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und ist auf ca. 1,7000,000 Köpfe zu veranschlagen. Davon besuchen noch nicht 4 pCt. höhere Schulen, während mehr als 96 pEt. auf die Volksschulen kommen. Bon den ersteren besucht die Mehrzahl Gymnasien und Progymnasien, doch ist die Zahl derer nicht viel geringer, die in Real- und höheren Bürgerschulen ihre Ausbildung empfangen.

Berlin, 12. Jan. Nach einer beut hiesigen Magistrat zugegangenen Mittheilung wird die Vertheilung der Bestände des Dotationssonds an die Provinzialverbände und die Stadt Berlin im Laufe Januar erfolgen. Diese Bestände belaufen sich im Ganzen auf etwas mehr als 19 Millionen Mark, von denen nur etwa 300,000 Mark baar vorhanden sind, der Rest in 25 verschiedenen Gattungen von zins- tragendeu Papieren angelegt ist.

Aus der Pfalz, 7. Jan. Harxheim (Zellerthal) ist am Morgen des 1. Januar die neue protestantische Filial'Kirche sammt dem Thurm vollständig niedergebrannt Am Sylvesterabend wurde Gottes­dienst darin abgehalten, und um Mitternacht war geläutet worden. Man vermuthet, daß hierbei mit dem Licht nicht vorsichtig genug umgegangen wurde.

Karlsruhe, 11.Jan. Prinz Wilhelm, ältester Bruder des Groß- Herzogs, ist an seiner bei Nuits 1870 erhaltenen Kopswunde bedenk» lich erkrankt.

München, 8. Jan. Wie in Offizierskreisen das Gerücht geht, soll eine königliche Entschließung in Aussicht stehen, durch welche der Wunsch ausgesprochen werde, daß Civilbeamte, Offiziere rc. nach dem civilehelichen Trauungsact auch der kirchlichen Einsegnung sich unterziehen sollen.

Königsberg i. Pr., 10. Jan. Eine Rabenmutter. In voriger Woche ward dem Polizei-Distriktskommissarius Herrn Beckmann Meldung über ein Kind gemacht, welches von seiner Mutter in entsetzlicher Weise gehalten wurde. Er fand denn auch auf dem lustigen Bodenraum eines Hauses aus dem Hin­tern Tragheim ein 9jähriges Mädchen bei dieser harten Kalte ganz nackt auf einem Lager von zu Häcksel gewordenen Stroh kauernd, in einen Lappen so eingewickelt, daß die Beine lrumm am Körper angeschlvssen waren. Das Kind, als es von dieser Stätte des Entsetzens ausgenommen wurde, konnte weder stehen noch sitzen, es war mit Ungeziefer bedeckt und ganz nackt. Ein Hemdchen, welches die Mutter für das Kind erhalten, hatte sie in Brannt­wein umgesetzt. Die Nahrung des Kindes war schon lange eine äußerst kärg­liche, ste bestand nur in dem, was die Nachbarn, ebenfalls arme Leute, dem­selben aus Barmherzigkeit hin und wieder zuführten.

Frankfurt a. M., 9. Jan. Noth. In einer Mansarde wurde, wie das hiesige Tageblatt erzählt, gestern eine von ihrem Manne mit einem kaum drei Wochen alten Kinde völlig mittellos gelassene, kranke Frau durch die Polizei ausgesucht. ^u^ni Raume wurde weder Essen noch ein Ofen vorgrfund^n, wohl aber trieb der Schnee ^erch die Dachöffnungen hinein, während die arme Frau krank im Bette lag. Natürlich wurde amtlich gleich helfend eingeschritten. Gegen den betreffenden Ehemann dagegen werden die für solche Fälle vorgesehenen gesetzlichen Bestimmungen zur Anwendung ge- bracht werden.

Eleve, 10. Jan. Glücklicher Fund. In dem benachbarten hol­ländischen Grenzstädtchen Grönlo hatte vor mehreren Tagen ein dortiger Bürger beim Abgraben einer neben seinem Acker stehenden Wallhecke in der 9iä^e der Stadt das Glück , ein kupfernes Gefäß mit 193 Goldstücken und 4 irdene Gefäße mit Silbergeld zu fi-lden. Von den Münzen, etwa 500 an der Zahl und sämmtlich aus dem 17. Jahrhundert, tragen viele Goldstücke den Namen und das Por­trait Philipps III von Spanien mit der Jahreszahl 1641, wohin­gegen von den Silbermünzen einige mit dem Portrait des heiligen Paulus, Patron des Bisthums Münster, und andere mit den Bild- nissen der heiligen 3 Könige, der Schutzheiligen der Erzdiözese Köln, versehen sind. Die Münzen sollen einen Gesammtwerth von 13,000 Gulden haben.

(Großes Eisenbahnunglück in Rußland.) uAus sOdessa tele- grapbrt man derPetersb.-Börs.-Ztg ", daß ein von ersterem Orte abgelassener gemischter Zug von 27 Wagen, in welchen sich u. A. circa 400 ausgehobene Rekruten befanden, am 6. b. M. in der Nähe der Station Virzuola entgleist und vom Damme gestürzt ist. Die Wagen fingen dabei Feuer und sollen nach allerdings noch unver­bürgten Gerüchten etwa 100 Menschen ums Leben gekommen und viele verwundet sein.

