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gebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen, was hierdurch ver- öffentlicht wird.

Der Königliche Landrath Götz.

Tagesbegebenheiten.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Septbr. Ueber den Zeitpunkt der Neichstagser- öffnung laufen noch verschiedene Angaben um. Während die Einen sagen, sie werde nicht vor den letzten Tagen des Oktober stattfinden und als Grund des Aufschubs die Unfertigkert der baulichen Ver­hältnisse des Reichstagsgebäudes bezeichnen, versichern die Andern mit der größten Bestimmtheit, der Reichstag werde Sonntag, den 18. Oktober eröffnet werden und am Tage darauf seine Session be­ginnen. Die Letzteren glauben auch zu missen, daß Fürst Msmarck den Eröffnungsact im Auftrage des Kaisers vollziehen, dann aber noch auf einige Wochen aufs Land gehen werde. An Arbeit wird es dem Reichstage diesmal wohl nicht fehlen, da die vom Bundes­rath durchberathenen Justizorganisationsgesetze sofort vorgelegt wer­den können.

— Der Präsident des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, Hasenclever, hat, wie bekannt, kürzlich eine längere rechtskräftig wider ihn erkannte Freiheitsstrafe angeirtten, beabsichtigt indeß beim Reichs­tage seine Entlastung aus der Haft für die Dauer der Session zu beantragen. Es ist nicht zweifelhaft, daß der Reichstag, wie im vorigen Jahre im Falle des Abgeordneten Bebel, so auch diesmal den Entlaffungsantrag ablehnen wird, da derselbe im Widerspruch mit der Reichsverfassung steht, welche nur eine Suspendirung der Untersuchungshaft, nicht aber der rechtskräftig gewordenen Strafhaft für die Zeit der Reichstagssession zuläßt

— Wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck wurde dieser Tage vom Kreisgericht in Gnesen der dortige Schänker Gajewsk zu einem Monat Gefängniß verurtheilt

Berlin, 2. Oktober. Einem Briefe vom Bord der Corvette „Augusta", Commandant Corv.-Capt. Freiherr v. d. Golz, datirt Bahia, im Juni 1874, entnehmen wir die folgenden Mittheilungen über die Schicksale ausgewanderter deutscher Reichsangehörigen in Brasilien:

Es ist seiner Zeit nicht unbekannt geblieben, daß die Agenten und Commissionaire der brasilianischen Seelenverkäufer Egaz, Muniz, Baretto, d'Arragao und Genosten speciell in Norddeutschland Alles auf boten, um den unter der ungebildeten Landbevölkerung nie ganz schlummernden Trieb zur Auswanderung nach „freieren glücklichern Ländern" zu Hellen Flammen anzuschüren, und daß es ihnen auch gelang, unter Versprechungen und Verheißungen der verführerischsten Art eine nicht geringe Anzahl unserer bethörten Landslente, die sich leider von Niemand eines Bessern belehren ließen, über den Ocean zu locken. Die genannte ehrenwerthe Firma ging mit der Absicht um, im Innern des bekanntlich noch recht wüsten und verwahrlosten Kaiserreichs einige Kolonien zu gründen, und hatte hierzu von der Regierung, der Alles recht mundgerecht vorgelegt wurde, nicht nur den Consens, sondern auch — und hierum handelte e» sich natürlich hauptsächlich — eine Prämie pro Kopf der herbeizuschaffenden Kolo­nisten zugesichert erhalten. — Areal, auf dem neue Niederlassungen entstehen können, ist in Brasilien mehr als zuviel vorhanden, die Namen der künftigen Ortschaften waren auch bald gefunden, und nach kurzer Zeit befanden sich ca. 1800 Deutsche, Männer, Weiber und Kinder, auf dem Wege durch die brasilianischen Wüsteneien nach den Kolonien Muniz, Leopoldina und Theodore. Was diese Betrogenen dort vorfanden, kann man sich denken: wenig mehr als Himmel und Erde- Es begann für sie ein Leben voll unsäglicher Mühen, unter Hunger und Durst und Entbehrungen jeder erdenklichen Art. Der fast absolute Mangel an Allem, was zur Fristung der Existens gehört, erzeugte bald genug Krankheiten und Seuchen, und von den 1800 Menschen starken in 1$ Jahren 738! Wer es nur irgend möglich machen konnte, verließ die Kolonien und kam hierher nach Bahia, und so haben wir gegenwärtig täglich den erschütternden, ja demü­thigenden Anblick, einige 100 deutsche Landsleute halb verkommen in den Straßen herumlungern zu sehen. Die Männer ernähren sich durch Bettelei und solche kleine Arbeiten, wie sie ihnen die Konkurrenz der Neger übrig läßt, und die Frauen und Mädchen durch Feilhal- tung ihrer selbst unter den Schwarzen und Farbigen! In den Kolo­nien befinden sich noch ungefähr 250 Selen, die außer Stande sind, nach Bahia zurückzukehren und von denen auch anzunehmen ist, daß sie mit Gewalt zurückgehalten werden. Das Elend der deutschen Ansiedler ist der brasilianischen Regierung nicht verborgen geblieben, und sucht sie dasselbe dadurch zu mildern, daß sie solche Kolonisten, die nachdem Lüden zu gehen beabsichtigen, wo das Loos .der deutschen Eingewanderten verhältnißmäßig ein recht gutes ist, auf Staatskosten

