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Empfangszimmer des Bahnhofs sich eingefunden. Vor demselben halten sich die Angehörigen der hiesigen Kriegervereine, sowie von Vereinen der Nachbarschaft «Wehlheiden, Oberkaufungen rc.) aufge- gestellt, die es sich nicht hatten versagen wollen, ihren erlauchten Führer in ernster Zeit zu bewillkommnen. Der Kronprinz nahm diese Begrüßung sehr freundlich auf, inspicirte die ausgestellten Ver­eine und dankte in huldvollen Worten. Darauf fuhr Sc. kaiserliche Hoheit in die Stadt, woselbst sie in dem Palais abstiegen. Gleich nach erfolgtet Ankunft spielte die Musik des 83. Infanterie-Regi­ments vor dem Palais. Abends gegen 9 Uhr brachten die hiesigen Gesangvereine und die Angehörigen ver Turnerseuerwehr dem Kron­prinzen einen Fackelzug und Serenade, bei welcher letzterer sich eben­falls die Capelle der 83 r delheiligte.

Caisel, 25. November. Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz wohnte heute Morgen in Begleitung des Prinzen Heinrich, der bei­den Gouverneure der Prinzen, General von Gottberg und Dr. Hinz- peter, sowie des Directors des Gymnasiums, Dr. Vogt, einige Zeit in der Obersecunda einer Unterrichtsstunde des Ordinarius der Classe, Dr. Heußner, bei. Nach der Stunde ließ der Kronprinz sich sämmtliche Lehrer der Anstalt in der Aula verstellen, bei welcher Gelegenheit derselbe sich huldvollst mit jedem einzelnen unterhielt. Hierauf trugen die Schüler des Gymnasiums noch eine Gesangpiees vor, welche sehr beifällig ausgenommen wurde und nach welcher der Kronprinz die Anstalt wieder verließ.

Eassel, 27. Novbr. Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz besichtigten gestern Morgen den Neubau der Bildergallerie, begab sich alsdann in die Bildergallerie im Bellevueschloß und in's Museum und verließ um 1 Uhr 5 Minuten mit dem Hannoverschen Schnell­zuge wieder unsere Stadt. Er begibt sich zunächst nach der Göhrde zu den daselbst stattfindenden Hofjagden und kehrt dann nach Ber­lin zurück.

Eassel, 26. Nov. Heute Nachmittag sind zwei Compagnien von dem Bataillon des 32. Infanterie-Regiments, welches bisher in Meiningen garnisouirte, hier eingetroffen, um zunächst hier in Gar­nison zu bleiben.

Feuilleton.

Ans König Friedrichs Aeit.

Historische Skizze von L. Schubar.

(Schluß.)

Herr von Prittwitz hat seinen Zweck erreicht; es ist ihm gelun­gen, das Vertrauen des Schuldigen zu gewinnen, um ihn desto sicherer durch Ueberraschnug zu vernichten. Der Sergeant legt ein umfassendes Bekenntniß ab; er nennt die Häupter der Verschwö­rung, bezeichnet ihre Absichten, ihre Hilfsmittel und den nächstfol­genden Abend als den Zeitpunkt des Ausbruches des Complots. Vielleicht erblickte er in diesem Bekenntniß einen Hoffnungsschimmer für seine theuersten Wünsche, deren Erfüllung er sich noch vor we­nigen Minuten schon so nahe geglaubt!

Aber eine derartige Illusion, wenn er sich ihr hingegeben hätte, würde vor der grausamen Wirklichkeit nicht lange Stand gehalten haben. Er wurde sofort verhaftet, und nun traf Herr von Prittwitz rasch seine Maßregeln. Binnen wenigen Stunden hatte er aus den benachbarten Cantonnements in aller Stille ein Regiment Infanterie, zwei Schwadronen Husaren und eine leichte Batterie herangezogen. Die Quartiere der Husaren wurden umstellt, die sämmtliche Mann­schaft wurde gefangen genommen, und wer Widerstand leistete, nie- dergestoßen.

Bevor noch die Stunde des Ausbruchs der Revolte schlug, lag das Husaren-Regiment, mit Ausnahme der Offiziere, die von dem Complot keine Ahnung hatten, in Ketten und Banden. —

Die nun folgende Untersuchung des kecken Unternehmens ging verhältnißmäßig rasch von Stätten. Darauf füllte ein niedergesetztes Kriegsgericht die Urtheile, die hart genug ausfielen. Die Rädels­führer wurden gehängt, der je zwanzigste Mann der Schuldigen er- schossen, die minder Schuldigen mit Spießruthen-Laufeu oder Latten- Arrest bestraft. Alle Uebrigen wurden unter andere, verschiedene Regimenter gesteckt.

Der Hauptanstifter des Complots, der ehemalige kursächsische Beamte Weinrich, einer der thätigsten Spione im Solde von Fried­richs Feinden, flüchtete sich zwar noch rechtzeitig, wurde aber zwei Jahre später unter anderm Namen aus der Spionene ertappt und fand den Lohn seiner Dienste am Galgen.