Na gusa, 11. Jan. Nach einer hier eingegangenen Meldung haben die Jnsurgentensührer Peko Paulovich, Bacevich unter Valovich mit etwa 1500 Mann die Straße nach Trebinje besetzt, um eine Ver- proviantirung dieser Stadt zu verhindern.

Ein ganzer Eisenbahnzug verweht. Auf der östlichen Linie der Galizischen Karl-Ludwigbahn wurde der zwischen Lemberg und Podwoloczyska verkehrende Personenzug am Donnerstag, den 6. d. Mts. früh um halb 8 Uhr mit vierzig Reisenden in einem Einschnitte nächst Pluchow von Schneestürmen verweht. Die sofort angestellten Versuche, mittelst Hülfsmaschinen den Zug zu befreien, blieben erfolglos; der erste Hülfszug blieb eine Wächterstrecke vor dem Punkte, an dem der Personenzug stand, stecken; ein zweiter mußte, da der Sturm zunahm, auf demselben Wege umkehren. Bei dieser verzweifelten Lage der Dinge und gegenüber der Weigerung der ruthenischen Bevölkerung am Feiertage zu arbeiten, versuchte die Betriebs-Direction von der politischen Behörde Unterstützung zu er» langen. Inzwischen wurden von Lemberg aus Arbeiter und Lebens­mittel nachgesendet, und nach unsäglichen Anstrengungen gelang es endlich, auf Umwegen mit Hülfe von Schlitten den verwehten Zug zu erreichen und die Reisenden, welche sich nahezu 36 Stunden lang in einer mehr als peinvollen Lage befunden hatten, mit großer Mühe aus derselben zu befreien und sie mit Nahrungsmitteln zu versehen.

Amerika. Wie aus Mexico gemeldet wird, ist nach Depeschen aus San Diego in Sonora eine Revolution im Gange; auch be» finden sich die Jaque-Jndianer im Aufstande. Sämmtliche Geschäfte liegen darnieder. Die Grenzbewohner stehen mit wenigen Ausnahmen im Bunde mit den Banditen. Die Revolutionäre haben die Stadt San Diego angegriffen, den Gouverneur Villagrana und 29 feiner Leute getödtet und Besitz von Allem ergriffen, was sie vorfanden.

Aus Heffen.

Cassel, 13. Jan. Aus allen Theilen Niederhessens, speciell aber aus den Kreisen Homberg, Fritzlar, Hofgeismar rc., kommen laute Klagen über die plötzlich aufgetrene große Masse falscher Mün­zen der neuen Währung, namentlich Zwanzigpfennig-Stücke mit der Jahreszahl 1874. Die Fabrikanten dieser Falsificate, die durch dumpfen Klang, matte Färbung und schlechte Prägung kenntlich sind, scheinen dieselben mit Absicht gerade unter die Landbevölkerung ge­bracht zu haben. Selbst bei den Postexpeditionen sind zahlreiche falsche Münzen eingeschmuggelt worden.

Dörnigheim, 13. Jan. Heute Morgen um 5 Uhr ist auf der Frankfurterstraße bei der Carl Gruber'schen Gastwirtbschaft aus der Frankfurter Quellwasserleitung an mehreren Stellen Wasser aus­gebrochen. In 2 Häusern stand das Wasser f Fuß hoch in den Wohnstuben, ebenso in einem Kaufmannsladeich außerdem stehen noch mehrere Keller- und Hofräume ganz oder theilweise unter Was­ser. Die Königl. Staatsstraße ist unfahrbar nnd mußte abgesperrt werden. (H. Z.)

Marburg, 11. Jan. Dem Vernehmen nach wird die hiesige Jrrenheil-Anstalt im April dieses Jahres eröffnet werden. (M. T.)

Gekannlmaehnng.

Auf Antrag eines Gläubigers werden in der Wohnung des Schlossermeisters Au­gust Poppe dahier nachstehende, die­sem gehörige Gegenstände, als: ein Fortepiano, eine Comode, ein Sopba, ein Kleiderschrank im Termin den

21. l. Mts. Nachmittags 2 Uhr

zur öffentlichen Versteigerung kommen. Hersfeld, am 12. Januar 1876. Das Secretariat des Amtsgerichts, Abth. H.

B e ck.

Anzeigen

Gekanntmaehung.

Auf Antrag eines Gläubigers werden nachstehende, dem Schmiedemeister Theo­dor Diebel dahier zustehenden Gegen­stände, als: ein Sopha, eine Reifbiegemaschine in hiesigem Pfandlokale am 22. Januar d. I.

Mittags 2 Uhr öffentlich verkauft. werden. Hersfeld, den 12. Januar 1876.

Das Secretariat des Königlichen Amtsgerichts, Abth. II.

B e ck.

Gekanntmaehungs

DaS Königliche Kreisgericht Marburg hat durch Beschluß vom 16. Dezember 1875 den Bierbrauer und Ackermann Wer­ner Hofmann zu Breitenbach am Herzberg für einen Verschwender er» klärt. Als Vormund desselben ist der frü­here Mrgermeister Werner Stein zu Breitenbach bestellt worden. Oberaula, am 5. Januar 1876.

Königliches Amtsgericht.

C o i n g.

~ _ vdt, Kaufmann, ^lagformulare empfiehlt

W JLudwig Funk.