. Und noch war es eine mühsame Strecke, ehe schöpften die Grenze des herrschaftlichen Parkes erreichten Pfade folgend, der zwischen dem vergoldeten Eisengitter u Hecke glänzendlaubiger Rhododendron hinführte, und b« * ' auf sorgsam gepflegte Rasenflächen und hundertjährige Bannig bot, gelangten sie an eine kleine Pforte.

„Es ist geschlossen," rief Bella betrübt. ®

„Ja, aber der Schlüssel hängt innen," antwortete ve und schlüpfte mit der Hand durch eine kaum bemerkbares der TaxuShecke, aus welcher er den Schlüssel zu Tage

Neugierig blickten die Kinder an dem von Epheu uno pflanzen überzogenen Häuschen empor. Die Laben waren y sen, Alles schien öde und verlassen. .. ... J

„WaS ist das?" rief Cara, und schmiegte sich ängM'q Großvater, als ein Nachtvogel, vom ungewohnten Geraum scheucht, durch das düstere Laubwerk rauschte. a e^

„Nichts, was Dir ein Leid thut," antwortete der « , blickte entmutigt umher, nun, ich konnte freilich hier Alles m Ordnung zu treffen, als fei ich erst gellern ; bert. Vielleicht ist sie todt, oder fovtgezogen. Ach, UN die Kraft noch einen Schritt weiter zu thun."

Erschöpft sank er aus der Schwelle nieder.

Bella suchte die Thür zu öffnen

„Es geht aus, Großvater, komm herein!"

Ein Qualm Moderlust drang ihnen entgegen- schritt beherzt vorwärts. Ihr Auge gewöhnte ll® nii| Dunkel des Na um es, sie unterschied einzelne Gegengm / her standen, als seien sie erst kürzlich verlassen ward ^r „Ich muß die Laden öffnen; sieh, ©rostet Ja n „ lade, leg Dich nieder und ruhe aus, bis Jemand rom j „Bis Jemand kommt!" vab d" -

Janson ©arfidb erhob sich mühsam, erfühlte, der kommen würde, ihn hier zu treffen, der Tod |ti- . ^ „Kommst Du, Großvater?" schmeichelte Cara, Wange an die harte Hand des Greises.

„Sogleich."