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anbetrifft, allerdings noch der Bestätigung bedürftigen Mittheilungen:

Die Nordarmee soll ihre Operationen in kürzester Zeit wieder beginnen. Die Säu­berung des Passes von Lapuebla war das Vorspiel derselben. Sie war, wie bereits mehrfach bemerkt, unerläßlich und scheint ganz gelungen zu sein. Vitoria ist jetzt wie­der mit Miranda und der Ebrolinie in gu­ter Verbindung und die Flanke der Nord­armee frei. General Loma, der General- Kommandant der drei baskischen Provinzen, der neulich von hier nach Miranda gereist ist, hat in Logrono mit Zavala und d en übrigen Generalen sich über die Weise der Kriegsführung verständigt. Wie ich aus einem Privatbriefe des General-Gouverneurs ersehe, sind seine Vorschläge von Zavala acceplirt worden und „wird das Resultat nicht lange auf sich warten lassen". Man wird von einem neuen Angriff auf Estella absehen, was allerdings bei der verhältniß- mäßig geringen Stärke der Nordarmee — etwa 40,000 Man — ganz räthlich ist. Es soll vielmehr der Krieg nach Guipuzcoa hinübergespielt und hier mit einem starken Armeekorps die Verbindung mit der See und der Grenze den Royalisten gesperrt werden. Man denkt ihre Fabriken zu zer­stören und ihnen die Zufuhr abzuschneiden. Die Royalisten scheinen bereits etwas von diesem Plane zu ahnen. Sie haben zu Estella nur wenige Bataillone zurückgelassen, auch von hier einen Theil ihrer Leute ab­berufen und verschanzen sich wieder in den schlimmen Positionen von Puente la Reina. So viel über die Karlisten, von denen man hier viel mehr hört, als in Santander. — Unsere beiden Kanonenboote schaukeln sich bereits seit vorgestern aus den etwas unru­higen Gewässern des hiesigen Hafens. Sie sind am 30. des vorigen Monats bis zum Eingänge der Bai von Portugalete gekom­men, haben die Nacht mit einer Promenade über die hohe See verbracht und am an­dern Tage die Küste von Algoria bis San Sebastian abgestreift. Einige kleine Barken ergriffen bei ihrer Annäherung an den Ha­fen von Botrico rafch die Flucht. In Le- queitio scheint der Prätendent gerade im Bade gewesen zu sein, als „Nautilus" und „Albatros" mit geöffneten Stückpforten ganz nahe am Eingänge des Hafens vorbeifuh- ren. Die Leibwache, die „heilige Legion" genannt, stand um die Bai am Strande aufgepflanzt. Die Fahrt bis San Sebastian bot sonst keine Zwischenfälle. Das Wetter war schön, aber die See unruhig. In San Sebastian wurde unsere Flotille mit einem Enthusiasmus empfangen, der beinahe in eine feindliche Demonstration gegen Frank­reich ausgelaufen wäre. Die liberalen, d. h. nicht karlistischen Bürger der Stadt veran- stalteten den Kommandanten und Offizieren ein feierliches Banket, das höchst glänzend und festlich verlief. Der französische Konsul und der Kommandant eines kleinen Kriegs­dampfers, der „Oriflamme"' waren auch ge­laden und erschienen aber nur auf kurze Zeit. Heute wird die Erinnerung von Sedan gefeiert, dann nach Pasages gegangen, um Wasser zu holen, und morgen der Kurs wieder nach Santander genommen.

Unterm 5. d. Mts. telegraphirt der näm­liche Korrespondent aus Bayonne:

„Ein Matrose des deutschen Geschwaders der sich bei San Sebastian verirrt hatte, ist in die Hände der Karlisten gefallen. Er wurde gut behandelt und den Behörden des französischen Grenzortes Heudaye übergeben."

Amerika.

New - Iork, 7. September. Die repu­blikanische Konvention der südlichen Unions­staaten ist zu einer Berathung über die Lage der Südstaaten zusammengerufen. — In der Gegend des oberen Mississipi sind feindliche Jndianerhaufen in großer Anzahl erschienen.

Feuilleton.

Just 8 o.

Eine Skizze aus dem letzten amerikanischen Kriege von F Meister.

(Schluß) III.

Wir glaubten anfangs, daß der Vormarsch unserer Brigade der Beginn einer allgemei­nen Bewegung der gesammten Armee sein werde, dies war jedoch nicht der Fall, denn, wie sich Einer oder der Andere meiner Leser vielleicht erinnern wird, verharrte die große Armee bis zum nächst« n März in ihrer Un- thätigkeit. Die Konföoerirlen hatten sich, ohne einen Schuß abzugeben, auf Centreville zurückgezogen, _ und die Nationaltruppen blieben im Besitz von Lewinsville, Vienna und Fairfax Court House. Unsere neue Stellung war beinahe dieselbe, die wir in jener Nacht vor dem Schlachttage von Bull Run innehatten; wie damals lagerten wir an der alten Heerstraße nach Manassas, in nächster Nähe des Feindes, der, den Ge­rüchten zufolge, große Streitkräfte hier zu­sammengezogen haben sollte. Wir konnten die Feldwachen der Rebellen an der Wald- listere zu unserer Rechten deutlich beobach­ten und Morgens und Abends vernahmen wir das bissige Geknurr ihrer Trommeln.

