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Vermischtes.
Dessau, 6. Oktober. Die verflossene Nacht war stumme Zeugin eines schauerlichen Verbrechens. In dem Forstreviere Vockerove bei Wörlitz war schon längere Zeit hindurch ein verdächtiges Treiben von Wilddieben bemerkt worden. Der Waldwärter Kübz unternahm deshalb in der letzten Nacht eine Patrouille durch das Revier und bemerkte auch balv, wie zwei Kerle in einem kleinen Kahne vom jenseitigen Ufer der Elbe sich dem Revier näherten. Der Forstschutz- beamte hielt es für nothwendig, dem Nevierförster Schlüter in Bok- kerode vom Auftreten der Wilddiebe Meldung zu machen. Beide begaben sich sofort an Ort und Stelle und sogen den Gendarmeriewachtmeister Jungmann in Dessau, der zufällig in Vockerode anwesend war, hinzu. Nach längerem Suchen, das Verdächtiges nicht bemerken ließ, wollten die drei Beamten das Revier soeben verlassen, als selbige plötzlich von zwei Subjecten überfallen wurden. Es gelang einem derselben, dem Waldwärter das Seitengewehr zu ent
reißen und dem Revierförster Schlüter einen Stich in die Brust bei- zubringen. Der andere derselben stürzte sich auf den Wachtmeister Jungmann, entriß ihm den Säbel und nun entspann sich ein fürchterlicher Kampf, der mit einer sehr schweren Verstümmelung des Wachtmeisters geendigt hat. Derselbe hat außer schweren Verletzungen am Hinterkopf Stiche im Gesicht und in die Hand davongetra- gen. Nachdem die Mördersihre Opfer kampfunfähig gemacht, schleppten sie selbige an das Ufer der Elbe, um sie zu ertränken. Der sehr niedrige Wasserstand der Elbe verhinderte jedoch die Absicht. Einige Augenblicke später wurden die Opfer bewußtlos aufgefunden und sofort nach dem Dorfe geschafft, wo ihnen die möglichste Pflege zu Theil wurde. Der Kampfplatz zeigte heute früh eine Blutlache, die furchtbar anzuschauen war. Bereits im Laufe des heutigen Tages sind zwei verdächtige Subjecte in Aken verhaftet, von denen einer eine ebenfalls schwere Wunde am Hinterkopf hatte. Der Zustand der beiden schwer verletzten Beamten war heute Abend ein hoffnungsloser. Der Waldwärter ist ebenfalls verwundet. Die Untersuchung ist im Gange.
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Rotenburg, 10. October 1874.
Königliches Kreisgericht, Abtheilung I.
Gleim.
vt. Erb. Hessische Morgen-Zeitung
Nr. 6319 — 17. Oct. 1874.
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