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welche seither mit einer Kompagnie belegt war, wohl im Verlaufe des Winters rekla- mirt werden wird. Einen Begriff von der Größe der Trümmerstätte wird man erhalten, wenn man erfährt, daß der Brandschutt auf etwa 40 Tausend Führen berechnet worden ist, und daß man die Legung von Rollbahnen mit eisernen Geleisen beabsich» tigt, um denselben zu bewältigen. Bis jetzt haben die umliegenden Ortschaften, die schon während des Brandes bis zur Entfernung von 6 bis 7 Meilen mit über 50 Spritzen zu Hülfe geeilt waren, mit dankensmerther Bereitwilligkeit täglich eine große Zahl von Geschirren zur Abfuhr des Schuttes gestellt. Die Gaben fließen dem Hülfskomite bis jetzt reichlich zu, doch ist Stange! an Leibwäsche und besonders an Schuhwerk. Bedauerlich ist, daß vielfach über Agenten einzelner Versicherungsgesellschaften geklagt wird, welche die Bestürzung, Hülflosigkeit und Rechtsunkunde einzelner Versicherten benutzen und die Versicherungssumme möglichst herabzumindern suchen.
Oesterreich.
Wien, 12. September. Die deutsche Kaiserin hat an den Grasen Hans Wilczek folgendes Telegramm gerichtet: „Ich kann Mir nicht den Wunsch versagen, Ihnen direkt meinen aufrichtigen Glückwunsch zum Erfolge der österreichischen NordpoobExpe- dition auszusprechen, für welche Sie Sich so hülfreich bewährt haben."
Brand ei s, 12. Septbr. Nach der heute erfolgten Beendigung der stattgehabten Manöver hat sich der Kaiser über die Haltung sämmtlicher Truppen sehr befriedigt ausgesprochen. Dieselben rücken heute wieder in ihre Kantonnements ein. Zu der um 3 Uhr stattsindenden Hoftafel sind sämmtliche Generale, Brigade- und Regiments-Kommandeure geladen. Aus der Mitte der Bevölkerung werden dein Kaiser fortwährend neue Kundgebungen der Liebe und der Anhänglichkeit zu Theil.
England.
" London, 13. Septbr. Gestern Nach- mittag 2 Uhr wurde die auf den Wersten von Samuda Brothers gebaute deutsche Panzerfregatte „Deutschland" in Anwesenheit einer sehr großen Zuschauermenge glücklich von Stapel gelassen. Dieselbe wird in etwa vier Monaten seebereit sein. Dem Befehle des Deutschen Kaisers gemäß, wurde die Fregatte von der Freifrau von Schroetter, der Gemahlin des Militair-Be- vollmächUgten bei der deutschen Botschaft in London, Oberstlieutenant von Schroetter, getauft. Der Taufe folgte ein Bankett, bei welchem enthusiastisch aufgenommene Toaste auf den Deutschen Kaiser und die Königin von England ausgebracht wurden.
Grosse, 14. September. Der Prozeß gegen die wegen Betheiligung an der Flucht Bazaine's angeklagten Personen ist heute vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte eröffnet worden. Eine große Anzahl von Zuhörern war im Gerichtssaale anwesend. Nach Verlesung der Verfügung, welche den Prozeß vor das Zuchtpolizeigericht verweist, erfolgte die Vernehmung von fünfzehn Zeugen. Von den Aussagen derselben ist be
sonders die Angabe des Bootsführers Rocca hervorzuheben, daß die Gemahlin Bazaine's ein Boot von ihm gemiethet habe. Ueber die Frage, ob Bazaine das Gefängniß vermittelst eines Seiles oder auf andere Weise verlassen habe, ist bisher durch das Verhör noch nicht festgestellt worden.
Spanien.
Madrid, 12. September. Der offizielle Empfang des Grafen v. Hatzfeld und des Grafen Ludolf durch den Marschall «serrano hat heute stattgefunden. Bei dem Empfange des deutschen Gesandten, Grafen v. Hatzfeld, seitens des Marscballs Serrano äußerte der erstere: Der deutsche Kaiser von dem Wunsche beseelt, zur Wiederherstellung des Friedens und der Dränung in Spanien bei- zutragen, habe die gegenwärtige Regierung der Exekutivgewalt in Spanien anerkannt und hoffe, daß Marschall Serrano die Prinzipien der sozialen Ordnung durch konservative Mittel aufrecht zu erhalten wissen werde. Der Marschall erwiderte, die spanische Regierung werde die Hoffnungen Europas rechtfertigen und.Alles vermeiden, was die Grundsätze der Zivilisation aufs Seue erschüttern könnte; sie werde es sich angelegen sein lassen, die Sympathie zwischen Deutschland und Spanien noch inniger zu gestalten. Der Marschall drückte alsdann seine Dankbarkeit aus für die freiwillige Anerkennung, welche die spanische Regierung Dank dem Einflüsse und der Initiative Deutschlands gefunden habe. Der österreichische Gesandte, Graf Ludolf, gedachte in seiner Ansprache der zwischen Spanien und Oesterreich bestehenden historischen Beziehungen, worauf Marschall Serrano in ähnlicher Weise wie dem deutschen Gesandten gegenüber feinen dankbaren Empfindungen Ausdruck gab.