dahin befördern läßt. Auf diese Weise sowohl wie auch durch die öffentliche Wohlthätigkeit, die für Viele das Geld zur Rückreise durch Sammlungen 2C. aufbrachte, sind bis jetzt ungefähr 550 Menschen aus Bahia geschafft worden, nach ungefährer Schätzung aber belauft sich die Zahl der hier schütz- und hülflos Umherschweifenden immer noch auf 230 Köpfe, die trotz ihrer jammervollen Lage hier noch bester daran sind wie in den Kolonien, da sie hier wenigstens ihr Leben zu fristen vermögen. Wenn auch anzunehmen ist, daß viele von ihnen faul und arbeitsscheu sind, so wäre es doch wirklich un­möglich, den Besseren Arbeit zu verschaffen, da ihnen sofort von den Negern, die für einen ganz winzigen Lohn arbeiten können, der Rang abgelaufen würde. Was hier aber zum Leben gehört, davon mögen folgende, hier übliche, Preissätze einen Begriff geben: Das Pfund Brod kostet 5 Sgr. preußisch, Kartoffeln pro Pfund 5 Sgr., Schweine­fleisch 8 Sgr., Hammelfleisch 10 Sgr., Butter 29 Sgr., Milch pro littet 20 Sgr. und 1 Flasche Bier 20 Sgr. — Die sich hier aufhal­tenden, noch immer vergeblich die Rückkehr in die Heimath erstre­benden, von Muniz, Theodore und Leopoldina zurückgekommenen Leute sind beinahe alle im Kreise Pr. Stargardt zu Hause und ver­stehen fast nichts als Polnisch. Sie wissen nicht anzugeben, wer von ihren Unglücksgefährten gestorben und verdorben ist, da von der Führung von Sterberegistern in den Kolonien nicht die Rede war, ebensowenig ist die Ergänzung ihrer Zahl durch Geburten zu con- statiren."

— Nachdem für Meiningen der neue Stadtbauplan durch alle Instanzen genehmigt, hat vorgestern auch die Expropriation der Brandstätten, welche 570 Ar. umfassen, zu einer befriedigenden Ver­handlung geführt. Die Taxatoren sind gewählt und gleichzeitig wurde beschlossen, daß zur Beschleunigung des Wiederaufbaues auch noch vor Feststellung der auszuzahlenden Entschädigungs-Summe die neuen Baustätten an die Bauunternehmer überwiesen werden können. An Unterstützungen waren bis gestern 282,994 fl. eingegangen.

— Eine Frau in Heppens im Oldenburgischen, deren Gatte im letzten Kriege verschollen war, hatte sich, wie man der „Volks-Ztg." schreibt, nach der gerichtlichen Todeserklärung ihres Mannes wieder veryeiralhet. Vor einigen Tagen erhielt sie von London ans einen mit 20 Thlrn. beschwerten Brief, in welchem ihr todt geglanbter Mann schreibt, daß er 1870 in französische Gefangenschaft gerathen und nach Algier geschleppt worden sei, jetzt aber zurückkehren werde. Der Schrecken der vermeintlichen Wittwe und ihres zweiten Gatten über diesen angekündigten Besuch aus dem Schattenreich läßt sich wohl denken. Gleichwohl kann die Gültigkeit der zweiten Ehe nicht augefochten werden, da die erste durch die Todeserklärung des Man­nes rechtlich ihr Ende gefunden hat.

Spanien.

St. Jean de Luz, 28. Septbr. Seid einiger Zeit geht die Rede, der unheimliche, durch seine Mordthaten berüchtigte Pfarrer Santa Cruz sei wieder auf spanischem Boden und beabsichtige eine neue Bande zu bilden. Sein Versteck soll sich in Cibour befinden, einige Schritte von St. Jean de Luz entfernt. Eine vornehme fran­zösische Dame beherbergt ihn und erzählt, er werde nächstens einen Sturm aus Jrun leiten, für den 22 Kanonen bereits beschafft seien. Diese letztere Angabe klingt sehr mythisch. Der Berichterstatter der „Köln. Ztg." bemerkt dazu: Für die französische Regierung sollte aber der blutdürstige Unmensch etwas mehr sein, als ein Mythus. Warum wissen die hiesigen Behörden nicht, was alle Welt weiß? Diesen eben so gefährlichen wie persönlich feigen Fanatiker unschäd­lich zu machen, ist schon im Interesse der Menschlichkeit geboten, von allen Neutralitätspflichten abgesehen. — Das Leibblatt von Don Carlos, der „Cuartel Real" schreibt: „Man sagt die republi­kanische Armee sei demoralisirt und habe kein Verlangen, sich zu schlagen. Aber die Wahrheit ist, daß, wenn die Gelegenheit kommt, die republikanische Armee sich doch schlägt, und diese Eigenschaft, die bei bestimmten Gelegenheiten eine Tugend ist, macht unter den jetzi­gen Verhältnissen das Heer zum Verbrecher und unwürdig der Gnade unseres Königs, der tausend Mal schon die Arme ausgebreitet hat, um in ihnen selbst die zu empfangen, die sich seine Feinde nennen." Ein würdiges Seitenstück zu dieser Auslassung bildet das neueste Dekret Don Alfonso's; der Bruder des Prätendenten und Gemahl der Donna Blanca fordert darin die republikanischen Soldaten auf, in das karlistische Heer zu treten, jedem Ueberläufer sind fünf Realen zugesichert und die Verzeihung aller seiner Sünden, auch des Eid- bruchs, dessen er sich bei der Desertion schuldig macht. — In San Sebastian haben die Karlisten wiederum einen waffenlos aufgegriffe­nen Freiwilligen ohne Erbarmen erschossen.

efranfireicfj.

Paris, 28. Sptbr. Mehr als 1400 [junge Leute haben sich in hiesiger Stadt zur Prüfung als Einjährig-Freiwillige angemeldet. Wenn man die Baccalaureaten und andere studirte Leute mitrechnet