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Statut

über die Erhebung einer Gemeinde-Umlage der Gemeinde Großen» tast zur (Aufbringung des Lohnes für den Wald- und Feld­hüter daselbst.

Auf Grund des § 3 der Gemeindeordnung für die Landgemein­den des vormaligen Kurfürstenthums Hessen und aus Grund der Beschlüsse des Gemeinderatbs zu Großentaft vom 20. Mai 1874 und Gemeinde-Ausschusses vom 21. Mai 1874 wird hierdurch, vor­behaltlich der Bestätigung durch die Königliche Regierung zu Caffel nachstehendes Statut erlassen.

§L

Die Besoldung des Wald- und Feldhüters der Gemeinde Großen» tast wird auf die sämmtlichen Grundbesitzer, bezw. Pächter der Ge­markung Großentaft nach der Größe der Are-Zahl eines Jeden vertheilt.

§2.

AlleZdiejenigen, welche Grundbesitzer der Gemeinde Großentaft sind, ohne Ausnahme, sind verpflichtet, zu dem Wald- und Feld- hülerlohn beizutragen, mögen sie auch in Großentaft selbst oder aus­wärts wohnen. _

Großentaft, den 20. Mai 1875.

Der Bürgermeister Der Gemeinderath Der Ausschuß-Vorsteher gez. Falkenhahn. gez. Hohmann, gez. Jacob Traber.

„ Heller, „ Krieg.

Vorstehendes Statut wird in Gemäßheit des § 3 der Gemeinde» ordnung vom 23. October 1834 hierdurch bestätigt.

Caffel, den 6. Januar 1876.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern, gez. Kühne.

AI. 4.

Wird hierdurch veröffentlicht.

Hünfeld, den 13. Januar 1876. n

Der Königliche Landrath Gotz.

Tagesbegebenheiten.

Berlin, I. Februar. Die Aufhebung des Pferdeausfuhr- Verbots ist Seitens des Reichskanzlers beim BundeSrathe beantragt, da die Gründe weggefallen seien, welche den Erlaß auS vorigem Frühjahr veranlaßt haben.

Aschaffenburg, 29. Jan. Nach Meldung aus Ansbach ist der Cardinal Hohenlohe - SchillingSfürst am 26 Januar von dort nach Rom ab gereift. Der Hauptzweck der Reise soll ein Ewizungsversuch zwischen der deutschen Regierung und dem Vatican sein.

PariS, 28. Januar. Der in AmienS commandirenve General Schmitz hat zwei Hauptleute mit 30 Tage Gefängniß bestraft und vier Sergeanten zu Unteroffizieren degradirt, weil sie am 10. Januar einer zu Ehren Napoleon's III. gehaltenen Messe in Uniform an- wohnten.

Konstantinopel, 28. Jan. Der Regierung ist über die letzten Kämpfe folgender amtlicher telegraphischer Bericht vom gestrigen Tage zugegangen: „Ahmed Mukhtar Pascha. stieß auf den Höhen von Chouna auf Empörer in der Stärke von 7- bis 10,000 (!) Mann. Letztere griffen die Türken auf beiden Flügeln an Nach einem fünfstündigen, hartnäckigen Kampfe gelang es den türkischen Truppen, den Feind zurückzuwerfen und aus seinen Stellungen zu vertreiben Die Verluste der Aufständischen sind beträchtlich. Die am Gefecht unmittelbar betheiligten türkischen Truppen zählen 1200 Mann: sie wurden in beiden Flanken unterstützt."

Bayonne, 24. Januar. Eine jene unerhörten und empörenden Scheußlichkeiten, die in den baskischen Provinzen seit Beginn des Bürgerkrieges leider nur zu häufig vorkommen, ist soeben auf der Straße nach Renteria zwischen Garin Musqueta und Cadena be­gangen worden. Ein junger Mann von ungefähr dreißig Jahren, der in der Gegend unter dem Beinamen Lumaya bekannt ist, wurde auf dem Wege von San Sebastian nach Jrun von einer Karlisten- bande überfallen. Kurze Zeit nachher fanden die Truppen, welche mit der Ablösung der kleinen in den Forts stationirten Garnisonen beauftragt waren, auf der Landstraße den Leichnam des jungen Mannes. Der Unglückliche war vollständig verunstaltet. Die Augeu waren ihm mit der Bajonnetspitze ausgestochen; den Schädel hatte man ihm mit Kolbenschlägen gespalten. An der rechten Seite zeigten sich vier klaffende Wunden, die jedenfalls von mehreren Schüssen und anderen Verstümmelungen herrühren. Das Opfer dieses scheuß­lichen Mordes hatte früher weder für noch gegen die Karlisten Waffen ergriffen. Er diente als Kutscher bei einem Kaufmanns zu Jrun. Sein Herr hatte ihn nach Sau Sebastian geschickt und ihn mit

einigen Einkäufen beauftragt. Er war daher mit etwas Geld ver sehen, welches man nicht mehr bei ihm fand, vermuthlich weil bit Mörder es ihm abgenommen.