Wie die amtliche „Gaceta" meldet, haben die Karlisten mit einer Anzahl Gefangener Eatavieja verlassen. — Nutz Dana ist zum Chef des Generalstabes der Nordarmee ernannt worden.
Perpignan, 13. September. Nachrichten aus der französischen Grenzstadt Osseja besagen, daß Die Karlisten große Fourage und Kriegsvorräthe in Seu de Urgel (südwestlich von Puycerda) anhäufen und daß Saballs neue Vorbereitungen trifft, um Puycerda in Brand zu stecken. Derselbe erwartet hierzu nur noch die Befehle des Prätendenten. Aus Puycerda sind viele Bewohner ausgewandert. Die Negierungs- truppen, die in Puycerda eingerückt waren, haben dasselbe wieder verlassen und sind in 3 verschiedenen Kolonnen in der Richtung von Gerona, Vich und Manresa abgezogen. Die letztgedachte Kolonne soll einen Zug mit Lebensrnitteln nach Berga geleiten. Die Karlisten in Katalonien, wohin Don Alfonso über Fraga eingedrungen ist, haben eine Verstärkung von 1500 Mann aus der Provinz Valencia erhalten.
Jlieberfanöe.
Amsterdam, 9. September. Wie der Uebermuth der hiesigen Ultramontanen gewachsen ist, zeigt folgendes Beispiel: In dem fast ausschließlich katholischen Dorfe Stryp bei Eindhoven starb das Kind eines protestantischen Fabrikarbeiters. Dem Vater wird vom Bürgermeister auf dem allgemeinen Kirchhof die Stätte angewiesen, wo
er sein Kind beerdigen kann. Als nun der Leichenzug an der Pforte des Kirchhofes ankommt, ist dieselbe verschlossen. Man sendet zum Bürgermeister, um die Schlüssel zu holen. Dieser erklärt: der ^katholische Pfarrer habe dieselben (Nota bene die Schlüssel zum Eigenthum der bürgerlichen Gemeinde!) Der Pfarrer will die Schlüssel nicht hergeben, das Begräbuiß nicht zulassen. Der Vater wendet sich an das Gericht zu Eindhoven. Dieses telegraphirt an die Regierung im Haag, und dem Bürgermeister von Stryp wird der ausdrückliche Befehl gegeben, die Leiche auf dem Kirchhofe begraben zu lassen, aber keine Gewalt zu gebrauchen. Da der Pfarrer trotz der Reklamationen bei seiner Weigerung bleibt, sieht man sich schließlich genöthigt, das Kind auf einem Stück Feld zu begraben, das zur Bestattung der Selbstmörder dient. Abgesehen davon, daß es schon wenig von christlicher Liebe zeugt, für Selbstmörder einen besonderen Fleck zu reserviren, muß noch besonders hervorgehoben werden, daß die Regierung vor Kurzem erst erklärt hat, jener in Rede stehende Kirchhof sei ein allgemeiner Begräbnißplatz, auf welchem auch die Leichen der Protestanten bestattet werden müßten. In diesem Falle nun hat die holländische Regierung es nicht einmal gewagt, einem simplen katholischen Geistlichen gegenüber ihre Autorität zu wahren, sondern hat sich seinem Willen gefügt. (B. Tgbl.)
Amerika.
Washington, 12. September. Der vom landwirthschaftlichen Departement veröffentlichte Bericht konstatirt, daß die Aussichten für die Baumwollenernte im Monat September in Folge der großen Hitze und 'Trockenheit sich verringert haben und um 20 pCt. schlechter stehen als im Monat August. Die Ernte werde höchstens zwei Drittel des mittleren Jahresdurchschnitts betragen.
Feuilleton.
Zwei -fahrlen nach Der Residenz. *)
Erzählung von Carl August.
Ich saß in dem Frühzuge, um in die Residenz meines specielleren Vaterlandes zu fahren. Dort wollte ich einen Juge ndfreund besuchen, den ich lange nicht gesehen hatte. In dem sonst glücklicherweise unbesetzt gebliebenen Coupe machte ich mir es so bequem als möglich und beschäftigte mich eine Zeitlang mit nichts, als daß ich stillvergnügt vor mich hinschmunzelte.
Als ich aufsah, hatte sich die Sonne bereits erhoben. Der ebene Theil des zu passirenden Terrains war zurückgelegt, links und rechts von uns wälzten sich gleich spielenden Kobolden graue Nebelhaufen in den engen Gebirgsthälern, ein würziger Geruch stieg aus den abgemähten Waldwiesen auf, den ich mit wollüstigen Zügen einsog.
Ueberall zwitscherte, zirpte, rauschte und gurgelte es in wechselvollen Hormonien. Dazu tanzten die schlanken Bäumchen, sich graziös wiegend und biegend, ein phantasti-
*) Aus dem Sonntagsblatt des Berliner Sage* blatts.