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Schnell fuhr nun der Müller unter den Talgen hin, so daß der Dieb mitten über dem Wagen herabhing, und fühlte seine nackten Füße und Beine an.
„Ja, weiß Gott," rief er, „he lewt, he is so warm as uf."
Mit einem Ruck warf er die Zügelleine über die Wagenräder, faßte den Gehängten mit beiden Armen um den Leib, der Knecht trat mit beiden Füßen hoch auf die Leiterbalken, kriegte sein sDieffer heraus, schnitt den Armensünder los, der sich dabei immer mause- todt stellte. Beide legten ihn sodann aus's Stroh, deckten ein halb Dutzend Kornsäcke über ihn und fuhren nun mit ihm langsam nach der Mühle zu.
„Segg 'r man leewer noch nüms wat van," sagte der Müller zu seinem Knecht, als sie beim Hause ankamen. „Disse Nacht schall he bt mi bliwen, un morgen froh will ick glieks nay'n Gericht ne Anzeige maken.
Sie legten nun in des Müllers Schlafkammer ein paar Bund Stroh auf den Boden und trugen den Menschen, der nicht gehn noch stehn konnte, da hinauf. So wie sie ihn hinlegten, blieb er liegen und s agen that er auch nichts, als blos, daß er dann und wann 'mal aufstöhnte. V»
Sie versuchten, ihm ein bischen was Warmes einzugeben, aber das Meiste lief ihm beim Munde herunter; die Kehle mochte ihm doch wohl ein bischen angeschwollen sein. So quälten sie ihn denn balo auch nicht länger, und dachten, wem Gott das Leben am Galgen erhalten hätte, den wollte er auch wohl auf dem weichen Strohlager erhalten. Der Knecht ging also hinunter zu Bette, und der Müller legte sich auch nieder, denn die Lust, noch was zu essen war ihnen doch Beiden vergangen.
Zu Bette hatte sich nun zwar der Müller gelegt, allein schlafen konnte er doch nicht. Er schob den Ellbogen über die Bettstelle hinaus, stützte den Kopf in die Hand, sah nach dem Unglücklichen hin, der da sechs Fuß abwärts gerade ihm gegenüber auf der Erde lag, horchte nach seinem Athem, ob der auch gesund und ruhig ging, und dachte über Gottes Finger nach, der schon manchesmal Schuld und Unschuld auf so wunderbare Weise an den Tag ««bracht und nun wieder auch hier ein so großes Zeichen seiner Allmacht gegeben hatte.
Er mochte nun wohl säum eine halbe Stunde selbst noch schlaflos gelegen haben, da war es ihm, als ob der arme Galgenmensch sich regte. „Gott sei Dank!" dachte der gute Mann, „er erholt sich ein Bischen." Nach 'ner kleinen Weile dänchte eS dein Müller, als ob er das Stroh schon wieder raffeln hörte, und als er nun hin- blickte, konnte er deutlich sehen, wie jener sich nach ihm herumdrehte.
he trat sachte bi is, üm mi man jo nrch uptoweÄen" — dachte der Müller — „un fo’n gefühlvollen Mlnschen wull'n fe uphangen!"
Wieder nach 'ner kleinen Weile dänchte eS dem Müller, als ob der Mensch seine Augen ein ganz klein bischen aufmachte und dabei nach ihm Herüberschielte. Das kam ihm doch etwas sonderbar vor. „Wat bedütt bat?" — dachte der Müller, und machte nun seine eigenen Augen so weit zu, Bß er auch nur soeben hcrausschiclen konnte, und holte dabei so langsam Athem, wie Einer, der im tiefsten Schlafe ist. Es passirte aber nichts. Der Fremdling beobachtete den Müller und der Müller den Fremdling, blos daß der Müller dabei im Bortheil war, denn sein Gesicht lag im Schatten, aber das des Andern im Mondlicht. (Schluß folgt)
Vermischtes. -
Her bin gen, 5. gebt. (Rache eines Pferdes.) Ein hiesiger Fuhrmann hatte gestern sein Pferd durch Peitschenhiebe arg miB« handelt und die Mißhandlungen fortgesetzt, obgleich er von vorüber-
gehenden Personen von der Brutalität abgemahnt worden war. Alle Ermahnungen um Schonung des Thieres blieben fruchtlos. Bei der Ankunst vor s in er Wohnung hals die Mutter des Fuhrmanns eine Wittwe, das Pferd ausspannen. Kaum war dasselbe ausge- fchirrt als es wüthend auf seinen Führer zusprang, ihn packte, zur Erde warf wieder aufhob und eine Strecke fortschleppte, sich sodann mit den Knien auf denselben setzte und ihn racheschnaubend zerbiß. Nur mit größter Mühe gelang es den Herbeieilenden, den Unglücklichen dem wüthenden Thiere zu entreißen und in Sicherheit zu bringen. Dem Vernehmen nach ist der rechte Unterarm vollständig zerbissen, der Knochen zersplittert und das Gesicht mehrfach verletzt. Der schwer Verwundete wurde auf Anordnung der Aerzte ins Krankenhaus gebracht, wo eine Amputation des Armes vorgenommen werden muß. („B. Z")
Solingen, 5. .Februar. (Doppel-Mord.) Der Schrothänvler Jost und dessen Ehefrau, betagte Leute, wurden heute in ihrer in einem Hintergebäude der Poststraße belegenen Wohnung mit durch- ferlittenem Halse todt neben dem Bette liegend gesunden. Ein blutiges Messer fand man auf dem Tische. Jost soll einige 100 Thlr. baar im Hause gehabt haben und die schauderhafte That schon vor ein oder zwei Rächte geschehen sein. Nachbarn sind heute durch d S unablässige Springen einer Katze gegen das Fenster auf die verschlossene Wohnung aufmerksam gemacht worden und fanden dann bei dem gewaltsamen Oeffnen die cnticelteii Körper. („Elbs. Ztg.")
