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groschen pro Exemplar durch Vermittelung jeder Reichs-Postaustalt bezogen werden kann.
4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich die Lage des Orts auf der Adresse noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe Hes Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen (»an der Oder", „an der Elbe", „am Rhein", „am Main" rc.), oder von Gebirgen („am Harz", „am Riesengebirge" 20.). Nicht minder sind zusätzliche Bezeichnungen, wie «in Thüringen", in der Altmark", „in der Lausitz" rc. für den Zweck geeignet.
5. Bei Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist auf der Adreffe außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Postanstalt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Adressaten bewirkt werden bz. die Abholung erfolgen soll.
6. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bz. der Laudestheil auf der Adreffe anzugeben.
Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an die Adressaten wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Jntereffe der Correspon- denten, die Adressen hiernach genau anzufertigen.
Kaiserliches General-Postamt.
Tagcsbcgcbenhciten.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. November. Nach Mittheilungen aus militärischen Kreisen hat der deutsche Kaiser anläßlich der von dem Kronprinzen in der Rheinpfalz bei der letzten Jnspection an dem 2. bayerischen Armeecorps gemachten Beobachtungen an den König Ludwig einen Privatbrief gerichtet, der sich über die Tüchtigkeit der bayerischen Truppen in der lobendsten Weise äußert und dem Könige für seine Bemühungen um die Stärkung der gesammten deutschen Wehrkraft feinen speciellen Dank ausspricht. Der Brief bildet eine erfreuliche Illustration xn-iwin DerhMrnß^zwischen München und Berlin, das überhaupt nach zeitweiligen Irrungen wieder ein durchaus unge trübtes ist.
— Am 2. Dezember wird in Schwerin ein Kriegerdenkmal enthüllt werden. Zur Theilnahme an dieser Feier werden der General der Infanterie Freiherr von der Tann aus München, der Marinemmister General von Stosch und viele höhere Offiziere daselbst erwartet.
— Der Kurfürst von Hessen soll nach einer Mittheilung des „Marb. Tagbl." lebensgefährlich erkrankt sein und in Ahnung des herannahenden Todes alle seine Kinder an sein Krankenlager berufen haben. Wie berichtet wird, leidet derselbe an marasmus senilis, in Folge dessen eine vollständige Störung der Verdauung, absolute Appetitlosigkeit und eine mehr und mehr sich steigernde Entkräftigung ein getreten ist.
Posen, 30.November. Die „PosenerZeitung"meldet authentisch, daß Graf Arnim den hiesigen Rechtsanwalt Dockhorn neben dem Rechtsanwalt Munckel zum Vertheidiger gewählt habe Dock- Horn hat bereits mit dem Grafen Arnim conferirt und reist heute wiederum nach Berlin.
Berlin, 28. November. Der Schlosserlehrling Schneider ist wegen des bekannten Raubmordversuchs an Schünemann vom Schwurgerichtshofe zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt worden.
München, 30. November. Zu der auf heute anberaumten Verhandlung gegen den Dr. eigl wegen verläumderischer Beleidigung des Fürsten Dismarck durch die Behauptung, das Kissinger Attentat sei nur eine Komödie gewesen, war der Angeschuldigte nicht erschienen. Der Gerichtshof erkannte daher ohne Zuziehung von Geschworenen und verurtheilte den Angeklagten in contumaciam zu einer Gefängnißstrafe von 10 Monaten. Der Staatsanwalt hatte 15 Monate beantragt.
Rußland.