Diese Feldwachen wurden bald eine Quelle sehr lästiger Beunruhigungen für uns; es verging keine Nacht, ohne daß sie auf un­sere Vorposten feuerten, allerdings noch ohne Erfolg, bald aber wurden sie verwegener, und die Sache gewann ein ernsthafteres Ansehen. Die Kerle krochen in der Däm­merung auf allen Vieren in ein nahes, mit Gestrüpp und Buschwerk bestandenes Brach­feld und lagen dort stundenlang, um zu einem sicheren Schusse zu gelangen. In Folge dessen nahmen unsere Leute zu den Schießgräben ihre Zuflucht, zehn bis zwölf Fuß lange und vier oder ;ünf Fuß tiefe Erdlöcher, vor denen der ausgeworfene Sand wallartig aufgethürmt worden war. Natürlich hatte der Humor unserer ameri­kanischen Kameraden jede dieser Gruben so­fort mit einem Namen versehen, unter wel­chem sie auch in den dienstlichen Meldungen figurirten. Eine hieß „die Pfefferbüchse", eine andere „Onkel Sam's Brunnen", noch eine andere „die Rebellenfalle", aber auch ein „Castell Mathilde" und ein „Fort Mary" war zu finden.

Einige Spürnasen unseres Regiments hatten in der Nähe ein Maisfeld entdeckt, auf dem noch ein großer Theil der Ernte stehen geblieben war. Von diesem willkom­menen Funde wurden täglich, so lange der Vorrath reichte, einige Kolben für die Ka­meraden auf den nächtlichen Vorposten ge­kocht, die starken Rohre aber bewahrten wir sorgfältig und steckten sie in die Erdwälle vor den Schießgräben, wo sie aus der Ferne hervorragenden Büchsenläufen täuschend ähn­

lich sahen.

Zerschmetterte nun ein Rebellenschuß eins dieser Scheingewehre, dann wollte die Be­mannung der betreffenden Grube jedesmal aus der Haut fahren.

Starke, der in dieser Beziehung besonders empfindlich war, kam eines Morgens bitter klagend ins Zelt; der Feind hatte ihm drei seiner „Feldschlangen" weggeblasen.

„Und ich begreife diesen Just So nicht!" fuhr er fort „Kommt so eine Minir-Kugel und zersplittert eine seiner Feldschlangen, dann lächelte er einfach. Das Deprimi- rende der Sache kommt ihm gar nicht in den Sinn!"

Ärmer Vladburn! Wenn ich ihn so be­obachtete, wie er Tag für Tag in seiner scheuen, freundlichen Weise still den dienst» lichen Pflichten genügte, wie er für Jeden ein Lächeln, für Keinen aber ein Extra-Wort hatte, dann konnte ich's kaum glauben, daß er derselbe Mann war, der mir in der Nacht, ehe wir unser Lager am Potamac abbrachen, die Geschichte seiner Liebe und seines Kum­mers in Worten erzählt hatte, die fort und fort in meiner Erinnerung brennen werden.

Starke sprach noch, als Schwarz seinen Kopf in's Zelt steckte.

„Kameraden, Just So ist diese Nacht verwundet worden", sagte er mit bleichem Antlitz und bebender Stimme.

Ein kalter Schrecken durchrieselte mich und ick weiß, auch die Andern.

„Was!"

„Auf der Feldwache traf ihn die Kugel" „Er war im Schießgräben neben mir!" rief Starke.

„Ist er schwer verwundet?"

„Schwer verwundet!"

Ich hätte nicht zu fragen brauchen, ich fühlte, daß er sehr schwer verwundet war. Er wollte ja nicht zurückkehren!--

Bladburne lag auf dem langen Tische im Hospitalszelte. Der Arzt kniete neben ihm und schnitt sorgfältig den Brusttheil aus seiner Blouse. Die kleine französische Grammatik fiel zerrissen und befleckt zur Erde. Bladburn warf mir einen schnellen, verstohlenen Blick zu. Ich nahm das Buch auf, und als ich ihm dasselbe in die Hände gab, legten sich seine kalten Finger weich über den meinen zusammen. Er wurde zu­sehend schwächer. Nach wenigen Minuten hatte der Arzt die Untersuchung beendet, er erhob sich, und Thränen liefen über seine wettergebräunten Wangen. Er barg ein weiches Herz unter einem rauhen Aeußern.

„Mein armer Junge," sagte er mit einer Stimme, der er vergebens Festigkeit zu ver­leihen suchte, „es hilft nichts! Hast Du noch etwas auf dem Herzen, dann sag's jetzt, Du wirst bald erlöst sein."

Bladburn's Auge suchte das Gesicht des Arztes, und ein Schatten des alten Lächelns flog über seine Züge, als er murmelte: „Just so!"

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