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fen, welche über dem Haupte ihres enthusiastich verehrten, von ganz Europa bewunderten Königs schwebte.
Aber die Generalin, obwohl ruhigen, sanften Tempraments, war in kritischen Momenten dennoch rascher und durchgreifender Entschlüsse fähig und ganz besonders, wenn ihr patriotisches Gefühl in WtUeidenschaft gezogen wurde. Dann war ihr kein Opfer zu groß, kein Mißgeschick schreckte sie zurück; das eigene Interesse galt ihr nichts gegen das des Vaterlandes, und jetzt zumal, wo augenscheinlich das Leben ihres geliebten Herrschers auf dem Spiele stand!
Nur weniger Minuten bedurfte es für sie, um sich klar zu machen, was ihr zu thun oblag, und daß kein Augenblick verloren gehen dürfe. Nachdem sie Gerhardt das tiefste Stillschweigen zur Pflicht gemacht hatte, ließ sie ihren Wagen anspannen und fuhr in scharfem Trabe in der Richtung des preußischen Lagers davon.
Das Wetter war stürmisch, und die während des Krieges fast unpassirbar gewordenen Wege erschwerten das rasche Fortkommen. Aber die Generalin trieb ihren Kutscher unablässig zur Eile an und achtete wenig der Gefahr, welche dem über Stock und Stein dahin rollenden Fuhrwerk drohte, in jeder Minute zu zerschellen und sie selbst zur Fortsetzung des Weges unfähig zu machen.
Doch ihr guter Stern bewahrte sie vor einem solchen Unglück, dessen Folgen unübersehbar gewesen wären. Nach Verlauf einer halben Stunde unsäglicher Angst hatte sie den nächsten preußischen Vorposten erreicht. Hier stieg sie vom Wagen, nannte ihren Namen und verlangte zu dem Offizier der nächsten Feldwache geführt zu werden. Dies aber war für den auf Vorposten stehenden Soldaten eine unerfüllbare Aufgabe. Er durfte sich nicht entfernen, und eben so wenig durfte er die ihm unbekannte Dame passiren lassen.
Frau von Treskow stand wie auf Kohlen und wußte nicht aus, noch ein. Glücklicherweise bemerkte sie nach einigen Minuten bangen Harrens die Annäherung eines die Vorposten revitirenden Offiziers. Sie rief ihn zu sich heran und stellte sich ihm mit dem Ersuchen vor, sie ohne Verzug zu dem ihr bekannten General-Adjutanten des Königs, Grafen Fink von Finkenstein, ins Hauptquartier zu bringen.
Der Offizier kannte den Gemahl der Dame und erklärte sich bereit, ihrem Verlangen zu entsprechen. Indessen fand er sich aus dienstlichen Rücksichten zu der Frage veraulaßt, ob die Generalin in Privat - Angelegenheiten den General Fink zu sprechen wünsche und fügte hinzu, daß er in diesem Falle erst un Hauptquartier anfragen lassen müsse.
„Es betrifft eine dienstliche Angelegenheit von der größten Wichtigkeit", antwortete die Generalin. '
„Und denken gnädige Frau bald wieder zurückzukehren?" exami- nirte der Offizier weiter.
„Ich hoffe, in einer Stnnd".
„In diesem Falle konnte Ihr Wagen hier warten?"
„Gewiß". . _
„Nun, so bitte ich die gnädige Frau, bis zur nächsten Feldwache meine Begleitung anzunehmen. Von dort ist es nicht weit bis zum Hauptquartier . . . Man kann das Dorf", setzte er in die Ferne dPttönd, bei, „von hier aus schon sehen".
„Wie heißt das Dorf?"
„Heinrichswerder, gnädige Frau".
„Ich danke Ihnen. Wenn es Ihnen gefällig, gehen wir."
„Zu Ihren Diensten."
Damit bot der Offizier der Generalin den Arm, worauf sich Beide, wie zu einem Spaziergang, übers Feld entfernten.
Der Weg war nicht beschwerlich; ein Fußpfad über Wiesen und Sturzacker führte zur nächsten Feldwache. Hier verabschiedete sich Frau von Treskow von ihrem Führer, der sie einem seiner Kameraden zur Begleitung ins Hauptquartier empfahl.
Eine Viertelstunde darauf hatte die Generalin das Dorf Heinrichswerder erreicht.
Das Hauptquartier, zugleich auch die Wohnung des Königs, befand sich in einem schlechten Bauernhause, das sich nur durch zwei baumlange Grenadiere vor der Thür von den andern ärmlichen Hütten des durch den Krieg stark mitgenommenen Dorfes unterschied.
Als Frau von Treskow ankam, wies man sie in ein enges
Hinterzimmer zu dem Offizier, der die Wache des Monarchen befehligte. Auf ihre Erklärung, daß sie den General Fink zu sprechen wünsche, ließ sie der Offizier durch einen Korporal in eine Art von Verschlag führen, in welchem die General-Adjutanten des Königs ihr Bureau etablirt hatten. Der Graf war nicht zugegen, aber eS hieß, daß er bald kommen würde; er sei zum Vortrag beim König.
(Fortsetzung folgt.)
Dsm Dürften von WiSmarch
zu seinem 60. Geburtstage am 1. April 18 75.
Dich hassen, die dem deutschen Namen feind,
In uns'rer Ohnmacht ihre Stärke fanden, Die jeden Schlag, der deutsches Leben traf, Als Siegesmal um ihre Fahne wanden.
Dich Haffen, die an unsres Landes Mark 9la^ guter Beute gieren Blickes spähten,
Die frevelnd und mit gern bereiter Hand
Der Zwietracht Keim in unsre Reihen sä'ten.
Dich hassen, die die Spaltung deutscher Macht
Mit Heller Schadenfreude stets erfüllte,
Und deren Ränkesucht und Niedertracht
Dein kühner Griff vor aller Welt enthüllte.
Dich hassen, die mit schlecht verhehlter Wuth
Den Sonnenflug des deutschen Aars erschauten,
Die gar zu gern in unsern hohen Dom
Der eig'nen Größe Götzentempel bauten.
Dich hassen Alle, welche fort und fort
Von ihrem schnöden Söldnerdienst nicht lassen;
Dich hassen Alle, so, mit einem Wort,
Den deutschen Geist und deutsche Größe Haffen.
Dich lieben, die in ihres Herzens Schrein
Das Kleinod echter deutscher Treue wahrten,
Die ihren Glauben stets in Wort und That
An unsres Volkes Zukunft offenbarten.
Dich lieben, die mit ungebeugtem Muth,
Vom Sturm umtobt, wie unsere Eichen standen,
Und welche selbst in Zeiten schwerer Noth
Des Reiches Stern am nächt'gen Himmel fanden.
Dich lieben, die die Trennung deutschen Bluts
Als emen Jammer unsres Volks beklagten,
Und welche endlich unverzagten Muths
Die arge Kluft zu Überdrücken wagten.
Dich lieben, die von langem Alp befreit,
In Dir den Retter Deutschlands froh erkannten,
Und die dem Morgenroth der bessern Zeit
Voll Zuversicht den Blick entgegenwandten.
Dich lieben Alle, welche fort und fort
Der Stimme ihres Herzens treu geblieben.
Dich lieben Alle, die, mit einem Wort,
Das Vaterland und seinen Kaiser lieben.
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Gebr. Schreiber.
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