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für die

Krem tzcrsr'eld und Hünfeld.

JW SO ^trifeU, Mittwoch den 11. November 1874.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal', Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 10 Sgr. pro Quartal be den PostanstaltP kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet

Amtliches.

Kreis Hersseld.

"" Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welchen heute Rekruten-Ordres zugeiandt worden sind, haben dieselben als­bald den betreffenden Militairpflichtigen ihrer Gemeinden auszu- händigen und die von den rc. Militairpflichtigen zu unterschreibenden, gleichfalls mitgetheilten Empfangsbescheinigungen binnen 3 Ta­gen an mich zurückzusenden.,

Hersfeld, am 10. November 1874.

Der Königliche Landrath Auffarth.

Kreis Hünfeld.

Hünfeld, am 7. November 1874.

Die Herrn Bürgermeister haben die heute übersandten Militair- ordres alsbald zu behändigen und die denselben angehefteten Empfangsbescheinigungen nach Unterzeichnung von den betreffenden Militairpflichtigen sofort wieder anher einzusenden.

Der Königliche Landrath Götz.

Hünfeld, am 5. November 1874.

Zugelaufen: Ein Hund. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Golthards.

Der Königliche Landrath Götz.

Tagesbegebenheiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November. Der Kaiser hat sich neulich, als er die drei Präsidenten des Reichstags empfing, in eingehendster Weise mit denselben über die legislatorischen Aufgaben unterhalten, welche der Reichstag in dieser Session zu lösen hat. Namentlich sprach der Kaiser vom Bankgesetze als einer Borlage, welche nach allen Seiten hin Schwierigkeiten begegne. Er ging bei dieser Gelegenheit auf eine spezielle Erörterung der einzelnen Abschnitte ein und citirte Ziffern, die von einem genauen Studium der Materie Zeugniß ablegten. Der Monarch berief sich bei dieser Gelegenheit auf den eingehenden Bortrag des Reichskanzleramtspräsidenten Delbrück und äußerte dabei, daß er sich auf die Richtigkeit der Angaben Delbrücks verlassen könne. Die militärischen Vorlagen berührte der Kaiser nicht in seiner Unterhaltung. Er gedachte des gesicherten Friedens als einer Folge der Vertrauensstellung, welche seine Regierung gegen­über den mächtigen Monarchien in Europa einnimmt und erwähnte namentlich die intimen Beziehungen, welche uns an Rußland knüpfen. In Abgeordnetenkreisen hat insbesondere die genaue Citation der Ziffern des Bankgesetzentwurfes einen erfreulichen Eindruck gemacht. Es konstatirte dies von Neuem, daß der Kaiser trotz seiner vielfachen Regierungsgeschäfte und seines hohen Alters die Gesetzesvorlagen einer sorgfältigen Prüfung unterzieht. Man erinnerte sich bei dieser Gelegenheit des Umstandes, daß in der vorjährigen Session des Abgeordnetenhauses ein Regierungskommissar vertraulich mittheilte, der König habe einen ihm vom Staatsministerium unterbreiteten, über 100 Paragraphen umfassenden Gesetz-Entwurf mit durchgehends

eigenhändigen Randbemerkungen versehen. Eine dieser Bemerkungen lautete dahin, daß es sich an der betreffenden Stelle wohl um einen Schreibfehler handeln dürfte. In der That war dem auch so, und daß der Kaiser sich gern auf den Vortrag seiner Räthe beruft, ist in Hofkreisen wohl bekannt. So erzählt man, daß er gegenüber einer diplomatischen Persönlichkeit, die vor Kurzem eine Audienz bei ihm hatte, des Reichskanzlers mit den Worten gedachte:Was Fürst Bismarck vorausgesagt, ist stets eingetroffen." (B. Tgbl)

Berlin, 8. Nov. Der Kaiser reist mit den königlichen Prinzen Donnerstag zur Abhaltung der Hofjagd nach Letzlingen

Der Verkehr auf dem Rheine droht demnächst gänzlich still zu stehen. . Der Wasserstand ist so niedrig, daß auch die Köln- Düffeldorfer Dampfschifffahrt sich gezwungen gesehen hat, die plan­mäßigen Fahrten auf der ganzen Rheinstrecks einzustellen. So lange die Dampfschifffahrt auf dem Rheine existirt, wissen wir uns, schreibt dieKobl. Ztg.", keiner Zeit zu erinnern, in welcher die Fahrten von hier abwärts durch niedrigen Wasserstand haben unterbrochen werden müssen.

Der durch den Prozeß Kullmann allgemein bekannt gewordene katholische Pfarrer Stöhrmann in Salzwedel ist am gestrigen Sonntag in Folge einer Halsentzündung und hinzugetretenen Blut­vergiftung gestorben. DieGermania" nennt ihn buchstäblichein beklagenswerthes Opfer des schändlichsten Kulturkampfes."

Cassel, 5. November. Seitens des Landrathsamtes in Mar­burg ist die Aus Weisung des abgesetzten Pfarrers Schedtler aus dem Kreise Marburg auf Grund des §. 1 des Gesetzes vom 4. Mai 1874 beantragt worden. Ein definitiver Beschluß hierüber wurde indessen bis jetzt noch nicht gefaßt. Man hofft, daß mit der Entfernung Schedtlers aus dem von Vilmarianern gänzlich unter- wühlten Dreihausen endlich dort die Ruhe hergestellt werden wird.

(H. M. Z.)

Frankreich.

Paris, 6. Nov. Nachrichten aus Jrun von heute zufolge be nutzten die Carlisten bei der Beschießung mit Petroleum gefüllt« Bomben. Die Forts erwidern das Feuer der Angreifer lebhaft.

Paris, 9. November. Der spanische Botschafter fordert du JnternirUng von Don Carlos und bezeichnet ganz bestimmt dessen augenblicklichen Aufenthalt, wo er andauernd von spanischen Regie­rungsagenten überwacht wird.

Spanien.

Madrid, 8. November. Die Regierung erhielt eine Mitthei lung, daß Don Carlos seit gestern Abend auf französischem Gebiet weile; die Veranlassung ist unbekannt.

Bayonne, 9. Nov. Die Carlisten haben das Feuer aufJrun nicht fortgesetzt. Zwischen dem karlistischen General Alleo und dem General Loma, der mit 6000 Mann zum Entsatze vop Jrun heran- marschirte, hat ein Zusammenstoß stattgefunden.

Madrid, 7. Nov. Nach dem unglücklichen Treffen bei Villa- franca-del-Cid, worin die Carlisten 40 Todte und 260 Verwundete verloren, haben dieselben ihre Streitkräfte in Arragonien getheilt. Die Regierungstruppen zerstörten eine Patronen-Fabrik und Tele­graphenleitungen und erbeuteten 25,000 Remington-Patronen. Der Oberstlieutenant Navarra schlug bei Amposta eine Carlistenabthei- lung, wobei letztere 68 Todte und 36 Gefangene verlor.

Santa n der, 6. Nov. Gestern und heute ist die Avantgarde unter Blanco und das Corps unter Loma's Befehl, 14,000 Mann stark, von Cinicero und Milana mit der Eisenbahn hier eingetroffen und sofort nach San Sebastian eingeschifft worven; Laserne und der Generalstab werden heute Abestd erwartet. Die ganze Dislokation