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Der Sergeant war ein hübscher, adretter Soldat. In seinen schönen Gesichtszügen sprach sich jene sorglose Gemüthlichkeit aus, die den Bonvivant zu charaktirisen pflegt. Im Uebrigen war er ein noch junger Mann und ganz geschaffen, beim schönen Geschlecht sein Glück zu machen.

Herr von Prittwitz sah den hübschen Sergeanten einen Augen­blick schweigend an. Dann sagte er zu ihm mit wohlwollendem Tone:

„Tritt näher, mein Sohn! Ich habe Dich kommen laffen, um über eine Sache von Wichtigkeit mit Dir zu reden."

„Zu Befehl, Herr Oberst!"

„Man sagte mir, Du seiest verliebt; ein schmuckes, reiches Bür­germädchen im Orte soll Dir's angethan haben. Ist dem so?

Das Gesicht des jungen Mannes überzog sich plötzlich mit Scharlachröthe, während er lächelnd und schweigend zu Booen blickte.

„Nun", fuhr der Oberst mit gewinnender Leutseligkeit fort, „schäme Dich deshalb nicht; einem proppern Soldaten passirt der- glelchen wobl. Aber sage mir, wie stehst Du mit Deinem Schatz, — will sie Dich haben?"

„Ja, sie will wohl, Herr Oberst; aber ihr Vater, der will's nicht" —

„Aha! Da also sitzt der Hase im Pfeffer! Der Alte ist wohl ein reicher Mann?"

„Zu Befehl, Herr Oberst. Darum will er auch einen reichen Schwiegersohn haben; und da ich, außer meinem Tractament Nichts besitze . . ."

„Hast Du schon um das Mädchen bei ihm angehalten?" fragte Herr von Prittwch.

„Noch nicht. Aber ich bin meiner Sache gewiß, daß er mich nicht haben mag. Auch hat er seine Tochter bereits mit einem An­dern verlobt, der sie bald heimführen wird."

„So! Ist das gewiß?"

„Daß sie verlobt ist, ja. Daß aber ihr Bräutigam sie bald heiralhen soll, ist der Wille ihres Vaters, doch nicht der ihrige."

„Du zweifelst also daran, daß das Mädchen ihrem Vater ge­horsam sein wird."

Der Sergeant blickte verwirrt vor sich nieder und schwieg. Da trat der Oberst näher an ihn heran uns suchte durch den freund- lichen Ton seiner Worte das Vertrauen des jungen Mannes noch mehr zu gewinnen, indem er zu ihm sagte:

„Mein Sohn, ich interessire mich stets für meine Soldaten, wenn Sie, wie Du es bist, im Dienste pünktlich und adrett, und vor dem Feinde brav sind. Vielleicht gelingt es mir, Dein Glück zu machen. Der Vater Deines Mädchens ist mir bekannt; er giebt etwas für meine Fürsprache, und darum habe ich auch schon so halb und halb seine Einwilligung für Dich erlangt. Doch du sollst ihn selbst hören . . ."

Hiermit öffnete Herr von Prittwitz das Nebenzimmer und rief den Schmievemeister herbei. Der Sergeant stand wie versteinert da und traute kaum seinen Augen.

Nach kurzem Schweigen redete der Oberst den Meister mit den Worten an:

„Herr Gebhard, dieses ist der junge Mann, der Ihre Tochter liebt. Ich habe mit Ihnen bereits vom ihm gesprochen. Sie sagten mir, daß Sie geneigt sein würden, sich den Wünschen Ihrer Tochter zu fügen, wenn der Sergeant, der sie liebt, ein braver Mensch ist. 3lun, Meister, was dies betrifft, so glaube ich für den Sergeanten Woithuber bürgen zu können; ich hoffe daher, daß Sie seiner Be­werbung um die Hand Ihrer Tochter nicht länger entgegen sein werden."-

Meister Gebhard ist befangen und scheint um eine paffende Antwort verlegen zu sein. Entlich aber antwortet er auf eine Art, die dem besten Diplomaten hätte zur Ehre gereichen können:

„In derselben Voraussetzung, Herr Oberst", sagt er, „unter welcher Sie sich für den Sergeanten Woithuber interessiren, werde ich bemüht sein, Ihre Wünsche zu erfüllen. Einem braven Soldaten, dessen warmer Fürsprecher Sie sind, kann man die Zukunft seines Kindes wohl anvertrauen. Ich werde deshalb mit meiner Tochter die ich mit hierher gebracht habe, sogleich sprechen."

„Thun Sie das, mein lieber Meister", versetzt Herr von Pritt­witz, indem er auf seine Uhr blickt, mit verständnißvollem Kopfnicken.

Meister Gebhardt versteht die Pantomime und entfernt sich wieder durch die Thür des Nebenzimmers. Woithuber ist aber wie im Treume, sein Gesicht strahlt von Glück und Wonne.

In diesem Moment überbringt die an den Bürgermeister ab ge­sandte Ordonnanz das von demselben verlangte Antwortschreiben.

Der Oberst öffnet den Brief, blickt hinein, lieft und giebt sich das Aussehen großer Bestürzung. Der Sergeant glaubt, es handle sich um ein wichtiges Kriegsereigniß.

Nun tritt eine Pause tiefen Schweigens ein, während welcher Herr von Prittwitz, den Brief in der Hand, gedankenvoll im Zim­mer auf und ab geht.