Straßburg. Die Polizei zu Straßburg ist einem Falschmünzer-Pärchen auf die Spur gekommen, das dort in einer Pri- vatwohnung seine Werkstätte hatte, wo falsche Banknoten in Beträgen von 25—100 Thlr. mit großem Geschicke fabrizirt wurden. Der Fälscher, ein ca. 25jähriger Mann, hatte eine junge Frauensperson seine angebliche Braut, zur Gehilfin, die originell genug, so lange auf einem Klavier zu spielen hatte, als Burgram (dies soll der Name des Fälschers fein) die falschen Banknoten stempelte. Die Hausbewohner waren über die unausgesetzten musikalischen Leistungen um so erstaunter, als die Künstlerin des Klavierspiels eigentlich unkundig war und auf dem Instrumente lediglich Lärm machte. Burgraw wurde bei einer „Geschäftsreise" in Metz auf der That ertappt und verhaftet, was in Folge davon auch seiner Helferin in Straßburg passirte, wobei man zugleich die Stempelpreffe und fertige „Waare" in ziemlicher Menge entdeckte. Muthmaßlich ist noch eine dritte Person in daS Komplot verwickelt, resp, hängt die ganze Angelegenheit mit der Aufhebung der Falschmünzerbande im Sieger Lande zusammen.
Jnsterburg, 3. Februar. (Trichinosis.) Wie der „I. Z." uiitgetbeilt wird, sind in der Gegend von LanoSberg in OstpreuM in Folge Genusses von Schweinefleisch 52 Menschen an der Trichinose erkrankt. Einer davon ist bereits gestorben, mehrere liegen schwer krank darnieder, so daß man an ihrem Aufkommen zweifelt.
Braun schweig, 5. Februar. Die Hinrichtung der wegen Giftmordes zum Tode verurtheilten Wittwe Krebs und des Schlächters Brandes ist heute Morgen durch Enthauptung vollzogen worden. — Berlin. (Mißtrauen gegen Aerzte.) Ein hiesiger reicher Sonderling, der durch seine Exzentritäten bekannt ist, hegt ein hochgradiges Mißtrauen gegen alle Aerzte. Sein Arzt hatte ihm vor einiger Zeit, da er ihn für leberleidend hielt, eine Kur in Karlsbad verordnet. Statt diesem Befehl Folge zu leisten, schickt der Kauz seinen Diener nach Karlsbad und befiehlt ihm, dort 14 Tage lang den Brunnen zu trinken. Der Diener gehorcht und kehrt in einem Zustande der sichtbarsten Abmagerung zurück. „Run, wie ist Dir Karlsbad bekommen?" empfängt in der Herr. „Wie Sie sehen, sehr schlecht, ich fühle mich außerordentlich angegriffen." „Da siehst Du nun, wie sehr Recht ich hatte, meinem Arzte nicht zu trauen," er» widerte der originelle Sonderling.
Holzvcrsteigcrung in der Oberförsterei Meilenstein.
Mittwoch beu 17. Februar tr. von Mor- grni 10 Uhr ab, soll nachstehendes in den Forstorten Krämerskupp e, Faulerück, Sahlweidenhecke, Sommer- u.Win- terseite, Kretenkuppe, Dammberg und Unterste-.LieSburg lagerndes Gehölze: 50 Stück Eichen-Stämme von 2—7 Meter lang und 25-68 Centmtr. dick, 134 ' Raumtr. Eichen-Scheit, 36 Nmtr. dergl. Ast-
Anzeigen.
prügel, 215 Nmtr. Eichen-Zopfreis, 19 Nmtr. Eichen-Erdstöcke, 3 Rmtr. Buchen-Felgenholz, 70 Rmtr dergl. Scheit, 124 Nmtr. dergl. Stammprügel, 600 Rmtr, bergt Stammreiö, 700 Nmtr. bergt ger. Neis, 700 Nmtr. bergt Zopfreis, 17 Nmtr. bergt Erdstöcke, 4 Nmtr. starke Birken-Prügel für Drechsler rc, 8 Nmtr. bergt Scheit und Prügel, 20 Nmtr. Birken-Zopfreis, 3 Stück Nadelholzbaustämme von 10 Meter Länge und 15 bis 26 Centmtr. Dicke, 3 Stück dergl. Gerüststangen, 17| Schock Nadelholz doppelte
Dachlatten, 13j Schock dergl. einfache Dach- latten, 398 Stück bergt Leilerbäume, 11 j Schock dergl. Hopfenstangen, I« Nmtr. dergl. Scholholz, 6 Rmtr. bergt Scheit und Prügel und 700 bergt Reis.
Die Zusammenkunft findet Morgens 10 Uhr aus dem in der Nähe des Holzes belegenen Hof Bei er S graben statt, woselbst auch der Verkauf abgehalten wird.
Neuensteiu, am 6. Februar 1875.
Der Oberförster Krämer.