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Hünfeld, am 7. October 1874.
Diejenigen Herrn Ortsvorstände, weiche die Liquidationen über die im Laufe d. I. in ihren resp. Gemeinden einquartirt gewesenen Truppentheile verabreichte Marschfourage noch nicht eingereicht haben, worden aufgefordert, die betreffenden Liquidationen nebst den Belegen bis zum 15. d. Mts. dahier vorzulegen.
Der Königliche Landrath G ö tz.
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Tagesbegebenheiten.
Deutsches Reich.
Berlin', 7 Oktober. In Sachen der Verhaftung des Grafen Arnim bringt die „Norddeutsche A. Z." von gestern Abend folgende Auslastung: „Gegenüber den Auslegungen, welche einige Berliner -Zeitungen, insbesondere die „Neue Preußische," den gegen den Grafen Harrp Arnim ergriffenen Maßregeln geben, erscheint es geboten, das wirkliche Sachverhältniß, soweit dies möglich ist, ohne dem Gange der Justiz vorzugreifen, kurz mitzutheilen. Nach dem Eintreffen des Fürsten Hohenlohe, des Nachfolgers des Grafen Arnim in Paris, zeigte sich sofort, daß das politische Archiv der Botschaft unvollständig war; bei genauer Revision ergab sich, daß eine große Anzahl Aktenstücke von hervorragender politischer Wichtigkeit nicht aufzufinden waren. Graf Arnim ließ, auf wiederholtes Mahnen, durch einen Dritten zunächst einen geringen Theil dieser Schriften dem Auswärtigen Amte wieder zustellen; vom Verbleib des größeren Theils der übrigen leugnete er überhaupt etwas zu wissen, und erklärte von anderen, er betrachte sie als sein Privatergenthum. Den Hauptbestandtheil der entfremdeten Aktenstücke behielt Graf Arnim somit zurück und verweigerte den Aufforderungen des Auswärtigen Amtes auf Rückgabe jede Beachtung. Bei dieser Sachlage blieb nichts übrig, als die Hülfe des Gerichts in Anspruch zu nehmen, welches auf Grund-des vorliegenden Materials die Kriminaluntersuchung beschloß. Haussuchung und vorläufige Festnahme waren die natürliche Folge. Von den in der „Kreuzzeilung" erwähnten „Privat- briefen", insbesondere solchen, welche „zivilrechtliche Ansprüche begründen sollten", ist bei der Haussuchung niemals die Rede gewesen."
— Eine erfreuliche Erscheinung für die sittlichen Zustände Berlins ist schon, wie die „Post,, meldet, in den wenigen Tagen seit dem Inkrafttreten des Civilehegesetzes von mehreren Standesbeamten beobachtet worden. Paare, welche seit längerer Zeit im Concubinat leben, melden sich jetzt auf den Standesämtern, um ihre Eheschließung zu veranlassen und ihre Kinder zu legalisiren. Die Gründe für diese Erscheinung sind leicht erkennbar; theils schreckte diese Leute bisher der Kostenpunkt vor der Eingehung einer Ehe zurück, größ- tentheils aber fürchteten dieselben, von dem Geistlichen, an den sie sich hätten wenden müssen, für ihr bisheriges Verhalten getadelt zu werden, oder bei der Trauung gewiste Demüthigungen, z. B in der Kranzfrage, zu erdulden. Jetzt, wo die Eheschließungen kostenfrei und in amtlicher Geschäftsform vollzogen werden, dringen besonders die Frauen darauf, daß sie selbst Ehefrauen, ihre Kinder eheliche Kinder werden. Aus diesen Gründen erklärt es sich auch, daß die Standesbeamten, trotz der maffenhaften kirchlichen Trauungen in den letzten Tagen des September, doch schon in den ersten drei Tagen ihres Bestehens mehrere hundert Aufgebote, also weit mehr, als man nach den statistischen Berechnungen erwarten durfte, veranlaßt haben.
— Die Rittergutsbesitzer des vormaligen Kurfürstenthums Hessen haben dieser Tage zu Kastei eine allgemeine Versammlung abgehalten, um über die Bildung selbststündiger Gutsbezirke resp, das Ausscheiden der Rüttergüter aus den Gemeindeverbänden zu berathen. Ein bestimmter Beschluß scheint indessen nicht zu Stande gekommen zu sein.
— Dem sozial-demokratischen Reichstagsabgeordneten Reimer ist in Wandsbeck eine kuriose Geschichte passirt. Er hatte daselbst eine Volksversammlung einberufen, welche in einer Petition die Entlastung Hasenclever's aus seiner Haft vom Reichstage verlangen sollte. Kaum hatte er aber die beiläufige Mittheilung gemacht, daß er die Kosten der Versammlung zu tragen habe und deshalb den Anwesenden anheimgebe, eine Sammlung zur Deckung derselben zu veranstalten, so löste der Bürgermeister die Versammlung auf und erklärte die Aufforderung 9leimer§ für „Bettelei", da er das Geld nur für sich sammele, ihn selbst aber für einen „Vagabunden", sintemal er ohne festen Wohnsitz im Lande herumreise. Und Reimer wurde richtig eingesperrt, am nächsten Tage aber vom Amtsrichter freigesprochen und entlasten. Man kann sich denken, wie nun die sozial-demokratische Presse über den Wandsbecker Bürgermeister herfällt.
