Tagesbegebenheiten.
— General-FelMarschall von Steinmetz, welcher seit einigen Tagen bettlägrig, ist, wie die „Görlitzer Nachrichten und Anzeigermelden, an einer Lungenentzündung nicht unbedenklich erkrankt.
Magdeburg, 26. Febr. Die Notb in der Szadt Schönebeck, welche von der Ueberschwemmung am härtesten betroffen wurde ist sehr groß. Von den 700 Häusern des Ortes waren 600 mehr oder weniger unter Wasser gesetzt, viele sogar bis an das Dach von den Fluthen umgeben, so daß die Bewohner durch die Dachfenster das nackte Leben retten mußten. 30 Häuser sind eingestürzt, viele andere total verwüstet. Die Obdachlosen sind einstweilen in Schulen, in der Kirche und im Rathhaus untergebracht. Von hier und der ganzen Nachbarschaft sind Liebesgaben zur Linderung der Noth gesendet, auch die Regierung und Privatvereine tragen ihr Möglichstes zur Unter« stützugg der t' othleidenden bei. Die Ueberschwemmung läßt jetzt allmählich nach, der verursachte Schaden ist noch gar nichtszu übersehen. In der „Magdeb Ztg." wird ein Aufruf zur Hilfe veröffentlicht
Breslau, 25. Febr. Nach einem Telegramm der „Schlesischen Zeitung" aus Glogau von heute Nachmittag findet seit Vormittag 10 Uhr heftiger Eisgang von Steinau durch den Hasen Statt; die Eisschollen berühren die Balkenlage der Oderbrücke und fitzen tie letztere in große Gefahr. Der Wasserstand beträgt 15 Fuß 7 Zoll. Der Damm ist völlig überschwemmt; Sprengversuche bei der Eisversetzung vor der Overhrücke waren bis dahin erfolglos.
Pr. Holland, 24. Febr. Die Frau eines Schankwirths reinigte jüngst die Porzellan Streichholzbüchsen in der Art, daß sie dieselben abwusch und den zwischen den Ritzen der Reibe befindlichen Phosphor mit den Fingern wegkratzte. Bald nach der Arbeit fühlte sie Schmerz in dem kleinen Finger der rechten Hanv und dieser selbst schwoll an. In eine kleine Wunde des Fingers ist Phosphor gedrungen, und schwebt die Frau in großer Gefahr, die Hand, vielleicht das Leben zu verlieren. Wir halten es für angezeigt, diesen Fall zur Warnung hier niitzulheilen.
München, 26. Febr. Gestern hat der Finanzausschuß, indem der Vorsitzende Freitag den Ausschlag gab, den Regierungsantrag auf eine Theuerungszülage von 210 M. für jeden Beamten im Dienst aß gelehnt, dagegen die Umrechnung des Gehaltguldens in 180 Pfg. beschlossen und dadurch einer unbedingten fünfprocentigen Gehalts- Erhöhung pragmattschen Charakter verliehen.
Prag, 25. Eebr. Die Nachgrabungen nach den Verunglückten im Engerth-Schachte bei Kladno sind beendet; im Ganzen sind 19 todt, 4 schwer und 3 leicht verwundet.
Die Unfälle zur See mehren sich in erschreckender Weise Wie aus London gemeldet wird, fand in der Nähe von Folkestone am Dienstag wieder ein Zusammenstoß zweier Schiffe statt, und zwar wurde die Brigantine „Hero" von dem Dampfer „Switzerland" überfahren und in den Grund gebohrt,, wobei vier Personen von der Mannschaft ums Leben kamen. — Wenn das so weiter geht, wird es bald für ein erschreckendes Wagniß gelten, sich an Bord eines Seedampfers zu begehen. .
Newyork, 25. Febr. An Bord deS zum Abgang bereit liegenden Hamburger Dampfers „Herder" entstand heute Feuer, welches jedoch alsbald wieder gelöscht wurde. Die Paffagiere und Con- tanten sind wieder ans Land gesetzt die Ladung ist wenig beschädigt.
Nizza. Ein entsetzliches Drama spielte vor einigen Tagen tn Monaco. Ein desertirter Soldat faßt, von Hunger getrieben, den Plan, in eine unbewohnte Hütte durch den Schornstein einzusteigen, jedenfalls in der Hoffnung, dort Lebensmittel zu finden. Oben im Schornstein blieb er jedoch plötzlich zwischen den in die Mauern ein- gefüglen Eifinftammern hängen und konnte sich weder vor- noch rückwärts bewegen. Drei oder vier Tage hindurch hörte man in Monako die Verzweiflungsrufe des Unglücklichen. Aber die Hütte befand sich auf dem Gipfel des Berges, ungefähr 600 Mir. über Monalo, und man konnte sich diesen ungewöhnlichen Lärm gar nicht erklären. Ungefähr acht Tage später besuchte der Eigenthümer des Hüttchens seine Wohnung und bemerkte mit Schrecken, daß in seinem Schornstein ein Leichnam hing. Der Unglückliche hatte buchstäblich feinen linken Arm verzehrt und bei seinen Befreiungsversuchen sich die Zähne an der Mauer zerbrochen.