Der Sergeant Woithuber wurde auf Verwendung des Herrn von Prittwitz vom Könige begnadigt und sühnte sein Vergehen in

den nächsten Schlachten durch hervorragenden Muth und durch Wun­der der Tapferkeit.

konfuse Leute»

Profestor Galetti war zwar in seiner Art großartig — er hat theilweise Unerreichbares geleistet auf dem Gebiet der confusen Re­densarten, der „Galettiai a"; aber er steht deswegen keineswegs isoUrt da. Vielmehr hat man öfter im Leben Gelegenheit, solchen liebenswürdigen Menschen zu begegnen, die mit der ernstesten Miene von der Welt die Lachmuskeln ihrer überraschten Umgebung ein über das andere Mal in vibrirende Bewegung zu bringen verstehen.

Wem hatte es nicht mit mir Vergnügen gemacht, wenn er da- beigestanden hätte, als der Dr. — nennen wir ihn bei seinem Spitz­namen Box —, als dieser Dr. Box, in mein väterliches Haus ein» tretend, mich in dem Hausflur Stehenden mit der einfachen Frage anredete: „Ist Ihr Herr Vater zu Haus?" — „„Bedaure, Herr Doctor, nein!"" „Nun," replicirte unser Doctor kaltblütig, „so will ich ihn nicht stören." Dann setzte er seinen Hut verkehrt auf, stolperte statt zur Hausthür zur Hofthür hinaus und grüßte — als er, seinen Fehler verbessernd, nochmals durch den Hausflur kam — auf das Freundlichste und völlig unbefangen. In der Schule erzählte uns der Herr Doctor einmal etwas von zwei römischen Feldherren, derren werthe Namen meinem Gedächtniß nicht mehr gegenwärtig sind. Bei dieser Gelegenheit versicherte uns unser ehienwerther Präceptor bestimmt: „Sie Beide (die Feldherren) standen an der Spitze keines Heeres."

Ein andermal erhielten wir zu unserm größten Vergnügen von dem Herrn Doktor die Betheuerung: „Von der Josephshöhe (im Harz) aus kann man Braunschweig nicht sehen; aber die — Richtung nach Braunschweig kann man sehen!"

Staune, lieber Leser, über diese „Kalauerei des Unbewußten!" Auch der Religionsunterricht hat manche Blüthe des höheren Blöd- sinns gezeitigt; so that der Herr Doktor folgenden tiefen Blick in das Jenseits: „Die Katholiken wissen nicht, ob sie 'selig geworden sind, wir aber —wissen es!!" Was wollen wir mehr! Aller Altka­tholicismus-Spektakel hat ein Ende: Hier bei uns, außerhalb der katholischen, ist die allein „seligmachende" Kirche! „Wir wissen es"! —

O, Box, Box!

Auf dem Gebiete der Logik pflegen solche unfreiwilligen Ko­miker gewöhnlich Erkleckliches zu leisten. So auch Dr. Box: „Ich habe die ArbeileN bei Lichte corrigirt — da war es dunkel." „Mein Heimathsort liegt von der Eisenbahnstation eine Stunde entfernt; man kann ihn von dort aus in drei Stunden erreichen." —

Aehnlich ein anderer Herr aus meiner Bekanntschaft, welcher in L. unweit Berlin sein unheimliches Coufusionsgeschäft betreibt.

Besonders in Gartenconcerten war es mir gestattet, eine Blü- thenlese des schönsten Unsinns aus dem Munde des Herrn v. F. zu: vernehmen. Er äußerte beim Eintritt einer Musikpause ernsthaft: „Jetzt kommt wieder chie dumme Pause, die ich nicht gern höre!" „Die Posaune ist gerade auf mein Ohr gerichtet, ich sehe gerade hinein." — „Mit dem Ohr?" war meine unwillkürliche Frage. Nachfolgender schöner Satz trifft ebenfalls in das Gebiet der Ver­wechslung unserer fünf Sinne: „Ich habe nie Veilchen so fdjön riechen hören — nein, sehen wollte ich sagen!"

Dieser Herr v. F. hatte die kostspielige Gewohnheit, seine Reit­pferde kaput zu reiten; er faßte aber auch das von seinem naiven Standpunkte auf und äußerte einst, allerdings zerstreut aber doch ernsthaft von seinem letzten Pferde, dessen Beine in Folge der Ue- beranstrengung angeschwollen waren: „Mein Pferd fütterte ich sehr gut: es hat schon ganz dicke Beine!" In das Gebiet des unentrüth- selbaren Blödsinns gehören folgende herrliche Sätze Herrn v. F.'s: „Er sprach zwar nichts, aber er Jagte sehr viel." Wenn Sie es sagen wollen, dann sagen Sie es; wenn Sie es aber missen wollen,, so fragen Sie mich nicht." „Er sang stumm ein Klagelied." „Ich höre, aber ich höre Nichts." „Da muffen Sie tiefer darüber nach­denken — dann finden Sie nichts." Und so noch vieles Andere. (B. T. Bl) B. v. I.

Vermischtes.

Hannover Als ant 24. d. M. früh gegen 8 Uhr etwa 140 Frauen und Mädchen in dem Füllsaale des Artillerie-Laboratoriums an der He^enstraße mit Patronenfertigung beschäftigt waren, erfolgte in dem Augenblicke, in welchem ein Soldat des 3. Garde-Regiments z. F. mit einem Fasse Pulver in den Arbeitsraum trat, eine Explo­sion, welche das Gebäude in Trümmer legte und von den anwesen-