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nicht so nahe aneinander angebracht werden dürfen, daß der Zug der Fische dadurch behindert wird.

Der Königliche Landrath Götz.

Feuilleton.

Eine VerrätHeeei.

Historische Episode. Von L. Schubar.

(Fortsetzung.)

„Wir sind arm," rief sie dem perfiden Unterhändler zu, „dieses armselige Dorf ist unser Alles. Durch die Ehre gezwungen, über» laste ich es Ihren Händen! Zerstören Sie, brennen Sie nieder, todten Sie, wenn Sie sich rächen wollen!"

Vergebens stürzte der durch so viel Edelmuth und patriotische Hingebung gerührte Offizier zu ihren Füßen und beschwor sie, in ungestörter Ruhe und Sicherheit auf ihrem Schlöffe das Ende der Belagerung abzuwarten und sich des ihr angebotenen Schutzes ver­sichert zu halten.

Aber Frau von Treskow wollte von nichts misten und erklärte ihm, daß sie nunmehr auf ven ihr angebotenen Schutz verzichte. Sie verzeihe ihm die Beleidigung, indesten wolle sie keinen Augenblick länger in der Gewalt des Feindes bleiben. Auf die Vorstellung des Oesterreichers, daß es jetzt unmöglich sei, sie durch die Belagerungs­truppen hindurch in die Festung passiren zu lasten, half nichts. Noch in derselben Nacht reiste sie ab, ohne dem perfiden Unterhänd­ler zu sagen, wo sie ihre Zuflucht zu nehmen beabsichtige. Nur konnte sie nicht umhin, ihrer Sicherheit wegen, ihm zu erlauben, daß er sie bis zu den letzten feindlichen Vorposten begleite.

Sobald die Generalin die Positionen der Oesterreicher hinter sich und von ihrem Begleiter sich.verabschiedet hatte, befahl sie ihrem Kutscher, sie nach einer entfernten, zu ihrem Gute gehörigen Meierei zu bringen, wo von dem Feinde, wenigstens vorläufig, nichts zu be­fürchten stand. Hier richtete sie sich ein, so gut die Umstände es erlaubten, und verbrachte etwa vierzehn Tage in ungestörter Ruhe.

Zu dieser Zeit fiel die für Friedrich unglückliche Schlacht bei Hochkirch vor, und nun schien Reiste in den Augen von ganz Europa so gut wie verloren. Denn daß der geschlagene und vierzig Teilen entfernte König der »hart bedrängten Festung zu Hülfe kommen könnte, war nicht denkbar. So schrieb damals der Marschall Daun an den General Rudieger: „Setzen Sie die Belagerung ruhig fort; ich halte den König fest, er ist von Schlesien abgeschnitten. Sollte er mich angreifen, um'loszukommen, so werden Sie gute Nachrichten von mir hören."

Aber Friedrich, wie gewöhnlich, wenn er eine Niederlage erlitten, täuschte die Erwartungen seiner Feinde. Ohne daß Daun eine Ahnung davon erhielt, machte er sich von ihm los und traf nach einem dreizehntägigen forcirten Marsche vor Reiste ein. Er brächte nur wenige Truppen mit, allein es bedurfte auch nur seines persön­lichen Erscheinens, um den stark überlegenen Feind einzuschüchtern. Und in der That, am Tage nach seiner Ankunft hob der General Rudieger die Belagerung auf, mit solcher Hast, daß er eine bedeu­tende Menge Kriegsmaterial im Stiche ließ und auf Mähren zu- rückging.

Jetzt kehrte Frau von Treskow in ihr Schloß zurück, und hier war ihr die schöne That vorbehalten, den von ihr angebeteten Helden­könig, und mit ihm wahrscheinlich auch den preußischen Staat vom Untergänge zu retten.

Der General Rudieger war wegen seiner übereilten Aufhebung der Belagerung und feines Rückzuges von Laudon fcharf getadelt worden. In Folge dessen war er wieder umgekehrt und hatte mit seinem Korps eine den Truppen Friedrichs gegenüber gelegene Stel-' lung genommen, dergestalt, daß die beiden Heerkörper nur durch eine Meile Terrains von einander getrennt wurden.

Ocstlich von den Oesterreichern und zur Linken der Preußen erhob sich etwas steil eine ausgedehnte Laubholz-Waldung, und am Fuße derselben lag das Dorf Rosenau mit seinem von der Genera­lin von Treskow bewohnten Schloste.

Da die beiden Heere sich nur auf eine gegenseitige Beobachtung beschränkten, so wurde das Schloß Rosenau seitens der österreichischen Ofsiziere gewissermaßen als neutrales Gebiet angesehen, und einige höhere Offiziere, welche die Besitzerin in Wien kennen gelernt hatten, starteten derselben zuweilen freundschaftliche Besuche ab.

Der Generalin waren diese Visiten zwar wenig erwünscht, allein sie hielt es der Schicklichkeit angemessen, die ihr bekannten Gäste höflUch aufzunehmen und gelegentlich zu bewirthen. Hierbei besorgte

ein alter Wirthschaftsbeamter der Generalin, Namens Gerhardt, die Bedienung, während seine Gebieterin nur ab und zu ging und so zu sagen die Honneurs machte. Die Unterhaltung bei diesen Besuchen beschränkte sich auf gleichgültige Gegenstände; die Politik oder Kriegsereignisse wurden niemals berührt. Es schien in dieser Beziehung zwischen der Frau vom Hause und ihren Gästen ein still­schweigendes Uebereinkommen zu bestehen.

