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Vacarrzen-Liste
ber bei den Behörden in den Provinzen Brandenburg und Pommern durch Militär-Anwärter zu besetzenden Stellen.
Nr. 10. Berlin, den 8. Decemb cr 1874.
Die Baeanzen-Listen werden den Truppentheilen deS Garde-, li. und 111 Armee-Corps mitgetheilt und liegen sowohl in den hiesigen wie auswärtigen Bureaus der Annoncen-Expeditionen des Jnvaliden-Danls, von Rudolph Masse und Haasenstein u. Vogler zur unentgeltlichen Einsicht aus; auch sind dieselben zu dem Preise von 1 Sgr. pro Stritt bei der Expedition des Deutschen Reichs- Anzeigers, Berlin, S. W., Wilhclinsiraße 32. snach außerhalb gegen Einsendung von 1^ Sgr. in Briefmarken) zu haben.
(Die-Liste enthält der Reihe nach folgende Mittheilungen: 1) Ort und Behörde, bei welcher die Stelle vacant ist. 8) Nähere Bezeichnung der Stelle 3) Einkommen der Stelle. 4) Ob die Anstellung auf Lebenszeit oder auf Kündigung erfolgt. 5) Betrag der zu stellenden Kaution und ob dieselbe durch Gehaltsabzug gedeckt werden kann. O) Ob Aussicht auf Verbesserung vorhanden ist. «) Ansprüche, welche an die Bewerber gestellt werden. 8) Wohin die Bewerbungen einzureichen sind. 9) Bemerkungen.
Provinz Brandenburg.
1) Dom Havelberg, Gemeindc-Kirchenrath, 2) Zweiter Calcant, Pulsant unb Todtengräber, 3) ca. 30 Thir. jährlich, 4) auf dreimonatliche Kündigung, 5) keine, 6) ganz zweifelhaft, von der Königl. Regierung abhängig, 7) die zum Balgentreten, der Handhabung großer Glocken rc. erforderliche Körperkraft und unanstößiger Wandel, 8) Gemeinde-Kirchenrath in Dom-Ha- vclberq.
1) Luckenwalde, Magistrat, 2) Stadtsekretär, 3) 450 Thlr. 4) auf Lebenszei t, 5) keine, 6) ja, 7) Kenntniß im Kommunal-Verwaltungswefen, 8) Magistrat Luckenwalde, 9) sofort zu besitzen.
1) Pankow, Kreis Ricderbaruim, Amts-Vorstand, 2) Amtspolizeidiener und Gefängwßwärter, 3) je 400 Thlr., 4) —, 5) keine, 6) Nicht unmöglich, daß die angegebenen fixirten Gehaltssätze später bei Bewährung erhöht werden, 7) Energie, ansehnliche Figur, nicht allzuschlechte Handschrift und des Lc- fens kundig, 8) Amts-Vorsteher Schwarze in Pankow bei Berlin, 9) möglichst sofort ZU besetzen.
Provinz Pommern.
1) Naugard, Kreisausschuß, 2) Kreisausschuß-Sekretär, 3) 300 Thlr., 4) auf Lebenszeit, 5) keine, 6) ja, 7) die selbständige Besorgung der sämmtlichen Sekretariats- und Registraturgeschäfte mit Korrespondenz- und Kaltulatur- Arbeiten, auch muß derselbe mit den betreffenden Gesetzen und Dienstvorschriften vertraut fein, 8) Landraths-Amt zu Naugard.
Feuilleton.
Erinnerungen eines Seewehrmannes aus dem letzten Kriege.
Von F. M erst er.
(Schluß)
Die Gedanken zucken schneller durch den Kopf des Menschen, als der Blitzstrahl über das Firmament. Während der Sekunden des Herabfallens dieser Trümmer schoß die Möglichkeit zehnfach größeren Unglücks durch mein Gehirn: dort auf dem Pulverprahm liegen noch zehn Torpedos, auf jedem sind fünf geladene Zünder — die^Holz« und Eisenstücke regnen zwischen ihnen hernieder — wenn eines davon einen jener fünfzig Zünder treffen sollte, so ist dch Explosion nicht nur des getroffenen Torpedos, sondern aller zehn dre unvermeidliche, sofortige Folge — und auch die der achttausend Pfund Pulver im Prahm —
Diese Gefahr ging jedoch vorüber. —
Die ersten Minuten nach der Explosion waren unbeschreiblich.
Der Pulverprahm hatte sich stark auf die Seite geneigt, weil die an Deck liegenden Anker und Steine nach Steuerbord herüber geschleudent worden waren. Hie und da lag eine stöhnende Gestalt, Andere schwankten irr umher, noch Andere schrieen aus dem Wasser erstickt um Hilfe..