Aus Centralasien kommt die Meldung von einem furcht« baren Blutbade, das die Teko-Turkmenen unter den auf russischem Gebiete sich befindenden Jomuden angerichtet haben. Man schreibt darüber der »Post" u. A. Folgendes: Vor einem Monat wurde
der von etwa 300 Jomuden bevölkerte Aul Daschly, 40 Werst von Krasnowodsk entfernt, durch eine große Schaar Turkmenen derAral- Tyk, welche am oberen Laufe des Atre Hausen, plötzlich überfallen. Nur die vier Söhne des Aul-Aeltesten, Chali-Saddar, konnten noch zu denMaffen greifen, um sich tapfer zu vertheidigen Die übrigen Männer des Aul, im Schlafe überrascht, wurden ohne Gegenwehr niedergemetzelt; ein gleiches Schicksal hatten die Weiber, welche sich weigerten, den Räubern zu folgen. Chali-Saddar rettete sich auf einem verwundeten Pferde nach Krasnowodsk, wo ihm sogleich Hülfe gewährt wurde. Eine Stunde nach seiner Ankunft rückten schon zwei Kompagnien Infanterie und 15 Kosaken aus, welche am Tage daranf im Aul anlangten. Hier waren die Räuber längst verschwunden. Der Aul bot einen schrecklichen Anblick dar. Alle Kibitkeu waren umgeworfen oder zerrissen, die Kasten und Koffer ausgeräumt; zwischen denselben lagen an achtzig Leichen von Männern und Frauen zwischen denen wenig Lebende in Jammer und Leid umherirrten. Man sah einen Greis mit der Leiche seiner Tochter, ein schönes, junges Mädchen lag sterbend mit zwei Schüssen in der Seite; ein kleines Kind ruhte auf der Brust seiner ermordeten Mutter. Nachdem die Verwundeten verbunden und alle so viel als möglich gelabt waren, kehrten die russischen Truppen zurück. Unterwegs begegneten ihnen an 80 Jomuden benachbarter Aule, welche die Räuber vergeblich verfolgt hatten. Dieselben hatten noch au 30 Leichen unglücklicher Männer und Frauen gefunden, welche zu schwach gewesen waren, den Tykingen zu folgen und von diesen niedergesäbelt waren.
Spanien.
Madrid, 26. November. Nach Meldungen, welche der Regierung unterm 26. d. zugegangen sind, herrscht unter den Führern der karlistischen Truppen im Norden vollständige Uneinigkeit. Dor- regaray soll die Uebernahme eines Kommandos abgelehnt haben und Santacruz wieder mit der Führung von zwei Bataillonen betraut worden sein. Don Carlos befindet sich in Tolosa (Provinz Guipuzcoa).
Feuilleton.
Erinnerungen eines Seewehrmannes aus dem letzten Kriege. *)
Von F. Meister.
Schwüle Julihitze lag über Berlin, als „der König rief und Alle, Alle kamen"; der selige Napoleon hatte die Kriegserklärung gegen die deutschen Gaue geschleudert und im Nu loderte die Begeisterung hell auf vom Fels bis zum Meer.
Am 26. Juli erhielt ich meine Einberufung zur Flagge: ich gehörte zur Seewehr.
Drei Tage später spazierte ich als „Blujack" nach langer Zeit wieder auf dem Deck Sr. Maj. Schiff „Barbarossa" in Kiel.
Das alte Schiff hatte sich seit den Jahren meiner ersten Dienstzeit nicht verändert. Vom Lande, aus der Wasserallee, gesehen, konnte es einem oberflächlichen Beobachter den Glauben beibringen, daß es ein ganz seetüchtiges Schiff sei, das nur wenig animirt zu werden brauche, um mit vollen Segeln in die Ostsee hinauszubrau- sen; doch das war eben nur Schein, schon längst saß sein Kiel fest und unbeweglich tief im Grunde, und zwar in einem Grunde, der sich wie ein Korallenfels immer höher und höher um das Schiff herlegte, gebildet von den Knochen und anderen substantiellen Abfällen, die seit Jahren aus der Kombüse kamen und über die Schiffsseite in den Hafen wanderten.
Wie vor Jahren tauchte der Bootsmann Kabelgarn alle Viertelstunden in blendend weißer Wäsche, mit mächtigen Vatermördern —Leesegel nannten sie die Matrosen —und glitzernder Uhrkette aus seiner Kammer hervor, ging strahlend wie ein Komet über der Backbord-Batterietreppe auf, zog langsam und majestätisch über das Quarterdeck und ging auf der Steuerbordseite wieder unter, angestaunt von den Fischern aus der Kassubei und von den Wasserpolacken, die, meistens als Matrosen vierter Klasse, einen ansehnlichen Bestandtheil S. M. Marine ausmachen.
Wie vor Jahren auch schritt zur Mittagszeit der wachthabende - Offizier mit offizieller Miene zur Kambüse, wo ihm der Koch, den böswillige Matrosen, „Smeerlapp" zu nennen pflegten,- auf einem irdenen Teller ein wenig Bouillon mit vielen Fettaugen, reizend garnirt mit Mohrrüben, Sellerie und grüner Petersilie, als Probe des Essens für die Mannschaft präsentirte. Der Lieutenant führte
*) Aus dem Sonntagsblatt des Berliner Tageblatts,