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ihrer Gemeinden einzuziehen und ungesäumt behufs Eintrages der neu regulirten Grundsteuer anher einzusenden.

HerSfeld, am 8. Mai 1876.

Königliche Steuerkasse. WiSkemann.

Lagesbegebeilheiten.

Berlin, 6 Mai. Heute Vormittag ist der Bericht über die Gesetzentwürfe betreffend die Eisenbahn Halle-Cassel un Halle-Sorau- Guben in der Budget-Commission sestgestellt w rden. Derselbe wird voranrsichtlich am Montag zur Vertheilung kommen, so daß die zweite Berathung an einem der letzten Tage nächster Woche statlsinden kann. Obschon die Annahme des letztgedachten Eisenbahngesetzes in der Commission erfolgt ist, sv will man doch noch zweifeln, ob ein gleiches Ergebniß mit Sicherheit für das Plenum erwartet werden kann; jedenfalls ist auf eine große Mehrheit nicht zu rechnen.

— Das Reichskanzleramt hat die Absicht, ein gleichmäßiges For­mat des Papiers von 32 Ceutnneter 1 Millimeter Höhe und 20 Centimeter Breite für den Gebrauch bei sämmtlicher! deutschen RerchL- und Staatsbehörden einzuführen

München, 7. Mai. Per neuernannte Bischof von Passau, Joseph Franz Weckert, der am vergangenen Montag feierlich conse- crirt worden ist, hat eine an den Dwcesanklerus in lateinischer Sprache verfaßte Ansprache und an alle Angehörigen seiner Diöcese einen Hirtenbrief erlassen. Die Geistlichkeit wird zur Geduld und Nachsicht ermähnt; sie sollen in ihren Reden und Worten alles ver­meiden, was dre Gemüther erbittern könnte, und nach Kräften mit allen Menschen im Frieden leben.

Dr esden, 5. Mai. Die reichste Frau in Sachsen ist vorgestern Mittag hier gestorben. Es ist biet Frau Thekla Souchay, geb. Schunck, die Wittwe bcS vor einigen Jahren hier verstorbenen, aus England nach Sachsen übergesiedelleu RentierS Souchay Laut testamentlichen Urkunden hinterließ derselbe feiner aus Leipzig gebürtigen Gattin, die Summe von 21 Millionen Thalern nebst der reizenden, burgartig gebauten Besitzung am rechten Elbufer, dicht hinter den preußischen Schlössern, am Wege nach Loschwitz zu Kinder haben die Verstor­benen nicht hinterlassen und das koloffale Vermögen erben meist in England lebende Verwandte

Cottbus, 3. Mai. Der Bäcker-meister Böhm, welcher im Ver­ein mit seiner Schwester, der Wittwe Klinkmüller, daS Rittergut Karen f. Z. in Subhastation erstanden, verlangte vor einiger Zeit von Letzterer Geld, welches ihm diese aber verweigerte, da sie schon 15,000 Thaler mehr gegeben habe, als er. Hierüber gerieth Böhm derartig in Zorn, daß er eine in der Stube stehende Büchse ergriff und dieselbe aus seine Schwester abschoß und sie so unglücklich traf, daß Frau K. heute der vor 6 Wochen erhaltenen Verletzung erlegen ist. B. wurde verhaftet; als derselbe zur Konfrontirung der secir- ten Leiche geführt werden sollte, machte derselbe einen Versuch, sich ju erhängen, was aber von den Gefängnißwärtern verhindert wurde.

Barmen, 3. Mai. Vor einiger Zeit brachten wir eine Mittheilung aus Detmold, nach welcher durch das Auskleben von gummirtem Briesmarkenpapier auf eine Wunde an der Hand eine Anschwellung des ganzen Armes herbeigeführt war. Ein ähnlicher Fall hat sich jetzt in Barmen zugetragen. Der Kaufmann St. in Unterbarmen hatte sich vor einigen Tagen eine kleine Verwundung auf der Oberfläche der rechten Hand zugezogen. Um das Blut zu stillen, liebte er über die Wunde ein Stückchen gummirles Papier von einem Bogen Freimarken, indem er scherzweise sagte, er wolle es mit dem Papier noch einmal versuchen, trotzdem in der Zeitung gestanden habe, man könne sich dadurch eine Blutvergiftung zuzie­hen. Letztere trat denn nun hier auch wirklich ein, denn schon am anderen Tage war der ganze Arm bis zu den Schultern geschwollen Durch sofort und energisch angewandte ärztliche Hilfe ist zwar die Gefahr für Herrn St. beseitigt, jedoch muß derselbe den Arm noch immer in der Binde tragen

Uelzen, 6. Man Eine entsetzliche Fahrt hat der Viehhändler P. Meier aus Lilienthal vor einigen Tagen in einem mit Vieh be­frachteten Zuge von Berlin nach Bremen gemacht. Auf dem Bahn» Hose Stendal war kurzer Aufenthalt, und Meier wollte die Gelegen­heit benutzen, um nach seinem in einem der letzten Waggons befind­lichen Schlachtvieh zu sehen. In dem Augenblicke aber, als der­selbe sich an einen der Wagen oben angeklammert halte, ertönte daS Signal zur Abfahrt, und es blieb ihm keine Zeit, -um herab- jufpringen. Hätte er den Sprung gewagt, so würde er wahrschein­lich zermalmt worden sein, da er zwischen zwei Wagen eingepfercht war. Er mußte also wohl oder übel in feiner gefährlichen Lage, über sich eine dünne Eisenstange, unter sich ebenfalls eine düune