„Wo ist der Kapitainlieutenant?" rief ich in Angst. Niemand konnte mir Antwort geben.
Da raffte sich seine bekannte Gestalt hinten am Heck des Pulver
prahms auf, der ungeheure Luftdruck hatte ihn dorthin geschleudert. Kaum stand er aus den Füßen, da rief hinter ihm ein Ertrinkender um Hilfe. Er beugte sich über das Heck, griff hinunter und zog einen halbtodten Bootsmannsmaat am Kragen aus dem Wasser.
Plötzlich schrie eine Stimme: „Der Pulv->rprahm brennt!"
Ein leichter Rauch stieg aus der offenen Luke des Fahrzeugs. Er muffte unmittelbar von den Pulverfässern kommen. Mit drei Schritten war der Kapitainlieutenant an der Luke, er stieg auf die Fässer hinab und warf einige große brennende Wollenfetzen heraus, an denen hier und da Pulverkörner aufblitzten. Dann ließ er die Luken sorgfältig schließen.
„Unteroffizier Sch., verlesen Sie die Leute, damit wir sehen, wer fehlt", rief er dann. Der Gerufene raffte sich irgendwo auf und wankte herbei; Haar und Augenbrauen waren ihm versengt und seine Jacke hing ihm in verkohlten Fetzen vom Leibe; er war unfähig, einige zusammenhängende Worte herauszubringen. Das Listenbuch war verloren.
Die beiden Torpedos in der Barkasse waren explodirt — wodurch ? Niemand weiß es — und hatten von den dreizehn Mann der Bemannung derselben sieben getödtct, zerrissen und in Atome zerschmett rt, die klebrigen wurden mehr oder weniger schwerver- wunbet aus dem Wasser gezogen. Das Fahrzeug selbst war verschwunden; an der Stelle, wo es gelegen, zeigten sich einige Planken den Prahms arg zersplittert und zerbrochen.
Wlr lasen die Schwerverwundeten zusammen und brachten sie auf die „Elbe". Auch dieses Fahrzeug trug die Spuren der Katastrophe. Der Schornstein war verschiedentlich durchlöchert und, wie auch die äußere Schanzkleidung und die Kajütskappen, mit Fleischstückchen übersäet. Die Glasfenster der Vorkajüte zerbrachen vom Luftdruck und die nach innen fliegenden Splitter verletzten einen Mann erheblich im Gesicht. Fragmente von größeren menschlichen Röhrenknochen lagen an Deck — die Körper, von denen sie Theile gewesen, wandelten noch vor wenigen Minuten unter den Lebenden — wo blieb der Geist, der sie beseelte? —
Das war eine traurige Fahrt, als ich die fünf Schwerverletzten an Bord der „Elbe" nach Kiel geleitete! Der Wind hatte sich wieder gedreht, der Himmel war wieder gleichmäßig grau und der Regen stäubte ununterbrochen hernieder. Neben jedem der Aermsten saß ein Kamerad, er unterstützte liebevoll das todesbleiche Haupt oder kühlte die schrecklichen Wunden. — Einige von ihnen starken später noch im Lazareth.
Am zweiten Morgen nach dem Schreckenstage trat ein Landstreicher in mein Bureau, gab an. daß er unten in den Binsen des Strandes einen menschlichen Rumpf—g»funden habe und — beanspruchte eine Belohnung. —
Mit schwerem Herzen ging ich durch das Dorf hinab nach dem Gestade des sonnig blinkenden Hafens, um die traurigen Reste, wenn möglich, zu recoguosziren. Spielend plätscherden die Wellen zwischen den Binsen und Steinen, spielend rollten sie ein entsetzliches Etwas im flachen Wasser hin und her. —
Im Zipfel des zerrissenen Wollhemdes fand sich der Name „Heydorn" der Marine-Instruktion gemäß eingezeichnet.
Seine hinterlassenen kleinen Habseligkeiten lagen bei mir, nebst denen der anderen Gebliebenen, im Bureau, darunter ein Bild und Briefe von seiner ihm vor wenig Wochen angetrauten Frau. Und jetzt? Gott sei Dank, daß der armen Frau der letzte ewig in der Erinnerung bleibende Blick auf diese Reste versagt war!
Während der nächsten Tage spielten die Wogen noch hier einen Fuß und dort einen Arm ans Land, dann wurde Alles in einem Sarge und mit kriegerischen Ehren auf dem Friedhofe zu Kiek beerdigt. —
Die Torpedo -Detachements zu Wilhelmshaven, in Hamburg und in Sonderburg erlitten später ähnliche Verluste, gegen vierzig Opfer bluteten dem Vaterlande auch auf diesen Altären — aber „auf Vordermanns Leiche sprang der Hintermann!"
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