— Ein in Liverpool eingelaufenes Kabeltelegramm meldet den Untergang des Schiffes „Khandeist" im südlichen Stillen Ocean, Die gesammte Mannschaft, sowie 50 Paffagiere landeten aus der Insel Pitcairn und wurden von den daselbst angesiedelten Abkömm­lingen der Meuterer des „Bounty" gastfreundlich ausgenommen. Zwei Monate verstrichen auf der einsamen Insel, ehe sie von dem Dampfer „Ennerdale" aus Shields ausgenommen wurden. Letzte­rer brächte sie nach San Francisco, wo sie auf eine Gelegenheit zur Heimreise warten. Ehe die Schiffbrüchigen die Insel Pitcairn erreichen konnten, trieben sie viele Tage in den Booten des Schiffes auf dem Meere umher.

Feuilleton

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' *♦ Engel.

Erzählung von I. D. H. Temme.

, (Fortsetzung )

„Was tfl Ihnen, Engel?"

„Ich muß von hier fort, Madame."

„Aber was ist Ihnen, Kind? Warum müssen Sie fort? WaS ist mit Ihnen geschehen?"

„Ich kann es Ihnen nicht sagen, Madame. Aber Sie werden es ja erfahren, und dann —"

Sie wollte wohl die Bitte hinzufügen: „Und dann verdammen Sie mich nicht!"j

Sie sprach eine andere Bitte aus:

„Madame, Sie nahmen mich vor drei Monaten in Ihren Dienst, ohne daß Sie mich kannten, ohne daß ich Ihnen ein Zeugniß vor­weisen konnte. Sie behielten sich nun vor, mich zu jeder Stunde entlassen zu können. Jetzt muß ich Sie um meinen Abschied bitten. Ich muß fort von hier, noch in dieser Stunde. Fragen Sie mich nicht, was es ist. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Sie haben mich immer so gut behandelt, und ich bin Ihnen so vielen Dank schuldig, daß es mir schwer wird, Ihnen nicht sagen zu dürfen, warum ich Sie so plötzlich verlassen muß.

Die Frau fragte nicht weiter.

„Ich habe Sie lieb gehabt, wie ein Kind," sagte sie. Jeder» mann war mit Ihnen zufrieden. Ich entlasse Sie ungern. Aber wenn es sein muß —"

Sie stand auf, nahm ihr Buch, berechnete den Lohn der Kell» nerin, zahlte ihn ihr aus.

„Noch das Zeugniß;" sagte sie dann.

Das Wort durchsuhr das Mädchen.

„Mein Zeugniß?"

„Sie wollen es doch?"

„Ja, ja, Madame, ich bitte darum."

Sie sprach es mit einer gewissen Heftigkeit.

„Und Sie sollen ein besonders gutes haben," sagte die Frau.

„Sie waren wie keine Andere hier vor Ihnen, Mmer still und fleißig und sittsam, und treu und ehrlich."

„Lesen Sie," sagte die Frau, als sie fertig war.

Die Kellnerin las.

„O Madame, wie vielen Dank bin ich Ihnen schuldig! Wie wohl thut mir das!«

„Leben Sie wohl!" schluchzte sie noch.

Sie stürzte aus dem Zimmer.

Die Frau sah ihr verwundert nach.

Engel ging in ihre Kammer und packte ihre Sachen zusammen; es waren nur wenige, sie trug leicht an dem kleinen Bündel.

Als sie aus dem Hause ging, rief die Wirthin ihr noch nach: „Engel, wenn Sie einmal nicht wissen sollten wohin, ich nehme Sie immer wieder zu mir."

Die Kellnerin verließ weinend durch entlegene Gassen, in denen Niemand sie sah, die Stadt.

II.

Zwei Stunden von der Universitätsstadt lag das sogenannte Schloß Herrenhausen.

Es war im Mittelalter eine ansehnliche Ritterburg gewesen. Jetzt war es zu drei Viertheilen eine Ruine: der Rest war an einen Wirth verpachtet.

Zu diesem Reste gehörte ein halbrestamirter großer Rittersaal, der hauptsächlich zu einem besonderen Zwecke diente.

Zwischen dem Schlosse Herrenhausen und der Universitätsstadt befand sich eine deutsche Landes grenze; sie lagen also in verschiedenen