Plötzlich bleibt er vor Woithuber stehen und ist wie umgewan- delt. Seine Augen sprühten Zorn und Vernichtung, und mit einer wahren Donnerstimme brüllte er dem Sergeanten zu:

„Unwürdiger! Ich hielt Dich für einen braven Soldaten — Du bist ein Hundsfott — Du verdienst den Galgen!"

Bei diesen Worten wird der Sergeant blaß wie der Tod. Seine Bestürzung ist grenzenlos, vergebens ringt er nach Fassung. Der Oberst aber läßt ihm nicht Zeit, sich zu sammeln, und fährt mit wüthender Geberde fort:

„Dieies Schreib-n des Bürgermeisters enthält den Beweis, daß Du ein Rebell, ein Verräther bist! Zehn von Deinen Mitverschwo- renen haben ihre Schuld bereits eingestanden. Unglücklicher, D u bist des Todes!"

Woithuber ist ganz betäubt und glaubt das Complot, dessen Mitschuldiger er ist, in der That entdeckt. Er verliert den Kopf, wirft sich dem Obersten zu Füßen und fleht um Gnade, mit dem Versprechen ein volles Geständniß abzulegen. (Schluß folgt.)

Vermischtes.

Koblenz, 19. November. (Verurtheilung eines Dia­mant en-Dieb es.) En mit dem Reinigen der Postwagen zu Bingerbrück beauftragter Arbeiter hatte sich am 17. d. vor dem hie­sigen Zuchtpolizeigericht gegen die Anklage zu verantworten, am 26. April d. J. einen rekommandirten, aber bezüglich des Werthmhalles nicht deklarirten Brief, enthaltend Brillanten im Werthe von 50,000 Franken, unterschlagen zu haben. Nachdem umfangreiche Recherchen angestellt, auch eine hohe Belohnung auf die Habhaftwerdung der Brillanten ausgesetzt worden, liefen dieselben, in ein Briefkouvert eingeschlossen, rekommandirt, aber jeder weiteren Nachricht entbeh­rend, gegen Schluß des Juni bei der kaiserl. Postdirection in Metz ein. Der Brief war vollständig frankirt in den Briefschalter zu Bin­gen geworfen worden. Die Handschrift der Adresse wurde jedoch als die des Beklagten erkannt und derselbe in Haft genommen. Bei der Verhandlung gestand derselbe ein, die Diamanten beim Ver­brennen der Papierabfälle im Ofen gefunden zu haben und dieselben, um nicht sich oder einen seiner Mitangestellten in Ungelegenen zu bringen, in der angegebenen Weise an die kaiserl. Postdirection in Metz eingesendet zu haben. In Anbetracht seines guten Leumunds und der bereits mehrerer Monate dauernden Untersuchungnhasl wurde der Angeklagte zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilt.

Tilsit, 20. November. Heute früh explodirte in der Sarfaß- schen Dampfschneidemühle ein Dampfkessel. Das Kesselhaus ist voll­ständig zerstört. Der Kessel wurde 200 Schritt weit in den Memel- ,ström auf ein Holzstoß geworfen. Ein Arbeiter blieb todt, fünf wur­den schwer verwundet.

Ein Mörder verhaftet. Der Mörder, welcher vor einiger Zeit einen Unbekannten unfern von Wiche im Walde erschlagen hatte, und dessen Spur ganz verloren zu sein schien, ist doch jetzt entdeckt worden. Es ist ein verrufener Fleischerbursche aus der nächsten Umgegend von Wiche. Derselbe war in dem Dorfe Neins­dorf bei Ariern mit dem unbekannten Erschlagenen am Tage der Mordthat bei einem Fleischer eingekehrt. Der Sohn dieses Fleischers kommt vor einigen Tagen nach Berlin, erkennt hier auf's Genaueste den Mörder und macht bei der Polizei die Anzeige. Der Mörder, bei welchem man auch die geraubten Kleidungsstücke.des Erschlage­nen vorgefunden hat, ist verhaftet worden und wird in diesen Tagen zur gerichtlichen Untersuchung nach Wiche eingeliefert werden.

Eine heitere Standesamts-Scene. Auf dem Standes­amte zu S. in Pr. Holland spielte sich kürzlich folgende heitere Scene ab. Es erschien daselbst ein Knecht behufs Bestellung des Aufge­bots und halte, bamit seine Braut die erforderlichen Angaben selbst mache, dieselbe auch mitgenommen. Während nun der Herr Stan­desbeamte die Schreibmaterialien hervorsucht, tritt noch ein zweites junges Mädchen ins Zimmer, stellte sich auch als Braut des Knech­tes vor und begehrt tue Eintragung ihres Namens. Den sich ent­spinnenden Disput unterbricht endlich der Beamte durch die Frage: Welche von den beiden soll ich denn nun einschreiben? Erwartungs­volle bange Pause. — „I, wenn ich mir die Sache recht bedeute," sagt unser Held, „dann heirathe ich — keine", und war im Nu zur Thüre hinaus, die verblüfften Heiraths-Kandidatinnen zurücklassend.

London, 20. November. Die Maschinenfabriken und dieNhe- der am Clyde haben die Arbeitslöhne von 5 und 10 pCt. herabge­setzt. — Eine schreckliche Explosion Hat in dem Kohlenbergwerk Waa­ren Vale stattgefunden, wobei 23 Menschen gelobtet uns 4 schwer verletzt worden finb..