Paris, 26. Febr. Der „Moniteur" sagt, die Jnternirung der Carlisten in Frankreich habe bestätigt, daß sich unter den Truppen des Prätendenten eine Anzahl hon den kosmopolitischen Insurgenten befinde, deren Degen den verschiedensten Zwecken zu Diensten stehe. So habe der Sieg der spanischen Armee ehemalige Offiziere der Mobilgarden, Polen, Deutsche und einige französische Deserteure auf das französische Gebiet herüöcrgelrieben, welche letztere sofort von der Militärjustiz verhaftet wurden, Die Zahl der nach Frankreich
übergetretenen Carlisten beträgt 4 bis 5000, die meisten davon sind erschöpft von Strapazen und Hunger. Man ist genöthigt, sie mit alten Uniformen von Mobilgarden zu bekleiden, ehe man sie nach den Stätten im Jmlande schickt. Die Züge werden zu St. Jean de Luz gebildet und ins Innere von Frankreich expedirt unter der Begleitung von Soldaten und Gendarmen.
Madrid, 26. Februar. Acht Bataillone Carlisten, haben, nach mehrfachen blutigen Gefechten, sich geweigert, auf die königlichen Truppen zu feuern. — Nach einer Depesche deh Generals Martine; Campos haben neun Bataillone carlistische Truppen unweit Pamp- lona sich ergeben. Aus Tolosa vom 25 d. M. wird gleichfalls gemeldet, daß die Carlisten zu Tausenden ihre Unterwerfung anbieten.
— Die Karlisten pfeifen, nachdem alle ihre bedeutendenfFührer nach Frankreich übergetreten sind, auf dem letzten Loche. Die allgemeinen Zustände Spaniens sind übrigeas gemüthlich. Wie ein Journal von Granada mittheilt, kamen bei den dortigen Kriminalgerichten im Laufe der letzten fünf Monate vierhundert Fälle von Mord und Mordversuch zur Verhandlung.
Madrid, 27. Febr. Von der Armee wird gemeldet, daß Don Carlos nach Frankreich geflohen sei uud von dort eine Proklamation erlassen haben, worin er feine Resignation ausspricht. König Alfons ist in Beasein eingetroffen, wo er eine große Revue über die siegreichen Truppen abhalten wird.
Türkei. Aus Thessalien schreibt man der „Times", daß die unteren türkischen Volksklassen über die der christlichen Bevölkerung gemachten Concessionen sehr erbittert sind. An vielen Orten kam es bereits bei Verlesung des Reformerlasses zu unruhigen Auftritten, so daß die Lage der christlichen Bevölkerung eine sehr unbehagliche ist.
— An der Grenze Dalmatiens und an den Gebirgspässen, welche von Montenegro nach der Herzegowina führen, ist es in den letzten Wochen still gewesen und zu keinenzGefechten gekommen. Im Innern Bosniens aber will der Freischärler Ostoja Vojnovits sich noch nicht zu Ruhe geben. Bei Suvanza hat er am 11. und bei Jvanka am 12. d. hartnäckig mit den Türken gefochten, so daß der Verlust auf beiden Seiten je 70 Mann betrug.
Serbien. Es heißt, daß die gesammte, im Alter von 20 bis 50 Jahren befindliche und noch nicht in die Volksmiliz eingereihte männliche Bevölkerung zu den Waffen einberufen sei, um eine Ar- meereserve zu bilden.
— Mit der Pforte wird von den Mächte» zu Gunsten der aus der Herzegowina geflüchteten Familien unterhano elt, welche wenn sie heilst- kehren, gegen die türkische Soltadeska sicher gestellt werden müssen. Der österreichische Statthalter in Dalmatien, Baron Sodich, ist dazu ausersehen, in dieser Sache erfolgreich zu wirken.
Deal, 24. Febr. Die wegen der Verunglückten vom „Strathclyde" zusammengetretene Leichenschau-Jury hat den Wahr- spruch abgegeben, daß der Kapitän Keyn der „Franconia" der Tödtung sich schuldig gemacht habe. Gleichzeitig hat dieselbe sich darüber, daß der Kapitän, ohne Hilfe zu leisten, weiter gefahren sei und ebenso auch über das Verhalten der Bemannung des Schleppschiffs „Palmerston" mißbilligend ausgesprochen. Gegen Kapitän Keyn ist, wie dies bei einem auf Tödtung lautenden Wahrspruch jeder Zeit geschieht, ein Haftbefehl erlassen worden; gegen eine mit 1000 Pfd. Sterling geleistete Bürgschaft wurde derselbe indeß auf freiem Fuß belassen.
Wien, 26. Febr. Wie von verschiedenen Seiten verläßlich berichtet wird, waren Artikel, welche Verletzung der Ehrerbietung für lebende Mitglieder und Ahnen des Kaiserhauses enthielten, die Veranlassung, daß der „Gartenlaube" der Postdebit iu^Oesterreich entzogen wurde. Die Ausdehnung dieser Verfügung auf die Länder der ungarischen Krone ist bevorstehend.
Aus Hessen.
Schlüchtern, 21. Febr. Wie dem „Kretsblatt" mitgetheilt wird, hat in Neuengronau Bauer Flinn er, der erst seit Kurzem aus einer Untersuchungshaft entlassen wurde, seinen Schwager, Bauer Beringer von Breunings, in des ersteren Behausung erschossen. Ob es mit oder ohne Vorsatz geschehen, ist nicht gesagt.
Gelnhausen, 25, Febr. Vergangene Nacht sind Dieb» beim BahnhofSrestaurateur, Herrn Fischer, eingebrochen. Sie müssen aber gestört worden sein, denn sie entwendeten aus dem Büffet außer einigen Würstchen mir die unbedeutende Wechselkasse von mehreren Mark. — In dem benachbarten Langelselbold grassiren die Blattern seit einigen Wochen. (H. Z.)