— Die religiösen Tendenzblätter im Nassauischen bieten ihren Lehrern mitunter eine sehr seltsame geistige Speise. So erzählt
z. B. das „Evangelische Sonntagsblatt für Nastau" in seiner neuesten Nummer, daß in einem Dorfe zwischen Würzburg und Aschaffenburg der Blitz einen Schneider erschlug, weil derselbe am Sonntag arbeitete, anstatt in die Kirche zu gehen. Die Nadel war dem Unglücklichen tief ins Kinn eingedrungen, die beiden Theile der Scheere waren zusamengeschmolzen, natürlich blos, um das chöhere Strafgericht zu veranschaulichen.
München, 7. Oktober. Der „Volksfreund" meldet: Die Königin-Mutter weilt seit mehreren Wochen in Elbingeralp bei Neutte. Von dem dortigen Vikar erhielt dieselbe den letzten Unterricht in der katholischen Religion, und heute dürste die Ablegung des katholischen Glaubensbekenntnisses bereits erfolgt sein, nachdem die Königin schon vor acht Tagen dem hiesigen lutherischen Konsistorium ihren Austritt aus der protestantischen Gemeinde erklärt hat. Das Sakrament der Firmung wird der Königin-Mutter vom Bischof von Augsburg, in dessen Diözese Hohenschwangau liegt, gespendet werden.
— In Niederbaiern vergnügen sich die Bauern wieder mit Raufen und gegenseitigen Abschlachten. Bei einer einzigen Rauferei in den Oeden wurden gleich 10 Burschen lebensgefährlich durch Messerstiche verletzt.
Oesterreich.
Wien, 7. Oktbr. Die Kinder des deutschen Kronprinzen, Prinz Waldemar und die Prinzessinnen Charlotte und Viktoria, sind in Begleitung der Gräfin Reventlow von Austee hier eingetroffen und werden hier für einige Tage Aufenthalt nehmen.
Italien.
Rom, 7. October. Die „Agenzia Stesani" meldet, der „Orenoque" habe Befehl erhalten, sich zur Abfahrt von Civita- Vechia bereit zu halten und solle, dem Vernehmen nach, heute Abend noch feine Fahrt antreten. Die Bemannung des Schiffs sei angewiesen, ihre Privatangelegenheiten zu ordnen und werde derselben ein Urlaub zum Besuche Roms nicht mehr ertheilt.
Spanien.
Madrid, 6. October. Die Karlisten haben 38 Bataillone und 15 Geschütz e in la Guardia und Umgegend konzentrirt. Eine kar- listische Abtheilung unter Madrazo ist von dem General Reina geschlagen und zerstreut worden.
— Ueber neue karlistische Grausamkeiten bringt der Pariser Berichterstatter der „Times" briefliche Mittheilungen eines Engländers, der seit 25 Jähren Land und Leute kennt. Derselbe schildert die letztmonatlichen Raubzüge der Karlisten und schreibt u. A.: In einigen der Dörfer, durch welche sie passirten, wie in Carles z. B., wurden die Einwohner, welche den ungebetenen Besuchern durch die Flucht zu entrinnen dachten, wie die Hunde niedergeschosten. Diese Akte des Vandalismus, welche von Karlisten oder von Banden, welche unter karlistischer Fahne morden und plündern, fortwährend verübt werden, erregen allenthalben die tiefste Entrüstung, die noch vermehrt wird dadurch, daß die Karlisten mit frecher Stirne ihren Gegnern alle möglichen Schandthaten aufzubürden suchen. Noch heute befinden sich im Schlöffe Montesquin bei Barcelona 52 Offiziere und 384 Mann Gefangene, welche dort halbverhungert und von Allem entblößt, die elendeste Behandlung zu ertragen haben. Die Zahl der einzelnen Fälle barbarischer Behandlung und brutaler Morde ist ohne Ende. Es scheint unmöglich, bemerkt der englische Gewährsmann zum Schlüsse, daß die wirkliche Lage der Dinge in mehreren spanischen Provinzen im gegenwärtigen Augenblick in weiteren Kreisen außerhalb Spaniens bekannt ist, denn wenn sie bekannt wäre, so würde sich sicher ganz Europa voll Unwillen erheben, um dem Unwesen zu steuern.
Wie ein Madrider Telegramm stieldet, ist der Karlistenführer Tristany an der Lungenschwindsucht gestorben.
Feuilleton.
Zwei hörten nach der Residenz.
Erzählung von Carl August.
(Schluß)
Als ich an diesem Tage in der Nähe des Dorfes angekommen war, fühlte ich mein Herz so bange schlagen, daß ich unmöglich so vor sie hintreten konnte. Ich schlug darum den Weg nach der Ruine ein, wo ich mich als Knabe mit ihr oft fröhlich im Spiele getummelt, wo die Luft kühler weht, als im dumpfen Thale: ich mollte
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