Stange und die Puffer, ausharren. Endlich nach drittehalbstüM ger Fahrt, während welcher Meier fortwährend den gewissen TH vor Augen sah, wurde er aus dieser gefährlichen Situation eilte da eben in dem Augenglick, als ihn der Rest seiner Kräfte zu « lassen drohte, der Zug in den Uelzener Bahnhof einsuhr, um einiM Minuten zu rasten. Meier wurde aus seiner unglücklichen LM befreit und mit geschwollenen Armen, an allen Gliedern zitter« und faum fähig, sich aufrecht zu erhalten, in den im Zuge beste« liehen Personenwagen geschafft. Hier erholte sich derselbe einiger« maßen wieder, doch war er noch am folgenden Tage nicht vollste® big wieder im Besitz seiner Kräfte

Jutroschin, 4. Mai In der vergangenen Nacht wurde Nachbarstädtchen Dubin von einer Feuersbrunst heimgesucht, k« soweit bis jetzt bekannt, 14 Wohnhäuser nebst den Nebengebäud« zum Opfer fielen. Eine Menge Pferde, Schweine rc. sollen mitte« bräunt sein, doch sind Menschenleben nicht zu beklagen.

Kotzenau, 4. Mai. Vorgestern entluden sich über unsere W gend mehrere schwere Gewitter. Gegen Mittag schlug der Blitz ® die via Kotzenau - Polkwitz führende Telegraphenlinie, zerstörte«« unterbrach dieselbe und tödtete, von der Leitung abgesprungen unb ■ die Behausung des MüllermeisterS Eisermann zu Parchau gefaßte die in der Küche mit der Zubereitung des Mittagsbrodes beschäftiM Frau des Besitzers augenblicklich.

Paris, 7. Mai Nach einem der „Agentur Havas" aus lonichi vorn 6. b. zugegangenen Telegramm sind daselbst erhebli^Cl Ruhestörungen ausgebrochen, bei denen der französische und W deutsche Consul von der mohamedanischen Bevölkerung ermordet wie den. Die Unruhen sollen dadurch herbeigeführt sein, daß ein junSW Mädchen christlicher Religion, welches zum mohamedanischen Wut« übertreten wollte, durch ihre griechischen ^Glaubensgenossen htkjM verhindert und von denselben den Muselmännern am 5. v. entri™ wurde. Es werden weitere Unruhen befürchtet Die Behörden!»W bis jetzt noch keine Maßregeln gegen die Ruhestörer ergriffen, W namentlich die Anstifter der Unruhen noch nicht verhaftet badW Eine Abtheilung des französischen Geschwaders erhielt den sich in die Gewässer von Salonichi zu begeben. ■

Feldmarschal l Graf Moltke ist in Genua eingetroMM

Aus Türkisch-Grusien wird berichtet, daß sich die mohamedanische Bevölkerung sehr renitent zeigt und daß namenlW die einberufenen Redifs nicht marschiren wollen. Die Hinsen^W von Regierungscommissaren war erfolglos, und es sollen Execul'oW truppen in die VilajetS von Kars und Erzerum rücken. D

In der Herzegowina sollen die Insurgenten beabsWM ihr OperationSterrain von der montenegrinischen Grenze weg, mehr in's Centrum der Provinz zu verlegen und sowohl gegen M binje als gegen Mostar zu demonstriren. Mdukhtar Pascha H ■ reils Verstärkungen nach Trebinje entsendet, wie auch die viantirung dieses befestigten Platzes eingeleitet worden ist. — soll blos auf acht Tage verproviantirt, 25 Rizams sollen W W bereits am Hunger gestorben sein. M

In Bosnien cernirte und bekannte der Jnsurgentenfuyre■ lub mit seinen Schaaren seit etwa 14 Tagen das befestigte welchen Ort in seine Gewalt zu bekommen ihm von der Centra» W der Insurrektion befohlen wurde. Allein trotz der Verstärkung^ » Golub durch die Schaaren des Popen Karan erhielt, gelang nicht, mit der Belagerung vorwärts zu kommen. So sah Ä auch Golub bemüßigt, unverrichteter Dinge von Grahowo aWre und nach Unatz zurückzukehren. Jetzt will er eine Expedllioi ■ Livno vorbereiten.

Das Bemerkenswertheste, worüber sonst aus Bosnien z"M teil wäre, ist eine neue Proklamation, die von den Jnsurgeims M niens an die mohamedanischen Mitbürger erlassen wurde. M werden aufgefordert, zu bebeukeii, ehe sie gegen die Äufßanv'^ den Kampf ziehen, daß sie einen gemeinsamen Feind zu hätten. „Leistet den Rufen der Begs und derMnlane» re — schließt bei Aufruf — bleibt ruhrg, bestellet Haus und euere Kinder und Angehörigen! WaS fern muß, wird M Hilfe eenso wie mit derselben hereinbrechen. Wir und Freiheit mit euch theilen, ihr werdet in Ruhe unu ?yr hamed verehren können, ebenso wie wir das Kreuz anbele Diese Proklamation, mit cyrilllschen Lettern gedruckt, zirlu nien in vielen Tausenden von Exemplaren.

Der Chineseahaß in Kalifornien nimmt einen Charakter an Das chinesische Viertel der kallformnhen tiochia (vierzig englische Meilen von Sau FranziSko) > em« „Weißen" in Brand gefiedt worden. Die Chinesen iva worden, dasselbe zu verlassen Die meisten gehorchten, 1 ^rB flohen, als daS Feuer auSbrach. Obwohl die „Weißen' waren, wurde feinem Chinesen ein Leid angethan.