Eines Nachmittags hatte sich auch der General Rudieger, in Begleitung von drei anderen Stabsoffizieren, auf dem Schlosse ein- gefunden. Sie wurden, wie gewöhnlich, freundlich empfangen, und als es Abend geworden war, ließ die Generalin ihren Gästen in einem kleinen Salon Erfrischungen ferviren. Auf dringendes Bitten der Herren konnte Frau von Treskow es nicht ablehnen, ihnen bei Tische Gesellschaft zu leisten, beim Dessert aber zog sie sich zurück und überließ Gerhardt die Bedienung der Gäste.

Da der Keller des Schlosses gut bestellt war, so ließen die Of­fiziere dem vortrefflichen Weine die gebührende Ehre widerfahren, bis die Köpfe ein wenig umnebelt wurden und in den Gesprächen das alte Sprichwort: „in vino veritas“ sich bewahrheitete.

Da Gerhardt, immer wenn er den Tisch der Herren mit neuen Flaschen versorgt hatte, sich respectvoll in ein kleines, nur durch eine dünne Tapetenwand vom Salon geschiedenes Gemach zurückzog bis er von den Gästen wieder gerufen wurde, so ließen dieselben ihren vom Wein gelösten Zungen mehr Spielraum, als sich mit der Klugheit vertrug. Dabei führten sie ihre Unterredung so laut, daß Gerhardt hätte taub sein müssen, wenn er hinter feiner Tapetenwand nicht jedes Wort hätte hören sollen. Der alte Diener aber hatte für das, was er vernahm, ein um so schärferes Ohr, als es sich um Dinge von höchster Bedeutung handelte und zwar um solche, die sein patriotisches Gefühl nicht wenig in Aufruhr brachten.

Unterdessen war es Mitternacht geworden. Die weinseligen Herren rüsteten sich zum Aufbruch und riefen ihren ,im Schloßhofe harrenden Bedienten zu, die Pferde vorzuführen. Jetzt erschien auch Gerhardt wieder, nahm einen Armleuchter vom Tische und leuchtete den stark angenebelten Offizieren die Treppe hinab bis in den Hof wo sie zu Pferde stiegen und davontradten.

Am nächsten Morgen war es noch ungewöhnlich früh, als Ger­hard sich bei seiner Gebieterin anmelden ließ.

Frau von Treskow pflegte ihren Wirthschaftsbeamten in der Regel nur jeden Abend zu empfangen, um seinen die Verwaltung des Guts betreffenden Rapport entgegen zu nehmen. Sie war da­her begierig, zu erfahren, was Gerhardt ihr in so früher Stunde zu berichten habe. Roch mehr aber reizte es die Wißbegierde der Generalin, als der Beamte auf ihre Frage, ob etwas Besonderes vorgefallen, geheimnißvoll mit der Gegenfrage antwortete, ob er sicher sein könne, daß kein Lauscher in der Nähe sei.

„Mein Gott, was giebt es denn?" rief, beunruhigt von dem ängstlichen Benehmen ihres alten Dieners, Frau von Treskow.

Hierauf erzählte Gerhardt seiner Gebieterin Wort für Wort Alles, was er am vergangenen Abend von den Gesprächen der^Offi- ziere absichtslos erlauscht hatte.

Logisch zusammengefaßt, bestand seine über alle Maßen wichtige Mittheilung in Folgendem:

Der General Rudieger fühlte sich noch schmerzlich gekränkt durch den harten Tadel, den er, wegen seiner übereilten Aufhebung der Belagerung von Reiste, sich seitens seines Oberbefehlshabers zuge­zogen. Er brannte vor Verlangen, den begangenen Fehler wieder gut zu machen, und hierzu hatte er ein verwegenes Mittel ersonnen; Es galt ihm nicht, dem Feinde gegenüber im offenen Felde sich rühmlich auszuzeichnen, sondern stich Ruhm zu erwerben durch eine an Verruchtheit ganz Exorbitante, aber in ihren politischen Folgen unermeßlich wichtige That. . . Verblendet von der chimärischen Aussicht auf die höchste Dankbarkeit Maria Theresia's für den ver- dammenswerthesten Dienst, den die Bosheit erdenken kann, kümmerte er sich nicht um den Fluch, den er dafür bei der Mit- und Nachwelt ernten würde. Es handelte sich für ihn um nichts Geringeres, als sich der Person des Königs Friedrich, „fei es lebend oder todt), zu bemächtigen.

Und die Umstände schienen das Gelingen dieses gleichsam von der Hölle ausgebrüteten Unternehmens zu begünstigen. Rudieger war durch seine Spione davon unterrichtet, daß der König häufig ohne jede Bedeckung in der hinter dem Schlöffe Rosenau befindlichen Waldung den Feind rekognoscire. Dies pflegte zumeist des Abends und besonders immer dann zu geschehen, wenn im preußischen Lager die Wahrnehmung gemacht worden, daß in den Stellungen der Oesterreicher sich eine taktische Bewegung vollzogen habe.

Hierauf hatte 3lubieger seinen schwarzen Plan gegründet. Schon hatte er bei einem Theile seiner Truppen für den nächsten Tag eine Scheut-Evolution angeordnet, der Art, daß dieselbe im Lager der Preußen nicht unbemerkt würde bleiben können. Es ließ sich mithin voraussehen, daß Friedrich auf diese Weise aufmerksam